Podcast "EvidenzUpdate-Podcast"

Betrachtungen über sogenannte "Wahrheiten" in der Medizin. Wir schauen auf die medizinische Wissenschaft, auf Studienergebnisse und Expertenaussagen. Wir ordnen ein, was wir eigentlich wissen können und was nicht. Und wo es schlicht Grenzen gibt. Wir, das sind Martin Scherer, Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, und Denis Nößler, Medizinjournalist. www.evidenzupdate.de

Podcast-Episoden

Kardio-Kracher vom AHA – und was sie wirklich können

Bonjour & liebe Grüße „aus“ New Orleans! Vor Ort waren wir zwar (leider) nicht. Wir waren ja beim 13. Tag der Allgemeinmedizin in Hamburg, während gleichzeitig in NOLA die Jahrestagung der American Heart Association (AHA) stattfand. Aber wir haben versprochen, uns dennoch mit der einen oder anderen kardiologischen „Breaking News“ zu beschäftigen, die beim AHA-Meeting vorgestellt wurde. Das machen wir in dieser Episode (aufgezeichnet am 14. November), denn manches aus New Orleans ist unseres Erachtens etwas zu leichtfertig bzw. leichtgläubig und voreilig als Sensation bezeichnet worden. Wie so oft (Achtung, Spoiler) halten solche Einschätzung bei genauerer Betrachtung nicht stand.Plus für alle hier: die Zusammenfassung unseres Gesprächs und natürlich die Literatur: https://www.evidenzupdate.de/p/kardio-kracher-vom-aha-und-was-sie.Das Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode: https://www.evidenzupdate.de/p/die-kardio-kracher-vom-aha-transkript.Schreibt uns: podcast@evidenzupdate.deJetzt aber zu den AHA-Papers, und ab sofort gibt es Kapitelmarken:* 00:07:05 DASH* 00:11:56 DECAF* 00:17:47 OCEAN* 00:22:53 PERMET* 00:26:25 FH-Screening* 00:32:31 VESALIUS-CV* 00:39:02 CORALreef HeFH* 00:45:29 Fazit Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 01.12.2025
Dauer: 00:53:10

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Kolorektales Karzinom: Die neue S3-Leitlinie im Evidenz-Check

Hallihallo! Nach der Präventionsepisode legen wir mit Thomas Maibaum noch einen nach und bleiben ein Stück im Thema: Wie schon öfters angecliffhangert, kommt hier und heute endlich unser Gespräch über die Version 3.0 der S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. Auch die Miezekatze ist wieder am Start und hat einen „Textmarker“ dabei.Und gleich zu Beginn noch ein Maibaum’scher Lektüretipp, dieses Mal: Sorge dich nicht – lebe! von Dale Carnegie, auf Deutsch bei S. Fischer erschienen.Plus für alle hier: die Zusammenfassung unseres Gesprächs und natürlich die Literatur: https://www.evidenzupdate.de/p/kolorektales-karzinom-die-neue-s3Das Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode: https://www.evidenzupdate.de/p/transkript-zur-episode-kolorektalesSchreibt uns: podcast@evidenzupdate.deJetzt aber zur Leitlinie: Die hatte schlappe 1.182 Endnoten. Natürlich habe wir alle durchgearbeitet. Nein! Thomas Maibaum hat aber eine Idee für den Literaturwucher in Leitlinien-Updates: Es fliegt einfach keine raus, die einmal drin war. Das erinnert und an das große De-Implementation-Thema.Wir nehmen uns drei Kapitel vor: die Primärprävention (Kapitel 3), Früherkennung (Kapitel 4 ff.) und die Nachsorge (Kapitel 11).Die neue S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom (Version 3.0 vom September 2025) ist gewaltig. Wir nennen sie liebevoll eine „Garage voller Kisten“: Was einmal im Literaturverzeichnis steht, wird selten wieder ausgeräumt. Die riesige Zahl der Endnoten beeindruckt, birgt aber auch Risiken.Nur: Die Masse der Endnoten garantiert erst einmal überhaupt nichts. Eine Überfülle an Zitaten kann verwirren, Relevanz verschleiern und sogar kontrafaktische, also Fehlzitationen begünstigen. Und kaum jemand kann und wird es mehr nachprüfen. Unser Plädoyer, einmal mehr: less ist more, mehr Fokus auf Kernbotschaften statt Textwüste. Empfehlungen nur dort, wo es belastbare Belege gibt. Und am Ende kommen wir zu einem oftmals vernachlässigten Ziel, nämlich Entängstigung:* Wer nicht mehr dauerhaft als Krebspatient:in behandelt wird,* kann psychisch wieder zurück ins Leben finden.* Das gelingt nur, wenn Diagnostik nicht verlängert wird. Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 24.11.2025
Dauer: 00:34:51

