Podcast "Auf den Tag genau"

Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte.
Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Episoden: Neueste Episoden


Der Presseempfang im Reichstag

5. Dezember 1921

Als Zeitungspodcast interessiert sich Auf den Tag genau naturgemäß in besonderer Weise für Berichte, die ihrerseits wiederum hinter die Kulissen des Medienbetriebs in der Weimarer Republik schauen. Auch schon damals luden Presseverbände gelegentlich zu Empfängen, und die Spitzenpolitik kam nicht selten in Mannschaftsstärke. Kam man sich bei derartigen Veranstaltungen womöglich gar ein wenig zu nahe? Zumindest was die Feuilletonredakteure betrifft, war diesbezüglich offenbar keine Gefahr im Verzug – jedenfalls wenn man dem berühmten Vertreter dieser Zunft Paul Schlesinger alias Sling Glauben schenken mag. Dieser hätte dem Reichskanzler durchaus etwas zu sagen gehabt, tut dies, statt in Präsenz, nun notgedrungen aber doch wieder in seiner Zeitung, der Vossischen vom 5. Dezember 1921. Gelesen von Paula Leu.

Erschienen: 05.12.2021
Dauer: 00:06:45

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Durch den Nebel Londons

4. Dezember 1921

London und sein Nebel. Kaum ein Kriminalfilm, der in England spielt, ob Sherlock Holmes oder die Edgar-Wallace-Verfilmungen, kommt ohne ihn aus, den Nebel, der atmosphärisch dicht durch die Straßen quillt. Bei bestimmten Wetterlagen kommt es hin und wieder zu einem extremen Nebel, der tagelang den Verkehr lahmlegt. Ist es dann noch Winter, vermengt sich der Nebel mit dem Staub der kohlebetriebenen Heizungen und Öfen, was den Smog-Nebel sogar zu einem tödlichen Risiko werden lässt. 1952 forderte solch eine Wetterlage tausende Menschenleben. Nicht ein solcher Jahrhundert-Nebel, aber zumindest ein Jahrzehnt-Nebel herrschte 1921 in London und der Korrespondent der Vossischen Zeitung, Ludwig Wachtel, wagte einen Spaziergang mit geringer Sichtweite, die er im Artikel vom 4. Dezember verarbeitete. Wahrscheinlich ahnte er damals nicht, dass er, der er jüdischer Herkunft war, nach 1933 in London seine neue Heimstatt finden würde. Heute lässt uns Frank Riede in den Nebel an der Themse eintauchen.

Erschienen: 04.12.2021
Dauer: 00:09:11

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Mit dem Luftschiff von Cadiz nach Buenos Aires

3. Dezember 1921

Der Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel führt derzeit zu einer Renaissance von Projekten in der Luftschifffahrt. Sind Zeppeline nicht eine Umweltfreundliche Alternative für Waren- und Passagiertransport? Mit den Hoffnungen, die man an Luftschiffe nach dem Ersten Weltkrieg knüpfte, lässt sich das freilich (noch) nicht vergleichen. 1919 glückte die erste Atlantiküberquerung mit einem Luftschiff von England in die USA. Pläne für einen Linienverkehr über den Ozean wurden geschmiedet. Von einem solchen handelt unsere heutige Folge. Die Auslandsbeilage der Vossischen, die Voss, präsentierte am 3. Dezember 1921 die bereits 3 Jahre zuvor angedachte, nun von Spanien zu finanzierende, von einem deutschen Luftschiffunternehmen umzusetzende Linie von Cadiz nach Buenos Aires und zurück. Die finanzielle Projekthoheit Spaniens war schon allein deshalb notwendig, um die Bestimmungen des Versailler Vertrages zu umgehen, der eine von Deutschland geleitete Unternehmung untersagte. Tatsächlich pendelten ab 1931 Zeppeline auf der weltweit ersten Passagierlinie zwischen Europa und Südamerika. Bei den Planungen 1921 ist Paula Leu mit von der Partie.

