Podcast "Auf den Tag genau"

Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte.
Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Episoden: Neueste Episoden


Georg Heym zum (einhundert)zehnten Todestag

17. Januar 1922

Etlichen Protagonisten der Anfang des 20. Jahrhunderts aufbrechenden Expressionisten-Generation war ein tragisch kurzes Leben und Wirken beschieden. Die Felder des Ersten Weltkriegs wurden nicht nur zum Grab für Abermillionen, sondern auch für einige der größten künstlerische Hoffnungen. Georg Heym schaffte es nicht einmal bis hierher, obwohl er wie kaum ein anderer diese nahenden Schrecken dichterisch vorausahnte. Am 16. Januar 1912 traf Heym sich mit seinem Freund Ernst Balcke, um auf der zugefrorenen Havel bei Gatow Schlittschuhlaufen zu gehen, und kam bei dem Versuch, seinen im Eis eingebrochenen Begleiter zu retten, selbst, gerade vierundzwanzigjährig, ums Leben. Zehn Jahre später ist die Welt längst eine ganz andere geworden. Dennoch nimmt sich das Berliner Tageblatt vom 17. Januar 1922 in Person von Heyms Kollegen und Herausgeber Kurt Pinthus die Zeit, an einen der bedeutendsten deutschen Lyriker anlässlich seines zehnten Todestages zu erinnern. Zu seinem einhundertzehnten tut dies für uns Frank Riede.

Erschienen: 17.01.2022
Dauer: 00:09:59

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St. Moritz in Berlin

16. Januar 1922

Alpiner Wintersport war in der Berliner Presse der frühen 1920er Jahre ein absolutes Modethema, für die allermeisten Berlinerinnen und Berliner seinerzeit allerdings praktisch noch ein ganz und gar unerschwingliches Vergnügen. Wenn der Prophet – buchstäblich – nicht zum Berg kommt, muss der Berg halt zum Propheten kommen. Oder um es mit der Neuen Zeit vom 16. Januar 1922 zu formulieren: Wenn man sich St. Moritz nicht leisten kann, muss Berlin eben zu St. Moritz werden. Üppiger Schnee, strahlender Sonnenschein und ein wenig Phantasie machten es zumindest für ein paar Wochenendstunden möglich. Es liest Paula Leu.

Erschienen: 16.01.2022
Dauer: 00:05:54

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Die Schule der Schlangenmenschen

15. Januar 1922

Die Geschichte des Jiu-Jitsu in Deutschland, und des asiatischen Kampfsports überhaupt, ist eng mit der Person Erich Rahn verbunden. Als Sohn eines Kaufmannes, der mit Fernost handelte, gab es Erich, so die Legende, zu denken, dass die viel kleineren Kinder der japanischen Handelspartner ihn, der viel kräftiger und größer war, stets beim Rangeln besiegten. Später sah er in einem Berliner Zirkus einen japanischen Meister kämpfen – solche Touren durch europäische Varietés und Zirkusbühnen waren damals üblich – und lies sich von diesem ausbilden. 1906 eröffnete Rahn dann die erste Jiu-Jitsu-Kampfsportschule Deutschlands im Hinterzimmer einer Kneipe. Er hatte damit wenig erfolgt. Doch dann trat auch Rahn im Zirkus gegen beliebige Gegner auf und wurde nie besiegt, wodurch die Polizei auf ihn aufmerksam wurde und ihn 1910 zum Ausbilder im Nahkampf machte. In den 20er Jahren hatte er dann auch mit seiner Schule in Berlin Erfolg, die ein Journalist der Berliner Volks-Zeitung für seinen am 15. Januar 1922 abgedruckten Bericht besucht. Auch er ist angetan vom Sieg der Schnelligkeit und Intelligenz über die rohe Kraft. Für uns berichtet Frank Riede von den Anfängen der Kampfsportschulen des Jiu-Jitsu.

Erschienen: 15.01.2022
Dauer: 00:09:45

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Lernt Spielen!