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Prävention außer Kontrolle – warum wir die Falschen behandeln

Guten Morgen (?), liebe Leute! Heute müssen wir über ein riesengroßes Missverständnis sprechen: über Prävention, oder besser: über das, was aus ihr geworden ist. 😷 Dafür haben wir einen Dritten im Bunde, den wunderbaren Thomas Maibaum aus Rostock, der nicht nur interessante Literatur (s.u.) im Gepäck hat, sondern noch klügere Gedanken.Spoiler 1: Mit dieser Episode, so fürchten wir, werden wir uns nur wenige Freunde machen und womöglich sogar Schelte bekommen. Wir nehmen sie in Kauf, wenn man sich im Gegenzug mit unseren Gedanken beschäftigt.Spoiler 2: Dieser Text hier wird etwas deftig. Er ist von einem von uns geschrieben. Das Gespräch, das es natürlich auch als Transkript gibt, ist wesentlich differenzierter.Spoiler 3: Prävention, so wie wir sie heute betreiben, ist was ziemlich Dusseliges. Sie macht Menschen (teils unnötig) krank. Sie verstopft das Gesundheitssystem. Sie kostet Unmengen an Kohle. Sie ist zu einer Industrie geworden, die mit Angst viel Mammon verdient. Und am Ende lebt dadurch niemand länger oder gesünder, sondern haben wir vor allem mehr Morbidität und Leid produziert. Einfach:Wir behandeln die Falschen, wir machen aus Gesunden Kranke.Spoiler 4: Im Gesundheitssystem hat sich ein übles Dogma breitgemacht, dass Selbiges einfach nur präventiver ausgerichtet sein müsste, um später Leid (und Kosten) zu sparen. Die Idee ist gar nicht doof. Nur bis heute ist ihr kein Beweis gefolgt. Stattdessen sind aus ihr Milliarden Euro teure Screenings ohne Lebenszeitgewinn geworden, Lifestyle-Debatten oder Longevity-Trends, die vor allem zu einem führen: zur Medikalisierung einer ganzen Gesellschaft.Spoiler 5: Dabei ist Prävention ziemlich cool, wenn man sie so versteht, dass sie die Verhältnisse ändert, damit die Menschen in ihnen gesünder leben können. Das sind nicht nur mehr Fahrradwege oder Zucker- oder Fettsteuern (was alles auch Verhalten ändert), sondern vor allem der Abbau von Ungleichheit (einem krankmachenden Verhältnis).Bevor wir in medias res gehen hat Thomas Maibaum für alle einen Hör- und einen Lektüretipp. Der Hörtipp hat direkt etwas mit einem Teil unseres Gesprächs zu tun, nämlich TNT:Der Lektürtipp ist ein uraltes Buch von John Berger: A Fortunate Man – The Story of a Country Doctor. Das war Ende der 1960er-Jahre bei Canongate erschienen, ist aber antiquarisch noch gut bei ZVAB oder Medimops erhältlich.Plus für alle hier: die Zusammenfassung unseres Gesprächs und natürlich die Literatur: https://www.evidenzupdate.de/p/pravention-auer-kontrolle-warum-wirDas Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode: https://www.evidenzupdate.de/p/transkript-zur-episode-praventionSchreibt uns: podcast@evidenzupdate.de Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 17.11.2025
Dauer: 01:05:19

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Patientensteuerung – sinnvoll fürs Praxisteam, oder kann das weg?

