Tine Nowak: Kulturkapital – ein Bildungspodcast

Wer bin ich?

Tine Nowak im National Museum of Scotland.

Mein Name ist Tine Nowak, ich arbeite an der Universität zu Köln am Studiengang Intermedia und am Historischen Museum Frankfurt. In beiden Bereichen beschäftige ich mit „Digitaler Bildung“, zum einen in der Lehre im Bereich Medienpädagogik, zum anderen arbeite ich derzeit an einem Multimediaguide für das Museum, welches im Herbst seinen Neubau eröffnet.

Warum Podcasts und wie konnte das überhaupt passieren?

Ich hatte Podcasts nie gesucht, ich war eher an Blogs interessiert als ein subjektives Schreibformat. Podcasts kannte ich von Anfang an, fand sie aber hauptsächlich als Phänomen interessant. Erst durch das Hören entstand Bindung, die Hörgewohnheiten änderten sich zunächst langsam, ich war Radiosozialisiert. Aus dem Mithören von Podcasts wurde das Selberhören und irgendwann kam der Gedanke, dass es bis dato kaum Podcasterinnen aus dem Kultur- und Bildungsbereich – also jemanden wie mich – gab. Und wenn es etwas im Internet noch nicht gibt, dann sollte man genau das machen.

2012 ging ich mit der Idee schwanger, es folgte der Aufbau des Podcastblogs, die Suche nach einem Namen. Lange haderte ich, ob der Podcast Sozial- oder nicht doch lieber Kulturkapital heißen solle. Beides ist immaterielles Kapital, das nach Pierre Bourdieu unser Verhältnis zu Menschen oder zu Bildung beschreibt. Kulturkapital sollte es am Ende werden. Ich hörte den Lautsprecher, es wurden gute Headsets und ein robustes Aufnahmegerät gekauft. Im Dezember 2012 las ich eine Weihnachtsgeschichte ein, um einen Auphonic-Testlauf zu machen und veröffentlichte diese dann in dem Blog der DIY-Ausstellung, das ich als Kuratorin mitbespielte. Im Januar 2013 startete ich nicht nur in einen neuen Job als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Medienpädagogik an der TU Darmstadt, ich war nun auch startbereit für meinen eigenen Podcast.

Podcasts und Wissenschaft

Als Kulturkapital startete – mit dem entlehnten Titel aus der Sozialwissenschaft – hat mich die Form des Gesprächs sehr beschäftigt. Ich bin in das erste Gespräch reingegangen und hab mir gesagt, mein Gegenüber ist die Expertin für ihr Leben. Mir war wichtig, dass es kein journalistisches Interview werden soll. Gespräche, wie ich sie auch bei anderen Podcasts interessant finde, erinnern mich vom Ansatz an narrative oder ero-epische Interviews oder an Experteninterviews, wie ich sie ganz ähnlich aus der Qualitativen Forschung kenne. Wenn hier authentische Erzählungen gelingen, dann ist für mich das Optimale erreicht.

Ich selbst habe immer viele Bezugspunkte zu meiner professionellen Arbeit in der Wissenschaft, gleichzeitig gibt es im Wissenschaftssystem derzeit keine Form der Anerkennung für diese Praxis, schließlich gelten meine Podcast-Episoden nicht als wissenschaftliche Publikation. Im besten Fall werden sie als Wissenschaftskommunikation oder als Lehrmittel im Rahmen meiner Hochschullehre gesehen. Andererseits bietet gerade die Lehre an der Universität im Bereich Medienpädagogik Raum Podcasts auch zum Thema des Seminars zu machen. Im Wintersemester 2016/17 habe ich ein Seminar zu Podcasts im Spannungsfeld von Lernen und Bildung angeboten. Meine Studierenden haben in Teams Podcast-Episoden produziert und zwar indem sie gegenwärtige Podcaster:innen zu ihrer Wahrnehmung von Bildung im Rahmen ihres Podcastens befragt haben. Die Episoden werden nun 14-tägig im „VitaminB(ildung)“-Podcast veröffentlicht.

Ich empfehle …

Da ich an der Schnittstelle zwischen Kultur, Museum und Medien-/Bildung agiere höre ich selbst besonders gerne Podcasts aus diesem Themenbereich. Für den Bereich Museum hab ich angefangen einen Museumsfeed bei Fyyd zu kuratieren. Dafür suche ich alle paar Wochen nach freien Podcastproduktion, die von Ausstellungen berichten oder die Gäste aus dem Museumskontext haben. Für den Bereich Wissen und Wissenschaft gibt es ja dankenswerterweise diese Plattform. Hier ist z.B. auch der „Soziopod“ vertreten. Den Podcast höre ich supergerne – aber mit Ausnahmen. Ich höre am liebsten Folgen, die sich mit Theoretikern oder Konzepten beschäftigen, die Experimente und Publikumsinteraktionen finde ich interessant, aber ich bin froh, wenn dann wieder eine Episode kommt, die sich auf ein Thema konzentriert. Berührt bin ich von der „Anachronistin“. Nora Hespers arbeitet die Geschichte ihres Großvaters dem Widerstandskämpfer Theo Hespers im Podcast auf. Das verknüpft sie mittlerweile mit gegenwärtigen Themen der Zeit- und Weltgeschichte, das verlangt Reflexion und sie ist auch in ihrer subjektiven Sicht auf Welt dezidiert politisch. Ganz neu ist ein kuratierter Verbund von Edupodcasts: Edufunk. Kulturkapital ist da auch mit dabei, da finden sich mehrere Podcasts aus dem Bereich Bildung und Lernen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.