Podcast "Forschergeist"

Moderator Tim Pritlove spricht mit Wissenschaftlern und anderen Aktiven des Wissenschaftssystems über aktuelle und zukünftige Trends und Praktiken für die Bildung, der Forschung und der Organisation und Kommunikation der Wissenschaft. Die ausführlichen Interviews wenden sich vor allem an junge und angehende Wissenschaftler, die nach Möglichkeiten suchen, ihre Forschung und Lehre den neuen Bedürfnissen der Zeit anzupassen und weiter zu entwickeln. Forschergeist ist ein Projekt des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und erscheint im Schnitt alle drei Wochen neu.

Podcast-Episoden

FG040 Stadt und Gesundheit

Die Stadt als Chance und Bedrohung der menschlichen Gesundheit

Die Zukunft der Menschen findet in den Städten statt. Inzwischen leben 80 Prozent der Deutschen hier. Doch welche Auswirkungen hat das auf die Gesundheit der Stadtbewohner? Und wie lässt sich der urbane Lebensraum nachhaltiger gestalten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Claudia Hornberg , Gesundheitswissenschaftlerin an der Uni Bielefeld. Sie hat einige Jahre lang eine Forschungsgruppe an der Universität Bielefeld geleitet– unterstützt von der Fritz und Hildegard Berg-Stiftung. Die Bielefelder Forscher interessiert vor allem, welche Lebensbedingungen in Städten herrschen und wie sie sich auf die Gesundheit auswirken. Was erhält in Städten gesund? Gesundheit ist ein hohes Gut. Der Gesundheitsbereich ist gleichzeitig ein Innovationstreiber und Wirtschaftsfaktor. Städte und Regionen können viel für die Gesundheit ihrer Bürger erreichen: Sie können gesundheitsfördernde Umgebungen schaffen, Gesundheitsvorsorge betreiben, die Forschung stärken und die medizinische Versorgung verbessern. Doch die Gesundheitssysteme stehen vor immer neuen Herausforderungen: Eine wie auch immer geartete Gesundheitsstadt von morgen muss deshalb Grenzen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen überwinden. Wie können sich Regionen und Städte zu Gesundheitsmodellen entwickeln? Wie viel technisch-medizinischer, wie viel gesellschaftlicher Fortschritt, wie viel politischer Wille ist dafür notwendig?

Erschienen: 20.01.2017
Dauer: 01:25:25

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FG039 Das Anthropozän

Ein neues Zeitalter - der Mensch prägt Gesicht und Wesen der Welt

Der Geobiologe Reinhold Leinfelder vertritt die These, dass die Menschheit die Erde in ein neues geologisches Zeitalter geführt hat. Leinfelder gehört einem internationalen Expertengremium an, das empfohlen hat, das Erdzeitalter des Holozäns für beendet zu erklären. Nach dem Urteil der Wissenschaftler ist diese Epoche, die vor ca. 11.700 Jahren begann und stabilen Umweltbedingungen geprägt war, bereits um das Jahr 1950 einer neuen geologischen Ära gewichen, dem vom Menschen geprägten Anthropozän. Für die Etablierung einer neuen erdzeitlichen Epoche reicht die Einsicht nicht, dass der Mensch offensichtlich zu einem prägenden Faktor der Biosphäre geworden ist. Dieser prägende Einfluss muss sich durch eindeutig nachweisbare sedimentäre Befunde ausweisen lassen. Folgt man den Forschern, schlägt sich der menschliche Einfluss z.B. bei der Beschleunigung von Erosions- und Sedimentierungsprozessen, der Verbreitung von Plastik, Aluminium, künstlichen Radionukleiden und Flugasche oder durch Klimaveränderungen mit Auswirkungen auf den Meeresspiegel nieder. Wie geht es weiter mit dem Antropozän? Leinfelder sagt: „Sollten wir Menschen in einer Zeit, in der nicht nur die Umweltzerstörung, sondern auch das Wissen über die zugrundeliegenden Prozesse gestiegen ist, nicht dazu fähig sein, das Anthropozän so zu gestalten, dass die planetaren Grenzen des Erdsystems nicht gefährdet werden, indem wir uns als Teil eines Gesamtsystems verstehen, das es zu erhalten gilt?“