Wir waren in Hamburg und haben wieder eine Podcast-Episode live mit Publikum aufgezeichnet. Dieses Mal waren wir beim 13. Tag der Allgemeinmedizin, der fand am Samstag, den 8. November am UKE statt. Wir haben gefragt: Ist Patientensteuerung, von der in der Politik derzeit viel gesprochen wird, überhaupt sinnvoll? Und falls ja: Welche brauchen wir? Was sagt uns die Evidenz? Und was bedeutet das für den klinischen Alltag?Spoiler: Patientensteuerung – oder sprechen wir besser von Koordination – einfach mal so, wird wenig heilen, wenn nicht gleichzeitig andere Probleme und Fehlanreize beseitigt werden.Plus für alle hier: die Zusammenfassung unseres Gesprächs, unten auf besonderen Wunsch ein paar Ergebnisse aus den HZV-Evaluationen und natürlich die Literatur: https://www.evidenzupdate.de/p/patientensteuerung-sinnvoll-furs.Das Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode, das Transkript, kommt Anfang der Woche hinterher.Schreibt uns: podcast@evidenzupdate.deNoch bevor wir uns mit harter (oder weniger harter) Evidenz beschäftigt haben, tauchte Josef Hecken auf, der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), in Erinnerung an seinen legendären „Mittelfinger“-Moment. Ein „Fingerzeig“, um die Frage aufzuwerfen: Was bringt Patientensteuerung eigentlich wirklich? Geld sparen, wie manche glauben? Oder Ordnung ins System bringen, wie andere hoffen?So wie Josef Hecken im Gesundheitsministerium nachfragte, wie man mit einem Primärarztsystem in den kommenden Jahren zwei Milliarden Euro einsparen könne („Seid Ihr besoffen, wo kommt denn diese Zahl her?“), sind wir uns einig: Wenn Steuerung nur der Sparlogik folgt, wird’s ein teurer Irrtum.In der Literatur zur Patientensteuerung haben wir eine kleine Auswahl systematischer Reviews und Meta-Analysen gefunden, von Patientennavigation über Community-Based Healthcare bis zu Gatekeeping-Systemen.Die Quintessenz: Es gibt viele Hinweise, aber wenig harte Beweise. Die Effekte sind mal „low“, mal „ambivalent“. Aber: „Evidenz ist kein Flutlicht, sondern eine Taschenlampe.“Die Diskussion im Publikum zeigt, wie sehr Praxis und Politik ineinandergreifen.* Bürokratieabbau? Alle wünschen ihn, aber niemand hat ihn je erlebt.* Zeit für Gespräche? Nur, wenn irgendwo anders entlastet wird.* Digitale Tools? Nur dann hilfreich, wenn sie nicht wieder neue Faxe erzeugen.* Digitale Ersteinschätzung? Kann man wiederum mittels KI austricksen.Iris Schluckebier, MFA und Expertin für Praxis- und Qualitätsmanagement, bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen keine drei ostdeutschen Frauen, die sich betrinken und das Gesundheitssystem neu erfinden – wir brauchen Praxisteams, denen man zuhört.“Und was passiert zum Beispiel, wenn KI-Tools oder auch etablierte Verfahren wie SmED bald regelmäßig der erste Patientenkontakt sind? Hilft das, oder schafft es neue Barrieren – vor allem für die, die ohnehin schon abgehängt sind?Einige Ärzt:innen und MFAs im Saal warnen, andere sehen Chancen. In jedem Fall aber: Digitale Systeme können unterstützen, aber nicht das Denken ersetzen.Am Ende steht keine Lösung, sondern ein ehrliches Fazit: Patientensteuerung ist kein Sparmodell. Sie kann funktionieren – aber nur, wenn sie als Kooperationsmodell gedacht wird, nicht als Kontrollinstrument.Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) zeigt das: Wo sie klug mit der spezialistischen Medizin vernetzt ist, wie in Baden-Württenberg, entstehen weniger Hospitalisierungen, sogar weniger Amputationen bei Diabetiker:innen.Und noch etwas nehmen wir vom TdA aus Hamburg mit: Wissenschaft und Praxis – das ist kein Gegensatz. Heute haben wir beides in einem Raum gehabt. Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 09.11.2025
Dauer: 01:01:03

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Maßband oder Waage – und werden GLP-1-RA jetzt zu „Herz-Arzneien“?

