Silvia Berger Ziauddins Buch «Bunkerland» führt in den Schweizer Untergrund. Es begleitet Ingenieure und Planer, untersucht ihre Netzwerke und Konzepte und zeigt, wie Wissen im Kalten Krieg transatlantisch zirkulierte und Schweizer Schutzräume zum globalen Exportschlager avancierten. Ab den späten 1970er Jahren verlor der Zivilschutzbunker seine Aura unantastbarer Sicherheit und wurde zur Bühne für neue Klänge und Gefühle, für veränderte Geschlechter- und Lebensentwürfe. Diesen alternativen Nutzungsformen geht das Buch ebenfalls nach und zeigt schliesslich auch, wie der Atomschutzbunker angesichts aktueller Krisen erneut ins Blickfeld rückt. In der neusten Cliocast-Folge spricht Silvia Berger Ziauddin mit Séveric Yersin über das ungewöhnlich breite Quellenspektrum, das erforderlich ist, um militärische, politische, wissenschaftliche und kulturelle Dimensionen des Bunkers sowie die vielfältigen Formen seines sozialen Gebrauchs erfassen zu können. Sie erklärt, wie im Kalten Krieg neue Schutzkonzepte aufkamen, wie der Bunker sich in der Schweiz etablierte und zum Ausdruck einer Ideologie der Machbarkeit und der technokratischen Rationalität wurde - und wie sich dieser regulierte Raum zum Gegenstück des gesellschaftlichen Wandels entwickelte, der Ende der 1960er Jahre einsetzte. Abschliessend geht das Gespräch den Fragen nach, ob der Bunker die richtige Antwort auf das heutige Zeitalter der Polykrisen sein kann und welche Rolle der Historikerin in gegenwärtigen Debatten zukommt. Berger, Silvia: Bunkerland. Die Schweiz im nuklearen Zeitalter. Eine Raumgeschichte, Göttingen 2026.
Erschienen: 20.08.2026
Dauer: 00:46:10
«Unerhört» – in ihrem Buch über die ersten Politikerinnen im Bundeshaus geht Fabienne Amlinger der Geschichte der National- und Ständerätinnen nach, die ab 1971 ihr Amt antraten. In verschriftlichten Gesprächen führt sie an die Erfahrungen und Erlebnisse der Politikerinnen heran und eröffnet in fünf Essays geschlechterspezifische Perspektiven auf politische Praktiken im Bundeshaus – von den von Männern geprägten Konventionen des Politisierens, über die räumlich-architektonische Ausrichtung des Bundeshauses, in dem Frauen ursprünglich nicht als Benutzerinnen vorgesehen waren, bis zu den spöttischen Reaktionen auf das Auftreten der Politikerinnen in den Räten.In der 33. Cliocast-Folge spricht Fabienne Amlinger mit Isabelle Schürch über den Weg von der Ausstellung bis zu diesem Buch, die Bedeutungsvielfalt des Titels und über ihre lange Auseinandersetzung mit der politischen Partizipation von Frauen. Sie erzählt von ihren Gesprächen mit den Polit-Pionierinnen und erklärt, wie sie den grossen Fundus an Interviews, den sie über viele Jahre angelegt hat, in einen wissenschaftlich fundierten Text brachte, der einem breiten Publikum die Erfahrungen der Politikerinnen näherbringt.
Erschienen: 11.06.2026
Dauer: 00:32:19
In seinem Buch «Wie der Verwaltungscomputer die Arbeitsmigration programmierte» analysiert Moritz Mähr die Einführung und Entwicklung elektronischer Datenverarbeitungssysteme in der Schweizerischen Bundesverwaltung von 1964 bis 1982. Von der Einführung der ersten Grossrechner über die Einrichtung des Zentralen Ausländerregisters bis hin zu den Bildschirmterminals – die Studie beleuchtet, wie der Einsatz von Computern und neuen Informationssystemen Verwaltungspraktiken, Handlungsspielräume und politische Entscheidungsprozesse verändert hat.In der neusten Cliocastfolge erläutert Moritz Mähr sein Interesse als Technikhistoriker an der Migrationsgeschichte. Im Gespräch mit Alexandra Binnenkade geht es um die Anfänge des Computers in der Bundesverwaltung und die Arbeitspraktiken von Frauen, die diese anfänglich vorwiegend bedienten, um die frühen Diskussionen über den Datenschutz in den 1970er Jahren und den Umgang mit Leerstellen in den Quellen. Er erklärt zudem, wie er grosse Bestände digitalisierter Dokumente und strukturierte Daten bearbeiten konnte, und führt aus, wieso die Quellenkritik und Archivbesuche mit der zunehmenden Digitalisierung und dem Aufkommen von KI ihre Bedeutung nicht verlieren.
Erschienen: 08.05.2026
Dauer: 00:35:11
Bruno Strasser and Thomas Schlich's book, The Mask: A History of Breathing Bad Air, traces the history of protective masks from the Great Plague to the present day. The richly illustrated volume highlights, through various case studies, the different medical, but also social and political functions that this object has served throughout the centuries.In this 31st episode of Cliocast, Séveric Yersin discusses a number of compelling topics with Bruno Strasser, such as the decision to write for a general audience without compromising on scientific quality, the practice of experimental history, and why reusable masks disappeared in the 1960s.
