Podcast "Auf den Tag genau"

Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte.
Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Episoden: Neueste Episoden


Prügeleien um den Oberstadtschulrat

20. September 1920

Ein Riss geht durch die Gesellschaft, die Fronten sind verhärtet, die Lager unversöhnlich. In Zeiten eines neuen, auf alle Fragen nur eine Antwort habenden Nationalismus sind uns die in solcher Formulierung gefassten sozialen Spannungen sehr gut vertraut. Mit Blick auf 1920 lässt sich ganz ähnlich von einer Spaltung der Gesellschaft sprechen. Ohne Internet und social media aber waren es Veranstaltungen wie die Wahl des Oberstadtschulrats, in deren Rahmen die verfeindeten Parteien ganz handfest aufeinander trafen. Am 20.9. berichtet die Vossische Zeitung von entsprechenden Verwicklungen für oder wider die Ernennung eines gewissen Dr. Kurt Löwenstein, Kandidat der Linken. Gelesen von Paula Leu.

Erschienen: 20.09.2020
Dauer: 00:04:53

Podcast-Webseite: Episode "Prügeleien um den Oberstadtschulrat"


Die expressionistische ‘Jungfrau’

19. September 1920

War Berlin in den 1920er Jahren auch ohne Zweifel die deutsche Theatermetropole und als solche dessen wichtigstes Laboratorium, so kamen viele ästhetische Impulse doch auch aus der Provinz. Eine besonders interessante Rolle kam dabei dem Landestheater Darmstadt zu. Nicht nur im Bereich des Musiktheaters, sondern auch das dortige ‘Sprechtheater‘ bewies unter der Ägide seines jungen Intendanten Gustav Hartung reichlich Mut zum Experiment, wie hier eine Rezension des Berliner Börsen-Couriers vom 19. September 1920 belegt. Wohl war man mittlerweile landauf, landab an expressionistische Schauspiele gewöhnt. Dass man auch einen Klassiker wie Schillers Jungfrau von Orléans expressionistisch inszenieren konnte, war hingegen noch eine ziemlich neue Erfahrung und selbst der Hauptstadtpresse einen ausführlichen Bericht wert. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 19.09.2020
Dauer: 00:05:27

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Jetzt wieder Zivil im Hafen von Kiel

18. September 1920

Als Kiel nach der Eroberung Schleswig-Holsteins durch Preußen und Österreich im Deutsch-Dänischen Krieg des Jahres 1864 rasch zu einer Großstadt heranwuchs, ging diese Entwicklung Hand in Hand mit der Rolle des Kieler Hafens und der dortigen Werften als bedeutender Marinestandort. Mit der Reichsgründung 1871 war Kiel Reichskriegshafen und in seinen Werften wurden Kriegsschiffe und U-Boote gebaut und Über- und Unterseewaffen entwickelt. Damit war nach dem Ersten Weltkrieg schlagartig Schluss und die Stadt Kiel bemühte sich darum, auf dem Marinegelände die nichtmilitärische Schifffahrtsindustrie aus-, bzw. aufzubauen. Von diesem Unterfangen berichtet Alfred Kopp für das Berliner Tageblatt vom 18. September 1920. Für uns liest Paula Leu.

Erschienen: 18.09.2020
Dauer: 00:06:48

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Explosion in Manhattan

17. September 1920

Explosion im Zentrum von Manhattan! Diese Nachricht klingt heute anders als vor hundert Jahren. Und doch verwüstete im September 1920 eine Wagenladung Sprengstoff Teile der New Yorker Wall Street auf eine Weise, welche den Zeitgenossen ähnlich apokalyptisch vorgekommen sein muss wie Augenzeugen die Angriffe auf das World Trade Center gut 80 Jahre später. 30 Tote und über 300 Verletzte forderte das Attentat letztendlich. Das FBI vermutete italienische Anarchisten als Drahtzieher der terroristischen Attacke. Endgültig bestätigen ließ sich dieser Verdacht nie. Die Vossische Zeitung berichtet am 17.9., für uns liest Frank Riede.

Erschienen: 17.09.2020
Dauer: 00:04:23

Podcast-Webseite: Episode "Explosion in Manhattan"


Sturmtage in Triest

16. September 1920

Nachdem die Podcast-Folge am vergangenen Freitag den turbulenten Ereignissen in Fiume alias Rijeka gewidmet war, wandert unser heutiger Blick ein paar Kilometer westwärts über den Karst nach Triest, wo sich die politische Lage zwei Jahre nach Kriegsende gleichfalls noch bemerkenswert chaotisch darstellte. Vormals Österreich-Ungarns wichtigster Hafen und dank dieser Funktion dort so etwas wie die dritte Stadt im Reiche, lieferten sich jetzt auf seinen Straßen und Plätzen Rechte und Linke, Italiener und Slowenen erbitterte Kämpfe – und ließen Triest, selbst für den Fall eines baldigen Anschlusses an Italien, einer ökonomisch unsicheren Zukunft entgegenblicken. Der Journalist und später berühmte Reiseschriftsteller Richard Katz sah dies in seinem Bericht für die Vossische Zeitung vom 16. September 1920 präzise voraus. Es liest Paula Leu.

