Mit Andreas Rutz August der Starke gründete die erste Porzellanmanufaktur Europas, ließ den Zwinger in Dresden bauen, füllte das Grüne Gewölbe mit seinen Kostbarkeiten, er gründete die Dresdener Gemäldesammlung, eröffnete als erster Monarch Europas öffentliche Museen und feierte jährlich mindestens 60 überbordende Feste. Dazu ließ er sich zum König von Polen krönen, wofür er mal eben katholisch wurde. Und das ausgerechnet in Sachsen, das Martin Luther geschützt und immer ein Vorkämpfer des protestantischen Glaubens war. Als polnischer König griff August Riga an und löste den Großen Nordischen Krieg aus. 21 Jahre lang kämpften Russland, Schweden, Dänemark, Polen, und Sachsen um die Vorherrschaft an der Ostsee. Warum wollte der Kurfürst von Sachsen auch König von Polen werden? Was musste er dafür tun? Was hat ihm die Krone gebracht? Und wie finanzierte er seine ganzen Projekte eigentlich? Darüber spreche ich mit Andres Rutz, Professor Professor für Sächsische Landesgeschichte an der TU Dresden und Direktor des Institutes für Sächsische Geschichte und Volkskunde. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Erschienen: 22.07.2026
Dauer: 1:24:57
Weitere Informationen zur Episode "#67 Wie stark war August der Starke?"
Mit Dr. Schoole Mostafawy: Am 14. Juli 1683 floh der Kaiser entsetzt aus seiner Wiener Hofburg. Sein schlimmster Albtraum wurde Realität: Die Osmanen standen vor Wien. An diesem Morgen tauchte eine Armee von 120.000 Mann vor den Toren der Stadt auf. Zuvor hatte Sultan Mehmed IV. dem Kaiser schriftlich befohlen, die osmanischen Truppen in seiner Residenzstadt zu erwarten: “damit wir Dich köpfen können“. Der Kaiser weinte mit den Wienern, erlaubte den Ratsherren noch, seine Hand zu küssen und floh dann Hals über Kopf. Seit der Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 griffen die Osmanen in vielen Kriegszügen immer wieder nach Europa aus. In diesen rund 200 Jahren zwischen der Eroberung von Konstantinopel und der Belagerung von Wien waren große Gebiete auf dem Balkan und in Ungarn unter osmanischer Kontrolle. Die "Türkenkriege" waren für die europäischen Mächte erst 1791 endgültig vorbei. Die Phase von Besetzung, Krieg und Frieden mit osmanischen Herrschern in Europa dauerte insgesamt über 300 Jahre. Die Geschichtsschreibung fokussiert häufig die Kriege. Dr. Schoole Mostafawy hat der Großen Landesausstellung "Sultan und Kaiser" im Badischen Landesmuseum 2019 den Untertitel gegeben: "Nachbarn in Europa“. Ich spreche mit ihr darüber, wie sehr sich die Kulturen gegenseitig beeinflusst haben. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Erschienen: 15.07.2026
Dauer: 1:05:55
Weitere Informationen zur Episode "#66 Die Türken vor Wien - Wer war der Türkenlouis?"
Hinter der Geschichte
In diesem Hinter-der-Geschichte Special diskutieren Jan, Flo, Ralf und Jonas über das Epochenjahr 1776. Wieso kamen dreizehn britische Kolonien in Nordamerika auf den Gedanken, sich von ihrem Mutterland zu lösen? Wie besiegt man eine frühneuzeitliche Supermacht? Und wie baut man einen neuen Staat? Plus: jede Menge Söldner-Talk, ein beinahe Gastauftritt von Friedrich dem Großen (bzw. seines Bruders Heinrich), und die Antwort auf die Frage, warum es Mr. President und nicht "Your August Majesty" heißt. Jan von Wer wir sind und warum das nicht klappte Ralf von Dejavue Geschichte Jonas von Deutschland 33/45 Flo von Historia Universalis
Erschienen: 12.07.2026
Dauer: keine Angabe
