Mit Folkmar Bornemann von der Technischen Universität München
Mehr als andere Sphären des öffentlichen Lebens wird derzeit der Bildungsbereich durch die leichte Zugänglichkeit sogenannter „General Purpose AI“ verändert. So steht auch die Hochschullehre nach dem sogenannten „Chat-GPT-Moment“ vor grundsätzlichen und schwierigen Fragen. Wieviel Assistenz sollte erlaubt sein? Was lernt man durch KI-Nutzung gar nicht mehr? Und wo beginnt in Prüfungen die Schwelle zum Betrug? Studierende haben sehr schnell begonnen, Sprachmodelle zu ihrer Entlastung einzusetzen – und Regeln für gute Lehre trotz oder mit KI sind nicht einfach zu finden. Dieser Realität müssen sich Lehrende stellen, und sie tun das zurzeit noch mit ganz unterschiedlichen Strategien, denn einheitliche Leitfäden gibt es nicht – und sollte es angesichts der Unterschiedlichkeit der Fächer wohl auch niemals geben. Denn jenseits von Fairness im Prüfungsalltag und von der Vorbereitung auf eine von KI geprägte Arbeitswelt muss die Frage, wo und wie KI zum Einsatz kommen soll, auch und vor allem vor dem Hintergrund des fachlichen Kerns einer jeden wissenschaftlichen Disziplin beantwortet werden. Ebenso gilt weiterhin: Bildung muss kritisches, selbständiges Denken fördern. Sie muss die Freude am Lernen erhalten und diese auch fördern – gerade in Zeiten von generativer KI. Folkmar Bornemann ist Professor für numerische Mathematik und wissenschaftliches Rechnen an der Technischen Universität München und Mitglied der wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats. Im Digitalgespräch schildert der Experte, angesichts welcher Ereignisse der Wissenschaftsrat die Arbeit an seinem Positionspapier zu Hochschulbildung in Zeiten generativer KI aufgenommen hat und welche Überlegungen den Empfehlungen zugrunde liegen, die das Papier Entscheidungsträgern an die Hand gibt. Er zeigt grundlegende Spannungsfelder auf, in denen Hochschulen sich dabei bewegen, und macht deutlich, wie Interessen von Wirtschaft und Politik dabei hineinspielen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring – Gehring war ebenfalls an der Entstehung des besprochenen Papiers beteiligt – diskutiert Bornemann, welche Bedeutung unterschiedliche Fachlichkeiten für die Beschreibung der neuen Realitäten und die Entwicklung von KI-Strategien spielen, wo die Hochschulen öffentliche Unterstützung brauchen, um gute Angebote machen zu können, und wie zentral die existenzielle Bedeutung der Lust am Lernen und Denken gerade heute ist. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-083-folkmar-bornemann Link zur Kurzfassung der Publikation „Intellektuelle Souveränität: Empfehlungen für die Hochschulbildung in Zeiten von generativer KI“ des Wissenschaftsrats: https://doi.org/10.57674/7ekd-bk23 Link zur Langfassung der Publikation „Intellektuelle Souveränität: Empfehlungen für die Hochschulbildung in Zeiten von generativer KI“ des Wissenschaftsrats: https://doi.org/10.57674/1evx-t906
Erschienen: 22.09.2026
Dauer: 00:46:16
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Mit Barbara Brandl von der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Wir geben alltäglich Geld aus. Die Forschung hat gute Einblicke, welche Bevölkerungsgruppen dafür welche Bezahlmöglichkeiten nutzen – Bargeld ist nur eine davon, aber mitnichten überholt! Dass es für viele Menschen gute Gründe gibt, nicht digital zu bezahlen, hat nicht nur, aber auch mit den Geschäftsmodellen von Banken und Bezahldienstleistern zu tun: Ihre Produkte nutzen vor allem gut ausgebildeten Menschen mit hohen Einkommen, Zinsen oder Gebühren treffen andere mitunter hart – sofern sie überhaupt Zugang haben zu digitalen Bezahlmethoden, denn auch das ist eine soziale Frage. Schaut man genau hin, wie digitales Bezahlen funktioniert, stellen sich Gerechtigkeitsfragen, werden unterschiedlichste Interessen offenbar, und tritt ein weiterer guter