14. Januar 1922

„Kinder an die Macht“ hat Herbert Grönemeyer 1986 getextet und dabei die anarchischen und kreativen Impulse der Kinder gefeiert. Mittlerweile ist dieses Thema voll in der Ratgeberliteratur angekommen, damit jeder Erwachsene im Rahmen seiner Selbstoptimierung auch kindliche Perspektiven in sein Handeln und Denken einbauen kann, womit die radikale und wirklich kreative Sprengkraft sicherlich beseitigt wurde. Diese finden wir aber noch (und schon) vor 100 Jahren in einem Aufsatz der österreichischen Lyrikerin, Erzählerin und Übersetzerin Helene Scheu-Riesz in der Berliner Morgenpost vom 14. Januar 1922. Hier plädiert sie dafür, dass die Erwachsenen das Spielen von den Kindern wieder-erlernen sollten. Es liest dennoch nicht seine Tochter, sondern Frank Riede selbst.

Erschienen: 14.01.2022
Dauer: 00:07:52

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Die Ästhetik in der Chirurgie

13. Januar 1922

Die Brutalität des Ersten Weltkrieges wurde der Nachkriegsgesellschaft tagtäglich durch die verwundeten und verkrüppelten Soldaten vor Augen geführt. Ihre verstümmelten oder amputierten Gliedmaßen und schweren Verletzungen im Gesicht und am Kopf legten ein Zeugnis vom Vernichtungswerk der Bomben, Granaten und sonstiger Geschosse ab. Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass im Berliner Tagblatt vom 13.1. 1922 die Errungenschaften der Ästhetischen Chirurgie gefeiert werden. Noch war die Schönheitsoperation kein Wunderversprechen an die Oberschicht oder gar an breite Schichten, die in der Regel mit Kriegsverletzungen nichts am Hut haben. Für uns liest Paula Leu.

Erschienen: 13.01.2022
Dauer: 00:09:23

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Wider die Dolchstoßlegende

12. Januar 1922

Minus mal Minus ergibt Plus: Diese Rechnung der politischen Rechten funktionierte in der Weimarer Republik erschütternd publikumswirksam. Nachdem auf die schmähliche Kriegsniederlage von 1918 der in nationalen Kreisen nicht minder betrauerte Sturz der Monarchie folgte, strickte man flugs eine Legende, in der Ursache und Wirkung vertauscht und die militärische Niederlage der jungen deutschen Demokratie in die Schuhe geschoben wurde. Es war die berühmte Dolchstoßlegende, welche die Rechtspresse wieder und wieder erzählte und gegen welche die republikanischen Zeitungen nimmermüde anschrieben. Das Berliner Tageblatt widmete dem Thema im Januar 1922 sogar eine ganze Reihe, in der sie dem Generalmajor a.D. und späteren Friedensaktivisten Paul von Schönaich das Wort gab. Aus der dritten Folge vom 12.1. liest für uns Frank Riede.

Erschienen: 12.01.2022
Dauer: 00:08:13

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Im Obdachlosenasyl “Palme”

11. Januar 1922

Die Unterstützung und Versorgung von Obdachlosen hat in Berlin eine lange Tradition, was auch von der Kontinuität dieser Herausforderung an die öffentliche Wohlfahrt zeugt. Eine der ersten Hilfseinrichtungen für Obdachlose in Europa entstand im Viertel Prenzlauer Berg, in der Fröbelstr., am damaligen Stadtrand von Berlin bereits 1886. Wegen einer Topf-Palme im Eingangsbereich erhielt das städtische Asyl den Spitznamen „Palme“. Hier konnten zunächst ca. 2000 Obdachlose eine Übernachtungsgelegenheit und hygienische Einrichtungen finden – 1920 war es für ca. 4 ½ Tausend Personen ausgelegt, aber dennoch oftmals überbelegt. Daher wurden die Zustände in der „Palme“ zu einem Sinnbild der herrschenden Armut. So reagierte der Vorwärts am 11. Januar 1922 auf Berichte von einem „Pennerball“, bei dem angeblich Wohlfahrtsmittel verschwendet wurden, mit einem schonungslosen Blick auf die Zustände in der Fröbelstr. – so schonungslos, dass wir darauf hinweisen wollen, dass die geschilderten Bilder teilweise verstörend wirken können. Paula Leu liest.

