Podcast "Auf den Tag genau"

Der Podcast mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte.
Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Episoden: Neueste Episoden


Die Kaiserin ist tot!

11. April 1921

Die Kaiserin ist tot, es lebe die … - nein! Auguste Viktoria war in Deutschland die letzte ihrer Art. Zwar sollte ihr Gemahl Wilhelm der vormals Zweite in seinem niederländischen Exil nur anderthalb Jahre später eine zweite Ehe eingehen. Seine neue Angetraute blieb in Ermangelung eines Throns unter seinem Hintern jedoch formal eine schnöde Prinzessin von Schönaich-Carolath. Anhänger der Monarchie gab es in Deutschland freilich noch einige, und so war die Nachricht vom Ableben der vormaligen ‘First Lady‘ am 11. April 1921 in Haus Doorn genauso ein Politikum, wie es ihre Beisetzung ein paar Tage später in Potsdam werden sollte. Die Vossische Zeitung bemüht sich in ihrer ersten Meldung noch am Todestag erkennbar um Pietät und Neutralität. Wie ihr das gelang, weiß Frank Riede.

Erschienen: 11.04.2021
Dauer: 00:05:57

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Kreuz und quer durch Thüringen

10. April 1921

Wie sich die Zeiten ändern: Vor einhundert Jahren dachte kein Mensch an Osterferien auf Mallorca; dafür war ein Kurzurlaub im eigenen Land seinerzeit flächendeckend erlaubt. Den Vorwärts verschlug es in diesem Zusammenhang am 10. April nach Thüringen, wo die Autorin auf Schusters Rappen beträchtliche Strecken kreuz und quer durch das Land zurücklegte. Von Naumburg zog es sie über Jena, Rudolstadt und Ilmenau bis nach Weimar – immer wieder, man kann es sich denken, auf Goethes Spuren. Die Zeit, bis solche Reisen auch im 21. Jahrhundert wieder möglich sind, überbrückt für uns Frank Riede.

Erschienen: 10.04.2021
Dauer: 00:07:21

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Preußen hat einen Ministerpräsidenten

9. April 1921

Am 20. Februar 1921 hatte Preußen seinen Landtag gewählt, eine tragfähige Regierung gab es aber auch Anfang April noch nicht. Die bürgerlichen Parteien der sogenannten Weimarer Koalition, Zentrum und DDP, wollten zwecks Verbreiterung der Regierungsmehrheit gerne die rechtsliberale DVP mit ins Boot nehmen. Die SPD jedoch sperrte sich, weil sie der Partei Gustav Stresemanns antirepublikanische Gesinnung unterstellte. Würden sich die Sozialdemokraten damit durchsetzen oder aber die Mitte-rechts-Parteien sich an einem Minderheitenkabinett versuchen? Immerhin gab es am 9.4. schon einmal einen Ministerpräsidenten: den vormaligen preußischen Wohlfahrtsminister Adam Stegerwald vom Zentrum. Die USPD-Parteizeitung Freiheit nahm es durchaus etwas überrascht zur Kenntnis. Paula Leu weiß, wieso.

Erschienen: 09.04.2021
Dauer: 00:03:56

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Enttäuschende Sonnenfinsternis 1921

8. April 1921

Sonnenfinsternisse sind nicht allein spektakuläre Naturereignisse; sie sind auch seltene Gelegenheiten für die Wissenschaft. Während der totalen Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 war Albert Einsteins Vorhersage der gravitativen Ablenkung des Lichts und damit eine der Grundannahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie bestätigt worden. So ist die Frustration darüber, dass das finanziell arg eingeschränkte Nachkriegsdeutschland die Kosten für eine intensive und gründliche Beobachtung und Auswertung des ‚Sonnenwunders’ vom 8. April 1921 nicht stemmen konnte, durchaus verständlich. Das trübe Wetter tat ein Übriges, so dass dieses Ereignis heute mit nur schwacher Bedeutung in den Annalen verzeichnet ist. Der “Vorwärts” berichtet trotzdem. Und für uns liest Frank Riede.

Erschienen: 08.04.2021
Dauer: 00:04:52

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Begriffsgeschichtliches zum “Streik”

7. April 1921

Zur sozialdemokratischen Zeitung Vorwärts erschienen regelmäßig mehrere Beilagen. So auch wöchentlich die Unterhaltungsbeilage „Heimwelt“, in der wir am 7. April den Artikel „Sprachgeschichtliches vom Streik“ finden. Noch bevor die Begriffsgeschichte zu einem wichtigen Zweig der Geschichts- und Kulturwissenschaften wurde, war das Erkenntnispotential einer historisch semantischen Untersuchung von Begriffen wohlbekannt. Hier wird in einer genauen Betrachtung der Okkurenzen des Begriffes die Übernahme des Wortes „Streik“ aus dem angelsächsischen Sprachraum geschildert. Dabei spielt, verständlicher Weise, das Zusammenspiel zwischen der Sprache und den Entwicklungen der arbeitsrechtlichen Bedingungen im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Das Sein bestimmt die Sprache. Für uns liest Frank Riede.