Grund zutage, mit Nachdruck an europäischen Bezahlsystemen zu arbeiten. Freilich merkt man der Debatte um beispielsweise den digitalen Euro an: für die meisten Befürworter steht die digitale Souveränität Europas im Fokus. Die vernachlässigten Themen der Sozialverträglichkeit und Inklusion beim Zahlungsvorgang selbst könnten aber mit der Einführung einer europäischen Lösung fürs digitale Bezahlen mit adressiert werden – sofern bei der konkreten Ausgestaltung die Interessen aller berücksichtigt werden. Barbara Brandl ist Professorin für Wirtschaftssoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und arbeitet unter anderem zu sozialen Ungleichheiten in digitalen Bezahlpraktiken. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, wie digitales Bezahlen in unserer Gesellschaft organisiert ist, welche Möglichkeiten der Verbraucher dabei hat und wie sie sich unterscheiden, und warum Bargeld auch weiterhin große Bedeutung behält. Sie schildert, was Hürden bei der Einführung eines digitalen Euros sind, und was Europa aus Erfahrungen lernen kann, die andere Weltregionen mit digitalem Bezahlen bereits gemacht haben. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Brandl, an welche Grenzen der Verweis auf individuelle Verantwortung stößt, wenn es darum geht, sich unfairen Geschäftsmodellen zu entziehen, wem es nutzt, dass das Bezahlen zunehmend subtil mit der Aufnahme eines Konsumkredits verknüpft wird, und warum oft ausgerechnet die Personengruppen, die besonders von einem digitalen Euro profitieren könnten, angesichts seiner Ankündigung besonders skeptisch sind. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-082-barbara-brandl Link zur ZEVEDI-Projektgruppe "Die normativen Dimensionen des digitalen Euro" (DINO): https://zevedi.de/themen/dino/ Link zum Weizenbaum Discussion Paper „Von der Kreditkarte zu Buy-Now-Pay-Later. Soziale Ungleichheiten in der Nutzung von digitalen Bezahldiensten und Konsumkrediten“: https://www.weizenbaum-library.de/server/api/core/bitstreams/dd2a68d8-d12e-4a48-ae49-f5bfc92c5272/content
Erschienen: 04.08.2026
Dauer: 00:44:28
mit Mariya Dzhimova von der Hochschule für Musik und Theater München und der Hochschule München
Die öffentliche Diskussion um KI und künstlerische Arbeit dreht sich – zu Recht – um die existenziellen Nöte der Kreativbranche, die unter der Kopierfreude generativer KI leidet. Es gibt daneben aber auch Möglichkeiten, die KI schon seit Jahrzehnten als Thema und Gegenstand für die Kunst eröffnet – zumindest der Idee nach dann abseits der wirtschaftlichen Herausforderungen. Kunstwerke, die sich mit KI befassen, können konzeptionelle Fragen entwickeln, Grenzen ausloten und unser Verhältnis zu KI-Systemen und uns selbst als Menschen ergründen und herausfordern. Dabei kann Schönes und Verstörendes, Langweiliges und Interessantes entstehen. Nicht zuletzt kann Kunst aber auch Wege finden, die vermeintlich unergründliche Blackbox „KI-System“ eben doch fassbar zu machen. Sie kann Aspekte der Technologie zutage zu befördern, die bei ganz „normaler“ Nutzung nicht erfahrbar werden. Mariya Dzhimova ist Soziologin, forscht und lehrt zum Schwerpunkt digitale Innovation in Kunst- und Kultur an der Hochschule München sowie der Hochschule für Musik und Theater München, und sie leitet das Digitalisierungskolleg AICA – "Artificial Intelligence in Cultures and Arts". Im "Digitalgespräch" beschreibt die Expertin spannende Werke mit und zu KI-Systemen, beschreibt, was Künstler:innen an KI fasziniert, und wie sich dabei Expertisen und Kompetenzen verändern. Sie schildert die KI-Szene der Kunstwelt vor und nach dem weltweiten „ChatGPT-Moment“ im November 2022, und zeigt die Vielfältigkeit der Zugänge und Fragestellungen auf, die heute, angesichts generativer Systeme faszinieren. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Dzhimova, welche Erwartungen heute an „KI-Kunst“ gestellt werden, was das Publikum wissen muss, um KI-Kunst verstehen zu können – und ob sich nicht am Ende doch Bezüge ergeben zwischen der wirtschaftlich gebeutelten Kreativbranche und der vermeintlich frei experimentierenden Kunstwelt. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-081-mariya-dzhimova Link zum Digitalisierungskolleg AICA an der Hochschule für Musik und Theater München sowie der Hochschule München: https://www.wavelab.io/en/aica/ Links zum OMSK Social Club und dem Werk "Our Br00d": https://www.hausderkunst.de/eintauchen/omsk-social-club-our-br00d und https://mucdai.hm.edu/forschung_entwicklung/our_br00d/our_br00d.de.html Link zum im Interview besprochenen Werk "Ghosts" des Künstlers Terence Broad: https://terencebroad.com/works/ghosts Link zur im Interview besprochenen Ausstellung "Art Gallery" auf der Konferenz CVPR 2026: https://thecvf-art.com/archive.php?year=2026
Erschienen: 14.07.2026
Dauer: 00:45:40
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Mit Jan Peters von der Technischen Universität Darmstadt
Die Robotik erlebt derzeit einen Paradigmenwechsel: Statt wie in der Vergangenheit Roboter zu bauen, die aufwendig für spezielle Aufgaben programmiert werden müssen, setzt die Entwicklung heute auf flexible Lösungen und maschinelle Lernverfahren. Expertinnen und Experten sprechen von einer Revolution und erwarten nahezu beliebige Einsatzmöglichkeiten, insbesondere von humanoiden Robotern, deren Design und Bewegungsablauf am menschlichen Leistungsspektrum und Körperbau orientiert ist. Das kommt dem variablen Einsatz solcher KI-Roboter in auf Menschen zugeschnittenen Umgebungen – unserem Alltag also – entgegen. Worauf stützt sich die neue Euphorie hinsichtlich KI-basierter Robotik? Und wie bewerten Forscher die Zukunftsperspektiven, in die sich auch ein großer Druck mischt, international mithalten zu können? Jan Peters ist Professor für Informatik, und Leiter des Fachgebiets "Intelligente Autonome Systeme an der Technischen Universität Darmstadt" sowie der Forschungsabteilung "Systems AI for Robot Learning" am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Der führende Robotik-Forscher erklärt im Digitalgespräch, was die Robotik früherer Jahrzehnte ausgezeichnet und limitiert hat, und worin die große Neuerung besteht, die nun zu einem regelrechten Robotik-Boom führt. Er macht anschaulich, wie moderne Roboter funktionieren, warum das Interesse an Humanoiden so groß ist, und für welche Aufgaben sie sich besonders gut eignen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Peters, wie sich diese Entwicklung auf die Gestaltung von Arbeitsumgebungen auswirken kann, welche Branchen besonders stark von Robotik vorangebracht werden, und welche Gefahrenpotentiale und Ängste angesichts dieser erstaunlichen Leistungen und tiefgreifenden Transformationen bestehen. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-080-jan-peters Link zur Webseite des Fachgebiets "Intelligente Autonome Systeme" (IAS) an der TU Darmstadt: https://www.ias.informatik.tu-darmstadt.de/Main/LandingPage?from=Main.HomePage Link zur Webseite der Forschungsabteilung "Systems AI for Robot Learning" am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI): https://www.dfki.de/en/web/research/research-departments/systems-ai-for-robot-learning
Erschienen: 23.06.2026
Dauer: 00:46:07
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Mit Anna Zagorski vom Umweltbundesamt