Erschienen: 11.01.2022
Dauer: 00:07:47

Podcast-Webseite: Episode "Im Obdachlosenasyl “Palme”"


Nackttanz vor Gericht

10. Januar 1922

Nacktheit auf der Bühne ist im 21. Jahrhundert zumindest hierzulande längst ein Gemeinplatz geworden und kaum mehr dazu angetan, Skandale zu verursachen. Vor einhundert Jahren sah die künstlerische und kleinkünstlerische Welt diesbezüglich selbstredend ganz anders aus, und ein paar Quadratzentimeter nackter Haut bei Schummerlicht hinter einem semitransparenten Schleier vermochten mitunter heftige Wellen der Entrüstung auszulösen. So rasant die aufstrebende Metropole Berlin seinerzeit ihre Freizügigkeit entdeckte, so vehement wurde diese Entwicklung von selbsternannten Sittenpolizisten bekämpft, die sich die Nächte in aufopferungsvollem Dienst für Jugend und Tugend um die Ohren schlugen und alle von ihnen ausgemachten Unsittlichkeiten vor den Kadi einer noch weithin kaiserzeitlich geprägten Rechtsprechung zerrten. Einer von gleich mehreren Prozessen im Winter 1922 galt dem Ensemble der sogenannten Nackttänzerin Celly de Rheidt. Die Berliner Presse begleitete die Verhandlung mit durchaus lustvollem Interesse, auch wenn sie in den spannendsten Momenten leider ausgesperrt blieb. Das 8-Uhr-Abendblatt berichtete am 10. Januar trotzdem. Für uns tut dies Frank Riede.

Erschienen: 10.01.2022
Dauer: 00:08:11

Podcast-Webseite: Episode "Nackttanz vor Gericht"


Eishockey in Prag

9. Januar 1922

Wenn wir die Zeitungslandschaft so genau verfolgen, können wir bestimmte Entwicklungen im Angebot der Zeitungen nicht übersehen, die sich dann auch bei Auf den Tag genau niederschlagen. Der „Sport-Teil“ beschränkte sich 1920 und 1921 im Wesentlichen auf die korrekte Wiedergabe von Ergebnissen der Pferde-, Radrennen oder zunehmend auch Fußballspiele. Nur vereinzelt tauchten Spielberichte oder besondere Sportereignisse auf, über die breiter berichtet wurde, wie etwa bei großen Box-Kämpfen. Dies ändert sich zunächst schleichend, dann ruckartig im Übergang zu 1922. Immer mehr Zeitungen geben dem Sport immer mehr Raum, man könnte sagen, der Sportjournalismus erlebt einen Aufschwung oder gar seine Entstehung. In der BZ am Mittag vom 9. Januar 1922 liest für uns Paula Leu von dem Versuch des Berliner Schlittschuh-Clubs, den Eishockey-Wettbewerb in Prag um den Ringhoffer-Pokal zu gewinnen. Reicht unser Erfahrungsschatz nicht so weit zurück, müssen wir annehmen, dass der Berliner Club gegen die tschechischen Mannschaften, die Mannschaften einer „Eishockey-Weltmacht“, unterlegen gewesen sein muss. Kaum zu glauben: Dem war nicht so...

Erschienen: 09.01.2022
Dauer: 00:07:41

Podcast-Webseite: Episode "Eishockey in Prag"


Berliner Hotelschau

8. Januar 1922

Zu den regelmäßigen Rubriken in der BZ am Mittag gehörte auch ein Überblick über die Prominenz, die in den nobleren Berliner Hotels übernachtete. Darüber, an wen sich genau diese „Berliner Hotelschau“ richtete, lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ermöglichte es Interessierten eine Kontaktaufnahme mit den Persönlichkeiten aus Politik, Diplomatie, Industrie, Adel, Kunst und Kultur. Sie wussten in welchem Hotel sie vorsprechen konnten. Damals verrieten es diese begehrten Persönlichkeiten ja noch nicht auf ihren Social media-Kanälen. Frank Riede liest für uns die Hotelschau vom 8. Januar 1922, die zunächst allgemeine Informationen zum Fremdenverkehr in Berlin gibt, bevor sie zu den kuriosen Listen, die Namen mit Hotels verbinden, kommt. Diesmal haben wir, ausnahmsweise, diesen Teil des Artikels gekürzt. Das Prinzip dieser ungewöhnlichen Rubrik dürfte aber deutlich werden.

Erschienen: 08.01.2022
Dauer: 00:06:31

Podcast-Webseite: Episode "Berliner Hotelschau"


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