Podcast "Digitalgespräch"

Das Digitalgespräch ist ein Podcast von ZEVEDI, dem Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung. Er wendet sich an Menschen, die aus erster Hand wissen wollen, was sich im Feld der Digitalität konkret tut und vor welchen Herausforderungen Wissenschaft und Politik dabei stehen. Im Digitalgespräch kommen Expert:innen zu Wort, die ihr Wissen zu aktuellen Arbeitsgebieten, Projekten und Forschungsperspektiven mit den Gastgeberinnen – Marlene Görger und Petra Gehring – teilen. Der Scheinwerfer fällt dabei auf komplexe Handlungsfelder und sorgt so dafür, dass sich der Nebel großer Schlagworte lichtet. Teils geht es um Themen, die unter Fachleuten gerade heiß diskutiert werden, teils ist von Dingen zu hören, die womöglich erst in Zukunft in das Sichtfeld der breiteren Öffentlichkeit gelangen. Impressum: https://zevedi.de/impressum/

Von

Marlene Görger

Petra Gehring

Podcast-Episoden

Digitale Forensik

Mit Felix Freiling von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Daten auf einer vermeintlich zerstörten Festplatte auslesen, den Bordcomputer eines verunfallten PKW ausbauen, versteckte Dateien auf einem Smartphone finden – in der digitalen Gesellschaft brauchen Ermittler:innen zur Aufklärung von Straftaten oft Unterstützung von IT-Expert:innen. Für diese „Digitale Forensik“ gibt es spezielle Ausbildungen, die technisches Knowhow mit juristischen Kenntnissen vereinen. Doch verglichen mit den etablierten Praktiken besonnener Sicherung und kluger Auswertung von Spuren, für die die klassische Forensik auf der Erfahrung ganzer Generationen von Ermittler:innen und Wissenschaftler:innen aufbaut, ist die forensische Informatik eine sehr junge Disziplin, die sehr anpassungsfähig sein muss: Innovationen und neue Systeme bringen permanent neue Klassen digitaler Spuren mit sich – aber auch Herausforderungen für Forschung und Praxis der Digitalen Forensik, denn Forensiker:innen und auch Polizist:innen müssen für die Digitalität nachhaltig geschult werden. Felix Freiling ist Professor für IT-Sicherheitsinfrastrukturen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied im Direktorium des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt). Im Digitalgespräch erklärt der gefragte Experte, wie man richtig mit digitalen Asservaten umgeht und was man in der Ausbildung für Digitale Forensik noch lernt, erzählt von Beispielen aus der Praxis und macht deutlich, wo in unserem Alltag überall Daten anfallen, die im Falle eines Falls ausgewertet werden könnten. Er spricht darüber, welche Rolle Fälschbarkeit digitaler Spuren in der Realität spielt, ob KI bei den Ermittlungen unterstützt, wie gut Kriminelle ihre digitalen Spuren verwischen und wo das Wissen der forensischen Informatik noch nützlich ist. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Freiling, was die Allgegenwart digitaler Spuren für die Privatsphäre heißt, wie verantwortungsvolle Digitalisierung im Kleinen wie im Großen Kriminalität mitdenken kann – und was das digitale Äquivalent einer DNA-Spur sein könnte.

Erschienen: 12.12.2023
Dauer: 00:49:01

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Von Grundsatzdebatte bis Wahlkampf: Digital Kommunizieren in politischen Parteien