Guten Tag, liebe Freundinnen und Freunde der Gewichtsreduktion! Zugegeben, im Moment sind wir sehr inkretinmimetisch unterwegs, greifen etliche Publikationen zu GLP-1-Rezeptor-Agonisten auf. Wir gehen streng davon aus, dass das weniger mit einem persönlichen Bauch-Bias zu tun hat als vielmehr mit einem Publikationsbias: Allein in diesem Jahr sind per 5. November in Pubmed bereits 5.062 Veröffentlichungen gelistet. Wie geloben Besserung und werden wieder andere Themen bringen!Aber diese heutige Episode muss sein, denn die jüngste Auswertung der SELECT-Studie zu ▼ Semaglutid (Wegovy® und Ozempic®) von Novo Nordisk hat ein so großes Medienecho erhalten, dass eine Einordnung nötig scheint.Plus für alle hier: die Zusammenfassung unseres Gesprächs, die SELECT-Auswertung von Deanfield et al. „in a nutshell“ und natürlich die Literatur: https://www.evidenzupdate.de/p/maband-oder-waage-und-werden-glpPlus für alle Unterstützer zu dieser Episode: https://www.evidenzupdate.de/p/transkript-zur-episode-maband-oderSchreibt uns: podcast@evidenzupdate.deJetzt aber zu der Arbeit, bei der im Rahmen der (von Novo Nordisk gesponserten) SELECT-Studie kardiovaskuläre Endpunkte untersucht wurden bei Menschen mit Adipositas und OHNE Diabetes mellitus im Vergleich Semaglutid vs. Placebo:Die Ergebnisse wirken zunächst wie ein Paukenschlag, jedenfalls sind sie von etlichen Medien zu verkauft worden: Weniger Herzinfarkt und Schlaganfall, und das ziemlich flott nach Therapiebeginn.Doch bevor Sektkorken knallen, erst einmal Ernüchterung: Die Verbesserungen sind zwar statistisch spannend, aber so knapp, dass sie uns an ein Siegtor in der Nachspielzeit erinnern. Und spätestens bei den Kosten von 2.000 Euro pro Patient und Jahr für die Abnehmspritze zieht das Portemonnaie die Notbremse.Ein echtes Highlight ist – wie so oft – der Unterschied zwischen relativer und absoluter Risikoreduktion: 20 Prozent klingt nach „Rettung für Millionen“, die ARR ist jedoch erwartbar viel bescheidener. Immerhin: Eine NNT von rund 67 finden wir interessant. Wenn halt die hohen Kosten nicht wären und die oberen 95-Prozent-Konfidenzintervalle nicht gnadenlos an der 1 kratzen würden.Die interessante Nachricht der Arbeit, mindestens als klinische Hypothese ist das Indiz, dass das Maß der Dinge nicht die Waage ist, sondern das Maßband. Wer weniger Bauchumfang hat, gewinnt.Für Jubelparolen ist es freilich viel zu früh. Denn die vorliegende Arbeit hat etliche Limitationen, das Studiensponsoring vom Semglutid-Hersteller Novo Nordisk ist nur eine.Fazit: Der Herzschutz durch Semaglutid ist ein spannendes Signal, aber noch kein medizinischer „Game Changer“. Wer jetzt schon Pläne für ein Bad in der Adipositas-freien Zukunft schmiedet, sollte lieber das Maßband raussuchen und noch ein bisschen Demut im Gepäck behalten – Fortsetzung folgt! Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 05.11.2025
Dauer: 00:24:55

