Podcast "Digitalgespräch"

Das Digitalgespräch ist ein Podcast von ZEVEDI, dem Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung. Er wendet sich an Menschen, die aus erster Hand wissen wollen, was sich im Feld der Digitalität konkret tut und vor welchen Herausforderungen Wissenschaft und Politik dabei stehen. Im Digitalgespräch kommen Expert:innen zu Wort, die ihr Wissen zu aktuellen Arbeitsgebieten, Projekten und Forschungsperspektiven mit den Gastgeberinnen – Marlene Görger und Petra Gehring – teilen. Der Scheinwerfer fällt dabei auf komplexe Handlungsfelder und sorgt so dafür, dass sich der Nebel großer Schlagworte lichtet. Teils geht es um Themen, die unter Fachleuten gerade heiß diskutiert werden, teils ist von Dingen zu hören, die womöglich erst in Zukunft in das Sichtfeld der breiteren Öffentlichkeit gelangen. Impressum: https://zevedi.de/impressum/

Von

Marlene Görger

Petra Gehring

Podcast-Episoden

Sterben, Trauern und Vermächtnis: Was ändert sich durch Digitalität?

Mit Stephan Neuser vom Bundesverband Deutscher Bestatter e. V.

Der Tod stellt jeden Einzelnen und jede Einzelne vor große Herausforderungen. Sei es, die eigene Sterblichkeit zu begreifen und zu akzeptieren oder den Tod eines wichtigen, vielleicht geliebten Menschen in das eigene Weiterleben zu integrieren. So, wie die Digitalisierung unser Leben verändert, gewinnt durch Sie auch unser Lebensende neue Dimensionen. Auf einer praktischen Ebene entstehen Aufgaben in der Nachlasspflege, die durch Online-Accounts, Identitäten im Netz und digitale Kommunikationsspuren ganz eigene technische, juristische und auch ethische Fragen aufwerfen. Aber auch Trauer und Erinnerung suchen und finden neue – auch individuellere – Ausdrucksmöglichkeiten in digitalen Räumen durch Erweiterung der physischen Orte, zeitlichen Grenzen und etablierten Muster unserer Rituale. Stephan Neuser ist Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter e. V. und Rechtsanwalt. Er erlebt täglich, welche Veränderungen die Digitalität auch für den Umgang der Menschen mit dem Tod bringt. Im Digitalgespräch gibt der Experte Einblicke in neue Möglichkeiten, Anforderungen und Bedürfnisse, die zu einem Wandel der Bestattungskultur führen und beantwortet Fragen zum digitalen Nachlass. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert er digitale Formen der Trauer- und Erinnerungskultur, wie sie an bestehende Praktiken und Motive anknüpfen, sie ergänzen oder umdeuten und welche Bedeutung dabei das „Analoge“ behält oder auch: neu bekommt.

Erschienen: 16.08.2022
Dauer: 00:44:31

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Was ist das Darknet und was passiert dort?

Mit Kai Denker von der Technischen Universität Darmstadt

Der Begriff “Darknet“ wird in der Öffentlichkeit meist direkt mit Kriminalität in Verbindung gebracht. Allerdings wissen die wenigsten, was sich hinter diesem Namenwort verbirgt und welche Funktionen und Strukturen damit bezeichnet werden. Auch, wenn leicht ein anderer Eindruck entstehen kann, sind weder das Surfen noch das Betreiben von Seiten im Darknet nach unserer Rechtsprechung per se illegal. Im Gegenteil: Die Infrastruktur des Darknet wird auch für Zwecke genutzt, die nicht nur mit demokratischem Recht in Einklang stehen, sondern sich sogar als wichtige Instrumente für die Stärkung von Demokratie, den Erhalt individueller Freiheit und Schutz der Privatsphäre erweisen können. Entsprechende Argumente kommen immer wieder auf, wenn Debatten um mögliche Eingriffe oder gar ein faktisches Verbot des „anonymen Internets“ geführt werden. Hat das Darknet also einfach „böse“ und „gute“ Seiten? Und müssen wir damit leben, dass diese Technik solang sie dem Whistleblowing, politischer Opposition oder gutem Journalismus dient, auch schwere und schwerste Kriminalität begünstigt? Dr. Kai Denker ist Philosoph, Informatiker und Historiker. Er forscht und lehrt am Institut für Philosophie der Technischen Universität Darmstadt und hat sich auch mit dem Darknet intensiv beschäftigt. Im Digitalgespräch erklärt der Experte für Netzkulturen technische Grundlagen, gibt einen Eindruck von den Angeboten und Möglichkeiten, die das Darknet bietet – für unterschiedliche Akteur:innen mit unterschiedlichen Absichten. Dabei diskutiert er mit den Gastgeber:innen Marlene Görger und Petra Gehring, warum viele Netzaktivist:innen das Darknet in seiner heutigen Form trotz seines schlechten Rufs verteidigen, welche Grundwerte in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen, welche technische Aspekte des Darknets für seine demokratiefördernden Funktionen entscheidend sind – und auf welche andere zugunsten der Bekämpfung von Kriminalität zumindest theoretisch verzichtet werden könnte.

