Podcast "Flurfunk Geschichte"

Daniel und Solveig sind begeistert von Geschichte und haben sie lange zusammen im Museum zahlreichen Menschen vermittelt. Als das nicht mehr möglich war, haben sie sich im Lockdown gegenseitig mit skurrilen und berührenden historischen Anekdoten unterhalten. Das tun sie jetzt wieder und Ihr alle könnt dabei sein!

Podcast-Episoden

FG023 - Non habemus Papissam

Gab es eine Päpstin als Nachfolgerin des Apostelfürsten Petrus im Vatikan? Hat eine Geschichtsfälschung Päpstin Johanna aus den Annalen des 9. Jahrhunderts verschwinden lassen? Der populäre Roman der amerikanischen Autorin Donna Woolfolk Cross erschien 1996 und dürfte in manchen Regalen zusammen mit Romanen über starke Hexen zu finden sein. In Deutschland wurde die Geschichte spätestens durch die Verfilmung bekannt. Dabei wird die Geschichte der Päpstin Johanna als feministische Geschichte gelesen. Die eigentliche Geschichte ist weder wahr, noch ein feministisches Vorbild. Für die populären Vorstellungen einer Päpstin Johanna ist hauptsächlich der Dominikaner Martin von Troppau verantwortlich. Dieser Verfasste eine einflussreiche Chronik von Päpsten und Kaisern und löste mit einem Halbsatz die langlebige Verschwörungstheorie aus. Ausgeschmückt wurde das Ganze dann in der Schedelschen Weltchronik im 15. Jahrhundert. Demnach gebar Johanna auf dem Pilgerweg nach San Giovanni in Laterano bei der Kirche San Clemente ein Kind und flog dadurch auf. Eine nicht mehr existierende Inschrift soll früher an der Kirche auf das Ereignis verwiesen haben. Tatsächlich hatte sie wohl mehr mit der weit in die Antike zurückreichenden Geschichte des Gotteshauses und dem dort einst praktizierten Mithraskult zu tun. Die Geschichte gefiel vor allem jenen, die noch eine Rechnung mit dem Papsttum offen hatten. Fromme Kirchenmänner konnten damit auf die Verderbtheit der Frau im Allgemeinen und einer Zeit machtvoller Frauen im Besonderen verweisen. So ist das wahrscheinlich nicht der als "weibisch" beschriebene Papst Johannes VIII. das Vorbild für Johanna, sondern die machtvolle römische Senatrix Marozia. Sie galt als "die Böse Mutter aller Unzucht" und ihre Zeit der Herrschaft römischer Adelsfamilien als "Pornokratie". Die Legende um Päpstin Johanna hat also wenig mit feministischer Emanzipation zu tun, sondern vielmehr mit Phantasien von Sex, Macht und Herrschaft.

Erschienen: 13.06.2023
Dauer: 00:39:13

Weitere Informationen zur Episode "FG023 - Non habemus Papissam"


FG022 - Historischer Wahnsinn

Über Jahrtausende wurden psychische Störungen unter der Krankheit der Hysterie zusammengefasst. Das kommt rt von dem griechischen Wort hystéra - zu deutsch "Gebärmutter". Da ist es nicht überraschend, dass vor allem Frauen als hysterisch diagnostiziert wurden. Griechische Ärzte und Philosophen wie Platon sahen den Auslöser der Hysterie in einer erkrankten Gebärmutter, Diese wandere, sollte sie nicht regelmäßig Kinder hervorbringen, hungrig nach dem männlichen Samen durch den Körper hindurch und löse dabei verschiedenste Krankheitssymptome aus. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verabschiedete sich die Forschung, gerade unter dem Einfluss Sigmund Freuds, langsam von dem Gedanken eines erkrankten Uterus. Vielmehr vermutete man nun die Ursachen in traumatischen Kindheitserfahrungen. Dennoch scheute auch Freud nicht davor zurück, hysterischen Patientinnen wie etwa Prinzessin Alice von Battenberg Röntgenbestrahlungen der Eierstöcke zu verschreiben, um ihre psychischen Störungen zu heilen. Im Falle der Prinzessin waren diese angeblich durch eine nicht ausgelebte Schwärmerei zu einem mysteriösen Engländer ausgelöst worden. Seit den 1980ern ist der Begriff aus der Medizin verschwunden. Welchen Einfluss die Hysterie dennoch bis heute insbesondere auf die Frauengesundheit hat, darüber spricht Solveig mit Daniel in dieser Folge. Dabei hätten wohl beide am Ende einen Schluck Frauengold vertragen! Wir freuen uns über Kommentare und Fragen an kontakt@flurfunk-geschichte.de Flurfunk Geschichte ist bei Facebook, Instagram und twitter.

