Mit Barbara Ebert von der Gesellschaft für Biologische Daten e. V.
Die Forschung zur Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren steht vor einer technischen Herausforderung: Die Datensammlungen, die bei der Beobachtung der Natur und in den Umwelt- oder Biowissenschaften entstehen, sind riesig und wachsen stetig an. Datensorten und Datensätze unterscheiden sich jedoch stark, je nach Forschungsfeld und praktischen Begebenheiten. Für die Biodiversitätsforschung muss das heterogene Wissen aber systematisch zusammengebracht und auch geteilt werden – für ökologische Problemstellungen benötigt man die Zusammenschau. Konkret kann man die Herausforderung auch so beschreiben: Wie gewinnt man möglichst viele Daten aus unzähligen Excel-Tabellen, handschriftlichen Dokumentationen, Satellitenbildern, lebenden Organismen oder getrockneten Pflanzenteilen – und zwar vergleichbar, einheitlich formatiert und maschinenlesbar – sodass Forscher:innen über ein Online-Portal komfortabel darauf zugreifen können? Eins ist klar: Hier stellt sich eine Mammutaufgabe. Und neben den technischen Aufgaben stellen sich datenrechtliche und wissenschaftspolitische Probleme. Dr. Barbara Ebert ist Geschäftsführerin der Gesellschaft für Biologische Daten e. V. und koordiniert im Projekt „NFDI4Biodiversity“ der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) den Aufbau einer Plattform für Forschungsdaten zur Biodiversitätsforschung. Im Digitalgespräch erklärt die Biologin und Expertin für Datenmanagement, welche Anforderungen ein solches Projekt an alle Beteiligten stellt und welche Hürden dabei zu überwinden sind. Sie beschreibt, aus welchen Quellen Daten zusammenkommen, wozu sie erhoben und wie sie für weitere Forschung nutzbar gemacht werden. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Ebert, wo Aushandlungsprozesse stattfinden, welche Bedarfe im Vordergrund stehen und wessen Interessen berücksichtigt werden müssen.
Erschienen: 04.04.2023
Dauer: 00:49:59
Mit Hanna Meyer von der Universität Münster
Der rasant voranschreitende Klimawandel hat Folgen für Ökosysteme und Landschaften. Diese Veränderungen zu beobachten und zu verstehen, ist eine wesentliche Voraussetzung, um durch kluges Handeln Schäden gering zu halten. Für ein Umweltmonitoring, das möglichst umfassende belastbare Daten über den Zustand von Wäldern, Böden und Mooren liefern soll, wird kooperativ geforscht. Die Umweltinformatik spielt hier eine zentrale Rolle: Sie verbindet Wissen über ökologische Zusammenhänge mit den Möglichkeiten moderner, computergestützter Verfahren und stellt dabei Methoden und Technologien bereit, die es ermöglichen, Beobachtungen an einzelnen Orten auf größere Skalen auszuweiten. Mit maschinellen Lernverfahren können Daten, die Förster:innen, Landschaftspfleger:innen und Naturliebhaber:innen im Feld sichtbar und messbar vorfinden, mit Satelliten- und Drohnenaufnahmen größerer räumlicher Gebiete in Korrelation gebracht werden. Im Grunde können so räumliche und zeitliche Lücken in der Datenlage geschlossen werden – wenn die mathematischen Modelle dahinter verstanden sind und die Ausgangsdaten, mit denen die „Künstliche Intelligenz“ lernt, auch wirklich zu der ökologischen Fragestellung passt. Hanna Meyer ist Professorin für Fernerkundung und Räumliche Modellierung am Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, wie Umweltinformatiker:innen arbeiten und was typische Aufgaben und Fragestellungen sind. Sie beschreibt, welche Daten nötig sind, um Satelliten- und Drohnenbilder mit realen ökologischen Systemen in Korrelation zu bringen und wie Maschinelles Lernen dabei hilft, Lücken in der Datenlage zu schließen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Meyer, wo die Grenzen dieser mathematischen Ausweitung von Felddaten liegen – und welche Gefahren bestehen, wenn den Modellen allzu blind vertraut wird.