Erschienen: 05.07.2022
Dauer: 00:42:23

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Hochleistungsrechnen zu Zukunftsfragen: Das Deutsche Klimarechenzentrum

Mit Thomas Ludwig vom Deutschen Klimarechenzentrum

Wollen wir den Klimawandel in einem für Menschen erträglichen Rahmen halten und voraussehen, an welche Veränderungen wir uns anzupassen haben werden, dann müssen wir das Klima berechenbar machen – mit seinen komplexen Zusammenhängen, so gut es geht. Die Klimaforschung hat in den letzten Jahrzehnten auch in der öffentlichen Wahrnehmung enorm an Bedeutung gewonnen. Wie jedoch kommen die Wissenschaftler:innen zu denjenigen Ergebnissen, die dann in der Öffentlichkeit als Szenarien, Prognosen und Warnungen ankommen? Ein Teil der Antwort lautet: auf Basis von Simulationen, für die mathematische Klimamodelle mit großen Datenmengen zu verbinden sind. In Deutschland steht Forscher:innen dafür seit den späten 80er Jahren das Deutsche Klimarechenzentrum in Hamburg zur Verfügung. Es handelt sich um ein Hochleistungsrechenzentrum, das die öffentliche Hand speziell für diesen Zweck unterhält. Neben Rechenzeit auf optimierten Supercomputern bietet es seinen Nutzer:innen breite Unterstützung und Services an. Was genau geschieht am DKRZ und wodurch unterscheidet es sich von anderen Hochleistungsrechenzentren? Welchen Beitrag leistet es – für die Wissenschaft in Deutschland und in der internationalen Zusammenarbeit? Könnten moderne Technologien wie Quantencomputer oder Maschinelles Lernen in Zukunft helfen, das Klima schneller besser zu verstehen? Und: Wie sieht eigentlich die Klimabilanz vom Klimarechnen aus? Thomas Ludwig ist Professor für Informatik und leitet das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ). Als Wissenschaftler forscht und lehrt er außerdem an der Universität Hamburg. Im Digitalgespräch stellt der Experte für Wissenschaftliches Rechnen vor, worin der Auftrag dieses besonderen Rechenzentrums besteht und wie es ihn erfüllt. Dabei erklärt Ludwig auch, wie sich Hochleistungsrechnen seit den 1980er Jahren entwickelt hat und wie das Zusammenspiel aus wissenschaftlicher Modellierung und den Möglichkeiten, die modernste Supercomputer bieten, zu Durchbrüchen in der Klimaforschung führt. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Ludwig, welchen konkreten Nutzen die Ergebnisse der Klimaforschung und die Daten, die dabei gesammelt werden, der Allgemeinheit bringen können, ob Forschungsinfrastruktur zu wenig öffentliche Beachtung erfährt – und warum es nicht so schlimm ist, wenn falsche Wettervorhersagen durch machine learning noch ein bisschen falscher werden.