Mit Isabelle Borucki von der Philipps-Universität Marburg

Unsere Alltagskommunikation hat sich während der Corona-Pandemie radikal digitalisiert. Natürlich mussten sich darum auch politische Parteien und ihre Mitglieder neu organisieren: Ganze Parteitage fanden zeitweise virtuell statt, auch Debatten und Entscheidungsfindungen mussten mit digitalen Tools gelingen, die nun beibehalten werden und den persönlichen Austausch weiterhin ergänzen. Aber auch jenseits der Ausnahmesituation einer Pandemie experimentieren Parteien damit, im Rahmen von Modernisierungsmaßnahmen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erschließen. Man versucht auf Sozialen Medien Wählerinnen und Wähler zu erreichen, vor allem aber auch das Innenleben der Partei durch Digitalität zu verbessern. Wie die politischen Parteien in Deutschland ihre eigene digitale Transformation angehen, welche Schwerpunkte sie dabei setzen und was ihre jeweiligen Voraussetzungen sind, das unterscheidet sich freilich stark: Mitgliederzahlen, Budget und auch unterschiedliche politische Leitbilder spielen dabei eine Rolle. Isabelle Borucki ist Professorin für politikwissenschaftliche Methoden und Demokratie im digitalen Wandel an der Philipps-Universität Marburg und erforscht insbesondere die digitale Transformation politischer Organisationen. Im Digitalgespräch beschreibt die Expertin ihre Beobachtungen aus Studien und Befragungen, die Einblicke in aktuelle Digitalisierungsprozesse politischer Parteien geben. Sie erklärt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Parteien und ordnet sie mit Blick auf deren jeweilige Eigenheiten und Rahmenbedingungen ein. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Borucki, wie Digitalisierung die Teilhabe an parteipolitischer Arbeit erleichtern aber auch erschweren kann, wie Mitglieder und etablierte Strukturen auf Digitalisierungsprozesse reagieren, vor welche Herausforderungen Social Media die PR-Abteilungen von Parteien stellt – und wie sich Parteien bisher zu den technischen Möglichkeiten für digitalen Wahlkampf verhalten.

Erschienen: 21.11.2023
Dauer: 00:38:32

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Digitalität und der demokratische Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Mit Florian Hager vom Hessischen Rundfunk

Fernsehen und Radio haben im Zeitalter des Internets ihre Monopolstellung als Massenmedien verloren. Ihre wichtige Rolle für die Demokratie und ihre verfassungsmäßigen Aufgaben haben die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten dabei aber behalten: Hauptsächlich von den Rundfunkgebühren der Bürger:innen finanziert, sollen sie mit einem hochwertigen und vielfältigen Programm informieren, unterhalten, Meinungsvielfalt und unterschiedliche Lebenswirklichkeiten abbilden und für möglichst viele Menschen relevant sein. Längst finden sie darum auch in den Sozialen Medien und auf Online-Plattformen statt, mit aufwendig an spezielle Zielgruppen und deren Nutzungsgewohnheiten angepassten Inhalten. Die öffentliche Funktion erschöpft sich aber nicht in Programmgestaltung, Relevanz, Aktualität und Reichweite: Auch die Archivierung von Gesendetem als historischer Dokumente des Zeitgeschehens gehört zu dieser Verantwortung, genauso wie Bereitstellung und Instandhaltung von Medien-Infrastruktur. Letztere wird ja nicht nur von den Sendeanstalten selbst genutzt, sondern auch von privaten Medienschaffenden – und hat eine zentrale Bedeutung für den Katastrophenschutz. Dass Internet und Digitalisierung hier an vielen Stellen für Transformationsdruck sorgen, ist klar. Was gelingt dabei gut, was ist noch zu tun – und was steht auf dem Spiel? Florian Hager ist Intendant des Hessischen Rundfunks, einer der neun Landesrundfunkanstalten der ARD. Im Digitalgespräch schildert er, vor welchen Herausforderungen der Sender steht, welche drängenden Fragen und Baustellen ihn beschäftigen, und wie eine zeitgemäße Programmgestaltung gelingen kann. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Hager, was der Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen angesichts der Digitalität bedeutet, wo Weichenstellungen auch den Einsatz von Politik und Gesellschaft fordern – und welche Rolle Sendemaste und UKW-Radios im Jahr 2023 noch spielen.

Erschienen: 31.10.2023
Dauer: 00:45:27

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Sensible Daten für die Wissenschaft: Weshalb ein Forschungsdatengesetz?