Erschienen: 14.03.2023
Dauer: 00:41:59
Weitere Informationen zur Episode "Maschinelles Lernen im Umweltmonitoring"
Mit Uwe Klingauf von der Technischen Universität Darmstadt
Beliebtes Hobby oder bedrohliches Kampfgerät: Die öffentliche Wahrnehmung sogenannter „Drohnen“ scheint vor allem von diesen beiden Anwendungsbereichen geprägt. Zu den Film- und Fotodrohnen, die vor allem private Freizeitpilot:innen im niedrigen Luftraum umherschwirren lassen, kommen aber immer mehr Maschinen im professionellen, zivilen Einsatz hinzu. Und die unterscheiden sich nicht nur in Form, Größe und Gewicht, sondern erfordern auch neue Regelungen und Sicherheitsüberlegungen. Damit die vielfältigen, zivilen Einsatzmöglichkeiten realisiert werden können, die etwa für die Medizin, in Landwirtschaft und Umweltschutz oder für die Seenotrettung hilfreich sein könnten, müssen nicht nur technische, sondern vor allem regulative und infrastrukturelle Herausforderungen gemeistert werden. Schließlich sind all diese Fluggeräte – auch die Hobbydrohnen – Teil des zivilen Luftverkehrs. Uwe Klingauf ist Professor für Flugsysteme und Regelungstechnik an der Technischen Universität Darmstadt und forscht seit vielen Jahren zu vielfältigen Fragestellungen der bemannten und unbemannten Luftfahrt. Der Experte auch für automatisierte Fluggeräte spricht im Digitalgespräch über den Stand der Technik, spannende aktuelle Trends und Herausforderungen für die Forschung und Entwicklung. Er erklärt, welche Sicherheitsüberlegungen die Einführung von Drohnen im urbanen Raum begleiten, welche Prozesse dafür ablaufen müssen und welche Einsatzmöglichkeiten viel Potential haben, sich durchzusetzen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Klingauf, was das Potential neuer Einsatzmöglichkeiten ausmacht, wovon abhängen wird, welche Entwicklungen sich durchsetzen – und was aus dem Hype um Paketdrohnen und Flugtaxis geworden ist.
Erschienen: 21.02.2023
Dauer: 00:52:43
Mit Katja Langenbucher von der Goethe-Universität Frankfurt a.M.
Wenn wir ein Konto eröffnen, einen Kredit beantragen oder einen Handyvertrag abschließen, werden wir in der Regel aufgefordert, einer Bonitätsprüfung zuzustimmen – zum Beispiel bei der Schufa. Wer einen solchen Score über uns anfordert, erhofft sich davon eine möglichst verlässliche Aussage darüber, ob wir wohl unseren finanziellen Verpflichtungen nachkommen werden. Aber wie kommt diese Aussage zustande? Big Data und Künstliche Intelligenz ermöglichen es, sich bei dieser Frage ganz neuer Strategien zu bedienen, mit denen individuellere, möglicherweise präzisere oder sogar „gerechtere“ Scores erstellt werden könnten. An diesem Punkt setzen FinTechs an, die – anders als die Schufa – für ihre Scores grundsätzlich unseren ganzen digitalen Fußabdruck nutzen könnten: Automatisierte Verfahren finden Muster und Korrelationen, mit denen sich Aspekte aller Lebensbereiche in Finanzdaten übersetzen lassen. Ob das Ergebnis, in das zusätzlich zu Einkommen und Zahlungsverhalten auch Musikgeschmack und Jogging-Route eingeflossen sind, immer mit der Realität übereinstimmt, ist die eine Frage – eine andere, ob dabei nicht auch persönliche Merkmale eine Rolle spielen, die eigentlich vom Diskriminierungsverbot betroffen sind. Denn, das zeigen Untersuchungen immer wieder: KI-Modelle scheinen sozial benachteiligte Gruppen systematisch zu diskriminieren. Und auch Kredithaie können je nach Rechtslage von dieser automatisierten Fortschreibung gesellschaftlicher Ungerechtigkeit profitieren. Katja Langenbucher ist Professorin für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Bankrecht am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Juristin forscht und lehrt unter anderem zu rechtlichen Fragen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz im Finanzsektor. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, welche Überlegungen hinter der Entwicklung neuartiger KI-Modelle zur Bewertung von Kreditwürdigkeit stecken, wo dabei Regulierungsbedarfe entstehen aber auch, welche Probleme mit ihrer Hilfe bearbeitet werden können. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Langenbucher Unterschiede zwischen Anbietern von Scoring auch im internationalen Vergleich und welche Gerechtigkeitsprobleme auch auf Ebene der EU eine offene demokratische Debatte erfordern.