Erschienen: 14.06.2022
Dauer: 00:50:17

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Open Source für die öffentliche Verwaltung: das Beispiel Schleswig-Holstein

Mit Marit Hansen, der Landesbeauftragten für Datenschutz Schleswig-Holsteins

Unsere Informationsgesellschaft hat sich in Abhängigkeiten hinein entwickelt, die eigentlich völlig inakzeptabel sind: Wenige Digitalkonzerne diktieren Preise und Geschäftsbedingungen, denn um die Nutzung ihrer Software kommt niemand mehr herum. Auch auf die Integrität internationaler Lieferketten müssen wir uns blind verlassen. Wir haben die Funktionen und das Funktionieren unserer digitalen Infrastrukturen also längst nicht selbst in der Hand. Oft werden die Systeme, die wir nutzen, zudem den europäischen Anforderungen z. B. in puncto Daten- und Grundrechtschutz nicht gerecht. Mindestens setzt eine vernünftige, also beherrschbare Digitalität aber voraus, dass die Funktionsweise unserer Technik nachvollziehbar bleibt und auch rechtskonform angelegt ist. Ein Stichwort, das dabei immer wieder fällt, wird auch für den öffentlichen Sektor relevant: Open Source. Die Informatikerin Marit Hansen ist Datenschutzbeauftrage des Landes Schleswig-Holstein – des ersten Bundeslandes, das sich vorgenommen hat, die gesamte öffentliche Verwaltung, Schulen und Behörden vollständig auf Open Source umzustellen. Die Expertin erklärt im Digitalgespräch, wie diese Strategie zustande kam, wie ein solches Vorhaben in die Praxis umgesetzt wird, wie man Politik, Mitarbeiter:innen und IT-Expert:innen motiviert, an einem Strang zu ziehen und auch, wie sich die Zusammenarbeit innerhalb des Bundes und Europas entwickelt. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Hansen, welche Rolle Open Source für das Fernziel der digitalen Souveränität spielt, warum dabei nicht nur die Software, sondern auch die Hardware „open“ sein muss, wie es um die IT-Kompetenz auf Seiten des Staates bestellt ist – und warum man der Langsamkeit bei der Digitalisierung deutscher Verwaltung trotz aller Versäumnisse auch etwas Gutes abgewinnen kann.

Erschienen: 24.05.2022
Dauer: 00:47:16

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Von Datenschutz zu Datensouveränität: informationelle Selbstbestimmung in der digitalen Gesellschaft

Mit Steffen Augsberg von der Justus-Liebig-Universität Gießen

Auch wenn das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung in unserer Demokratie nach wie vor Bestand hat: die Regeln und Forderungen des Datenschutzes sind zumindest umstritten. Nicht nur ist konsequenter Datenschutz in der Praxis vielfach kaum zu gewährleisten. Er scheitert systematisch etwa an intransparenten Geschäftsmodellen oder der Sorglosigkeit von Verbraucher:innen, die ihre Daten und Datenspuren unbedacht teilen. Es stellt sich außerdem immer häufiger die Frage, ob Datenschutz nicht das Interesse von Bürger:innen einschränkt, ihre persönliche Daten aktiv zu ihrem eigenen wie auch gesellschaftlichem Nutzen einzusetzen. Lautet die Alternative lediglich „Schutz“ oder aber „Weggabe“, können wir keine Bedingungen für die Nutzung unserer Daten stellen. Wir können sie auch nicht gezielt investieren, sie gleichsam kontrolliert arbeiten lassen. Beispiele aus der Medizinforschung liegen nahe, wenn z. B. Patienten im Eigeninteresse Daten „spenden“ möchten. Und auch abseits von Gesundheitsfragen wird den Individuen die Beteiligung an Potentialen von Big Data erschwert oder unmöglich gemacht. Auch kollektive Interessen lassen sich kaum an die Datenweggabe knüpfen. Neue Konzepte der Datensouveränität hinterfragen hier den klassischen Datenschutz: Anstelle der Idee des Schützens und Abschirmens soll das Motiv eines mündigen, produktiven und gestalterischen Verfügens über die Daten treten, die wir in unserem täglichen Leben generieren. Steffen Augsberg ist Professor für Öffentliches Recht an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Mitglied des Deutschen Ethikrats. Der Experte für Fragen nach ethischen Implikationen unserer verfassungsmäßigen Rechte ist auch ein ausgewiesener Kenner der Idee von Datensouveränität. Im Digitalgespräch erklärt er, was sich hinter dem Begriff verbirgt und wie Datenschutz und Datensouveränität mit dem Recht auf Informationelle Selbstbestimmung zusammenhängen. Mit Gastgeberinnern Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert er, wohin die Entwicklung der Datensouveränität als neuem Leitparadigma gehen könnte, welche Fragen nach praktischer Umsetzung, Sicherheit und Vertrauen sich dann stellen und warum Datenschutz als Option – nur eben nicht als einzige – dabei enthalten bleibt.