Mit Stefan Bender von der Deutschen Bundesbank

Behördendaten, also Daten, die bei Verwaltungsakten anfallen oder von staatlichen Stellen für genau definierte Zwecke gezielt erhoben werden, stehen mit guten Gründen unter besonderem Schutz: Personenbezogene Daten verraten viel über die Menschen, denen sie zuzuordnen wären und aus Daten zu Unternehmen lassen sich unter Umständen deren Geschäftsgeheimnisse ableiten. Der Wirtschafts- und Sozialforschung komme es nicht auf den Einzelfall am. Sie sucht nach großen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhängen und betrachtet Behördendaten daher in der Gesamtheit. Personen und Unternehmen werden dabei zu einem anonymen Datenpunkt in der Statistik. Die Ergebnisse dieser Forschung kann politische Entscheidungen informieren, öffentliche Debatten mit belegbaren Zahlen versachlichen und verborgene Entwicklungen sichtbar machen – wenn die Wissenschaftler:innen Zugang zu diesen Daten erhalten und die Erlaubnis, sie mit anderen Daten zu verknüpfen. Hier bietet die aktuelle Gesetzeslage kein einheitliches Bild. Auch praktische Hürden im Datenzugang werden von der Vertreter:innen der unabhängigen Forschung bemängelt. Hier findet ein Aushandlungsprozess statt zwischen denen, die Daten produzieren und teilen könnten, denen die auf diesen Daten forschen wollen und den Datenschützer:innen, die sicherstellen müssen, dass Informationen über Individuen und bei den Behörden auch weiterhin sicher sind. Prof. Stefan Bender leitet das Forschungsdaten- und Servicezentrum der Deutschen Bundesbank, die er auch im Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) vertritt. Der Wirtschaftswissenschaftler ist Experte für Datenzugang, Big Data, Verknüpfung von Daten und Datenqualität. Im Digitalgespräch erklärt er, was genau Behördendaten für die Forschung besonders interessant macht, wie Datenzugang heute geregelt ist und an welchen Stellen er verbessert werden müsste. Bender diskutiert mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring, welche Perspektiven in der Diskussion um Datenzugang für die Forschung aufeinandertreffen, wo sich spannende neue Fragestellungen auftun – und was ein gut gemachtes Forschungsdatengesetz verbessern kann.

Erschienen: 10.10.2023
Dauer: 00:45:17

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Modellieren, Simulieren, Optimieren – die Digitalisierung des Energienetzes

Mit Alexander Martin von der Technischen Universität Nürnberg

Unser Alltag baut auf der Gewissheit auf, dass jederzeit Strom aus den Steckdosen kommt. Schwankungen oder gar Ausfälle sind nicht vorgesehen. Wenn wir uns nicht gerade mit Katastrophenschutz befassen oder Endzeitszenarien ausmalen, denken wir selten darüber nach, wie verwundbar uns diese Abhängigkeit von verlässlicher Energieversorgung macht. Insbesondere für Gasnetze gilt: sie sind nicht nur riesig und komplex, sondern verändern sich und bedürfen permanenter Nachsteuerung und Stabilisierung. Das Energienetz mit Blick auf neue Energieträger und sich wandelnde Prioritäten weiterzuentwickeln und zu optimieren, seine Funktion zu überwachen und es resilient zu machen gegen eine Vielzahl von Risiken, ist eine hochkomplexe Aufgabe: Wir wollen nicht nur verstehen, wie verschiedene Energieträger im Netz zusammenwirken, sondern auch belastbare Vorhersagen machen und sofort reagieren können, wenn etwas Unerwartetes passiert. Dazu sind je nach Fragestellung physikalische Modelle, mathematische Methoden und Datenanalyse – auch in Echtzeit – nötig. In Simulationen und Berechnungen fließen Entwicklungen auf dem Weltmarkt, das Wetter und der Zustand der Leitungen genauso ein, wie die Qualität von Energieträgern oder der Verbrauch von Industrie und Privathaushalten. Wie macht man dieses vieldimensionale System beherrschbar? Prof. Dr. Alexander Martin ist Mathematiker. Er leitet das ADA Lovelace Center for Analytics, Data and Applications am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und ist Gründungsvizepräsident der Technischen Universität Nürnberg. In seiner Arbeit befasst er sich mit der Modellierung und Simulation bei Optimierungsfragen und bringt „Künstliche Intelligenz“ in die Anwendung. Der Experte erklärt im Digitalgespräch, wie unser Energienetz aufgebaut ist und welche Überlegungen den Modellen und Methoden zugrunde liegen, mit denen er und seine Kolleg:innen arbeiten. Er beschreibt, welchen Nutzen Digitalisierung dabei bringt, welche Daten benötigt werden und an welchen Stellen KI einen Beitrag leisten kann. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Martin, welche Zielsetzungen und politischen Debatten Einfluss auf die Entwicklung des Gasnetzes nehmen – und mit welchen ökonomischen und ökologischen Kosten das Sammeln, Vorhalten und Nutzen von Daten verbunden ist.