Erschienen: 03.12.2021
Dauer: 00:07:16

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Stresemann gegen den rechten Flügel der DVP

2. Dezember 1921

Wie navigiert eine bürgerliche Partei zwischen einer Kooperation mit den sozialdemokratischen Kräften und dem Druck vom äußeren rechten Flügel? Für die 1918 gegründete nationalliberale Deutsche Volkspartei stellte sich diese Frage in der Zeit ihres Bestehens, also bis 1933, beinahe durchgängig. Sollte die Partei den Schulterschluss mit der Deutschnationalen Volkspartei suchen, oder mit der SPD in einer Regierung zusammenarbeiten? Auf dem Parteitag in Stuttgart konnte sich der Parteiführer Gustav Stresemann noch ohne weitere Probleme gegen den „rechten“ Flügel durchsetzen, wie die Berliner Morgenpost vom 2.12. 1921 zu berichten weiß. Für uns war Paula Leu dabei.

Erschienen: 02.12.2021
Dauer: 00:04:59

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Winter in den Dolomiten

1. Dezember 1921

Es ist eine Geschichte aus uralter Zeit, die die B.Z. am Mittag vom 1. Dezember 1921 uns heute auftischt. Eine Geschichte aus den winterlich verschneiten, sonnendurchglühten Dolomiten, die offensichtlich eine Skiwandergruppe ganz für sich allein hat, da winterlicher Massentourismus auf diesen Alpenkämmen, in diesen Alpentälern noch ein Fremdwort ist. Es gibt keine Seilbahnen, Skilifte oder präparierte Pisten, keine Bettenburgen und keine Après-Ski-Bars in diesem Artikel, sondern nur einsame Gipfel und Klüfte in eisiger Luft und gleißendem Licht. Beim Zuhören wird man wehmütig und fast ein wenig schneeblind. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 01.12.2021
Dauer: 00:07:49

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Ausländische Export-Experten

30. November 1921

Wir hatten vom Verfall der Mark in den letzten Monaten des Jahres 1921 bereits berichtet. Eine Folge dessen war natürlich die Kaufkraft der Fremdwährungen. Ein gewisser H. Pollack heftet sich für die Vossische Zeitung vom 30.11. an die Fersen der ausländischen Import-Export-Experten und berichtet von überraschenden Geschäftspraktiken. Sein Blick auf die Ausländer:innen ist dabei nicht immer ganz frei von (auch rassistischen) Stereotypen. Für uns tingelt von Auktionshaus, über Nobelhotel ins Tanzrestaurant Paula Leu.

Erschienen: 30.11.2021
Dauer: 00:07:59

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Nach Moskau! Nach Moskau! - Das Gastspiel des Moskauer Künstlertheaters

29. November 1921

„Nach Moskau! Nach Moskau!“ – ihre berühmte Sehnsucht teilten die drei Schwestern aus Anton Tschechows gleichnamigem Stück mutmaßlich mit vielen der nach der Oktoberrevolution in Berlin gestrandeten russischen Exilanten. Kein Wunder, dass sich diese denn auch in großer Zahl zum Gastspielauftakt des legendären Moskauer Künstlertheaters eben mit Tschechows ‘Drei Schwestern‘ im Theater an der Königgrätzer Straße, dem heutigen Hebbel-Theater oder HAU1, einfanden. Der Kritiker des 8-Uhr-Abendblattes Josef Adolf Bondy vermag sich in die Wehmut der jungen Protagonistinnen auf der Bühne genauso einzufühlen wie in die der russischen Seelen im Zuschauerraum. Dennoch kommt er im Vergleich mit seiner eigenen Erstbegegnung mit der Inszenierung bei einem früheren Gastspiel der Moskauer zu dem Schluss, dass die stürmisch bewegte Zeit doch ein wenig über diese Art von wiewohl großartigem Theater hinweggegangen sei. Und erklärt die Regisseure und Begründer des Künstlertheaters Konstantin Stanislawski und Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko in seinem Bericht vom 29. November 1921 gleich einmal irrtümlicherweise für tot ... Wie immer zu neuem Leben erweckt werden alle Beteiligten an diesem Gastspiel bei uns in der Lesung von Frank Riede.