Mit Jürgen Luh: Der große Kurfürst regierte Brandenburg nach dem 30jährigen Krieg. Berlin war ausgeplündert und in weiten Teilen niedergebrannt. Es herrschten Hunger und Epidemien. Das Stadtschloss auf der Spreeinsel war unbewohnbar. Friedrich Wilhelm musste das zerstörte Land aufbauen und seine verstreuten Territorien zusammenhalten. Ohne Bodenschätze und ohne Infrastruktur. Das ist ihm nicht nur gelungen, sondern er hat den Grundstein für den Aufstieg Preußens gelegt. Für diese Lebensleistung erhielt er den Beinamen: „der Große“ Kurfürst. Jürgen Luh ist Direktor des Researchcenter Sanssouci und schreibt in seinem Buch über den Kurfürsten: Das war alles nur Glück. Der große Kurfürst hatte keinen Plan, wechselte ständig die Seiten und rettete sein Erbe praktisch durch Zufall. War es Glück oder doch Ideenreichtum und Durchhaltewille, die Friedrich Wilhelm zum Initiator des Preußischen Aufstiegs machten? Darüber spreche ich mit Jürgen Luh in dieser Folge. Sein Buch heißt: "Der Große Kurfürst - Friedrich Wilhelm von Brandenburg - Sein Leben neu betrachtet" und ist 2020 im Siedler Verlag erschienen. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Erschienen: 08.07.2026
Dauer: 1:08:50
Weitere Informationen zur Episode "# 65 Der Große Kurfürst - Preußens Anfänge"
Mit Sven Externbrink: Wer einmal in Heidelberg gewesen ist, wird sich die Frage gestellt haben, wer denn dieses schöne Schloss zerstört hat. Und prompt sind wir bei Ludwig XIV. Was mich besonders fasziniert: Obwohl er nicht nur Heidelberg, sondern die ganze Pfalz verwüsten ließ, blieb er das Non-plus-Ultra für den deutschen Adel. In der Mode, im Baustil und in der Sprache. Jeder, der etwas auf sich hielt, sprach französisch. Viele deutsche Schlossbauten ahmten Versailles nach und so mancher deutscher Fürst träumte wahrscheinlich auch vom Grand Lever. Der Meisterinszenierung des Sonnenkönigs: Sein Aufwachen im Schlafgemach machte er zum Hofzeremoniell, an dem nur die ranghöchsten Untertanen teilhaben durften. Aber der Sonnenkönig imponierte nicht nur, er betrieb auch eine kriegerisch aggressive Außenpolitik. Wie seine Vorfahren fühlte sich der französische König durch die Habsburger Familie im Kaiserreich, Spanien und den südlichen Niederlanden, dem heutigen Belgien, bedrängt. Ludwig wollte die Nord- und Ostgrenze Frankreichs so weit ausdehnen, dass Paris für immer sicher sei. 1681 annektierte Ludwig XIV. Straßburg und 1688 ließ er die Rheinpfalz verwüsten. Mannheim, Speyer, Worms und schließlich das Heidelberger Schloss. Für seine Schwägerin Lieselotte von der Pfalz reklamierte er Erbschaftsansprüche, die sie selber strikt ablehnte. Gegen seine Offensive bildete sich eine große europäische Allianz. Um den anrückenden Truppen der kaiserlichen Koalition keine Deckung, Unterkünfte oder Rastmöglichkeiten zu lassen, brannten die französischen Soldaten weiträumig die ganze Region nieder. Die Ruinen des Heidelberger und des Hambacher Schlosses erinnern noch daran. Auch der Bischofshof in Worms, wo Martin Luther auf dem Reichstag seine berühmte Verteidigungsrede gehalten hat, wurde dem Erdboden gleich gemacht. Mit Sven Externbrink bespreche ich die Motive des Sonnenkönigs und warum so viele deutsche Fürsten seinem Vorbild nacheiferten. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Erschienen: 01.07.2026
Dauer: 1:01:20
Weitere Informationen zur Episode "#64 Der Sonnenkönig zerstört die Pfalz"
Mit Herfried Münkler: Bis es zum Westfälischen Frieden 1648 kam, erlitten die Menschen die verheerendste Phase des Dreißigjährigen Krieges. Der Krieg tobte bereits seit 16 Jahren. Viele Regionen in Deutschland waren so zerstört, dass keine größeren Truppen zusammengezogen werden konnten. Die niedergebrannte Landwirtschaft konnte keine großen Einheiten ernähren. Viele Landstriche waren verwüstet, und die Menschen hungerten. Die Kleinkrigesführung dominierte den zweiten Teil den Dreißigjährigen Kriegs. Marodierende Söldner durchstreiften das Land. Frauen wurde vergewaltigt, Bauernhöfe geplündert und Felder angezündet. Der Krieg hatte sich verselbstständigt. Zu einer vorsichtigen Annäherung der Kriegsparteien kam es erst nach über zwanzig Jahren. Im Hamburger Präliminarfrieden von 1641 einigten sich die Kriegsparteien auf einen auf einen Friedensprozess. Friedenskongresse in Osnabrück und Münster sollten sowohl den Krieg in Deutschland als auch den Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden beenden. Also eine europäische Friedensinitiative. Allerdings gab es zwei Haken: Die Friedensverhandlungen dauerten neun Jahre und in dieser Zeit wurde weitergekämpft. Für einen Waffenstillstand reichte das Vertrauen nicht. Man wollte zwar Frieden, kämpfte aber jahrelang weiter. Wie es schließlich gelang, eine Formel für den Frieden zu finden, und wer am Ende die Gewinner und die Verlierer waren, darüber spreche ich in dieser Episode mit dem Politologen Herfried Münkler. Herfried Münkler ist Autor des Buches: "Der Dreißigjährige Krieg: Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648 Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Erschienen: 24.06.2026