Erschienen: 17.05.2023
Dauer: 00:56:10

Weitere Informationen zur Episode "FG022 - Historischer Wahnsinn"


FG021 - Raus aus den Höhlen!

Diese Flurfunk Kurzgeschichte haben Daniel und Solveig bereits zusammen mit der Folge zu Achill und Patroklos aufgenommen. Dann haben sich zwei neuere Folgen aus Termingründen vorgedrängelt. Aber nun sollt ihr sie unbedingt hören. Solveig hat mal wieder ferngesehen und sich erzürnt: Stein des Anstoßes war eine Sendung zum Film "Caveman". Dazu hieß es, dass Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Steinzeit begründet seien. Das ist auf keinen Fall so, denn die Menschen der Steinzeit müssen für vieles herhalten, was wir uns erst viel später ausgedacht haben. Ein Problem ist natürlich, dass Menschen der Vorgeschichte nichts Schriftliches hinterlassen haben. Aber mittlerweile können wir sicher sein: der "Caveman" hat nicht existiert. Jedenfalls waren weder Homo Sapiens noch Neandertaler halbnackte Menschen in Höhlen. Und wer jagte oder sammelte wurde sicher nach Fähigkeit und nicht nach Geschlecht entschieden. Die Arbeitsteilung nach Geschlecht hat nichts mit der Steinzeit zu tun, sondern mit religiösen Vorstellungen des Mittelalters. So richtig verfestigt haben sich diese im aufgeklärten Bürgertum des 19. Jahrhunderts. Denn dieses projiziert seine eigenen Vorstellungen auf die Epochen, die sie erforschen. Aber geschlechtliche Arbeitsteilung muss man sich leisten können. Auf der Jagd und in der Fabrik mussten alle ran! Wir freuen uns über Kommentare und Fragen an kontakt@flurfunk-geschichte.de Flurfunk Geschichte ist bei Facebook, Instagram und twitter.

Erschienen: 30.04.2023
Dauer: 00:29:18

Weitere Informationen zur Episode "FG021 - Raus aus den Höhlen!"


FG020 - Die Farbe Lila

Nein, in dieser Flurfunk Kurzgeschichte geht es diesmal nicht um eine Filmkritik. Zwar hat Solveig in viel zu jungen Jahren auch den Film "die Farbe Lila" gesehen. In dieser Folge geht es aber tatsächlich um die Farbe Lila und ihre Bedeutung bzw. welche Bedeutungen ihr zugeschrieben werden. Ihren Ursprung haben die Farbcodierungen offenbar in der christlichen Ikonographie. Dabei geht es vor allem um die Darstellungen von Jesus, Maria und Josef. Die Farben sind nicht nur für die Kleidung der Heiligen Familie relevant, sondern werden auch in der Liturgie wieder aufgegriffen. Dass Farben geschlechtsspezifisch verteilt werden, ist wohl erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommen. Das Rot wird männlich gelesen und mit Krieg und Herrschaft verbunden. Das Blau der Maria für Frauen vorgesehen. Das verbindende Lila wird zunächst zum Kennzeichen derer, die für die Gleichberechtigung der Frau kämpfen. Später symbolisiert es das von Magnus Hirschfeld propagierte "Dritte Geschlecht". Ihm und seinem Wirken ist wohl auch das "lila Lied" gewidmet.

Erschienen: 29.03.2023
Dauer: 00:34:10

Weitere Informationen zur Episode "FG020 - Die Farbe Lila"