Erschienen: 03.05.2022
Dauer: 00:44:34

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Von Cartoons zu Instagram: „Perfekte Bilder“ und das Körperverhältnis von Mädchen

Mit Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk

Instagram ist das Reich der perfekten Bilder. Dass sie wenig mit der analogen Realität hinter den digitalen Idealwelten zu tun haben, wissen sowohl Erwachsene, die soziale Medien in einer späteren Lebensphase erschlossen haben, als auch Kinder und Jugendliche, die damit selbstverständlich aufwachsen. Trotzdem entfalten aufwendig inszenierte und digital bearbeitete Bilder, mit denen Influencer:innen vor allem junge und sehr junge Menschen erreichen, Wirkungen. Oft entstehen so bei Betrachter:innen Unsicherheiten, die sich aus Diskrepanzen speisen: zwischen der eigenen Erscheinung und der von berufsmäßig gutaussehenden Models, zwischen echten Körpern und ihren idealisierten Abbildern, zwischen dem diffusen Gefühl, perfekt sein zu müssen und der Erfahrung des Scheiterns. Solche Momente entstehen freilich nicht erst im Digitalen. Aber sie häufen und verstärken sich, wo sich die Beschäftigung mit Perfektion intensiviert – und ein großer Teil der Bilderplattform Instagram hat sich zu einer regelrechten Bühne der Makellosigkeit entwickelt. Vor allem für Mädchen und junge Frauen birgt Instagram daher Risiken für das Selbstwertgefühl, denn trotz aller Bemühungen um Modernität und Emanzipation scheint das Aussehen für sie nach wie vor eine bestimmende Rolle zu spielen. Medienwissenschaftlerin und Medienpädagogin Maya Götz leitet das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen beim Bayerischen Rundfunk (IZI). Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, wie Jungen und Mädchen mit Medien wie auch Medieninhalten umgehen, wo das soziale Umfeld die Weichen für Unterschiede stellt, die sich hierin zwischen den Geschlechtern entwickeln und welche Rolle das erste eigene Smartphone spielt. Mit Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert sie, wo für den Einfluss sozialer Medien auf die Entwicklung von Körperbildern die Schwelle hin zum Bedenklichen liegt, warum Mädchen auch heute noch engere Spielräume für ihre Individualität haben als Jungen und wie diese Ungleichheit durch soziale Medien verstärkt werden kann.

Erschienen: 12.04.2022
Dauer: 00:41:34

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Verträge automatisieren? Was sind und was leisten „Smart Contracts“?

