Podcast: Wer wir sind und warum das nicht klappte ...
Erschienen: 22.04.2026
Dauer: 1:18:51
Mit Hiram Kümper: Zum ersten großen Bauernaufstand kam es 1476 im Taubertal. Der Prediger Hans Böhm scharrte 40.000 Menschen um sich. 17 Jahre später gründete sich im Elsass die „Bundschuhbewegung“. Die Verschwörer wählten ihren einfachen Schnürschuh zum Symbol des Aufstandes. 1514 begehrte in Württemberg der „arme Konrad“ auf. Die Wut über den Landesherren, Herzog Ulrich, war grenzenlos. Der Herzog hatte seine Hochzeit mit einem luxuriösen Fest gefeiert: 7000 Gäste schlemmten, tanzten und vergnügten sich 14 Tage lang in Stuttgart. Und weil sein Lebensstil so teuer war, trieb er neues Geld ein. Er ließ die offiziellen Marktgewichte reduzieren und trieb die Preise und seine Einnahmen in die Höhe. Bis dahin ungekannte Proteste der einfachen Stadtbevölkerung waren die Folge. Alle diese Aufstände wurden vom Adel brutal niedergeschlagen, die Rädelsführer gevierteilt und an den Landstraßen aufgehängt. Im Sommer 1524 kommt es zu ersten großen Bauernerhebungen im Süden Württembergs, in der Nähe von Nürnberg und in Mühlhausen in Thüringen. Im Jahr darauf formen sich bewaffnete Bauernhaufen von jeweils mehreren tausend Kämpfern. Im April 1525 dann der Höhepunkt. Ausgerechnet am Ostermontag, dem Hochfest der Auferstehung Christi, ließ der Bauernführer Jäcklein Rohrbach den Grafen Ludwig von Helfenstein und seine Mitstreiter so lange Spießrutenlaufen, bis sie erstochen und erschlagen niedersanken. Die Brutalität der „Weinsberger Bluttat“ schockierte viele Menschen bis ins Mark. Martin Luther wurde danach zum Bauernfeind. In der Flugschrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ rief er die Landesherren auf: „man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss“. Die Phalanx des Adels stand. In der größten Schlacht des Bauernkrieges im thüringischen Frankenhausen metzelte ein Fürstenheer aus Hessen, Sachsen und Braunschweig 6000 Bauern nieder. Im Südwesten bekämpfte Georg Truchsess von Waldburg-Zeil mit 9000 Fußsoldaten und 1500 gepanzerten Reitern die Bauern. Schätzungsweise kamen insgesamt 75.000 Bauern ums Leben. Nicht nur die Bauern kämpften in dieser Zeit gegen die Obrigkeit, auch die Ritter versuchten ihren Platz in der Gesellschaft mit Gewalt zu verteidigen. Götz von Berlichingen verbündete sich mit den Bauern und wurde im Odenwald ihr Hauptmann. Franz von Sickingen führte einen der größten Ritteraufstände an und überfiel mit 23.000 Kriegern die Reichsstadt Metz. Er überzog Worms und Frankfurt am Main mit Fehden und erpresste den Landgrafen von Hessen um 35.000 Goldgulden. Auch er starb, als der Hochadel zum gemeinsamen Gegenschlag ansetzte. Was trieb die Bauern und Ritter an? Warum wurden sie zu den Verlieren der Neuzeit? Und wieso hatte Martin Luther kein Mitleid? Diese Fragen bespreche ich mit Hiram Kümper, Professor für die Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit an der Uni Mannheim. Die Reisetipps und mehr Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Weitere Informationen und umfangreichere Shownotes gibt es ggf. auf der Podcast-Website.
Podcast-Website: Episode "#54 Bauernkrieg und Ritteraufstände - Die Verlierer der Neuzeit"