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Kommerz und Entkopplung – die Krise der akademischen Medizin

Obacht, liebe Nerds, heute wird es richtig nerdig. Wir beschäftigen uns mit dem Elfenbeinturm, mit dem „Fischkopf“ des Gesundheitswesens: der Academia. Ja, das wird ein eher theoretisches Gespräch und nicht direkt einen Impact auf die every day practice haben. Aber wir meinen: Nachdenken müssen wir dennoch darüber. Es gibt auch gleich einen Spoiler samt Cliffhanger: Dieses Gespräch ist keine vollständige Epikrise, sondern nur eine erste Anamnese, ein erster Aufriss und der Auftakt für weitere Gedanken und Gespräche.Plus für alle hier: die Zusammenfassung unseres Gesprächs, der besprochene Aufsatz „in a nutshell“ und natürlich die Literatur: https://www.evidenzupdate.de/p/kommerz-und-entkopplung-die-krisePlus für alle Unterstützer zu dieser Episode: https://www.evidenzupdate.de/p/transkript-zur-episode-academiaSchreibt uns: podcast@evidenzupdate.deUnser Thema heute ist ein im BMJ veröffentlichter Aufsatz von Sonia Saxena, Miguel O’Ryan und Fran Baum:Darin attestieren die drei der akademischen Medizin eine tiefe Krise und fordern (natürlich) eine Revolution. Die drei sind Chairs der BMJ Commission on the Future of Academic Medicine, die hervorgegangen ist aus der International Campaign for Revitalising Academic Medicine (ICRAM), die 2003 von zahlreichen Partnern gegründet wurde.Der Kern ihrer Kritik: Die Ausbildung ist zu teuer, die Forschung orientiert sich zu stark am Profit, ist gleichsam entkoppelt, es fehlt eine übergeordnete Agenda, die sich am Bedarf der Bevölkerung orientiert.Hinzu kommen ausufernde Kosten bei gleichzeitig noch immer prekären akademischen Laufbahnen und glass ceilings. Und immer wieder das Humboldt’sche Prinzip aus Forschung, Lehre, Patientenversorgung, das heute eher nach Überforderung als nach Ideal klingt. Die akademische Medizin ist alles andere als das, was auch Virchow formuliert hat.Die 5 Leitprinzipien (siehe unten) der BMJ-Gruppe übersetzen wir vereinfacht so: Wir brauchen einen Kompass – Patientenwohl, Planetary Health, Praxisrelevanz. Wenn das stimmt, sind wir auf dem richtigen Weg.Doch bevor Euphorie aufkommt, erst einmal der Realitätscheck: Denn wie würden wohl Fakultätsvorstände reagieren, wenn man ihnen so ein Papier um die Ohren haut? Laut, empört und ungehalten. Niemand hört gern, dass er revolutioniert werden soll.Das Paper ist zweifelsohne inspirierend. Aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass es nach dem GOBSAT-Prinzip entstanden ist: Good Old Boys Sitting Around a Table. Ob eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zu einem ähnlich kritischen Blick auf die universitäre Medizin käme, bezweifeln wir.Trotzdem: Der Weckruf ist nötig. Die Autor:innen fordern keine Zerstörung, sondern eine radikale Neujustierung, eine Revolution im besten Sinne: raus aus der Überlastung, weg vom Kommerz, hin zur Relevanz. Immer wieder fragen: Was mache ich hier eigentlich für eine Forschung? Ist sie relevant für meine Patienten? Oder nur Brot-und-Butter, um den Laden am Laufen zu halten? Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 24.10.2025
Dauer: 00:29:51

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Priorisieren verboten? Wir müssen reden!