Erschienen: 13.12.2016
Dauer: 01:32:34

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FG038 Politische Zäsuren und das Recht

Über das Wesen des Rechtssystems und seine Bedeutung für die Stabilität einer Gesellschaft

Der Rechtswissenschaftler Benjamin Lahusen erforscht, wie die deutsche Rechtsprechung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs funktionierte – und wie zahlreiche Prozesse erstaunlich nahtlos in der jungen Bundesrepublik fortgeführt wurden. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Frage, wie politische Zäsuren im Recht verarbeitet werden. Noch im Februar 1945 schrieb Reichsjustizminister Otto Thierack an alle Gerichte, bei Feindannäherung erwarte er von seinen Behördenleitern, dass „in ihren Geschäftsbereichen in voller Ruhe“ weitergearbeitet werde. Obwohl die Gerichte unter Personalmangel litten, nicht selten in zerstörten Gebäuden tagten und Akten teilweise verbrannt waren, gab es kurz vor Kriegsende kaum einen Fall, der für die Justiz zu unbedeutend gewesen wäre. Deutsche Gerichte fällten in dieser Zeit nicht nur die sattsam bekannten Todesurteile; auch Ehescheidungen, Nachbarschaftsstreitigkeiten oder Straßenverkehrsdelikte verhandelten sie mit stoischem Gleichmut weiter. Benjamin Lahusen leitet derzeit die wissenschaftliche Nachwuchsgruppe „Die Verwaltung von Normalität. Deutsches Recht und deutsche Gesellschaft, 1944–1952“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2012 wurde er in das Stipendienprogramm der Daimler und Benz Stiftung aufgenommen, 2014 wurde er Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung. (Foto: Mirko Krenzel/ VolkswagenStiftung)

Erschienen: 24.11.2016
Dauer: 01:23:32

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FG037 Freies Wissen und Open Data

Die Kultur frei verfügbaren Wissens und offener Daten verändert die Welt

Die freie Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von (öffentlichen) Daten ist immer noch ein Desiderat. Auch wenn die „Befreiung“ von Daten in jüngerer Zeit Fortschritte gemacht hat, tun sich gerade hierzulande immer noch große Widerstände auf. Im „Global Open Data Index“ befindet sich Deutschland nur auf Platz 26. Es gibt also noch viel zu tun, auch und gerade im Bereich von Wissenschaft und Forschung. Wir sprechen deshalb in dieser Folge mit Pavel Richter, der lange Zeit Geschäftsführer von „Wikimedia Deutschland“ war und heute in gleicher Funktion bei „Open Knowledge International“ tätig ist. Dort setzt er sich dafür ein, offenes Wissen zu erzeugen und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Nutzung und Verbreitung zu unterstützen.

Erschienen: 08.11.2016
Dauer: 01:53:22

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FG036 Internationalisierung der Forschung

Vernetzung, Internationale Kooperation und Hochschulbildung als globaler Markt

Es ist paradox: Zum einen ist Forschung – sowohl in Hochschulen als auch außeruniversitären Einrichtungen - zu großen Teilen nationalstaatlich organisiert und finanziert. Zum anderen versteht sich Forschung von jeher als supranational oder genauer: universal. Die Internationalisierung der Forschung, wie sie sich in internationalen Kooperationen manifestiert, feiert seit den 1980er-Jahren einen unaufhaltsamen Aufschwung. Das kommt nicht von ungefähr: Internationale Ko-Autorenschaften in Zeitschriftenaufsätzen werden stärker wahrgenommen und häufiger zitiert als nationale. Für Wissenschaftler, die ihre Reputation steigern wollen, sind internationale Kooperationen also überaus attraktiv. Für Forschungsinstitute ist es dagegen attraktiv, namhafte Wissenschaftler an sich zu binden. Der globale „War for Talents“ ist in vollem Gange. Spitzenleute werden weltweit mit attraktiven Forschungsbedingungen und guten Gehältern gelockt. Auch Hochschulen, die in wichtigen Rankings reüssieren wollen, bewegen sich längst in internationalen Gefilden: (steuerfreie) Hochschulableger in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Saudi-Arabien sind keine Seltenheit mehr und sowohl der internationalen Strahlkraft von Universitäten hilfreich als auch dem Wunsch jener Länder, Teil der internationalen Wissenschaftsgesellschaft zu werden. Bei all dem wird deutlich: Die internationale scientific community ist ein knallharter Wirtschaftszweig geworden. Dagegen nehmen sich die Anstrengungen der auf die Stärkung der nationalen Forschung an deutschen Hochschulen ausgerichteten Exzellenzinitiative fast ein wenig provinziell aus. Wie sich hingegen der Brexit auf die britische Forschung auswirken wird, ist einstweilen noch etwas unklar. Die Befürchtungen vieler britischer Forscher, international ins Hintertreffen zu geraten, sind aber sicher nicht unbegründet.