Erschienen: 31.01.2023
Dauer: 00:53:05
Mit Robert Grass von der ETH Zürich
Die Digitalität kennt bisher keine Formen der Langzeitarchivierung: höchstens 50 Jahre sind die langlebigsten Festplatten und Bänder intakt, danach gehen die Daten verloren, die auf ihnen gespeichert waren. Und auch, wenn Chips und Festplatten immer kleiner zu werden scheinen, gerät ihre Kompaktheit irgendwann an natürliche Grenzen. Gleichzeitig spielen sich immer mehr wichtige Prozesse im Digitalen ab, sammeln wir immer mehr digitale Daten und entwickeln neue Ideen und Konzepte, Informationstechnologien in den Alltag und in technische Abläufe zu integrieren. Unsere Kultur drückt sich auch im Digitalen aus, es entstehen digitale Werte und Werke. Der Bedarf für innovative Speichermedien, die einerseits flexibel einsetzbar sind und andererseits Jahrhunderte und Jahrtausende überdauern können, ist also da. Eine vielversprechende Kandidatin bei der Suche nach Lösungen ist die DNA. Wie gelingt es, Digitalität in diese biochemische Substanz zu übersetzen? Und was ergeben sich dann für neue Möglichkeiten? Prof. Dr. Robert Grass forscht und lehrt am Departement Chemie und Angewandte Biowissenschaften an der ETH Zürich und arbeitet dort insbesondere daran, DNA als Speichermedium nutzbar zu machen: Er hat ein Verfahren mitentwickelt, bei dem DNA in winzigen Glaskügelchen über viele Jahrtausende hinweg haltbar bleibt – und gleichzeitig bei Bedarf ausgelesen werden kann. Im Digitalgespräch erklärt der Wissenschaftler und Erfinder, wie man dabei vorgeht, welche Herausforderungen bestehen und welche Zukunftsvisionen er und seine Kollegen für die Entwicklung dieser neuen Speichertechnologie haben. Dabei beschreibt er Einsatzmöglichkeiten für Industrie und Wirtschaft einerseits und die Archivierung digitaler wie auch digitalisierter Kulturgüter andererseits. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Grass Analogien zwischen Naturvorgängen und technischen Prozessen und welche schwierigen Aufgaben unbedingt gelöst werden müssen, wenn Archive – und besonders digitale! – auch in ferner Zukunft nicht nur intakt, sondern verstehbar sein sollen.
Erschienen: 20.12.2022
Dauer: 00:55:21
Mit Andreas Hackethal von der Goethe-Universität Frankfurt a.M.
