Podcast "Auf den Tag genau"

Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte.
Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Episoden: Neueste Episoden


Charlie Chaplin in Berlin

26. September 1921

Charlie Chaplin war im September 1921 ein globaler Superstar. Zwei Jahre zuvor hatte er mit Douglas Fairbanks, Mary Pickford und Dawid. W. Griffith die unabhängigen United Artists gegründet. Im Januar 1921 ging sein erster Langspielfilm „The Kid“ um die Welt. Und auch Chaplin brach 1921 zu seiner ersten „Rückkehr“ als Filmstar nach Europa auf. Im Rahmen dieser Europatour, bei der er begeistert empfangen wurde, besuchte er auch Berlin, nicht um Filmgrößen wie Lubitsch, Lang oder Murnau zu treffen, sondern um mit Max Rheinhardt über Schauspiel zu diskutieren. Abends nahm er an Gesellschaftsabenden teil, wie auch am 25. September 1921 in der Villa des Justizrates Dr. Werthauer. Für die BZ. am Mittag am Folgetag berichtete C.M. Schmidt, der dabei sein durfte. Er zeigt sich begeistert von dem Talent Chaplins auch solch eine Salon-Soiree zu einer Bühne zu machen, die kein Auge trocken lässt. Ohne die weitere Bedeutung zu ahnen, beschreibt der Autor auch das erste Aufeinandertreffen von Chaplin mit der Schauspielerin Pola Negri. An diesem Abend begann, was zu einem Wiedersehen im Oktober 1922 in Amerika führte und in ihrer beider Verlobung im Januar 1923 kulminierte. Wenige Monate später erfolgte allerdings die Trennung. Für uns war Frank Riede bei diesem denkwürdigen Abend dabei.

Erschienen: 26.09.2021
Dauer: 00:08:10

Podcast-Webseite: Episode "Charlie Chaplin in Berlin"


Fräulein oder Frau - Leserbriefe

25. September 1921

Heutzutage besteht mehr oder minder ein Konsens darüber, dass die Gleichstellung von Mann und Frau ein wünschenswertes Ziel ist. Es wird eher darüber gestritten, wie dieses Ziel am besten zu erreichen ist, unter anderem intensiv über die Frage, welche Rolle die Sprache dabei spielen sollte. Vor 100 Jahren druckte die Berliner Morgenpost über mehrere Ausgaben hinweg eine mittels Zuschauer:innen-Briefen geführte Debatte, die ausgelöst wurde durch einen Artikel, der die Forderung enthielt, die Bezeichnung „Fräulein“ abzuschaffen. In der Ausgabe vom 25. September 1921 kommen ein alter weißer Mann zu Wort, der eine weitere Benutzung von „Fräulein“ propagiert und eine ältere weiße Frau, die den Begriff abschaffen möchte – um Frauen davon abzuhalten, nur aus dem Grunde zu heiraten, um nicht als „altes Fräulein“ zu enden. Dieses Zeitdokument, diesen Ausschnitt aus der Gender-Debatte von 1921 liestesen für uns Frank Riede und Paula Leu.

Erschienen: 25.09.2021
Dauer: 00:06:57

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AVUS: Im Rausch der Geschwindigkeit

24. September 1921

Im 19. Jahrhundert prägte die Zugfahrt durch ihre Geschwindigkeit ein Zeitalter, wurde aber, wie wir sehr schön dem heutigen Artikel aus dem Berliner Börsen-Courier vom 24. September 1921 entnehmen können, vom Automobil abgelöst. Der Autor Friedrich Otto besuchte die AVUS und raste in der Position des Technikers, der damals im Auto mitfuhr, um sofort, auf der Strecke, Schäden beheben zu können, in einem Rennwagen der Marke Nationale Automobil Gesellschaft, kurz NAG, mit. Seine akustischen, visuellen und körperlichen Eindrücke schildert für uns Frank Riede.

Erschienen: 24.09.2021
Dauer: 00:07:25

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Mit wem koaliert die SPD?