Der Blaue Engel, das Umweltzeichen der Bundesregierung, kennzeichnet Produkte, deren Herstellung und Anwendung vergleichsweise wenig schädliche Folgen für Ökosysteme und Ressourcen haben. Und im Bereich IT macht der Blaue Engel seit kurzem sichtbar: nicht nur Hardware, sondern auch die darauf laufende Software kann für sich allein betrachtet mehr oder weniger umweltfreundlich sein. Tatsächlich kann man sich leicht klar machen, dass Energieverbrauch bei Rechenoperationen und Datentransport von der konkreten Softwaregestaltung abhängen. Und die Nutzbarkeit und Langlebigkeit von Hardware hängen massiv davon ab, dass gute Software zur Verfügung steht, mit der Geräte dauerhaft und nutzerfreundlich funktionieren. Das Umweltbundesamt hat dieses Problem im Blick und zeichnet mit dem Blauen Engel nicht nur erste umweltfreundliche Vorbilder aus, sondern setzt auch Standards und entwickelt Kriterien für umweltfreundliche Softwareprodukte. Was genau steckt hinter diesem Gedanken, und wie präsent ist er in Diskussionen um den Ausbau von Digitalität und der Entwicklung neuer Technologien – Stichwort KI-Boom? Anna Zagorski ist Umweltinformatikerin und arbeitet am Umweltbundesamt zu den Themen Green IT, Green Coding und softwarebedingte Obsoleszenz. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, welche Idee hinter dem Blauen Engel für Software steht, nach welchen Kriterien er vergeben wird, und wie Verbraucher:innen ein Gefühl für die Energie- und Ressourceneffizienz von Software entwickeln können. Sie erklärt, wie sich die Fachkultur in der Informatik angesichts energiehungriger Technologien und spürbarer Ressourcengrenzen ändern muss, und wo neue Ausbildungsinhalte ansetzen könnten. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Zagorski, welche Rolle Open Source-Produkte für die Umweltverträglichkeit von Software spielen, welche Spielräume für die ressourcenbewusste Gestaltung von Software vorhanden sind, und wie gut sich Zielsetzungen für digitale Souveränität und umweltfreundliche Softwareentscheidungen kombinieren lassen. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-079-anna-zagorski Link zur Produktseite „Blauer Engel für ressourcen- und energieeffiziente Softwareprodukte“: https://www.blauer-engel.de/de/produktwelt/software Link zum Forschungsbericht "Analyse der softwarebasierten Einflussnahme auf eine verkürzte Nutzungsdauer von Produkten": https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/analyse-der-softwarebasierten-einflussnahme-auf Link zur Übersicht „Vernetzung mit Folgen: 13 Schritte gegen Software-Obsoleszenz“: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/vernetzung-folgen-13-schritte-gegen-software Link zum Vortrag von Gabriel Yoran auf der Digitalmesse re:publica26: "Die Entkrempelung der Welt: Warum die Dinge des Alltags schlechter werden": https://www.youtube.com/watch?v=poaUjtVM3pQ
Erschienen: 02.06.2026
Dauer: 00:34:38
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Mit Sören Pirk von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Um KI-Modelle zu trainieren, die sich im realen Einsatz bewähren, braucht man hochwertige Daten, und davon möglichst viele. In allen Branchen, Arbeitsfeldern und Umgebungen ist der Einsatz von KI im Prinzip möglich, es wird experimentiert, ausprobiert und auch wieder verworfen. In manchen Bereichen, etwa der Medizin oder im Katastrophenschutz, setzt man große Hoffnungen in KI, wobei gerade dort die Trainingsdatenlage an vielen Stellen dünn ist, und vor allem: wo schwere Fehler vermieden werden sollen. Für etliche Fragestellungen liegen schlicht zu wenige Trainingsdaten vor, um zuverlässige und robuste KI-Systemen zu entwickeln. Dabei spielen nicht einmal Datenschutz und weitere Zugangsbeschränkungen eine entscheidende Rolle: Daten für das KI-Training zu erheben und nutzbar zu machen, kann sehr aufwendig und teuer sein. Synthetische Daten sind hier ein wichtiges Stichwort. Sie sollen schnell und kostengünstig Trainingsdatensätze für KI erzeugen können, wo „echte“ Daten fehlen. Aber geht das so einfach? Wie weit ist die Forschung in diesem Feld heute? Und was gilt es zu bedenken, wenn man sich auf diesen Weg begibt? Sören Pirk ist Professor für Informatik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und leitet dort das Visual Computing and Artificial Intelligence (VCAI) lab. Der Experte für generative KI und synthetische Daten erklärt im Digitalgespräch, worum es sich bei synthetischen Daten handelt, wie man sie herstellt und wofür sie gebraucht werden. Er beleuchtet spannende Forschungsfragen und beschreibt die größten Herausforderungen im Umgang mit diesem Datentyp. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Pirk, wo Grenzen der Anwendbarkeit liegen, was „gute“ Datensätze auszeichnet , wie sich Regeln und Umgangsformen in diesem Feld entwickeln – und wie die Community nun, wo synthetische Daten so viel Aufmerksamkeit bekommen, auf Daten schaut, die nicht synthetisch sind. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-078-soeren-pirk/ Link zur Webseite des Visual Computing and Artificial Intelligence (VCAI) lab: https://www.vcai-lab.org/ Link zur Webseite des Projekts „WildfireTwins“: https://www.wildfiretwins.org/
Erschienen: 12.05.2026
Dauer: 00:53:15
Mit Kai Welp von der GEMA
Das "ganze Internet" als Basis für KI-Trainingsdaten zu nutzen, ist ein unvorstellbarer technischer Aufwand mit fraglichem Nutzen für die Qualität der Modelle, aber es gibt Entwickler für Systeme generativer KI, die behaupten, genau das getan zu haben – natürlich ohne die Inhaber von Rechten der so genutzten Medieninhalte um Erlaubnis zu fragen oder gar an Profiten zu beteiligen. Ob nun wirklich alle online frei verfügbaren Inhalte beim KI-Training zum Einsatz kommen, oder „nur“ ein großer Teil davon: dass KI-Entwickler beim Training und dem Betrieb ihrer Produkte nachweislich und systematisch geltendes Urheberrecht verletzen, hat nun erstmals ein Gericht geklärt, nämlich das Landgericht München. Geklagt hat die deutsche Verwertungsgesellschaft für Werke der Musik, die GEMA, und zwar gegen den Tech-Giganten OpenAI und den Anbieter des nicht minder marktmächtigen KI-Produktes Suno AI, das für die voll-automatisierte Produktion von Musikstücken mittels Prompting verwendet wird. Für OpenAI liegt bereits ein Urteil vor, das Gericht hat im Sinne der Kreativen und Rechteinhaber entschieden. Im Fall von Suno AI steht die Entscheidung noch aus. In jedem Fall zeigen die internationalen Reaktionen aus Politik, Presse und der Branche: Die GEMA-Klagen sind ein wichtiger Meilenstein im Kampf um Anerkennung und Wert menschlicher kreativer Arbeit. Dr. Kai Welp ist Chefjustiziar der GEMA. Im Digitalgespräch berichtet der Anwalt für Urheber- und Medienrecht von den beiden international aufsehenerregenden Klagen, die die GEMA im Winter 2024/25 gegen die KI-Entwickler hinter ChatGPT und Suno AI eingereicht hat und schildert, welche Argumente und Beweise er und sein Team in die Verhandlungen eingebracht haben. Er gibt Einblicke in die Überlegungen und Zielsetzungen hinter den Klagen und ordnet die Bedeutung der Verfahren auch auf internationaler Ebene ein. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Welp, wie faire Vereinbarungen zwischen Kreativen und KI-Entwicklern aussehen könnten, welche Werte und Leitgedanken die GEMA für Künstliche Intelligenz in der Kreativbranche vertritt – und warum er zuversichtlich ist, dass KI nicht zwangsläufig menschliche Kreativarbeit verdrängen wird. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-77-kai-welp Link zur KI-Charta der GEMA: https://www.gema.de/de/aktuelles/ki-und-musik/ki-charta-der-gema Link zum Dossier „KI in der Musik“ auf der Webseite der GEMA: https://www.gema.de/de/aktuelles/ki-und-musik Link zu den Key Facts der in dieser Folge besprochenen Studie im Auftrag von GEMA und SACEM: https://www.gema.de/documents/d/guest/gema_sacem_goldmedia_ki-und-musik-key-facts-pdf
Erschienen: 31.03.2026
Dauer: 00:49:36
Weitere Informationen zur Episode "Generative KI und die Musikbranche: Die Musterklagen der GEMA"
Mit Reinold Schmücker von der Universität Münster