Erschienen: 19.10.2016
Dauer: 01:45:29

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FG035 Science Slams und Wissenschaftskommunikation

Wissenschaft mit Spaß und Begeisterung zugänglich machen

Die Molekularbiologin Julia Offe kann für sich in Anspruch nehmen, die Wissenschaftskommunikation in Deutschland entscheidend belebt zu haben. Mit dem zuvor weitgehend unbekannten Format der „Science Slams“ holte sie die Wissenschaft aus den Laboren auf die Bühne. Denn – so die Idee – Forschungsthemen witzig und unterhaltsam in zehn Minuten vor Publikum zu präsentieren, kann durchaus helfen, auch wissenschaftsferne Mitmenschen für Forschung zu begeistern. Science Slams gibt es mittlerweile in der ganzen Republik und zum Glück finden sich mittlerweile auch genug Wissenschaftler, die hier gerne mitmachen. Denn - so erzählt uns Julia Offe – für ihren ersten Science Slam im Jahr 2009 war es gar nicht so einfach, geeignete und willige Teilnehmer zu finden. Und so sprechen wir in dieser Folge über Didaktiker, die nicht präsentieren können, über die Schwierigkeit, Wissenschaft witzig und gleichzeitig fundiert zu präsentieren, über Globuli und die GWUP, und warum gute Wissenschaftskommunikation dabei helfen kann, antiwissenschaftliche Scharlatane in Schach zu halten.

Erschienen: 19.09.2016
Dauer: 01:37:42

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FG034 Werner Heisenberg

Wie die Physik unser Weltbild revolutionierte

2016 jährt sich der Todestag von Werner Heisenberg zum vierzigsten Mal. Der Physiker und Philosoph (1901 – 1976) veränderte mit seiner „Quantenmechanik“ das bis dahin von Newton geprägte mechanistische Weltbild der Physik von Grund auf. Aber nicht nur das: Die Quantenmechanik bestimmt auch die Welt, wie wir sie kennen: mit Mikrochips und Computern, aber auch mit Atomkraft und –bomben. Wie dieser beispiellose Durchbruch gelang, schildert der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer in dieser Episode. Fischer hat sich intensiv mit dem Leben und Wirken Werner Heisenbergs auseinandergesetzt. Er bringt uns einen Mann näher, der über scheinbar unendliche Talente und Fähigkeiten verfügte. Das Mathe-Genie oder den Künstler, der zum Denken vor allem ein Klavier und Beethoven brauchte, den unerschrockenen Jungspund, der Nobelpreisträger in der Vorlesung belehrte oder die griechischen Klassiker im Original las. Vor allem erzählt er uns von jener schicksalhaften Nacht auf Helgoland. Dorthin war der heuschnupfengeplagte Heisenberg im Juni 1925 geflüchtet, um sich ein weiteres Mal mit den verwirrenden Geheimnissen im Innern der Atome zu beschäftigen. Und hier in dieser Nacht – wir stellen sie uns sturmumtost und magisch vor – gelingt ihm endlich der wissenschaftliche Durchbruch: Er findet die Sprache, mit der Atome beschrieben werden können und ihre Quantensprünge verständlich werden. Heisenberg steigt auf einen Fels an der Steilküste und beobachtet ergriffen den Sonnenaufgang. Und wir lauschen ergriffen dieser Folge über einen außergewöhnlichen Forschergeist.