23. September 1921

Es ist doch schön, wenn man durch die Lektüre historischer Tageszeitungen mal Abstand von der eigenen Gegenwart gewinnt und in ganz andere, fremde Themen und Argumente eintauchen kann: Die gute alte Tante SPD ist unter Druck, von allen Seiten. Sie sucht nach Mehrheiten für ihre Sache, weiß aber nicht, in welche Richtung sie sich wenden soll. Wenn sie Bündnisse mit den Linkssozialisten sondiert, tönt es dräuend aus dem sogenannten bürgerlichen Lager: ‘Alle Wege führen nach Moskau!‘ Und wenn sie die Rechtsliberalen versucht in ihr Regierungsboot zu holen, hält man ihr von links entgegen: ‘Nichts, was ihr politisch fordert, werdet ihr in dieser Konstellation verwirklichen können!‘ So oder so ähnlich steht es zum Beispiel in der Freiheit vom 23. September 2021, äh 1921 – oder war es 2119? Es liest auf jeden Fall Paula Leu.

Erschienen: 23.09.2021
Dauer: 00:06:22

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Größte Explosionskatastrophe in der Geschichte Deutschlands

22. September 1921

Am Morgen des 21. Septembers 1921 kam es im badischen Oppau zur bis heute größten zivilen Explosionskatastrophe in Deutschland, bei der 559 Menschen ums Leben kamen. Ein Silo mit etwa 400 Tonnen des als Düngemittel verwendeten Ammoniumsulfatnitrat war detoniert. Die immense Explosion riss einen 165 Meter langen, 95 Meter breiten und fast 19 Meter tiefen Krater, was bedeutet, dass 12.000 Kubikmeter Erdreich in die Luft geschleudert wurden. Die Druckwelle zerstörte Teile der Fabrik und des Dorfes Oppau und weiterer umliegender Ortschaften. Im 13 Kilometer entfernten Wormser Dom gingen alle Kirchenfenster zu Bruch, im 25 Kilometer entfernten Heidelberg wurden noch Dächer abgedeckt und eine Straßenbahn entgleiste, bis nach München, Zürich und Göttingen war die Explosion zu hören. Das 8-Uhr-Abendblatt hatte einen Korrespondenten vor Ort, dessen Drahtberichte Paula Leu für uns verliest, so wie sie am 22. September die Zeitung abdruckte. Die das Ausmaß der Katastrophe herunterspielenden Aussagen zu beginn lassen sich vielleicht damit erklären, dass unmittelbar nach dem Unglück wilde Berichte kursierten, die selbst das ohnehin krasse Ausmaß noch weit übertrieben.

Erschienen: 22.09.2021
Dauer: 00:07:55

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In der Wachau und in Wien

21. September 1921

Von den Folgen des Weltkriegs und dem daraus resultierenden Zusammenbruch der k.u.k.-Monarchie war die junge Republik Österreich auch wirtschaftlich schwer gebeutelt. Als eine Gegenmaßnahme wurde im Jahr 1921 die Messe Wien ins Leben gerufen, als internationales Schaufenster konzipierte Verkaufsausstellungen, zu der anfänglich nicht die einheimische Bevölkerung, dafür aber umso mehr ausländische Journalisten geladen waren und offensichtlich auf dem Weg dorthin entlang der Donau durch die schönsten Ecken Österreichs geführt wurden. So begab sich auch Emil Faktor vom Berliner Börsen-Courier auf die mehrtägige Reise und berichtete in der Ausgabe vom 21. September u.a. von nächtlichen Irrungen und Wirrungen in der wunderschönen Wachau und am Zielort Wien. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 21.09.2021
Dauer: 00:06:33

