Podcast: BAdW-Cast
Erschienen: 30.09.2022
Dauer: 00:46:47
Was versteht man unter Cyber Security? Und wie können wir uns absichern? Im Gespräch mit dem Forschungsinstitut CODE der Universität der Bundeswehr München geht es um russische Cyber-Angriffe - und den Schutz kritischer Infrastrukturen, die EU-Richtline zu Cyber-Sicherheit, die digitale Souveränität Europas sowie Desinformation in den Sozialen Medien. Interview vom 22.09.2022 in unserer Reihe "Quo vadis Europa?" Zum Inhalt Durch den Ukraine-Krieg ist die Notwendigkeit sich in einem Angriffsfall verteidigen zu können ins Bewusstsein der Menschen in ganz Europa zurückgekehrt. Das deutsche Sondervermögen zur Stärkung der Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro sei entsprechend die "richtige Antwort auf die Zeitenwende", so Bundeskanzler Olaf Scholz. Doch Kriegsführung spielt sich heutzutage auch im Cyberspace ab: Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurden in 42 Ländern Attacken russischer Hacker festgestellt. Darunter waren das Rechenzentrum der ukrainischen Regierung, Regierungscomputer der NATO-Mitgliedsstaaten, verschiedene Nichtregierungsorganisationen, IT-Unternehmen, Energiebetriebe und andere wichtige Infrastrukturen. Neben solchen direkten Cyber-Angriffen wird auch immer wieder versteckte Schadsoftware eingesetzt, sogenannte "trojanische Pferde", die sich Nutzerinnen und Nutzer unwissentlich auf den Computer installieren. Der Schaden für die deutsche Wirtschaft durch Cyber-Attacken beträgt damit derzeit insgesamt um die 203 Milliarden Euro. Auch gezielte Desinformation, die Streuung von Fake News in den Sozialen Medien, ist eine Methode von Cyberkriminellen. Sie dient der Manipulation der öffentlichen Meinung, um Falschnachrichten viral zu verbreiten und damit eine Gesellschaft zu destabilisieren oder auch direkte Gewinne zu erzielen. Der Facebook-Konzern "Meta" meldete kürzlich die "größte und komplexeste russische Desinformationsoperation seit Kriegsbeginn". Unzählige Webseiten, die große deutsche Medien wie die Süddeutsche Zeitung imitierten, teilten hier prorussische Narrative und forderten eine Aufhebung der Sanktionen. Die Europäische Union hat die Bedrohungslage erkannt und "arbeitet an verschiedenen Fronten, um die Cyberabwehrfähigkeit zu fördern, die Cyberkriminalität zu bekämpfen und die Cyberdiplomatie und Cyberabwehr zu stärken", so etwa durch ein neues "Cyberresilienzgesetz" der EU-Kommission. Dazu zählt auch der Vorsatz, die digitale Souveränität Europas zu stärken. Ist Europa damit ausreichend geschützt? Wo liegen die größten Herausforderungen der Cyber-Sicherheit? Wie wird sich die Cyber Security zukünftig entwickeln und welche Rolle könnten Quanten Computing oder Künstliche Intelligenz dabei spielen? Wer spricht Prof. Dr. Wolfgang Hommel hat seit 2016 die Professur für IT-Sicherheit von Software und Daten an der Universität der Bundeswehr München inne. Er ist Experte für Digitale Identitäten und internationale Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastrukturen u. a. im Sektor eGovernment und forscht mit seinem Team an Security-Management-Architekturen für Kritische Infrastrukturen. Bevor er 2021 Leitender Direktor des Forschungsinstituts CODE wurde, war er als Studiendekan der Fakultät für Informatik unter anderem für die Einführung des Master-Studiengangs Cyber-Sicherheit und die Öffnung der Studiengänge der Fakultät für zivile Studierende von Bundesbehörden mit Sicherheitsaufgaben verantwortlich. Prof. Dr. Michaela Geierhos ist seit April 2020 Professorin für Data Science am Forschungsinstitut CODE und zudem seit 2021 Technische Direktorin des FI CODE. Ihre Forschung bewegt sich generell an der Schnittstelle zwischen Computerlinguistik und Informatik. Hierfür werden stets praktische Probleme bei der maschinellen Sprachverarbeitung in konkreten industrienahen Anwendungsszenarien behandelt. Aufgrund ihrer fachlichen Expertise ist sie regelmäßig als wissenschaftliche Gutachterin für die Europäische Kommission, verschiedene Bundes- und Landesministerien sowie diverse Stiftungen tätig. Zudem ist sie seit 2014 gewähltes Mitglied im Beirat der „Deutschen Biographie“ der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Dr. Laura Räuber (Podcast-Einführung und Interview) ist Referentin für Digitale Kommunikation bei der BAdW. Das Forschungsinstitut CODE und das Forschungsprojekt CONCORDIA 2013 zunächst als Forschungszentrum gegründet, betreibt CODE seit seinem Aufwuchs zum Forschungsinstitut im Jahr 2017 als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität der Bundeswehr München sowohl Grundlagen- als auch anwendungsnahe Forschung und Technologie-Entwicklung in den Bereichen Cyber Defence, Smart Data, Artificial Intelligence und Quantum Technologies. In 15 Forschungsgruppen und zahlreichen Forschungsprojekten arbeiten mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb dieser Bereiche an den Themen der digitalen Zukunft. Dabei steht der Transfer von Ergebnissen und neuen Technologien in die Praxis insbesondere bei den Partnern aus Bundeswehr und Bundesbehörden, aber auch der Industrie im Vordergrund. Neben der Forschung gehören auch Lehre und Weiterbildung zu den Kernaufgaben, letztere insbesondere für IT-Offiziere der Bundeswehr und Reservisten. CODE führt u.a. das europäische Forschungsprojekt CONCORDIA und baut für dieses mit Hilfe des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) der BAdW ein Ecosystem rund um die IT-Sicherheit in Europa auf. Im Rahmen von CONCORDIA hat das LRZ so genannte Cyberranges in seiner Cloud installiert, virtuelle Testumgebungen, mit denen Hackerangriffe und andere Sicherheitsvorfälle simuliert und Gegenmaßnahmen entwickelt und trainiert werden können. Diese Cyberranges stehen Unternehmen, vor allem aber Studierenden als Ausbildungsmöglichkeit offen. Zur Reihe "Quo vadis Europa?" Unter dem Titel „Quo vadis Europa?“ nimmt die BAdW in ihrer neuen Reihe einige der drängenden Fragen rund um Europa in Podcasts und Veranstaltungen in den Blick. Die Reihe erstreckt sich durch das ganze Jahr 2022. > Mehr dazu