Erschienen: 17.12.2025
Dauer: 00:44:41
Cliocast #30: Gil Mayencourt - Faire nation en faisant de la gymnastique
Erschienen: 19.08.2025
Dauer: 00:27:12
Livia Cárdenas untersucht in ihrem Buch «Imagination Mittelalter» Projektionen dieser Epoche in Objekt-Sammlungen des 18. und 19. Jahrhunderts. Dabei beschäftigt sie sich in ihrem Buch mit einer komplexen Gemengelage: Mit Mittelalterbildern und Mittelalterästhetik, mit Sammlungen und ihrem Gebrauch (und Wiedergebrauch), mit regionaler Geschichte zwischen der Schweiz und Preussen und schliesslich mit Rezeptions- respektive Projektionsgeschichte. In der 29. Cliocastfolge spricht Isabelle Schürch (Bern) mit Livia Cárdenaüber die Inhalte des Buchs, den dialektischen Aufbau und die Fallgeschichten, insbesondere über die bürgerlich anachronistische Glasmalerei-Sammlung des Zürchers Johan Martin Usteri. Die beiden Mediävistinnen reden zudem über die Entstehung bis heute anhaltender Mittelalter-Vorstellungen, über Sammlungsbewegungen und Deutungsverschiebungen und schliesslich auch darüber, was eine Projektionsgeschichte zu leisten vermag.
Erschienen: 04.07.2025
Dauer: 00:31:17
Weitere Informationen zur Episode "Cliocast #29: Livia Cárdenas - Imagination Mittelalter"
In den 1970er Jahren entstand in der Schweiz eine soziale Bewegung, die sich gegen die restriktive Wende in der Asyl- und Migrationsfrage richtete. In seinem Buch über Asyl und Aktivismus im späten 20. Jahrhundert untersucht Jonathan Pärli die «andere Schweiz», eine innovative und international vernetzte Solidaritäts- und Protestbewegung.In der neuen Cliocast-Folge spricht Alexandra Binnenkade mit Jonathan Pärli über dieses Buch. Sie diskutieren, wer zu dieser «anderen Schweiz» gehörte und wie die Rolle geflüchteter Menschen darin mit Ansätzen von Hannah Arendt und Jacques Rancière verstanden werden kann. Es geht auch um die handfesten Erfolge und um das Demokratieverständnis der Bewegung, die befürchtete, die Bedrohung demokratischer Rechte und Freiheiten würde schrittweise auf die gesamte Gesellschaft ausgeweitet werden.Stern, Michael: Stand Up (based on Words by Martin Niemöller), Rise Up Singing, 1985. Online: .Leadsheet: https://www.riseupsinging.org/files/leadsheets/Stand%20Up%20leadsheet.jpgGesungen: https://www.youtube.com/watch?v=4p10PbdEQz8
Erschienen: 28.03.2025
Dauer: 00:27:45
Weitere Informationen zur Episode "Cliocast #28: Jonathan Pärli - Die andere Schweiz"
Avec « L'énergie en Suisse. De 1800 à nos jours », Cédric Humair et Nicolas Chachereau offrent une courte synthèse de l'histoire de la production et de la consommation d'énergie en Suisse, qui va des sources traditionnelles aux combustibles fossiles, de l'énergie nucléaire jusqu'aux nouvelles énergies renouvelables. Les auteurs soulignent que ces différentes sources d'énergie ne se substituent pas les unes aux autres, mais se cumulent et s'enchevêtrent au fil du temps, formant un système complexe en constante évolution.
Erschienen: 06.03.2025
Dauer: 00:42:03
Dans son livre paru en 2024 «Entre mutualisme et marché. Le développement du système suisse d’assurance-maladie (XIXe-XXe siècles)», Geoffroy Legentihomme parcourt 150 ans d’histoire de la protection des individus contre les conséquences financières des risques de santé en Suisse. Le livre retrace l’émergence et l’essor des sociétés de secours mutuel du XIXe, puis leurs transformations vers un modèle d’assurance, pour arriver à la généralisation de l’assurance maladie universelle au XXe siècle. Dans son dialogue avec Sévéric Yersin, Legentihomme revient sur les fond d’archives qui ont donné matière à cette recherche, puis donne un tableau vivant des sociétés de secours mutuel au XIXe siècle, avant d’aborder les facteurs qui ont présidé à leur évolution vers un modèle de caisse maladie centré sur le remboursement des soins. Le dialogue aborde aussi la question actuelle de l’explosion des coûts et les enseignements de la recherche historique pour le débat politique actuel.
Erschienen: 20.08.2024
Dauer: 00:30:38
Martin Dusinberre’s «Mooring the Global Archive» is an intervention into debates on how global history could be written and what a global archive could look like. Published in 2023, this engaging book takes the reader on board a steamship, the Yamashiro-maru, to follow its passages and landfalls across the Asian and Pacific waters at the end of the 19th century. Dusinberre tries to reconstruct the lives and experienced realities of some of its passengers: male and female migrants who left their native Japan to work in Hawai’i, Singapore or Australia. In this sense, the book is a plea for global history as histories of migrants, labour and exploitation. Dusinberre makes use of a range of source material – from a portrait, maps, a ship model, a translated transcript to a piece of coal and a headstone – to address questions of heuristics, methodology and the positionality of a historian’s perspective. Isabelle Schürch (Bern) talks with Martin Dusinberre (Zürich) about the fact that «this has been a messy book in the making» (p. 37). They reflect on the traps, pitfalls and shortcomings historians face when they do not constantly reflect their own positionality in their research. Taking a lunch break from archival work on Hawai’i as one starting point, Martin Dusinberre gives insights into why he thinks we need a more open, transparent, and candid way to talk and write about our own research contingencies, experiences and failures.
Erschienen: 08.07.2024
Dauer: 00:31:08
Weitere Informationen zur Episode "Cliocast #25: Martin Dusinberre - Mooring the Global Archive"