Wertvolle Kunstwerke und historische Urkunden mögen gut behütet an besonderen Orten aufbewahrt werden, zu denen die Allgemeinheit nur unter bestimmten Bedingungen – oder gar nicht! – Zugang hat: Wenn digitale Abbildungen das erfassen, was uns an einem interessanten Objekten wesentlich erscheint, genügt uns in vielen Fällen der Blick auf diese Kopie. Und der, das ist die Erwartung in demokratischen Gesellschaften, sollte möglichst wenig verstellt sein. Open Access ist das Stichwort. Zudem schaffen digitale Aufbereitungen über die bloße Abbildung hinaus ganz neue Möglichkeiten des Zugangs, durch die sogar Barrieren in der Rezeption abgebaut werden könnten. Zur Realität der Digitalität gehören aber auch Software, Hardware und Lizenzverträge – die historischen Entwicklungen und Verfallsprozessen unterworfen sind, und Macht legen in die Hände privater, globaler, und nach eigenen Regeln handelnder Unternehmen. Was bedeutet das für ein zeitgemäßes Verantwortungsbewusstsein im Kunst- und Kulturbetrieb? Reinold Schmücker ist Professor für Philosophie an der Universität Münster und Sprecher der Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“. Im Digitalgespräch erklärt der Experte, welche Dimensionen von Zugang zu Kunst und Kultur wichtig für die Arbeit an ethischen oder rechtlichen Normen sind. Er zeigt auf, wie sich in der Digitalität neue Chancen und Selbstverständlichkeiten für demokratischen Zugang ergeben, wo die Regeln der digitalen Welt aber auch neue Risiken und Problemlagen hervorbringen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Schmücker, wie Ausstellungsräume ihren Status als physische Orte des Erlebens von Kunst und Kultur halten können – und inwiefern man heute noch einen besonderen ästhetischen Wert des Originals gegenüber seinen Kopien behaupten kann, der den Weg dorthin rechtfertigt. Shownotes Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-076-reinold-schmuecker Link zur Webseite der Kolleg-Forschungsgruppe "Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel" an der Universität Münster: https://www.uni-muenster.de/KFG-Zugang/ Link zum Digitalgespräch Folge 64 „Literatur vereinfachen – mit KI? Digitalität und kulturelle Teilhabe“ mit Thomas Kater: https://zevedi.de/digitalgespraech-064-thomas-kater/ Link zur Schriftenreihe "Access Points": https://www.uni-muenster.de/KFG-Zugang/publikationen/accesspoints/index.html
Erschienen: 10.03.2026
Dauer: 00:53:28
Weitere Informationen zur Episode "Digitaler Zugang zu Kulturgütern"
Mit Michael von Wagner vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main
Wer krank ist und eine Antwort auf die Frage sucht, was die Symptome zu bedeuten haben, dem hilft eine Diagnose weiter. Das klingt einfacher, als es ist, denn nicht immer gelingt eine klare Zuordnung der Symptome zu einer Krankheit. Individuelle Faktoren oder Vorerkrankungen können den Verlauf einer Erkrankung derart beeinflussen, dass die Diagnose schwerfällt. Und manchmal liegt auch eine seltene Erkrankung vor, zu deren Charakteristika gehört, dass vergleichsweise wenige Erfahrungswerte und Daten darüber vorliegen. Digitalität trägt maßgeblich dazu bei, seltene Erkrankungen überhaupt als solche zu identifizieren. Was folgt daraus für die Unterstützung von Betroffenen? Und was leistet insbesondere „Künstliche Intelligenz“ in diesem Feld? Der Arzt Dr. Michael von Wagner ist intensiv mit Digitalität in der medizinischen Versorgung befasst: Er ist ärztlicher Leiter der Stabsstelle Medizinische Informationssysteme und Digitalisierung, Chief Medical Informatics Officer (CMIO) und Geschäftsführender Direktor des University Center for Digital Healthcare. Im Digitalgespräch beschreibt der Experte, wie Digitalität den Blick für die Individualität von Erkrankungen geschärft hat und sich Krankheitsbilder ausdifferenzieren. Er erklärt, was seltene Erkrankungen auszeichnet, wie Betroffene digitale Möglichkeiten nutzen, und welche Bemühungen die Digitalstrategien in der medizinischen Versorgung schwer diagnostizierbarer Krankheiten kennzeichnen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert von Wagner, welche Konsequenzen sich daraus für die Unterscheidung „krank“ und „gesund“ ergeben, und ob die alten Kontroversen um das Reizwort „Datenschutz“ als überwunden gelten können. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-75-michael-von-wagner/ Link zum University Center for Digital Healthcare der Universitätsklinik Frankfurt am Main: https://www.unimedizin-ffm.de/ueber-uns/university-center-for-digital-healthcare-ucdhc