Erschienen: 29.08.2016
Dauer: 01:43:27

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FG033 Cusanus-Hochschule

Akademische Selbstgründung einer Hochschule als Alternative zu privaten und staatlichen Ansätzen

Was bringt jemanden dazu, eine neue Hochschule zu gründen? Was treibt einen an, in einem Land voller Bildungsinstitutionen etwas zu wagen, das sich stark vom Herkömmlichen unterscheidet? Silja Graupe und ihre Mitstreiter verstehen sich als Bildungsbürger der ganz anderen Art, und sie haben es einfach getan: Sie gründeten mit der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues eine staatliche Hochschule in freier Trägerschaft. Sie taten das ohne einen großen Finanzier im Hintergrund, aber ausgestattet mit Überzeugung, Mut und viel Erfahrung im und mit dem etablierten Wissenschaftssystem.

Erschienen: 10.08.2016
Dauer: 01:39:41

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FG032 Hochschule und Zivilgesellschaft

Mission Gesellschaft - Aus dem Elfenbeinturm in die Mitte des Lebens

Wie weltfremd darf Wissenschaft sein? Wie weltzugewandt soll eine Hochschule sein? An der Hochschule Bremerhaven hat sich der Ökonom Michael Vogel viele Gedanken über diese Fragen gemacht. Für ihn ist klar: Hochschulen – und mit ihnen vor allem die Studierenden – müssen sich bewusst werden, dass sie eine besondere Rolle für die Gesellschaft spielen. Diese Rolle müssen sie aktiv gestalten. Michael Vogel hat das mit dem Sozialprojekt namens „Die Zeitschrift der Straße“ (und dem Folgeprojekt „Uni der Straße“) getan. Das Bremer Straßenmagazin wird gemeinsam von Studierenden, Journalisten, sozial Engagierten, Hochschullehrern, Wohnungslosen und von Armut bedrohten Menschen gemacht. Wie schwierig es war, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen, Studierende und andere Partner dafür zu begeistern, das Projekt gegen alle Arten von Widerständen weiterzuentwickeln, davon erzählt uns Michael Vogel in dieser Episode. Und so lernen wir mit ihm, dass Bremerhaven beileibe kein Kreuzfahrerparadies ist, sondern ein Ort voller sozialer und wirtschaftlicher Probleme. Gerade hier, an den Rändern der Republik, steht eine Hochschule unter dem Druck, nicht nur klassischer Ort für Bildung und Forschung, sondern auch für soziale und wirtschaftliche Innovationen zu sein. Als Hochschule erfolgreich zu sein, bedeutet hier auch, dazu beizutragen, eine schwierige Region mit außergewöhnlichen Ideen zu stärken.

Erschienen: 18.07.2016
Dauer: 01:37:21

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FG031 Abenteuer Mathematik

Einblicke in die Mathematik im Dienste von Wissenschaft und Gesellschaft

An der Mathematik scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie ein rotes Tuch und Alptraum der Schulzeit, für die anderen ist sie Inspiration, Herausforderung und Kunst zugleich. Zu den bedingungslosen Mathe-Begeisterten gehört zweifellos Günter M. Ziegler. Er ist nicht nur einer der bekanntesten Mathematiker in Deutschland, sondern zugleich auch einer ihrer glühendsten Fürsprecher. Kaum ein anderer vermag so kompetent und fesselnd über die Bedeutung der Mathematik zu referieren wie der vielfach ausgezeichnete Forscher aus Berlin. Und so nimmt er uns in dieser Folge mit auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte und die Mysterien der Mathematik. Wir sprechen über den berühmten Ishango-Knochen und die Geburt der Mathematik, über Holzwege, die zum wissenschaftlichen Streben dazugehören, und wir lernen, dass Mathematik sowohl olympisch als auch diskret sein kann.

Erschienen: 30.06.2016
Dauer: 01:59:02

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