Henning Krause – Podcasts machen ohne Mikro

Ich bin Henning Krause und bin seit einigen Jahren als Initiator, Redakteur und Kurator mehrerer Wissenschaftspodcasts aktiv. Das Tolle daran ist, dass dies Teil meines Berufs ist: Ich bin Social Media Manager in der Geschäftsstelle der Helmholtz-Gemeinschaft in Berlin. Wir sind eine naturwissenschaftliche, außeruniversitäre Wissenschaftsorganisation und forschen in 18 Zentren in ganz Deutschland.

Henning Krause mit Luftblasen-Demonstrationsexperiment beim Parabelflug 2009. Bild: DLR, CC-BY 3.0

Social Media-Kommunikation (und da zähle ich die Podcasts dazu) halte ich für einen wichtigen und mittlerweile etablierten Teil der Wissenschaftskommunikation und ich sehe sie als Öffentlichkeitsarbeit im klassischen Sinn. Solch digital-interaktive Wissenschaftskommunikation halte ich – wenn gut gemacht – für ein sehr gutes Werkzeug, um die kulturelle Leistung, die die Wissenschaft darstellt, in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen, auch in Zeiten der Diskussion um „fake news“.

Resonator

Neben anderen Formaten wie einem Wissenschaftscomic und einem WhatsApp-Newsletter habe ich bei uns auch unseren Podcast initiiert: Unser Forschungspodcast ist der Resonator, der seit Mai 2013 von Holger Klein moderiert wird. Mittlerweile sind mehr als 100 Folgen erschienen. Alle zwei Wochen freitags gibt es eine neue Sendung. Die Folgen stehen unter der Creative Commons-Lizenz mit Namensnennung. Holger reist für die Aufnahmen von einem Helmholtz-Zentrum zum nächsten und spricht mit Wissenschaftler*innen über ihre Forschung. Manchmal stellen wir aber auch spannende Personen außerhalb der Helmholtz-Familie vor. Für mich als Redakteur lautet bei der Planung der Sendungen immer die Frage: Was ist ein spannendes Thema und welche*r Forscher*in kann das in einem Gespräch gut rüber bringen?

Das Besondere am Resonator: Wir behandeln (fast) jedes Thema mit einer kurzen und einer langen Episode. Die ursprüngliche Idee dahinter war, dass wir Neuhörer*innen durch die kurzen Folgen den Einstieg erleichtern wollten, da wir von vielen Nicht-Podcasthörern oft als Antwort bekamen: „Das ist mir alles zu lang.“ Leider ist es uns bisher wohl nicht gelungen, dieses Ziel zu erreichen, die Podcast-Blase zu verlassen. Holger und ich halten das Angebot mit den kurzen Folgen jedoch nach wie vor für richtig, um den Einstieg in die Podcastsucht zu erleichtern. Außerdem gibt es da draußen noch so viele Menschen, die an digital verbreitetem Audio interessiert sind, die ich gerne noch als Podcasthören gewinnen würde!

Nach knapp vier Jahren, etwa 100 Folgen und knapp 1,5 Millionen Downloads sind wir mit dem Podcast-Projekt sehr zufrieden. Wenn man die ausgegeben Euro pro erreichtem*r Nutzer*in ausrechnen würde, ist der Podcast unser effizientestes eigenes Medium der Öffentlichkeitsarbeit. Insbesondere wenn man nicht nur die Nutzer*innen-Kontakte, sondern die Beschäftigungszeit ausrechnet: Wenn jeder Download einmal angehört wird (ich sage immer, wenn er konservativ gerechnet nur einmal und von nur einer Person angehört wird), haben sich Menschen mehr als 150 Jahre mit unseren Wissenschaftsinhalten beschäftigt. Aber das Beste ist natürlich das positive Hörer*innen-Feedback, wie zum Beispiel dieses hier.

Wer mal reinhören mag, der/dem empfehle ich meine drei Lieblingsfolgen: 25, 41 und 70. Die Helmholtz-Gemeinschaft hatte übrigens zuvor schon einen anderen Podcast produzieren lassen. Der Helmholtz.Podcast erschien von 2006 bis 2012. Diese Produktion war jedoch viel radio-ähnlicher im Sinne einer zwar seriösen, aber doch auch steifen und unpersönlichen Radio-Sendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dagegen hat der Resonator eine viel persönlichere Ansprechhaltung. Gelernt hatte ich das in einem anderen Podcast-Projekt …

Raumzeit (2010-2012)

Zuvor hatte ich mir schon einen anderen Wissenschaftspodcast ausgedacht, der mit „R“ anfängt. Ich war von 2006 bis 2012 Online-Redakteur beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, – quasi bei der deutschen NASA, manche sagen auch: der kölschen NASA. Dort habe ich ab 2008 erste Social Media-Kanäle aufgesetzt und als ich mich auf der Wissenswerte 2009 mit meinem Kollegen Andreas Schepers von der Europäischen Weltraumorganisation ESA über neue Ideen für Kommunikationsformate unterhielt, war die Raumzeit geboren. Andreas und ich waren beide schon seit Jahren Podcast-Hörer und nachdem Tim Pritlove Mitte 2009 eine CRE-Folge zur Raumfahrt gemacht hatte, stand die Idee fest.