Erschienen: 17.02.2026
Dauer: 00:46:14
Weitere Informationen zur Episode "KI in der Diagnostik seltener Erkrankungen"
Mit Viktoria Kraetzig von der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Plötzlich das eigene Gesicht wie lebensecht auf Bildern zu sehen, die fiktive Situationen zeigen, oder die eigenen Stimme Sätze sagen zu hören, die man nie gesprochen hat: Diese Vorstellung ist beunruhigend. Mit generativer KI können inzwischen spielend leicht täuschend echte Medieninhalte erzeugt werden, die reale Personen in erfundene Kontexte setzen. In der Öffentlichkeit haben vor allem böswillige Deepfakes viel Aufmerksamkeit erregt, denn die Empörung über den Missbrauch generativer KI ist groß: Der Ausdruck Deepfakes wird verbunden mit Betrug, Manipulation der Öffentlichkeit, und pornografischen oder intimen Darstellungen ohne Einverständnis der abgebildeten Personen. Dieselbe Technologie kann freilich auch für vergleichsweise harmlose Zwecke eingesetzt werden: In Kunst und Kultur wird mit den neuen Möglichkeiten experimentiert, geschützt von der Kunstfreiheit und mit Freude gerade an dem, was vom Realen, Erwartbaren abweicht und nicht „Fake“ im Sinne von Täuschung sein soll. Und in der schnellen, wirtschaftlich orientierten Produktion von Bild- und Tonmaterialien für Werbung oder in der Unterhaltungsindustrie führen KI-Technologien nicht nur zu Zeitersparnis und neuen Workflows, sondern eröffnen auch einen potentiellen Markt für Persönlichkeitsmerkmale, die als Grundlage für KI-generierte Inhalte dienen – auch über den Tod der Menschen hinaus, deren Erscheinung diese Inhalte nachempfinden. Sind diese Fälle eine Herausforderung für Recht und Justiz? Viktoria Kraetzig ist Privatdozentin für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Informationsrecht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und befasst sich als Juristin unter anderem intensiv mit Fragen zu Urheber- und Medienrecht. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, wie die Rechtswissenschaften das Phänomen „Deepfakes“ fassen und ob die bestehenden Instrumente ausreichen, um es in seiner Bedrohlichkeit einzuhegen. Sie beschreibt, welche Rechtsgüter von der Diskussion um Deepfake-Technologien berührt werden und welche Fragen unter Juristen strittig sind. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Kraetzig, worin sich die neuen KI-generierten Bilder von den bisherigen Beispielen aus Werbung oder Satire unterscheiden, welche Rolle Geschmack und persönliche Schmerzgrenzen spielen – und warum die Rechtsdurchsetzung in digitalen Räumen an ihre Grenzen kommt. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-074-viktoria-kraetzig Zu einem Bericht über das Urteil des Landgerichts Berlin über die Nachbildung einer Synchronstimme mittels KI bei heise online: https://www.heise.de/news/Persoenlichkeitsrecht-Synchronstimme-ist-vor-KI-Nachahmung-geschuetzt-10623565.html Zu einem Bericht über das Hirschhausen-Urteil auf der Webseite des WDR: https://presse.wdr.de/plounge/wdr/unternehmen/2025/03/20250328_hirschhausen_urteil.html Zu Viktoria Kraetzigs Profil auf der Webseite der Goethe-Universität: https://www.jura.uni-frankfurt.de/122384174/ContentPage_122384174
Erschienen: 27.01.2026
Dauer: 00:55:40
Weitere Informationen zur Episode "Mittels KI erzeugte Deepfakes: Was sagt die Rechtswissenschaft?"