Becher wurde in der DDR zum sozialistischen Nationaldichter ausgerufen und galt lange als Repräsentant des Sozialistischen Realismus schlechthin. Dass dies mit seinem eigentlichen Werk nur bedingt zu vereinbaren ist, haben wir bereits mehrfach festgestellt. Heute schauen wir uns an, wie es dazu kam: welches Bild Walter Ulbricht von Becher in seiner Trauerrede zeichnet und wie die DDR-Literaturwissenschaft über Becher schreibt.
Erschienen: 02.07.2026
Dauer: 01:04:26
München ist Bechers Geburtsstadt – kein Wunder, dass er sie bedichtet hat. Der Lyrikband „München in meinem Gedicht“ von 1946 geht aber nicht in der pathetischen Heimatbeschwörung auf, die man an anderer Stelle antrifft und erwarten mag. Stattdessen ist „München in meinem Gedicht“ ein hochpolitischer Band, der viel über die unmittelbare Nachkriegszeit verrät: Verlegt hat den Band der Jugendfreund und erste Becher-Verleger Heinrich F. S. Bachmair in seinem neu gegründeten Starnberger Verlag – und am Ende steht ein zwölfteiliger Gedichtzyklus über die Weiße Rose.
Erschienen: 25.06.2026
Dauer: 01:03:54
Weitere Informationen zur Episode "29 „München in meinem Gedicht“ (1946)"
Religiöse Verweise sind im Werk Bechers überall zu finden. Es wird Zeit, dass wir mit einem Theologen darüber sprechen! Das tun wir in der heutigen Folge. Zu Gast ist Jens Schröter, Professor für Exegese und Theologie des Neuen Testaments sowie die antiken christlichen Apokryphen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Thema sind Bechers frühe Mariengedichte, seine De-Profundis-Dichtungen, das Lied „Lenin“ und die „Poetische Konfession“ (1954).
Erschienen: 18.06.2026
Dauer: 01:21:54
Weitere Informationen zur Episode "28 Becher und die Religion (mit Jens Schröter)"
Thomas Mann und Becher hatten ein gutes Verhältnis – bereits beim Hochverratsprozess 1926-28 (siehe Folge 6) hatte sich Mann für Becher eingesetzt. In der Exilzeit intensiviert sich der Kontakt: Becher fragt Mann um Beiträge für die Zeitschrift „Internationale Literatur“ an und beide lesen ihre Werke gegenseitig. 1949 und 1955 gelingt es Becher, Mann zweimal nach Weimar zu holen. Wir hören Auszüge aus den Schiller-Reden Bechers und Manns, schauen in den vorangegangenen Briefwechsel und in Bechers Texte über Thomas Mann.
Erschienen: 11.06.2026
Dauer: 01:07:38
Weitere Informationen zur Episode "27 Becher und Thomas Mann"
Während Becher Hölderlin und Schiller in seiner Jugend bereits zugetan war, wendet er sich Goethe erst in den Exiljahren zu. 1949 und 1955 kommt es ihm in seiner kulturpolitischen Rolle zu, für beide Klassiker wichtige Jubiläen zu begehen und mit Reden zu begleiten. Wir sprechen über Bechers Verhältnis zu den Klassikern und seine Deutung von Hölderlin, Goethe und Schiller.
Erschienen: 04.06.2026
Dauer: 01:01:26
Weitere Informationen zur Episode "26 Hölderlin, Goethe, Schiller – Becher und die Klassiker"
Was weiß man heute als politische Schriftstellerin mit DDR-Herkunft über Johannes R. Becher? Und wie soll man mit der Generation derer umgehen, die die DDR aufbaut haben und literarisch in ihr gewirkt haben? Diese Fragen diskutieren wir mit der Schriftstellerin Anne Rabe, deren jüngstes Buch „Das M-Wort“ (2025) und deren Theodor-Heuss-Gedächtnis-Vorlesung 2025 an der Universität Stuttgart mit dem Titel „‚Sind wir noch zu retten?‘ Über Demokratie und Moral“ wir zum Anlass nehmen, Becher (auch) als Moralist zu beleuchten.
Erschienen: 28.05.2026
Dauer: 00:54:45
Weitere Informationen zur Episode "25 Die Moral des Dichters in der frühen DDR (mit Anne Rabe)"
Becher hatte nicht nur einen Vater, er war auch Vater – und das Verhältnis zu seinem 1933 mit der Mutter Lotte nach England ausgewanderten Hans Thomas (John T.) Becher war ebenfalls spannungsbehaftet. 1951 veröffentlichte John T. Becher nach einem Besuch bei seinem Vater in Ostberlin einen offenen Brief, indem er dem Älteren seine Blindheit und Machtlosigkeit vorwarf. Wir sprechen über diesen und über einige andere einschlägige Briefe zum Vater/Sohn-Verhältnis.
Erschienen: 21.05.2026
Dauer: 01:15:44
Weitere Informationen zur Episode "24 Ein widerwilliger Vater: Becher und sein Sohn"
„Romeo und Julia auf dem Dorfe“ (1855/56) ist einer der berühmtesten Texte Gottfried Kellers – und eines der wichtigsten Werke des Realismus. Becher hat 1946 eine eigene Neudichtung vorlegt: einen „Roman in Versen“, wie er ihn selbst nennt. Was hat es mit dieser Neudichtung eines Klassikers auf sich? Und wie wird aus einem Keller-Text ein typischer Becher? Wir fragen nach!
Erschienen: 14.05.2026
Dauer: 00:49:53
Weitere Informationen zur Episode "23 „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ – Neudichtung von 1946"
Bertolt Brecht und Gottfried Benn waren wichtige Weggefährten Bechers schon in der Weimarer Republik: Während Becher und Benn unterschiedliche Weltanschauungen vertraten, verbindet Becher mit Brecht die grundsätzliche politische Einstellung. Dennoch ist Brechts Blick auf den Kollegen durchaus kritisch. Wir begrüßen als Gast den Literaturwissenschaftler Hans-Harald Müller, einen Experten der linksbürgerlichen und linksradikalen Literatur der Weimarer Republik, der uns hilft, die drei Dichter mit B in Bezug zueinander zu setzen, und tragen ihm unsererseits ein Gedicht vor.
Erschienen: 07.05.2026
Dauer: 01:13:51
Weitere Informationen zur Episode "22 Becher, Benn und Brecht (mit Hans-Harald Müller)"
Der Uracher Kreis von Karl Raichle war eine revolutionäre Kommune, die zwischen 1920 und 1931 im heutigen Bad Urach Bestand hatte und der Becher Anfang der 1920er Jahre einige Zeit angehört – prägende Jahre, wie man daraus ersehen kann, wie oft er noch im Alter in seinen Dichtungen auf Urach zurückkommt. Wir rekonstruieren, was es mit Urach auf sich hat und sprechen über Bechers Versepos „Urach. Der Wanderer aus Schwaben“ (1947).
Erschienen: 30.04.2026
Dauer: 01:16:45
Weitere Informationen zur Episode "21 Revolution im Schwabenland – Becher und der Uracher Kreis"