Wer hat ein Gefühl dafür oder weiß gar, wie die eigenen finanziellen Verhältnisse im Alter sein werden? Gerade, wenn die Rentenzeit noch einige Jahrzehnte vor uns liegt, scheint sie kaum planbar zu sein. Und so warten wir ab. Und wir schieben die Frage, ob unser Geld im Alter reichen wird, vor uns her – vielleicht besonders dann, wenn wir da eine Lücke fürchten. In der Tat machen sich viele Menschen nicht klar, dass sie selbst aktiv werden müssen, um ihr Auskommen im Alter zu ermöglichen. Und was könnte man überhaupt tun, sobald man das Problem einer „Rentenlücke“ erkennt? Das Lagebild ist ja komplex, denkt man an mögliche Versicherungen, Ersparnisse und Vermögenswerte. Auch Inflation und Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt spielen hinein. Das Feld scheint tatsächlich zu unübersichtlich für Laien – also ein typischer Fall für digitale Hilfsmittel. Lassen sich aus Daten, Randbedingungen und individuellen Faktoren Prognosen und sogar alternative Szenarien errechnen? Andreas Hackethal ist Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt a.M. Der Wirtschaftswissenschaftler forscht zu Finanzen privater Haushalte und entwickelt an der Goethe-Universität eine aufwendige App, mit der die eigenen finanziellen Verhältnisse im Alter simuliert werden können – das „Rentencockpit“. Im Digitalgespräch erklärt Hackethal, warum es für viele Menschen so schwierig ist, sich ein klares Bild von der eigenen finanziellen Zukunft zu machen und wie eine App helfen kann, Wissenslücken zu schließen. Er beschreibt, wie das komplexe App-Projekt zustande kam und worauf es bei der Umsetzung ankommt. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Hackethal, wie digitale Rententransparenz Entscheidungen im Hier und Heute beeinflussen kann, welche Chancen sich dadurch für Individuen und Lebensgemeinschaften auftun – und welche politischen Folgen es haben kann, Rentenlücken transparent zu machen.
Erschienen: 29.11.2022
Dauer: 00:50:41
Mit Rae Grimm von Webedia Gaming GmbH
Längst ist das, was früher mal eine Gamer:innen-Szene aus Insider:innen gewesen sein mag, in der vollen Breite des Gesellschaft angenommen. Quer durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten spielen die meisten Deutschen Videospiele – zum Abschalten, um Wartezeit zu verkürzen, im ernsthaften Hobby oder gar als Beruf. Aber nicht alle, die spielen, würden sich auch gern als Gamer:innen bezeichnen. Videospiele sind zwar als Kulturgut anerkannt, ihre öffentliche Wahrnehmung scheint aber nach wie vor geprägt vom Vorurteil des männlichen, eher jungen Gamers, der viel zu viel Zeit mit Ballerspielen verbringt – die im schlimmsten Fall aggressiv machen, in jedem Fall aber Zeitverschwendung sind. Die große Gruppe der Spieler:innen und auch die der Entwickler:innen ist aber sehr viel offener und diverser; das gigantische Angebot an Videospielen ist entsprechend vielfältig. Wie sehen also heute Gaming-Welten aus? Was passiert abseits der berüchtigten Ego-Shooter? Und geht es beim Videospielen immer „bloß“ um Unterhaltung? Rae Grimm ist Head of Digital Publishing bei der Webedia Gaming GmbH, zu der die Magazine GamePro, GameStar und MeinMMO gehören. Im Digitalgespräch schildert die Expertin für Videospiel-Kulturen, welche Facetten Gaming heute bietet und was unterschiedliche Szenen kennzeichnet. Sie erklärt, was Innovationen ausmachen, was Spieler:innen und Entwickler:innen wichtig ist und welche Neuerungen und Debatten die Gaming-Welt beschäftigen. Mit den Gastgeber:innen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Grimm die gesellschaftliche Bedeutung von Videospielen und Videospiel-Kritik, Zusammenhänge der Gaming-Industrie – und das ungute Gefühl, das das Chatten mit KI-gestützten, digitalen „Freunden“ machen kann.