Mit Nikolas Guggenberger von der Yale Law School

Auch, wenn nicht jede:r von uns Expert:in für Zivilrecht ist, gehen wir im Alltag routiniert miteinander vertragliche Verpflichtungen ein. Ob wir Brötchen kaufen, eine Lebensversicherung abschließen oder einen Flug buchen – wir verlassen uns darauf, dass wir uns aufeinander verlassen können. Und wenn doch mal etwas schief geht, regeln Gesetze oder eben Gerichte den Streitfall. Das Internet als Marktplatz macht da auf den ersten Blick keinen großen Unterschied. Wir bestellen beim Versandhandel einfach online statt wie unsere Großeltern per Telefon oder Postkarte. Wir klicken und vom Kredit bis zum Aktienkauf geht alles blitzschnell. Sonst ändert sich nichts – oder? Vielleicht lohnt sich doch ein genauerer Blick. Denn Automatisierung verändert ausbalancierte Garantieregeln im Hintergrund von Verträgen, von denen wir oft gar nicht wissen. Und dass Digitalität möglicherweise großes Potential hat, unser Verständnis von gegenseitiger Verpflichtung zu verändern, zeigt spätestens der Hype um Smart Contracts. Mit ihnen soll eine automatisierte Vertragsabwicklung möglich werden, die zumindest in der Theorie ganz ohne Vertrauen ineinander und staatliche Institutionen funktioniert. Aber inwiefern wäre das ein Fortschritt? Nikolas Guggenberger forscht und lehrt an der Yale Law School zur Automatisierung von Recht und ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Zuvor war der Rechtswissenschaftler Juniorprofessor am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster. Im Digitalgespräch erklärt Guggenberger, an welchen Stellen Digitalität einen Unterschied für unsere Vertragspraxis macht und beleuchtet die Hintergründe des Schlagworts „Smart Contract“. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert er, ob ausgeklügelte Technik das Recht ersetzen könnte und stellt klar, wo deutsche Gesetze der Automatisierung Grenzen setzen, die z. B. das Rechtssystem der USA nicht unbedingt kennt.

Erschienen: 22.03.2022
Dauer: 00:38:38

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KI und Krieg: Verhandeln für eine UN-Konvention gegen tödliche autonome Waffensysteme

Mit Anja Dahlmann vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg

Automatisierung, besonders mit Hilfe Künstlicher Intelligenz, soll Prozesse schneller, effizienter und präziser machen. Man will den Menschen als limitierenden Faktor umgehen und Wettbewerbsvorteile schaffen. Im Militärischen erhält dies eine unmittelbar existenzielle Dimension: Systeme Künstlicher Intelligenz werden seit einigen Jahren zunehmend Bestandteil militärischer Ausrüstung und Maschinerie. Sie können Kampfhandlungen unterstützen, vorbereiten oder sogar selbständig ausführen. Das automatisierte Töten von Menschen, die von einem Computer als Ziel identifiziert werden, ist keine Dystopie, sondern eine technische Möglichkeit. Wann und wie präzise sie Wirklichkeit wird, liegt allein im Ermessen derer, die die Systeme bauen und einsetzen. Denn: Bisher gibt es keine internationalen Abkommen, die den Einsatz tödlicher autonomer Waffensysteme oder sogenannter „LAWS“ (Lethal Autonomous Weapon Systems) regulieren oder gar verbieten würden. Zwar wurden 2013 auf UN-Ebene entsprechende Verhandlungen angestoßen, aber zwischen den beteiligten Staaten ist noch nicht einmal entschieden, ob eine Regulierung überhaupt angestrebt wird. Anfang März 2022 soll der Prozess in Genf fortgeführt werden, aber schon vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 sahen Beobachter:innen wenig Chancen für einen produktiven Verlauf – zu groß ist der vermeintliche Vorteil, den Militärs in LAWS sehen, als dass sie sich auf den Verzicht verpflichten wollten. Eine der Beobachter:innen der Verhandlungen im Rahmen der UN-Waffenkonvention (CCW) ist Anja Dahlmann, Leiterin des Berliner Büros des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und Mitglied des International Panel on the Regulation of Autonomous Weapons (iPRAW). Im Digitalgespräch erklärt die Politikwissenschaftlerin Bedeutung und Stand der Verhandlungen und umreißt, welche Positionen verschiedene Staaten darin einnehmen. Sie beschreibt, um welche Waffensysteme es dabei genau geht, wie und von wem sie entwickelt werden und welche Hinweise auf den Stand der Technik es gibt. Mit den Gastegeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Dahlmann, worauf die Regulierungsversuche abzielen und warum sie trotz aller Widerstände vorangetrieben werden. Das Gespräch wurde am 17. Februar 2022 aufgezeichnet, eine Woche vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine.

Erschienen: 01.03.2022
Dauer: 00:38:44

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Was ist Gaia-X?