Erschienen: 16.09.2020
Dauer: 00:08:26

Podcast-Webseite: Episode "Sturmtage in Triest"


Das Lautarchiv

15. September 1920

Über Jahrtausende sammeln Bibliotheken Texte, sei es in Form von Schriftrollen, Tontafeln, Papyri oder Druckerzeugnissen.... Um 1900 ermöglichen die technischen Erfindungen der Tonaufzeichnung das Festhalten von Tönen, Sprache und Geräuschen – die ersten Lautarchive sind geboren. Von Anfang an hat die Sammlungstätigkeit einen entweder stark ethnologischen oder sprachwissenschaftlichen Fokus, bzw. bewahrte die Stimmen großer Persönlichkeiten. Von der Gründung einer der bedeutendsten Sammlungen dieser Tonplatten und -zylinder, dem Berliner Lautarchiv an der Staatsbibliothek, berichtet voller Begeisterung im Berliner Tageblatt vom 15. September 1920 Dr. Hermann Schönhof. Heutzutage ist das Lautarchiv dem Helmholzzentrum für Kulturtechnik angegliedert. Wir haben für diese Podcastfolge die Stimme von Frank Riede aufgezeichnet.

Erschienen: 15.09.2020
Dauer: 00:09:59

Podcast-Webseite: Episode "Das Lautarchiv"


Die Taille ist zurück

14. September 1920

Julie Elias war eine feste Größe des Kulturlebens der Weimarer Republik, die heute weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Sie verband, fest davon überzeugt, dass diese eng miteinander verknüpft sind, den modischen Geschmackssinn mit dem kulinarischen Geschmackssinn. Als Modejournalistin veröffentlichte sie unzählige Artikel und als, wie man heute sagen würde, Food-Journalistin zahlreiche Kochbücher, wobei besonders ihre Auseinandersetzung mit der jüdischen Küche Bekanntheit erlangte. Vor den Nazis floh sie nach Norwegen, wo sie im Untergrund lebend, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges verstarb. Ihr Sohn wurde zwei Jahre zuvor verhaftet und in Auschwitz ermordet. Paula Leu liest Julie Elias’ Modeglosse aus dem Berliner Tageblatt vom 14. September 1920, in der sie sich mit der Wiederkehr der Taille und dem Japonismus beschäftigt.

Erschienen: 14.09.2020
Dauer: 00:07:43

Podcast-Webseite: Episode "Die Taille ist zurück"


Grabrede auf Rudolf Mosse

13. September 1920

Rudolf Mosse gehört zweifelsfrei zu den prägenden Verlegergestalten der Berliner Stadtgeschichte. Ursprünglich aus Grätz bei Posen stammend, baute er seit den 1860er Jahren in der Hauptstadt des baldigen Kaiserreiches ein Zeitungsimperium auf, das vor allem das aufgeklärte Berliner Bürgertum adressierte. Flaggschiff war das 1872 gegründete Berliner Tageblatt, das sich spätestens ab 1906 unter der Ägide seines berühmten Chefredakteurs Theodor Wolff, einem Vetter Mosses, zum Inbegriff der liberalen Großstadtzeitung entwickelte. Als Mosse am 8. September 1920 starb, war Wolff es auch, der in Weißensee auf dem Jüdischen Friedhof die Grabrede hielt. Aus ihr, abgedruckt am 13. September – natürlich – im Berliner Tageblatt, liest Frank Riede.

Erschienen: 13.09.2020
Dauer: 00:09:52

Podcast-Webseite: Episode "Grabrede auf Rudolf Mosse"


Die Tausendmarkmaschine

12. September 1920

Wer träumt nicht von einer Maschine, mit der sich Geld in unbegrenzten Mengen drucken ließe?! Wer würde nicht gern tausend Mark Investition unkompliziert und schnell verdoppeln? Letzteres versprach vor hundert Jahren ein gewisser Robert Philipp in Hannover. Als Ingenieur und Erfinder hatte er einen komplexen Apparat entworfen, mit dessen Hilfe er Geldscheine verdoppeln zu können vorgab. Die Polizei grätschte dazwischen und Philipp entwarf seine seltsamen Maschinen fortan hinter schwedischen Gardinen. Paula Leu liest den Bericht der Berliner Morgenpost vom 12.9.1920.

Erschienen: 12.09.2020
Dauer: 00:03:34

Podcast-Webseite: Episode "Die Tausendmarkmaschine"


Der Freistaat Fiume

11. September 1920

Gabriele D’Annunzio gehört nicht nur zu den wichtigsten Autoren des italienischen Fin de siècle, sondern ist gleichermaßen auch zu den berühmtesten politischen Hasardeuren des frühen 20. Jahrhunderts zu zählen. Nachdem sich die groß-italienischen ‘Irredentisten‘ bei der Verteilung der Kriegsbeute nach 1918 zu kurz gekommen und namentlich um erhoffte Gebietszugewinne im adriatischen Raum betrogen wähnten, machte er sich im September 1919 mit einem Trupp Freischärler kurzerhand selbst auf den Weg und besetzte im Handstreich das auch vom frisch gegründeten jugoslawischen Staat beanspruchte Rijeka alias Fiume. Ein Jahr später hatte diese Okkupation immer noch Bestand. Während man sich in Washington, London und Paris nicht einig war, wie diesem Staatsstreich zu begegnen sei, und man sich in Rom und Belgrad zunehmend um diplomatische Wege aus der Krise bemühte, schritt D’Annunzio darin fort, Fakten zu schaffen und erklärte Fiume in einer nächsten Volte unter großem Pomp zum Freistaat. In ganz Europa sah man halb konsterniert, halb bewundernd diesem Schauspiel zu, so auch am 11. September 1920 das Berliner Tageblatt. Aus ihm liest Frank Riede.

Erschienen: 11.09.2020
Dauer: 00:10:00

Podcast-Webseite: Episode "Der Freistaat Fiume"


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