Erschienen: 08.11.2022
Dauer: 00:49:34
Weitere Informationen zur Episode "Gaming-Kultur für alle: Szenen, Debatten und ein Milliardenmarkt"
Mit David Waldecker von der Universität Siegen
Die Zeiten, in denen Musik nur dann zu hören war, wenn jemand zur gleichen Zeit am gleichen Ort musizierte, waren lange vor der Digitalität vorbei. Durch Digitalisierung haben sich aber die Produktion, das Verfügbarmachen und das Abspielen von aufgezeichneter Musik revolutioniert. Und damit auch der Musikmarkt: Längst ist im Prinzip jedes Stück in jedem Moment verfügbar, und das zumindest im Privaten praktisch kostenlos. Wo wir Musik als etwas Exklusives und Besonderes erleben wollen, müssen wir Gelegenheiten dazu bewusst und absichtsvoll schaffen. Mit der Möglichkeit ihrer Aufzeichnung und ihrer Verbreitung über Streaming-Plattformen hat sich aber nicht nur unser Verhältnis zu Musik als kulturellem Ereignis grundlegend verändert: Auch in der Musikproduktion selbst bringen Digitaltechnologien vielfältige Umwälzungen; eine Entwicklung, die von Musizierenden wie auch von Fans ganz unterschiedlich wahrgenommen, bewertet und aufgegriffen – oder auch vorangetrieben – wird. Der Soziologe David Waldecker forscht und lehrt am Medienwissenschaftlichen Seminar der Universität Siegen und hat sich aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive intensiv mit der Arbeit im Tonstudio befasst. Der Experte erklärt im Digitalgespräch den Stellenwert des Studios und seiner jeweiligen technischen Ausstattung für die Musikproduktion sowohl historisch wie auch im zeitgenössischen Kontext. Er beschreibt Möglichkeiten, die Digitalität bietet – sowohl für Hobby-Musikmachende, die nun eigene Projekte verwirklichen können, als Entlastung auch für professionelle Musiker:innen und Produzent:innen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Waldecker, welches Spannungsverhältnis sich zwischen Digitalität und Authentizität ergeben kann, wie Digitaltechnologien unsere Hörgewohnheiten prägen und welchen Sinn die Unterscheidung „analog“ und „digital“ überhaupt haben kann, wenn wir über das Machen, Hören und Erleben von Musik sprechen.
Erschienen: 18.10.2022
Dauer: 00:52:13
Weitere Informationen zur Episode "Digitale Spielräume in der Musikproduktion"
Mit Florian Salm von der Gothaer Allgemeine Versicherung AG und Ulrich Greveler von der Hochschule Rhein-Waal
Angriffe durch Hacker auf IT-Systeme nehmen seit Jahren zu. Ziel sind kleine und große Unternehmen, staatliche Einrichtungen, auch Privatpersonen. Die Schäden, die dabei entstehen können, sind groß und nicht nur finanzieller Natur: in digitalisierten Umgebungen ist eine widerstandsfähige IT zentrale Voraussetzung für Vertrauenswürdigkeit. Von ihr hängt nicht nur etwa das reibungslose Funktionieren von Produktions- und Lieferketten ab, sondern z. B. auch die Sicherheit der Daten von Kund:innen, Patient:innen und Geschäftspartner:innen. Das wissen eigentlich alle, die sich bewusst mit der Digitalität in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld befassen und sehen die damit verbundenen Risiken. Trotzdem zeigen Studien immer wieder: Fast überall wird zu wenig in IT-Sicherheit investiert. Und, auch das ist interessant: Obwohl mittlerweile Versicherungen gegen „Cyber-Risiken“ angeboten werden, schließen längst nicht alle Unternehmen, deren Integrität von IT-Sicherheit abhängt, eine solche Police ab. Florian Salm ist Experte für Cyber-Risiken bei der Gothaer Allgemeine Versicherung AG und Dozent an der Universität Hamburg. Ulrich Greveler ist Professor für Angewandte Informatik an der Hochschule Rhein-Waal und als Experte für IT-Sicherheit auch Berater und Gutachter für Cyber-Risiken. Die beiden Fachleute erklären im Digitalgespräch aus technischer Sicht und aus Perspektive der Versicherungen, was gute IT ausmacht und wie Unternehmen sie umsetzen können. Sie erklären, wie Versicherungen helfen – nicht nur im Schadensfall, sondern auch beim Schließen vorhandener Sicherheitslücken, bevor etwas passiert. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutieren sie, warum IT-Sicherheit in vielen Unternehmen noch immer schwierig zu realisieren ist, wer in einer vernetzten Gesellschaft die Verantwortung für die Sicherheit der Systeme trägt – und was es für die Innovation bedeutet, dass manche Risiken von Zukunftstechnologien und großen IT-Projekten nicht versicherbar sind.