Erschienen: 19.09.2023
Dauer: 00:47:21

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Digitalisierte Landwirtschaft – das Beispiel Obstbau

Mit Christine Rösch vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)

Die Landwirtschaft prägt den ländlichen Raum wie kaum ein anderer Industriezweig, und sie sichert unsere Ernährung. So liegt es in unser aller Interesse, dass Landwirt:innen und ihre Mitarbeiter:innen ihrer Arbeit in guter Weise nachkommen können. Was das im Detail heißt, ist freilich umstritten. Immer wieder stehen Landwirt:innen pauschal in der Kritik, weil die Jobs in ihren Betrieben unbeliebt sind und weil Lebensmittelproduktion, Lagerung und Vertrieb mit Umwelt- und Klimabelastungen einhergeht. Natürlich wünschen wir uns eine ökologisch und sozial nachhaltige Ernährung für alle Menschen – und eine gut funktionierende Landwirtschaft auch. Im Konflikt zwischen Klima- und Umweltzielen mit unserem Anspruch an sozial gerechte Produktion und Verfügbarkeit verspricht die Digitalisierung Entspannung: Effizienter und vernetzter Landbau sind genauso wie schneller Zugang zu Wissen und digitalen Planungshilfen schon jetzt in vielen Betrieben angekommen. Die Überzeugung der Beteiligten und auch der Politik lautet: Landwirtschaft muss digitaler werden, um nachhaltiger zu werden. Aber reicht Digitalisierung allein, um bestehende Probleme zu lösen? Dr. Christine Rösch leitet die Forschungsgruppe „Nachhaltige Bioökononomie“ am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, dem ITAS am Karlsruher Institut für Technologie. Die Agrarbiologin und Expertin für Transformationsprozesse im ländlichen Raum erklärt im Digitalgespräch, welche Zielsetzungen und Notwendigkeiten die digitale Transformation der Landwirtschaft bestimmen, und warum gerade der Obstbau ein gutes Beispiel ist, um sich diese Prozesse klarzumachen. Sie schildert, welche Technologien schon jetzt breit zum Einsatz kommen, in welche Innovationen viele Hoffnungen gesetzt werden und wie gut die Umsetzung von Modernisierungsmaßnahmen gelingt. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Rösch, welche Chancen für eine nachhaltigere Landwirtschaft die Digitalisierung bereithält, wie ökologische und konventionelle Betriebe sie jeweils nutzen, welche weitreichenden Konsequenzen und Risiken sich dabei andeuten – und ob es in der digitalen Transformation des Berufsbilds „Landwirt:in“ auch einen Generationenkonflikt zu bewältigen gibt.

Erschienen: 08.08.2023
Dauer: 00:42:57

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Lehren und Lernen nach der Pandemie: Der schwierige Umbau des digitalen Schulunterrichts

Mit Jan Marco Leimeister von der Universität Kassel

Die Digitalisierung in Einrichtungen des öffentlichen Sektors erfolgt unter anderen Voraussetzungen als digitale Neuerungen in der privaten Wirtschaft oder zuhause. Die Lücke zwischen dem, was technisch ganz offensichtlich längst möglich ist, und dem, was beispielsweise in öffentlichen Schulen umgesetzt wird, ist groß. Groß ist auch der Unmut, den manche Menschen darüber empfinden. Und wenn es um die Ausbildung und Zukunftschancen von Kindern geht, scheint eine Verbesserung des Status quo besonders dringlich. Die Pandemie hat gezeigt, dass unter dem Druck der Schulschließungen mit Ausnahmen und Sonderregelungen plötzlich sehr vieles möglich war, wo sich vorher jahrzehntelang nichts bewegte. Allerdings: Datenschutz und Datensouveränität sind nach wie vor wichtige Werte. Unsere Gesellschaft kann und sollte diese nicht einfach aufgeben – auch, wenn sich der Unterricht mit Microsoft Teams, WhatsApp, Zoom und Co. auf den ersten Blick besser digital aufwerten lässt, als etwa mit datenschutzkonformen Open Source-Lösungen und eigenen Rechenzentren. Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus? Jan Marco Leimeister ist Professor für Wirtschaftsinformatik an den Universitäten Kassel und St. Gallen. Der Experte für Change Management und Innovationsprozesse hat neben der Arbeitswelt und Erwachsenenbildung auch die hessischen Schulen im Blick. Im Digitalgespräch berichtet er von Erkenntnissen aus seinen Beobachtungen – als Wissenschaftler, der Strukturen und Konfliktlinien identifiziert, und auch als Vater, der mit seinen Kindern in Singapur ein hohes Maß an Digitalisierung aller Lebensbereiche erlebt hat. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert er, wie Digitalisierung den Unterricht konkret aufwerten kann, wo die Verantwortung für diese Transformationsprozesse liegt – und ob uns Singapur bei der Digitalisierung in Schulen als Vorbild dienen kann.