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Alfred Kerr is not amused

20. September 1921

Der große Theaterkritiker Alfred Kerr galt zu Lebzeiten auch als großer Meister des Verrisses, und diesem Ruf macht er im Berliner Tageblatt vom 20. September 1921 wahrlich alle Ehre. Sein Missfallen an der Neuinszenierung von Friedrich Hebbels (heute kaum noch gespielten) Drama Herodes und Mariamne am Deutschen Theater zieht sich durch alle Instanzen, erstreckt sich gleichermaßen auf die berühmten Mimen Werner Krauß und Agnes Straub in den Hauptrollen wie auf den für deren Spiel verantwortlich gemachten Regisseur Otto Falckenberg wie auf den für dessen Engagement verantwortlich gemachten Intendant Felix Hollaender. Nur der Dichter Hebbel bleibt in des Rezensenten Bilanz über jeden Zweifel erhaben. Gelesen von Frank Riede.

Erschienen: 20.09.2021
Dauer: 00:08:41

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Streik auf den Fidschi-Inseln

19. September 1921

In der Zwischenkriegszeit ließ sich eine fortschreitende Globalisierung nicht leugnen. Nicht nur das kapitalistische Prinzip breitete sich über den Erdball aus, auch die über lange Zeit errungenen Arbeiterrechte schienen parallel dazu weltweit anklang zu finden. Am 19. September 1921 berichtet die Freiheit, das Zeitungsorgan der Unabhängigen Sozialdemokratie, von einem Streik auf den Fidschi-Inseln. Die zahlreichen Hindu-Arbeiter auf den Plantagen der Inseln waren in einen Arbeitskampf getreten, der sich zuspitzte – Verhaftungen und angedachte Militärschläge inklusive. Doch die Macht des kollektiven, solidarischen Widerstandes war ersichtlich. Wie es in den Zeitungen der 20er Jahre oft vorkommt, klingen auch in diesem Artikel rassistische Vorurteile und entsprechendes Vokabular an. Für uns liest Paula Leu.

Erschienen: 19.09.2021
Dauer: 00:05:13

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Ein anderer Blick auf den Fall ‘Großmann’

18. September 1921

Der Fall des vielfachen Frauenmörders Karl Großmann erschütterte vor einhundert Jahren die deutsche Hauptstadt. Vier Wochen nach seiner Festnahme im August 1921 waren weder die makabren Umstände seiner Taten vollständig bekannt, noch die enorme tatsächliche Opferzahl ansatzweise ermittelt, dennoch überboten sich die Berliner Zeitungen in ihrer Abscheu und Verachtung gegenüber der ‘Bestie‘ Großmann. Die Berliner Volks-Zeitung vom 18. September versucht sich an einem anderen Erklärungsansatz: Gut materialistisch geht sie davon aus, dass immer persönliche und gesellschaftliche Dispositionen den Täter zum Täter machten und bei der Erklärung wie auch bei der juristischen Beurteilung eines Falles entsprechend miteinzubeziehen sei. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 18.09.2021
Dauer: 00:07:08

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Asta Nielsen über Mode(n) des Films

17. September 1921

Asta Nielsen gehörte neben Fern Andra, Henny Porten und Mary Pickford zu den gefragtesten und angehimmeltsten Stummfilm-Schauspielerinnen. Ständig wurde über sie von den Vorläufern der Klatschpresse berichtet. Wo ließ sie sich in der Öffentlichkeit blicken? Was trug sie dabei für Kleider? In unserer heutigen Folge wird aber nicht über Asta Nielsen gesprochen, vielmehr reflektiert sie selbst in einem Artikel in der Berliner Volks-Zeitung vom 17. September 1921 die Moden des Stummfilms und die Mode im Stummfilm ihrer Zeit. Dabei wird klar, dass sie sich ihrer Rolle als Trendsetterin für die Öffentlichkeit durchaus bewusst ist, sie weiß dabei aber auch von überraschenden Schattenseiten zu berichten. Also hören wir, wie Paula Leu, Asta Nielsen ihre Stimme verleiht.

Erschienen: 17.09.2021
Dauer: 00:09:24

Podcast-Webseite: Episode "Asta Nielsen über Mode(n) des Films"


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