Erschienen: 27.09.2022
Dauer: 00:49:52
Weitere Informationen zur Episode "Hacker-Attacken und IT-Management: Cyber-Risiken versichern"
Mit Mathias Schluep vom World Resources Forum
Die Digitalisierung ist genauso wie unser Wirtschaftsmodell auf Wachstum ausgerichtet. In welchem Umfang wächst aber der Ressourcenverbrauch der Digitalität, wenn immer mehr Dinge immer schneller verfügbar sein müssen? Dass Digitalität überhaupt nicht „immateriell“ ist, wird schnell klar, wenn man an die vielen Rohstoffe denkt, die wir für sie einsetzen. Und der Bedarf wird immer größer. In Europa und Deutschland nehmen wir die luxuriöse Hardware des Digitalen meist kaum wahr. Zum öffentlichen Thema werden Rohstoffe hier meist erst dann, wenn sie nicht in gewohnter Weise verfügbar sind. Für uns zählt vor allem die immer leistungsstärkere Technik, die wir konsumieren oder als selbstverständlichen Teil unserer Umgebung voraussetzen. Man ist gewohnt, regelmäßig neue Geräte anzuschaffen, weil die alten mit den Nachfolgermodellen nicht mehr mithalten können. Vermeintlich „Veraltetes“, das weiterbenutzt oder zumindest recycelt werden könnte, verschwindet dann oft in einer Schublade oder einfach im Müll. Die Ressourcen für neue Smartphones und Laptops – vor allem Metalle – werden allerdings in der Regel anderswo in der Welt mit großem Aufwand abgebaut. Oder schlecht bezahlte Arbeitskräfte gewinnen sie aus schrottreifen Geräten zurück, unter Umständen mit Methoden, die Natur und Menschen großen Schaden zufügen. Industrienationen wie Deutschland bringen erst in der letzten Zeit vermehrt eigene, effiziente Recyclingpraktiken für eWaste voran. Diese Vorhaben sind komplex. Sie versprechen Wege in eine ökologisch nachhaltigere Digitalität, reagieren aber auch auf geopolitische Entwicklungen. Und ob sie ihre Ziele – weniger Abhängigkeit und mehr Nachhaltigkeit – erreichen, hängt nicht nur vom technischen Fortschritt im Bereich des professionellen Recyclings ab. Mathias Schluep ist Geschäftsführer des World Resources Forum und Experte für ökologische Nachhaltigkeit im Ressourcenkreislauf. Im Digitalgespräch erklärt der Umweltingenieur, an welchen Stellen unser Umgang mit Ressourcen für die Digitalität Schäden an der Umwelt und der Gesundheit von Menschen verursacht, beschreibt Orte und Strukturen, die davon betroffen sind und wie internationale Projekte und Kooperationen gegen diese Probleme vorgehen. Er beschreibt, welche Möglichkeiten für Recycling existieren und wie gut sie umgesetzt werden. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Schluep politische Motivationen für einen nachhaltigen Umgang mit wertvollen Ressourcen und auch, welche Rolle – und Macht! – Konsument:innen in dieser Frage haben.
Erschienen: 06.09.2022
Dauer: 00:44:05