FG019 - Kartoffeln, Bier und Kippen! Die Märzrevolution 1848

Alle auf die Barrikaden! Vor 175 Jahren bricht erstmals auch in Deutschland die Revolution aus. Aber war es nur ein "Überschwappen" der Pariser Februarrevolution nach Deutschland? Vormärz Über lange Zeit hatte sich schon einiger Unmut in den deutschen Ländern angesammelt. Der sogenannte Vormärz war bestimmt von der restaurativen Politik des Deutschen Bundes. Unter der Führung des österreichischen Staatskanzlers Fürst Metternich kontrollieren die Regierungen die Presse und universitäre Lehre. Auf einem Weinfest am Hambacher Schloss werden erstmals Forderungen nach Bürgerrechten massenhaft laut. Neben zahlreichen Exilanten sind die "Göttinger Sieben" die prominentesten Opfer der Politik deutscher Fürsten. Märzrevolution war eigentlich schon länger Schon bevor in der Märzrevolution 1848 alles endgültig eskaliert gibt es den Aufstand der schlesischen Weber, die Kartoffelrevolution in Berlin und die Bierrevolution in München! Sind die Grundbedürfnisse befriedigt, sind die meisten Revolutionäre auch schnell wieder zufrieden. Die Wiener jubeln ihrem Kaiser zu und die Berliner freuen sich über die Aufhebung des Rauchverbots - sogar im Tiergarten! In den dortigen "Zelten" treffen sich diejenigen, die neue Freiheiten dauerhaft festschreiben wollen und sich und dem Land eine Verfassung wünschen. Dass es zu Barrikaden-Bau und toten Revolutionären kommt, erklärt der preußische König sich mit einem entsetzlichen Missverständnis. "Seinen lieben Berlinern" verkündet er, es seien nur einige fremde Ruhestörer in der Stadt gewesen. Immerhin zieht der Monarch den Hut vor den Gefallenen. In Kürze gibt's hier den Link zu "Flurfunk Paulskirche". Verfolgt mit uns die Debatten in der ersten deutschen Nationalversammlung! Wir freuen uns über Kommentare und Fragen an kontakt@flurfunk-geschichte.de Flurfunk Geschichte ist bei Facebook, Instagram und twitter.

Erschienen: 17.03.2023
Dauer: 1:34:25

Weitere Informationen zur Episode "FG019 - Kartoffeln, Bier und Kippen! Die Märzrevolution 1848"


FG018 - Achill und Patroklos

Daniel und Solveig sind nach der letzten Folge einfach noch etwas länger sitzen geblieben, denn es war noch ein letzter Schluck vom Geburtstagssekt übrig und ein weiteres antikes Thema. Und dazu hat Solveig sich etwas überlegt. Da wir ja mittlerweile nur eine Folge im Monat schaffen, möchte Solveig Euch die Wartezeit mit einem kleinen Flurfunk-Häppchen versüßen - oder wie sie selbst sagt: ein Amuse-Gueule. Ein kleines Thema für zwischendurch, das sich für eine normale Folge nicht lohnen würde. Das erste Flurfunk-Geschichtchen ist dafür eine alte Heldengeschichte - nämlich die Freundschaft von Achill und Patroklos. Nach Solveigs Meinung ist das die Hauptgeschichte der Ilias von Homer. Dabei sind Achill und Patroklos sicher ebenso gut erfunden, wie die wettenden Götter und Troja, aber haben eine ordentliche Rezeptionsgeschichte hinterlassen. Und darin geht es im wesentlichen um die Frage, ob die beiden nun etwas miteinander hatten oder nicht. Über das Verhältnis der beiden Helden zu- oder miteinander diskutierte man bereits in der Antike. Damals hatte zumindest die Möglichkeit nichts anstößiges, lediglich um die Rollenverteilung wurde gestritten. Im Mittelalter wie in den 2000ern wollte man sich keine Liebe zwischen Kriegskämpfern vorstellen. Und für feministische Schriftstellerinnen wie Christa Wolf war Achill nur ein "Vieh" ohne jegliche menschliche Regung. In der Gegenwartsliteratur sind die beiden dagegen wieder antike Vorbilder mann-männlicher Liebe. Schließlich ist die Folge doch etwas länger geworden als die geplanten 15 Minuten... Aber was haltet ihr grundsätzlich von einem Flurfunk Amuse Gueule? Schreibt's in die Kommentare auf unserer Website! Wir freuen uns über Kommentare und Fragen an kontakt@flurfunk-geschichte.de Flurfunk Geschichte ist bei Facebook, Instagram und twitter.

Erschienen: 05.03.2023
Dauer: 1:00:54

Weitere Informationen zur Episode "FG018 - Achill und Patroklos"


