Meinungsfreiheit an US-amerikanischen Universitäten

Demokraten sind nicht toleranter gegenüber Andersdenkenden als Republikaner. Zu diesem Ergebnis kam Anna Boch in ihrer Studie zur Meinungsfreiheit an US-Unis.

Podcast: Bredowcast (BredowCast MP3)

Erschienen: 02.10.2019
Dauer: 00:37:48

Demokraten sind nicht toleranter gegenüber Andersdenkenden als Republikaner. Zu diesem überraschenden Ergebnis ist Anna Boch in ihrer jüngsten Studie gekommen – in der Vergangenheit waren stets die Demokraten als die „Toleranteren“ aus vergleichbaren Studien hervorgegangen. Im BredowCast erzählt die PhD-Studentin der Uni Stanford und Gastwissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Medienforschung, wie diese Ergebnisse zu interpretieren sind. Wenn es darum geht, Rednerinnen und Redner mit extremen politischen Ansichten auf US-amerikanischen Universitätscampussen sprechen zu lassen, sind Demokraten (d. h. jene Befragten, die sich selbst als solche bezeichnen) weniger offen für Meinungen, die sich stark von den eigenen unterscheiden. Republikaner sind in dieser Hinsicht „toleranter“. Diese Ergebnisse sind Teil von Anna Bochs Dissertationsprojekt, in dem sie die Einstellung amerikanischer Bürger zur Meinungsfreiheit in Universitätskontexten und die Auswirkungen dieser Freiheit auf den gesellschaftlichen Diskurs untersucht. Um die Ergebnisse zu verstehen, meint Anna Boch, müsse man zunächst den Alltag auf den Universitätscampussen in den USA kennen. Für viele Studierende sei der Campus nicht nur ein Ort des Lernens und Forschens, sondern auch ihr Zuhause. Die Mehrheit der Studierenden in den USA wohnt in Studierendenheimen direkt auf dem Universitätsgelänge. Der Besuch einer Rednerin mit extremen Ansichten habe daher im US-amerikanischen Universitätskontext einen anderen Beigeschmack als an europäischen Universitäten, die als Teil des öffentlichen Raumes wahrgenommen würden und mit denen sich die Studierenden nicht so stark identifizieren. Die Gründe für diese neue „demokratische Intoleranz“, warum Frauen intoleranter sind als Männer und Jüngere intoleranter als Ältere, erklärt Anna Boch im Gespräch mit Johanna Sebauer im BredowCast. Anna Boch ist Doktorandin im Fachbereich Soziologie an der Stanford University. Von Juni bis August 2019 war sie als Gastwissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut. --- Links Anna Boch https://leibniz-hbi.de/de/mitarbeiter/anna-boch https://www.annaboch.net/ Zur Studie Anna Bochs Paper „The Limits of Tolerance: Extreme Speakers on Campus“ erscheint Ende 2019 im Journal “Social Problems” https://academic.oup.com/socpro „The Coddeling of the American Mind“ – Atlantic-Artikel von Greg Lukianoff und Jonathan Haidt https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2015/09/the-coddling-of-the-american-mind/399356/ Johanna Sebauer Auf Twitter - @JohannaSebauer - https://twitter.com/JohannaSebauer Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut https://leibniz-hbi.de/de Auf Twitter - @BredowInstitut - https://twitter.com/BredowInstitut


Weitere Informationen und umfangreichere Shownotes gibt es ggf. auf der Podcast-Website.

Podcast-Website: Episode "Meinungsfreiheit an US-amerikanischen Universitäten"

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