Erschienen: 29.11.2021
Dauer: 00:07:42

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Das tönende Archiv

28. November 1921

Am 15. September letzten Jahres berichteten wir mit dem Berliner Tageblatt über das Berliner Lautarchiv, heute, etwa 440 Folgen später, besuchen wir am 28.11.1921 das an der Berliner Staatsbibliothek institutionalisierte Archiv mit Tonwalzen und -Zylindern und Wachsplatten mit der Vossischen Zeitung. Liegt der Sammlung ohnehin partiell ein kolonialistischer Gestus zugrunde, so greifen einzelne Lautaufzeichnungen in ihren Titeln rassistisches Vokabular auf, das sich dann auch in der Berichterstattung wiederfindet. Diesmal wühlt für uns Paula Leu in den Schätzen des Berliner Lautarchivs, wobei ein weiteres Mosaikstück unseres Berliner Zeitungslautarchivs der Weimarer Republik entsteht …

Erschienen: 28.11.2021
Dauer: 00:07:32

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"Trickfilms": Lotte Reiniger und der Plastrick-Film

27. November 1921

Eine beeindruckende Persönlichkeit des frühen Trickfilms ist die 1899 in Berlin-Charlottenburg geborene Lotte Reiniger. Ihre Silhouetten-Animationsfilme, die oftmals Märchen- und Sagenstoffe nacherzählten, gelten bis heute als Meilensteine des Trick- und Animationsfilms. 1921 hatte sie, von klein auf von den frühen Stummfilmen und ihren Kameratricks begeistert, freilich erst wenige kurze Filme geschaffen. Doch in der Neuen Zeit vom 27.11. finden wir einen Bericht über neue Trickfilme, der sich Lotte Reinigers ersten Filmen widmet und ihr eine große Zukunft prognostiziert. Als ähnlich vielversprechend lobt er allerdings auch ein neues Verfahren, den „Plastrick“-Film als besonders innovativ – den werden heutzutage nur noch absolute Expert:innen kennen. Frank Riede kennt den Artikel und liest ihn für uns.

Erschienen: 27.11.2021
Dauer: 00:06:03

Podcast-Webseite: Episode ""Trickfilms": Lotte Reiniger und der Plastrick-Film"


Matisse in Berlin

26. November 1921

So stellt man sich wohl ein glückliches Berliner Kunstkritikerleben auf dem Höhepunkt der ästhetischen Moderne vor: Eben erst Wiedersehen mit Paul Cézanne bei Cassirer in der Viktoriastraße gefeiert, geht es noch am selben Wochenende rüber ein paar Straßen weiter zu Flechtheim ans Lützowufer, wo gerade Henri Matisse Vernissage begeht. Curt Glaser hatte trotz unmittelbarer Zeitgenossenschaft bereits einen sehr klaren Blick für die Ikonen der Moderne und ihren je spezifischen historischen Stellenwert – und hielt sich vielleicht gerade deshalb zu dem immer schnelllebigeren und immer aufgeregter geführten Kampf um die Vorherrschaft dieses oder jenes künstlerischen Stils auf Distanz. Dass auch er dennoch ein Kind seiner Zeit war, erkennt man an manchen in unseren Ohren deutlich rassistischen Begrifflichkeiten, die der nachfolgende Text historisch dokumentiert. Anders als der Berliner Börsen-Courier haben wir bei Auf den Tag genau über Nacht das Personal gewechselt. Aus der Ausgabe vom 26. November 1921 liest für uns heute Paula Leu.

Erschienen: 26.11.2021
Dauer: 00:08:21

Podcast-Webseite: Episode "Matisse in Berlin"


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