Erschienen: 18.07.2023
Dauer: 00:43:54

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Digitale Kunstwerke bewahren: eine Herausforderung für Museen

Mit Margit Rosen vom ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe

Was ist uns unser kulturelles Erbe wert, das in der Frühzeit der Digitaltechnik, also in digitaler Form entstanden ist? Wenn man sich die Ressourcen anschaut, die die Gesellschaft für die Bewahrung digitaler Kunst bereitstellt, könnte man meinen: Nicht viel. Zwar begann das Digitalzeitalter mit Digitalkunst. Und unlängst hat NFT-Kunst mit Rekordpreisen den Markt revolutioniert, die Kunstszene düpiert und in Aufruhr versetzt. Das alles heißt aber nicht, dass die Öffentlichkeit den Wert digitaler Kulturgüter erkennt. Zumindest wird zu wenig getan, um seinen Verlust zu verhindern: Digitale Kunst fachgerecht zu bewahren, zu restaurieren und zu archivieren, wie wir es selbstverständlich mit analogen Kulturgütern tun – dazu sind nur eine Hand voll Menschen überhaupt in der Lage. Und für etliche Werke, die heute im digitalen Raum entstehen und zugänglich sind, fehlen Strategien für Restauration und Archivierung bisher völlig. Hier hat die Kunst ähnliche Probleme, wie sie Wissenschaft und Verwaltung beklagen: Das Analoge ist haltbar, das Digitale – noch – fragil. Margit Rosen leitet die Abteilung Wissen – Sammlung, Archive & Forschung am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Die Expertin erklärt im Digitalgespräch die Herausforderung, vor denen Museen stehen, die digitale Bestände halten und für sie verantwortlich sind. Die schildert Bewegungen in der Kunstszene, beschreibt Debatten, Diskursräume und Akteure und zeigt auf, wie dringend sich die Gesellschaft der Vergänglichkeit ihrer digitalen Kultur bewusst werden muss. Mit den Gastgeberinnen Petra Gehring und Marlene Görger diskutiert Rosen, welche konkreten Fragen sich dabei stellen, wie relevant der Einbruch der Blockchain-Technologie in die Kunst- und Museumsszene dabei ist – und inwiefern Soziale Medien auch Kunst-Medien sind.

Erschienen: 27.06.2023
Dauer: 00:47:42

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Tageszeitungen: Wie verändern sie sich im digitalen Wandel?