FG017 - Spartacus will nach Hause

Daniel und Solveig feiern ein Jahr Flurfunk Geschichte. Zur Feier des Tages gibt es eine Flasche Spumante Dolce auf Euer Wohl: danke dass ihr den Flurfunk Geschichte hört! Habt ihr eine Lieblingsfolge? Über welches Thema sollten Daniel und Solveig unbedingt mal sprechen? Zum Jubiläum hat sich Solveig mal wieder von einem Film inspirieren lassen und möchte mit Daniel über einen Protokommunisten sprechen. Keine Ahnung wer das sein soll? Daniel weiß es auch nicht richtig. Es geht in dieser Folge um Spartacus. Als Kriegsgefangener wurde er in Süditalien zum Sklaven und Gladiatoren. Eine merkwürdige Stellung im alten Rom. Einerseits wurden Gladiatoren gefeiert und von Fanclubs angefeuert. Andererseits standen sie als billige Sklaven ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie. Und sie jagten vielen Angst ein. Manch gutsituierter Römer konnte sich hunderte Sklaven leisten, sie zu Kämpfern ausbilden und so eine kleine Privatarmee aufstellen. So verfügte z.B. Gaius Julius Caesar über eintausend Gladiatoren. Sehr praktisch im Bürgerkrieg gegen Pompeius. Aber was, wenn bewaffnete Gladiatoren ausbrechen und den Aufstand wagen? Spartacus wurde zum Anführer eines großen Sklavenaufstandes. Karl Marx sah in ihm einen Freiheitskämpfer, der die Sklavenhaltergesellschaft Roms zerschlagen wollte. Rosa-Luxemburg und Karl Liebknecht schlossen sich mit Gleichgesinnten zu Beginn der Weimarer Republik im Spartakus-Bund zusammen. Der von diesem begonnene Aufstand sollte dem Kommunismus den Weg ebnen und ist bis heute nach Spartacus benannt. Spartakus selbst wollte sicher keine Umwälzung der Verhältnisse in Rom, sondern einfach nur persönliche Freiheit. Er wollte einfach nach Hause. Dort bestellten vermutlich auch Sklaven seine Ländereien. Aber genauer weiß man es nicht, denn alle interessierten sich immer nur für die Heldentaten der Römer. Die wurden besonders zurzeit der Aufklärung verklärt. Für alles, was nicht ins Bild passte - wie Sklaverei und Gladiatorenkämpfe - fand man einen Schuldigen: die Etrusker. Solveig hat übrigens Illyrien mit Kilikien verwechselt. Die erwähnten Piraten stammen nicht vom Balkan, sondern aus der Türkei. Wir freuen uns über Kommentare und Fragen an kontakt@flurfunk-geschichte.de Flurfunk Geschichte ist bei Facebook, Instagram und twitter.

Erschienen: 09.02.2023
Dauer: 1:18:43

Weitere Informationen zur Episode "FG017 - Spartacus will nach Hause"


FG016 - Sisi - Die untote Kaiserin

Zur Weihnachtszeit wurde Elisabeth, einstmals Kaiserin von Österreich, erneut zur Wiedergängerin bei RTL. Solveig aber ist standhaft geblieben und hat die zweite Staffel dieses Machwerks an sich vorbeiziehen lassen. Daniel hat sie sich zwar angeschaut, ist aber dabei jedoch so sprachlos geworden, dass dieses Thema hier nie wieder Erwähnung finden wird! Doch nicht nur bei RTL geht Sisi um. Auch Netflix beteiligt sich mit der "Kaiserin" am Hype. Und Solveig konnte dem nicht widerstehen. Nach der ersten Therapiestunde, gibt es also erneut Redebedarf! Daniels Favorit ist der kaiserliche Bruder Max, der ganz sicher nie gegen Franz Joseph geputscht hat, sondern stattdessen als Kaiser von Mexiko sein Leben verlor. Und weil eine Serie nicht reicht, hat Solveig auch noch eine DVD mitgebracht. Also sprechen Daniel und Solveig noch über ihre frischen Eindrücke von "Corsage". Dankbar, endlich einmal die gealterte Sisi zu erleben, wird der Anfang des Films gewürdigt. Dennoch gibt es auch hier Verirrungen, die verwirren. Schließlich bleibt die Frage: wozu das alles? Und warum immer wieder Sisi? Möge sie in Frieden ruhen! Wir freuen uns über Kommentare und Fragen an kontakt@flurfunk-geschichte.de Flurfunk Geschichte ist bei Facebook und twitter.

Erschienen: 14.01.2023
Dauer: 1:26:14

Weitere Informationen zur Episode "FG016 - Sisi - Die untote Kaiserin"


FG015 - Inquisition | Sie meinen es doch gut!