Moin! Während diese Episode auf die Reise in die Welt geht, haben die deutschen Fußball-Herren gerade in Belfast glücklich ihr WM-Quali-Spiel gegen Nordirland 0:1 gewonnen (was für ein Fight der Nordiren, war für abgefahrene Heimfans).Noch eine wichtige Neuigkeit: Ab sofort haben wir eine Seite zu Interessenkonflikten, auf der wir die Interessenerklärung von uns und unseren Gästen veröffentlichen.Und jetzt zu des Pudels Kern: Heute besprechen wir Hörer:innen-Post.Spoiler I: Es gibt einen roten Faden. Spoiler II: Unseren WM-Kommentatoren-Modus mögen wir schon ganz gerne. 😇 (WM = wissenschaftliche Medizin)Heute mit Sprungmarken:00:01:33 Episode 152 Lecanemab und Donanemab00:07:59 Epispde 147 Überdiagnostik00:14:09 Episode 146 Effizienz00:19:58 Episode 142 Der Fall Vinay Prasad00:24:24 Episode 138 Methodische FrühlingsgefühlePlus für alle hier: die Zusammenfassung und (ein Stück) Literatur: https://www.evidenzupdate.de/p/priorisieren-verboten-wir-mussen.Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode: https://www.evidenzupdate.de/p/transkript-zur-episode-priorisierenSchreibt uns: podcast@evidenzupdate.de Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 13.10.2025
Dauer: 00:31:53

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Schlaraffenland mit Zuzahlung – die USA als Honorarvorbild für Primary Care?

Pecunia non olet! Oder vielleicht doch? So oder so: Heute reden wir über Kohle, über schnöden Mammon – und darüber, wie man es in den USA als Hausärztin oder Hausarzt auf über 1 Mio. USD zusätzliches Honorar im Jahr im bringen kann. Wir reden darüber, welche Haken die Sache hat, über den Tanz ums goldene Kalb. Und wir suchen Analogien zur Situation hierzulande.Unser Thema heute ist die Vergütung der Primärversorgung in den USA. Anlass dafür ist ein Kommentar im JAMA:tl;dr: Die USA versuchen gerade, Hausärztinnen und Hausärzten mit neuen Codes kräftig mehr Honorar zu geben. Dabei stolpern sie über dieselben Hürden wie wir Deutschland: zu viel Bürokratie, zu wenig Struktur, zu viele Fehlanreize und der Streit ums Geld zwischen den Fachgebieten. Eine Erkenntnis: Auch bunte Aufkleber machen aus einem sinkenden Schiff noch kein stabiles System. 🚢💬Plus für alle hier: die Zusammenfassung und die Literatur: https://www.evidenzupdate.de/p/schlaraffenland-mit-zuzahlung-diePlus für alle Unterstützer zu dieser Episode: https://www.evidenzupdate.de/p/transkript-zur-episode-schlaraffenlandSchreibt uns: podcast@evidenzupdate.de Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 09.10.2025
Dauer: 00:23:49

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Lecanemab und Donanemab: Hoffnung, Hype oder Überforderung?

Selten hat die Einführung neuer Arzneimittel so viel mediale Aufmerksamkeit erzeugt wie die jüngste Zulassung von Lecanemab (Leqembi) und Donanemab (Kisunla). Am Donnerstagmittag, 2. Oktober, haben wir beim 59. DEGAM-Kongress in Hannover darüber gesprochen – und live mit Publikum diese Episode des EvidenzUpdate-Podcasts aufgezeichnet. Großer Dank an unseren Special Guest Thomas Duning, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Bremen-Ost. Und großer Dank an alle Teilnehmenden für das angeregte Gespräch!Plus für alle hier: die Zusammenfassung, die Literatur und die Live-Shownotes: https://www.evidenzupdate.de/p/lecanemab-und-donanemab-hoffnungSchreibt uns: podcast@evidenzupdate.deThomas Duning beschreibt seine Haltung als vorsichtig optimistisch: „Ich bin hoffnungsfroh, natürlich mit Skepsis gepaart. Aber der therapeutische Ansatz ist klug – das Immunsystem markiert und räumt das ab, was die Krankheit antreibt. Das funktioniert ganz gut.“ Heilung sei das nicht, betont er, doch immerhin ein relativer Fortschritt.Martin Scherer zeigt sich hin- und hergerissen. Er versteht, warum ein solcher Hype entstanden ist: „Es gibt nicht viele Medikamente, die es sofort in die Tagesthemen schaffen.“ Doch hinter der Euphorie steht für ihn eine noch tiefere Dimension: „Die Demenzangst ist gespeist aus der Angst vor der Selbstauflösung in vivo. Davor fürchten sich viele mehr als vor dem Tod selbst.“ Hoffnung und Ängste mischen sich also, und genau hier liegt der Reiz, aber auch die Gefahr der neuen Präparate.Spoiler: Am Ende herrscht eine vorsichtige Einigkeit. Ja, es ist ein Fortschritt. Ja, es ist gut, dass es die neuen Therapien gibt. Aber sie dürfen das System nicht überlasten, und sie werfen viele Fragen auf – von der Evidenz über die Indikationsstellung bis zur Finanzierung. Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 02.10.2025
Dauer: 00:42:53