Mit Carsten Knop von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Eine gute gedruckte Tageszeitung konfrontiert ihre Leser:innen mit einem absichtsvoll und sorgfältig zusammengestellten Informationsangebot. Wer sich darauf einlässt, stößt auf überraschende Perspektiven, neue Themengebiete, zuvor unbekannte Debatten. Hinter der Zeitung stehen Herausgeber und eine Redaktion. Sie bietet das an, was zu wissen und zu diskutieren aktuell wichtig ist. Natürlich funktioniert das auch im Digitalen so: Wo nicht Algorithmen und personalisierten News-Feeds die Artikel zusammenstellen, liefern auch digitale Versionen von „Zeitung“ – wie ePaper oder Online-Portale – weitgehend kuratierte oder recherchierte Nachrichten. Hinzu kommen Analysen und Kommentare. Anders als die gedruckte Zeitung, die es in ihrer Machart und Handhabung leicht macht, sich konzentriert in Artikel und Interviews zu vertiefen, konkurrieren digitale Nachrichten allerdings schnell mit anderen Informationen um die Aufmerksamkeit des Menschen vor dem Bildschirm. Und digitaler Content scheint oft kostenlos zu sein – wir bezahlen „nur“ mit den beim Klicken und Lesen entstehenden Daten. Nicht mehr alle Menschen sehen es daher ein, für digitale Zeitungsinhalte zu bezahlen – etwa in Form eines Abos oder für einzelne Artikel. Gratis-Content im Netz entwertet aber journalistische Arbeit. Zeitungshäuser spüren den Druck, der durch die wachsende Konkurrenz mit anderen Medien entsteht. Sie müssen kreativ werden, um im Kampf um Aufmerksamkeit und Interesse – gemessen in Klicks und Likes – zu bestehen. Und spätestens dann, wenn Nutzer:innen gar nicht mehr gezielt bestimmte Angebote von Zeitungen und Medienhäusern aufsuchen, sondern ihnen lediglich einzelne Beiträge in Newsfeeds oder Posts begegnen, müssen seriöse Themensetzung und journalistische Standards mit wirtschaftlichen Überlegungen zur Maximierung von Reichweite zusammengebracht werden. Hier bewegt man sich mitunter auf einem schmalen Grat. Carsten Knop ist Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortet die digitalen Angebote des Blattes. Als Journalist kommentiert er seit Jahren die Entwicklungen im Bereich digitaler Technologien und Transformationen und nimmt dabei auch internationale Perspektiven ein. Im Digitalgespräch beschreibt der Experte am Beispiel der FAZ das Verhältnis von Zeitung und Digitalisierung. Er erklärt, wie Zeitungsredaktionen auf Herausforderungen des digitalen Informations- und Unterhaltungsmarktes reagieren, welche neuen Formate und Arbeitsweisen entstehen und wie seriöser Journalismus Chancen neuer digitaler Technologien sinnvoll nutzen kann. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Knop, welche Relevanz Digitalisierungsthemen in der Berichterstattung haben (sollten), wie sich der Austausch zwischen Journalist:innen und Leser:innen verändert hat und welche Rolle Tageszeitungen wie der FAZ im Ringen um demokratische Gestaltung von Digitalität zukommt.

Erschienen: 06.06.2023
Dauer: 00:48:07

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Wie es Computern gelingt, eigenständig mit Sprache umzugehen

Mit Chris Biemann von der Universität Hamburg

Seit mächtige Sprachmodelle der breiten Weltöffentlichkeit zur Verfügung stehen, ist der Erfolg der Computerlinguistik offenkundig: Man hat dort Rechnerarchitekturen entwickelt, die in der Lage sind, intuitive menschliche Sprache zu prozessieren. Das Verhalten, das diese Systeme zeigen, ist im Detail kaum noch nachvollziehbar, umso beeindruckender sind die Ergebnisse, die sie liefern: Assistenzsysteme, die mit diesen Sprachmodellen ausgerüstet sind, lassen sich steuern und generieren Output, als würden sie Sprache tatsächlich selbst beherrschen – und ihre Anwendungsmöglichkeiten gehen weit über die aufsehenerregenden Chat-Bots hinaus, die die öffentlichen Debatten bestimmen. GPT und verwandte Systeme sind allerdings keineswegs plötzlich entstanden. Sie sind das Ergebnis eines beharrlichen Lernprozesses: Erste Versuche, Sprache in Algorithmen abzubilden, scheiterten in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur an fehlenden Ressourcen oder weil entscheidende maschinelle Lernverfahren noch nicht entwickelt waren, sondern auch deshalb, weil die Theorien darüber, wie sich die Bedeutungsebene menschlicher Sprache abstrakt fassen und systematisieren lässt, unzureichend waren. Was also machen Entwickler:innen moderner Systeme anders als die Pionier:innen der Computerlinguistik? Chris Biemann ist Professor für Sprachtechnologie an der Universität Hamburg, wo er den Fachbereich Language Technology und das House of Computing and Data Science leitet. Im Digitalgespräch gibt der Experte tiefe Einblicke in die Entstehung und Funktionsweise moderner Sprachmodelle und erklärt sprachwissenschaftliche Theorien, die dabei zum Tragen kommen. Er macht verständlich, warum die Systeme so beeindruckende Ergebnisse liefern und beschreibt, wozu sie in der Wissenschaft eingesetzt werden können. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Biemann, welche Ressourcen in die Entwicklung solcher Systeme fließen, was passiert, wenn man Sprachmodelle auf dem ganzen Internet trainiert – und welche Aufgaben die Computerlinguistik jetzt, wo sie ihr großes Ziel erreicht zu haben scheint, noch vor sich hat.

Erschienen: 16.05.2023
Dauer: 00:50:09

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