Im zweiten Teil zur Geschichte der Inquisition nähern wir uns nun doch den lodernden Feuern in Spanien. Zuvor berichtet Solveig noch von der Entstehung der Franziskaner und Dominikaner. Vor allem letztere gelten als "Hunde des Herrn" und stellen aus ihrem Orden etliche Inquisitoren zur Verfügung. Diese werden manchmal als Inspektoren gerufen, kommen aber meistens ungebeten und fallen manchem Ortsbischof durchaus auf die Nerven! Freundlicherweise kündigen sie sich vierzig Tage vorher an. So lässt sich vor der Kontrolle noch einiges in Ordnung bringen. Delinquenten können dankbar sein, wenn sie ab sofort vor ein ordentliches Inquisitionsgericht kommen, statt einem Gottesurteil anheim zu fallen. Denn die Inquisitoren halten sich an ein festes Regelwerk. Das bekannteste Handbuch dazu verfasste Bernard Gui. Der war in Wirklichkeit viel freundlicher als es "der Name der Rose" beschreibt! Vielmehr wird der Inquisitor durch seine standardisierten Verfahren zum Anthropologen. So kennen wir die Gedankenwelt eines Müllers vor 400 Jahren. Verbrannt wurde nur selten. In der Regel reichte eine einfache Entschuldigung. In Spanien wurde die Inquisition zur Angelegenheit der katholischen Könige. Sie richtete sich weniger gegen Ketzer, sondern nach der Reconquista als vielmehr gegen konvertierte Juden und Muslime. Die Maßstäbe dafür setzte der Generalinquisitor Tomás de Torquemada. Der spanische Nationalheilige Jakobus der Ältere konnte zwar noch keine Muslime kennen, wird jedoch oft als "Maurentöter" und Ritter der Reconquista dargestellt. Offiziell aufgelöst wurde die spanische Inquisition erst 1834. Da hatten sich die Kollegen in Rom schon lange auf das Lesen von Büchern konzentriert. Nicht nur theologische Werke mussten auf ihren Wahrheitsgehalt kontrolliert werden. Auch naturwissenschaftliche Werke interessierten das "Heilige Offizium" sehr. Prominenteste Opfer waren Galileo Galilei und Giordano Bruno. Doch eigentlich meinen es die Inquisitoren doch nur gut: Sie wollen unsere Seelen retten! Zum negativen Bild haben anglikanische Zerrbilder und Gothic Novel beigetragen. Auch Dostojewskis Großinquisitor ist kein Sympathieträger, aber absolut lesenswert!

Erschienen: 22.12.2022
Dauer: 1:25:10

Weitere Informationen zur Episode "FG015 - Inquisition | Sie meinen es doch gut!"


FG014 - Inquisition | Ketzer sind Vegetarier!

Über Jahrhunderte verbreitete die Inquisition Angst und Schrecken und heute lassen Folter- und Inquisitionsmuseen die Herzen von Touristen höher schlagen. Jedenfalls ist Daniel einigen dieser Museen während seines Urlaubs in Spanien begegnet. Die hat Daniel nicht besucht. Dafür stand er auf der Plaza Mayor in Madrid und erinnerte sich an das Hochzeits-Autodafé von König Karl II. Diesen König haben Daniel und Solveig einst in der Folge über das glückliche Österreich gewürdigt. Aber warum gab es die Inquisition und war sie wirklich so schlimm? In der heutigen Folge setzen sich Daniel und Solveig zusammen und sprechen über die Entstehung der Inquisition. Dafür klären wir zunächst, gegen wen sie sich richtete und welche Kompetenzen sie besaß. Dafür spielen die Wörter Häresie und Ketzerei eine entscheidende Rolle. Das sind gängige Bezeichnungen für Meinungen, die nicht mit der offiziellen Lehre der römischen Kirche übereinstimmen. Dabei gab es eigentlich schon von Anfang an Streit unter Christen, was denn jetzt der richtige - wahre - Glaube sei. Wir sprechen kurz über den Arianismus und über die Miaphysiten. Wir erleben die Spaltung von Ost- und Westkirche und wie Papst Innozenz III. zweimal erfolglose Kreuzzüge anzettelt. Sein Hauptfeind waren die Katharer, von denen das Wort Ketzer überhaupt kommt. Eigentlich waren die eine Reformbewegung von vielen in der Kirche, aber leider nicht so anpassungsfähig wie ihre Kollegen um Franz von Assisi. Dieses Problem hatte auch Petrus Valdes, der Begründer der Waldenser. Einige Jahrzehnte nach dem Albigenserkreuzzug und der Einnahme ihrer letzten Burg sind die Katharer dann doch wieder verschwunden, während es die Waldenser tatsächlich immer noch gibt! Wir freuen uns über Kommentare und Fragen an kontakt@flurfunk-geschichte.de Flurfunk Geschichte ist bei Facebook und twitter.

Erschienen: 23.11.2022
Dauer: 00:51:22

Weitere Informationen zur Episode "FG014 - Inquisition | Ketzer sind Vegetarier!"


Podcast "Flurfunk Geschichte"
Merken
QR-Code