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Semaglutid und Tirzepatid – Game-Changer bei HFpEF mit Typ-2-Diabetes?

Willkommen im Herbst, liebe Leute, und willkommen zu einem neuen EvidenzUpdate. Vorsicht, heute kommt es ganz dicke. Wir nehmen uns eine aus mehreren Gründen interessante Arbeit vor: einen Head-to-Head-Vergleich, der die GLP-1-Analoga Semaglutid und Tirzepatid (das als Twinkretin auch an GIP bindet) untersucht bei Menschen mit kardiometabolischer Herzinsuffizienz (konkret HFpEF).Werbeblock: Wer uns live erleben will, ist herzlich eingeladen zur DEGAM-Jahrestagung in Hannover (1.–3.10.). Am Donnerstag (2.10.) von 13–14 Uhr zeichnen wir live in Hörsaal H eine Podcast-Episode auf. Thema: Lecanemab und Donanemab – Hype, Gamechanger oder Gefahr für die Versorgung? Special Guest ist Thomas Duning, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Bremen-Ost und Mitglied der DGN-Kommission Demenz.Nun aber zur heutigen Arbeit:Die GLP-1-Analoga sind bzw. waren ja als sogenannte „Abnehmspritzen“ schon Game-Changer, mindestens für die Hersteller: Semaglutid (Ozempic, Rybelsus, Wegovy) hat Novo Nordisk enorme Umsätze beschert, ebenso Tirzepatid (Mounjaro, Zepbound [nur USA]) Eli Lilly. Im vergangenen Jahr galt die Aktie von Novo Nordisk (NOV) zeitweise als die größte Aktie Europas. Mittlerweile wird sie als der größte Verlierer bezeichnet. Hintergrund ist für Analysten offenbar der Wettbewerb zwischen den Präparaten und die Aussicht auf Generika. Novo will jetzt 9.000 Stellen streichen. Und auch der Kurs der Lilly-Aktie (LLY) sinkt derzeit. Da helfen bislang hierzulande auch die „Lex Lilly“ und der erste vertrauliche Erstattungspreis nicht.Wie wäre es deshalb mit einer Indikationserweiterung für die GLP-1-Analoga? Ein interessanter Head-to-Head-Vergleich von Krüger et al. liefert jedenfalls eine krasse (relative!) Risikoreduktion 40 % bei Menschen mit einer HFpEF und Typ-2-Diabetes. Der Vergleich: Sitagliptin als „Placebo-Proxy“.Spoiler: Wir finden, dieser Stellvertreter ist ein kühner Move. Und wie immer gibt es zu dieser Episode:Plus für alle hier: die Zusammenfassung, die Literatur und die Studie in Kürze: https://www.evidenzupdate.de/p/semaglutid-und-tirzepatid-game-changer.Plus für alle Unterstützer zu dieser Episode: https://www.evidenzupdate.de/p/transkript-zur-episode-hfpef Schreibt uns: podcast@evidenzupdate.de Get full access to EvidenzUpdate at www.evidenzupdate.de/subscribe

Erschienen: 28.09.2025
Dauer: 00:27:00

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