Dauer: 00:55:25
Weitere Informationen zur Episode "#63 Der Westfälische Frieden"
Mit Herfried Münkler: Die zweite Pase des Dreißigjährigen Krieges dominierten zwei Feldherren: Der schwedische König Gustav Adolf und Wallenstein: Ein Söldnerführer, der direkt für den Kaiser kämpfte und einen genialen Plan hatte. Wonach Startups von heute so sehr streben, hat er schon 1625 perfektioniert: das Hochskalieren. Er blähte sein Heer auf eine damals ungekannte Größe auf. 50.000 Mann. Abschreckung war seine beste Waffe. Gegen so eine Armee wollte gar keiner mehr antreten. Zu der Gründungund dem Einsatz des Riesenheeres gehörte eine unglaubliche Logistik. Wallenstein war mehr Manager als Feldherr. Er wich Entscheidungsschlachten aus. Stattdessen schnitt er die gegenerischen Heere von ihren überlebenswichtigen Nachschubwegen ab. Nachdem er den schwedischen König geschlagen hatte, wurde er zu mächtig. Der Kaiser, sein Auftraggeber, ließ ihn umbringen. Mit Herfried Münkler spreche ich in dieser Folge über Wallenstein, Tilly und Gustav Adolf und die Frage, warum der Krieg nicht früher zu beenden war. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Erschienen: 17.06.2026
Dauer: 1:02:12
Weitere Informationen zur Episode "#62 Wallenstein und der Dreißigjährige Krieg"
Mit Herfried Münkler: Der versuchte Mordanschlag war der Auftakt des Dreißigjährigen Krieges. Zwei Statthalter des böhmischen Königs und ein Sekretär wurden von einer aufgebrachten Menschenmenge aus dem Fenster der Prager Burg in den Burggraben geworfen. Der Misthaufen im Burggraben rettete ihnen das Leben. Wie es zum Fenstersturz kam und warum der missglückte Mordversuch an den Statthaltern des böhmischen Königs das Potential hatte, das gesamte Heilige Römische Reich und halb Europa in einen verheerenden 30 Jahre dauernden Krieg zu stürzen, darüber reden wir heute. Herfried Münkler, der prominenteste Politologe unseres Landes, hat ein packendes Buch über den Dreißigjährigen Krieg geschrieben. Seine Grundbotschaft: Er war viel mehr als ein Religionskrieg. Es ging um die Verfassung des Reiches, die Rangfolge der Fürsten, Macht über Territorien und die europäische Hegemonialpolitik. In dieser Folge spreche ich mit ihm über den Anfang des Konfliktes. Den Verlauf des Krieges und die Friedensschluss nach 30 Jahren, besprechen wir in den beiden nächsten Folgen. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Erschienen: 10.06.2026
Dauer: 00:52:05
Weitere Informationen zur Episode "# Der Prager Fenstersturz"
Mit Klaus Unterburger: „Gegenreformation“ klingt danach, als wollte jemand die Uhr zurückdrehen. Neudeutsch würde man „Backlash“ dazu sagen. Nachdem sich die Reformation in Deutschland in der Mitte des 16. Jahrhunderts behauptet hatte, versuchten die katholischen Kräfte europaweit durch Politik, Kunst, Theologie und Gewalt die Entwicklung umzudrehen. Der Barock sollte die Sinne überwältigen, die Jesuiten appellierten an die Vernunft der Gläubigen und der spanische König setzte auf sein Militär. Martin Luthers Ideen hatten die Machtverhältnisse in Europa nachhaltig erschüttert. Mit der anglikanischen Kirche nabelte sich der englische König Heinrich VIII. vom Papst ab und machte sich selbst zum Oberhaupt der Kirche Englands. In den Niederlanden, die eigentlich zum katholischen Spanien gehörten, gewannen die Calvinisten die Oberhand. Auch in Frankreich wuchs der Anteil der Calvinisten in der Bevölkerung stetig. Allerdings wurden sie durch den französischen König in mehreren Glaubenskriegen gnadenlos verfolgt. Der Tiefpunkt war die