Mit Boris Otto von der Technischen Universität Dortmund und dem Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST

Immer häufiger hört man den Namen „Gaia-X“: Im Konflikt zwischen Datenschutz und wachsenden Forderungen nach effektiver Datennutzung soll eine neue Infrastruktur vermitteln, aber auch industriepolitisch ist Gaia-X ein Hoffnungswort. Innovative Konzepte zu Datensouveränität sollen Datenprodukte entstehen lassen, die mit europäischen Werten und Gesetzen in Einklang sind. Europa soll zu unabhängigen, freiheitlich-demokratischen Formen der Digitalität finden. Doch wie geht das? Angesichts der Marktdominanz vor allem außereuropäischer Konzerne, die zurzeit die Regeln und Standards der Digitalität definieren, erfordert die Verwirklichung dieser Vision jedenfalls eine enorme gemeinsame Anstrengung. Tatsächlich ist Gaia-X bereits auf dem Weg und macht große Schritte. Einzelheiten sind aber außerhalb von Expert:innenkreisen noch kaum bekannt. Daher ist die Infrastruktur, auf der das europäische Datenökosystem entstehen soll, das Thema dieses Digitalgesprächs. Boris Otto ist Professor für Industrielles Informationsmanagement an der TU Dortmund und geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer ISST. Im Kontext von Gaia-X hat er seit Beginn des Projekts verschiedene zentrale Rollen inne und gestaltet die Entwicklungen maßgeblich mit. Der Experte und Insider erklärt im Digitalgespräch genau, worum es bei Gaia-X geht, welche Triebfedern, Interessen und Rahmenbedingungen die Ausgestaltung bestimmen und woran sich der Fortschritt und letztlich der Erfolg des Projekts messen lassen werden. Mit den Gastgeberinnen des ZEVEDI-Podcasts – Marlene Görger und Petra Gehring – diskutiert Otto die Effekte, die Gaia-X für Unternehmen wie auch Privatpersonen haben kann und welche Hürden dabei noch zu überwinden sein werden.

Erschienen: 08.02.2022
Dauer: 00:44:13

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Cookies, AirTags, Metadaten: Wohin führt das Tracking?

Mit Matthias Hollick von der Technischen Universität Darmstadt

Tracking kann uns überall dort begegnen, wo wir Software nutzen. Ob beim Surfen im Internet oder beim Joggen mit angelegter Smart Watch: Wir wissen, dass hier Daten über uns und unser Verhalten entstehen, die zu ganz unterschiedlichen Zwecken erhoben und verarbeitet werden. Ein Teil dieser Zwecke soll uns dienen, zum Beispiel wo es um die Überwachung unserer Gesundheit geht oder wenn personalisierte Dienste unser Leben komfortabler machen sollen. Oft stehen aber einfach finanzielle Interessen Dritter im Hintergrund, die mit unseren Datenspuren Geld verdienen können, kriminelle Aktivitäten – und wohl im schlimmsten Fall Überwachungsmaßnahmen autoritärer Regierungen. Das volle Potential der immer elaborierteren Tracking-Techniken entfaltet sich vor allem in der fortschreitenden Vernetzung und Vernetztheit unserer IT-Systeme. Das gilt für den vermeintlichen Nutzen genauso wie für Missbrauchsrisiken. Matthias Hollick ist Professor für Informatik an der TU Darmstadt und leitet dort das Arbeitsgebiet Sichere Mobile Netze. Im Digitalgespräch erklärt der Experte, welche Technologien heute schon eingesetzt werden, um Daten über uns zu sammeln und auszuwerten, welche Akteure dahinterstehen und welche Zwecke sie verfolgen. Er diskutiert dabei mit den Gastgeberinnen des ZEVEDI-Podcasts – Marlene Görger und Petra Gehring –die Dynamik der Entwicklung potentieller Überwachungstechnologien, das Spannungsverhältnis zwischen Nutzen und Risiken der Tracking-Infrastrukturen, die uns umgeben, wo und wie Regulierungen sinnvoll sein könnten und welche Perspektiven sich daraus für freiheitliche, demokratische Gesellschaften ergeben.

Erschienen: 25.01.2022
Dauer: 00:39:53

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