Raumzeit war damals mein absolutes Herzblutprojekt. Folge 38 über das Alpha-Magnet-Spektrometer ist bis heute meine absolute Lieblingsfolge aller Podcasts, die ich höre. Krass, wie viel Wissenschaft, Ingenieurskunst, Wissenschaftstheorie, Zwischenmenschliches und Erkenntnistheoretisches da drin steckt. Wow! Beim Start der Raumzeit Ende 2010 war das Genre Podcast als Teil der Öffentlichkeitsarbeit von (Wissenschafts)-Organisationen noch relativ neu – insbesondere wenn man unter „Podcast“ nicht nur „radio-artig produziertes Audio im Netz“ versteht, sondern ungeskriptete, sich natürlich entwickelnde Gespräche. Und auch bei diesem Projekt waren wir mit dem Feedback sehr zufrieden.

Besonders an der Raumzeit war auch, dass sie organisationsübergreifend von ESA und DLR beauftragt wurde. Nach meinem Weggang vom DLR zu Helmholtz schlief die Unterstützung für den Podcast jedoch leider ein. Die letzte DLR-Episode erschien Ende 2012. Die ESA finanzierte 2013 noch einige Sendungen. Da Raumfahrt als Thema natürlich weiterhin spannend bleibt, freue ich mich, dass Tim das Projekt mittlerweile im Rahmen der Metaebene mit neuen Sponsoren weiterführt.

Wissenschaft auf die Ohren

Seit Januar 2016 kuratiere ich außerdem den Podcast-Feed Wissenschaft auf die Ohren. Die Idee dazu entstand, da ich seit drei Jahren alle ein bis zwei Wochen die Augenspiegel-Kolumne in unseren Blogportal schreibe, die interessante Wissenschaftsfundstücke aus dem Web 2.0 sammelt und somit einen kuratierten Überblick darüber bieten soll, wie über die Forschung im Netz geschrieben, gesprochen und gesendet wird: Blog-Beiträge, Youtube-Videos, Tweets, Livestreams, Meme etc. Doch in Blogs oder über Twitter verteilte Hör-Empfehlungen haben aus meiner Sicht immer den Nachteil, dass sie nur mit anstrengenden Umwegen einen Weg in die Podcatcher-Apps der Hörenden finden. Und da ich privat viele Wissenschaftspodcast höre und meine persönliche best-of-Auswahl gerne weitergeben wollte, war die Antwort auf die Frage nach der Darreichungsform: ein kuratierter Podcast-Feed. In dieser handgestreichelten XML-Datei finden sich Verlinkungen auf (denn mehr ist es ja nicht) und kurze Metadaten zu aus meiner Sicht hörenswerten Wissenschaftssendungen, sowohl aus der Graswurzel-Podcastwelt, als auch aus der Radio- und der Welt der Wissenschaftskommunikation/PR.

Für die Popularisierung von Podcasts finde ich Wissenschaftspodcasts.de eine super Initiative. Ich hatte sowohl beim DLR als auch bei Helmholtz selbst schon mal solche kommentierten Linklisten zu Wissenschaftspodcasts verbloggt.

Ansonsten bin ich sehr gespannt, wie sich die Podcast-Welt in der Diskussion um die zunehmende Plattformisierung weiterentwickelt. Und vielleicht mache ich ja doch irgendwann mal auch meinen eigenen Podcast – dann auch vor dem Mikrofon.

Ein Gedanke zu „Henning Krause – Podcasts machen ohne Mikro

  1. Igor

    Hallo,
    Ich habe fast alle Podcasts aus der Metaebene abonniert, natürlich auch Raumzeit. Resonator höre ich auch sehr gern. Auch die länge ist super. Ich verstehe nicht wie man all diese Themen in 10 Minuten besprechen soll. Nun, mit der Länge ist alles in Ordnung. Bloß nicht kürzer machen, und auch nicht vereinfachen, wie es andere machen. Also, weiter so!

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