Bartholomäusnacht: Am 23.August 1572 wurden in Paris 3000 französische Protestanten ermordet. Und in Spanien regierte der erzkonservative Sohn von Karl V.: Philipp II. Er wollte alles besser machen als sein Vater und gab den Protestanten nicht eine Hand breit nach. Er griff vor allem in seinen Niederlanden durch. Der Krieg zwischen den reformatorischen Niederlanden und dem katholischen Herrscherhaus in Spanien sollte 80 Jahre dauern. Dagegen waren die Verhältnisse in Deutschland in dieser Zeit fast friedlich. Die protestantischen Landesfürsten hatten mit den katholischen Herrschern den Augsburger Religionsfrieden geschlossen. 1555 war das. Danach konnte jeder Landesherr selbst entscheiden, welcher Glaube in seinem Territorium praktiziert werden soll. Aber auch in Deutschland hielt der Friede nicht ewig. Was führt in den 63 Jahren vom Kompromiss zum Krieg? Wie sich die Glaubensgegensätze in Deutschland langsam hochschaukelten und schließlich im 30jährigen Krieg mündeten, darüber spreche ich mit Klaus Unterburger, Professor für Kirchengeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Reisetipps, Bilder und Infos findet Ihr hier: www.99xgeschichte.de Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an. Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel Stiftung ist diese Podcastserie vertreten. "Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital. Du willst mehr erfahren über Podcaster mit einem faible für Geschichte? Dann hör mal in diesen Talk rein: "Hinter der Geschichte" ist ein neues Talkformat der unabhängigen Geschichtspodcaster! https://open.spotify.com/episode/1SM9O6RPxasyBsCk16hJuD?si=0zsLNTb3RnSB12CmWk4dmw #Frühe Neuzeit #Deutschland # Westeuropa #Europa
Erschienen: 03.06.2026
Dauer: 00:59:21
Weitere Informationen zur Episode "#60 Kunst, Gewalt und Theologie - Die Gegenreformation"
Mit Gisela Muschiol: Das ist einer der populären Irrtümer in der deutschen Geschichte: Die Hexenverfolgungen haben nicht im Mittelalter stattgefunden, sie waren ein Phänomen der Neuzeit. 40.000 - 60.000 Menschen wurden in Europa wegen angeblicher Hexerei hingerichtet. Die Europäer hatten bereits begonnen, Amerika zu kartographieren, auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig traf sich die intellektuelle Elite und Johannes Kepler war schon davon überzeugt, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Doch selbst der Begründer der modernen Naturwissenschaften -Johannes Kepler - war vom Hexenglauben betroffen: Seiner Mutter Katharina wurde der Prozess gemacht: wegen Anmischung eines „Hexentranks“ und „Schadenzaubers“. Dabei war ihr Sohn zur Zeit der Anklage der Hofastronom des Kaisers. Aber sein VIP-Status schützte seine Mutter nicht vor der Hexenverfolgung. Eine Nachbarin hatte seine Mutter beschuldigt, ihr einen Zaubertrank verabreicht zu haben. Zusätzlich verspürte ein 8-jähriges Mädchen einen heftigen Schlag, als Katharina Kepler sie im Vorbeigehen berührte. Solche Nebensächlichkeiten reichten, um einen Prozess mit Todesstrafe anzustrengen. Hexen wurde die „Buhlschaft“, also der Beischlaf mit dem Teufel, unterstellt. Männern auch: Eine tatsächliche sexuelle Beziehung mit dem Teufel. Diese Beziehung, so glaubte man, verleihe ihnen übernatürliche Kräfte. Hexen könnten in der Nacht fliegen, einerseits um nach Kindern zu suchen, denen sie das Blut aussaugen können und andererseits um sich mit anderen Hexen zum Hexensabbat zu treffen. Heute hört sich das nach einer nicht ganz jugendfreien Form von Bibi Blocksberg an. Vor 500 Jahren waren aber viele Menschen davon überzeugt. Auch davon, dass Hexen mit dem sogenannten „Schadenzauber“ jedes Elend über ihre Mitmenschen bringen können. Mit Gisela Muschiol, Professorin für Kirchengeschichte an der Uni Bonn, spreche ich über den Wahn, den man damals für völlig logisch hielt und die Frage, warum es 80 Jahre dauerte, bis kritische Gedanken gegen die Hexenprozesse Gehör fanden.
Erschienen: 27.05.2026
Dauer: 1:04:01
Weitere Informationen zur Episode "# Buhlschaft und Streckbank - Die Hexenverfolgungen"