Erschienen: 07.04.2021
Dauer: 00:07:00

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Gipshöhle am Kyffhäuser

6. April 1921

Das höchste Gebirge Norddeutschlands, der Harz, war auch für die Berliner von vor hundert Jahren ein wichtiges Reiseziel. So konnte man im letzten Sommer bei uns bereits hörend diese Region bereisen. Am 6.4.1921 aber berichtet der „Vorwärts“ von einer neuen Attraktion, der sogenannten Heimkehle am Kyffhäuser. Die enorme Wohnhöhle aus vorgeschichtlicher Zeit war aufwendig begehbar gemacht worden und sollte ab dem 1. Mai Höhlenwanderern offen stehen. Mehr als 20 Jahre später machten die Nationalsozialisten die Heimkehle zu einer unterirdischen Waffen-Produktionsstätte. Insbesondere für den Ausbau der Stollen wurden auch KZ-Häftlinge eingesetzt. Viele von ihnen starben infolge der erschöpfenden Arbeitsbedingungen. Gelesen von Paula Leu.

Erschienen: 06.04.2021
Dauer: 00:03:45

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Auslandspresse zum Kommunistenaufstand

5. April 1921

Der kommunistische Putsch in Mitteldeutschland waberte Anfang April noch fort, es war aber deutlich abzusehen, dass es bei einem lokalen und nicht nachhaltigen Phänomen bleiben würde, da sich den kommunistischen Arbeitern keine weiteren politischen Gruppierungen anschlossen. Die Freiheit bietet in ihrer Ausgabe vom 5. April in einer kleinen Presseschau nicht nur die Analysen ausländischer Zeitungen zu den Geschehnissen, sondern verteidigt sich auch gegen Falschmeldungen, die im Ausland etwa zur Positionierung der USPD verbreitet werden. Und ein Kuriosum findet sich in diesem Artikel. Die Freiheit zitiert den Bericht der ”Avanti”, also der Zeitung der Sozialistischen Partei Italiens, und in diesem kurzen Zitat zitiert die „Avanti“ wiederum die Freiheit. Die Freiheit zitiert also indirekt sich selbst. Für uns zitiert Paula Leu.

Erschienen: 05.04.2021
Dauer: 00:06:02

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Edvard Munch ist zurück in Berlin

4. April 1921

Als der norwegische Maler Edvard Munch auf Einladung des Berliner Kunstvereins 1892 erstmals Gemälde in Deutschland präsentierte, geriet diese Ausstellung zum wohl größten Kunstskandal der Kaiserzeit. Konservative Vereinsmitglieder und Kritiker meuterten gegen die als ‘anarchisch‘ diffamierten Exponate und setzten einen Abbruch der Schau nach nur wenigen Tagen durch. Knapp dreißig Jahre und viele Umdrehungen der Moderne später sah die Kunstwelt trivialerweise völlig anders aus. Munch war längst auf dem Weg zu einem Klassiker der Moderne, und seine Rückkehr nach Berlin, diesmal in der Galerie des Kunsthändlers Paul Cassirer, wurde entsprechend zu einem großen Erfolg bei Publikum und Kritik, dem sich auch der Vorwärts vom 4. April 1921 nicht in den Weg stellen wollte. Wobei dessen Kritiker John Schikowski durchaus nicht verhehlen mochte, dass ihm die alten, seinerzeit für anstößig befundenen Werke besser gefielen als der für ihn neue ‘spätere‘ Munch. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 04.04.2021
Dauer: 00:07:05

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Bismarcks Geburtstag und das Versammlungsverbot

3. April 1921

Vor hundert Jahren galt in Berlin ein vom Polizeipräsidenten verordnetes Versammlungsverbot. Keine Pandemie war die Ursache, wohl eher die politisch brisante Lage mit den Besetzungen der Alliierten und den kommunistischen Aufständen im Land. Blöd nur, dass es am 1. April für bestimmte bürgerliche Milieus Bismarcks Geburtstag zu feiern galt. Und so versammelte sich eine Reichsflaggen schwenkende Menge auf dem Königsplatz vor dem Reichstagsgebäude, heute Platz der Republik, um das Bismarck-Denkmal herum, welches erst 18 Jahre später zusammen mit der Siegessäule an den heutigen Standort am Großen Stern versetzt wurde. Bei seinem Spaziergang stieß ein Reporter der Freiheit auf diese Szene und beschrieb sie in der Ausgabe vom 3. April. Wie würde die Sicherheitspolizei wohl auf die Versammlung reagieren? Sollte es etwa eine Komplizenschaft der Polizei mit den quer zur republikanisch demokratischen Grundordnung Denkenden geben? Paula Leu kennt die wenig verblüffenden Antworten.

Erschienen: 03.04.2021
Dauer: 00:03:41

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Die Altertümer von Benin

2. April 1921

Imperialistische Gräueltaten gab und gibt es immer wieder. Auf sie hinzuweisen und zu kritisieren war für die sozialdemokratische Parteizeitung „Vorwärts“ natürlich auch die Möglichkeit, eine politische Botschaft zu senden. Anlässlich der Veröffentlichung des dritten Bandes von Felix von Luschans aufwendig gestaltetem „Die Altertümer von Benin“ wird so am 2. April 1921 auf die brutale und überhebliche Art aufmerksam gemacht, mit der sich Großbritannien – ähnlich den Spaniern knapp 4 Jahrhunderte früher in Peru – der Hauptstadt des westafrikanischen, im heutigen Niger gelegenen Reiches Benin bemächtigte. Brisant wird die Kritik zudem dadurch, dass auch das deutsche Kaiserreich und insbesondere seine Museen von den englischen Raubzügen ordentlich profitierten. Wie bei diesem Thema zu erwarten, muss auch hier die für heutige Ohren an manchen Stellen rassistische Wortwahl aus der Zeit heraus gehört werden. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 02.04.2021
Dauer: 00:05:26

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