4. Oktober 1925
Langsam trudelten sie in Locarno ein, die Delegationen, und die Drähte in den Presseagenturen und den Zeitungsredaktionen glühten heiß. Aus Basel, aus London, aus Rom und natürlich aus Locarno selbst gingen die Drahtmeldungen ein, die der Hamburgische Correspondent am 4. Oktober 1925 zu einem Vorbericht collagierte. Auffällig dabei ist, dass der Optimismus vor Konferenzbeginn nicht allzu ausgeprägt war. Sowohl aus Großbritannien, als auch aus der Tschechoslowakei waren skeptische Stimmen zu vernehmen, dass Frankreich und Deutschland zu einer Verhandlungslösung fähig respektive willens seien. Die große anwesende Journalistenschar, von der in den Berichten ebenfalls die Rede ist, erwartete den Beginn der Konsultationen dennoch mit Spannung. Unser Mann am Lago Maggiore heißt Frank Riede.
Erschienen: 04.10.2025
Dauer: 00:07:43
Weitere Informationen zur Episode "Die Ankunft der Delegationen am Lago Maggiore"
3. Oktober 1925
Locarno, im schönen Tessin am Lago Maggiore gelegen, ist heute vor allem als mondäne Urlaubsdestination sowie für ihr alljährliches Filmfestival bekannt. 1925 indes quartierte sich für 12 Tage im Oktober einmal auch die große Weltgeschichte in dem schweizerischen Städtchen ein. Die Verträge von Locarno, die hier ausgehandelt wurden, verlangten allen europäischen Teilnehmerstaaten erhebliche Kompromissbereitschaft ab; dafür bescherten sie dem Kontinent aber auch einige Jahre der Hoffnung auf dauerhaften Frieden und Verständigung. Vor den Delegationen, die in der Regel von den Außenministern angeführt wurden, trafen vielfach bereits die Journalisten ein. So auch von der Wilhelmsburger Zeitung, die ihre Leserinnen und Leser am 3. Oktober, zwei Tage vor Konferenzbeginn, bereits einmal mit dem Veranstaltungsort, seiner Lage und seiner Geschichte vertraut machte. Unsere Berichterstatterin vor Ort heißt Rosa Leu.
Erschienen: 03.10.2025
Dauer: 00:06:49
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2. Oktober 1925
Nach dem Vorwärts war das Hamburger Echo Anfang des 20. Jahrhunderts die zweitgrößte sozialdemokratische Tageszeitung in Deutschland. Erstmals 1875 als Hamburg-Altonaer Volksblatt erschienen, wurde es in den Jahren der Sozialistengesetze mehrfach verboten und unter immer neuen Namen wieder neugegründet; seit 1887 firmierte es unter dem Namen Hamburger Echo, als das es am 2. Oktober 1925 seinen fünfzigjährigen Geburtstag beging. Wie es das selbst tat, können wir heute leider nicht dokumentieren, denn ausgerechnet mit Beginn des Monats tut sich in den Archiven unseres Vertrauens eine dreimonatige Lücke bei den Beständen des Hamburger Echo auf. Dankenswerterweise unterließ es die eher konservative Konkurrenz vom Hamburger Correspondenten jedoch nicht, den sozialdemokratischen Kollegen mit einigen zurückhaltend-freundlichen Worten zum Jubiläum zu gratulieren. Welche das waren, weiß Rosa Leu.
Erschienen: 02.10.2025
Dauer: 00:06:10
1. Oktober 1925
Im Kleinen Feuilleton der Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 1. Oktober 1925 finden wir eine gewohnte bunte Themenvielfalt, die uns mal ferner, mal näher ist. Ein reicher Amerikaner lässt Stein für Stein eine Klosterruine von England nach Amerikaverschiffen. Französische Forscher suchen nach Wegen, verseuchtes Wasser zu reinigen und die Ärzte sind sich einig: Wir sollten nicht so viel Fleisch konsumieren. Frank Riede berichtet all dies und entdeckt auch noch Spannendes in den Tiefen des Meeres.
Erschienen: 01.10.2025
Dauer: 00:09:22
Weitere Informationen zur Episode "Reiche Amerikaner, Fleischkonsum und Meeresarchäologie"
30. September 1925
Energiethemen haben die Menschen auch in den 1920er Jahren umgetrieben und es entsprechend häufig auch hier in den Podcast geschafft. Mal ging es um die seit dem Versailler Vertrag chronisch knappe Kohle, mal um erneuerbare Energieformen, auf die man in der Folge auszuweichen versuchte. Immer wieder handelten Artikel indes auch von leistungsstarken gasförmigen oder sprudelnden fossilen Brennstoffen, die weltweit boomten, seinerzeit aber kaum den Weg nach Deutschland fanden. So unter anderem in Mexiko, wohin uns die Hamburger Nachrichten vom 30. September 1925 heute entführen. Die Stadt Tampico am Golf von Mexiko war seinerzeit der größte und wichtigste Ölhafen der Welt. Über die dortige Goldgräberstimmung wie über die unterirdischen Lebensbedingungen für die dort tätigen Arbeiter erfahren wir von Rosa Leu.
Erschienen: 30.09.2025
Dauer: 00:09:17
29. September 1925
Die treuen Fans unseres Podcasts haben wahrscheinlich unser Erstaunen geteilt über so manche technische Zukunftsvision von vor 100 Jahren, die sich bewahrheitet hat oder heutzutage wieder aufgegriffen wird. Kaum sendete das Radio regelmäßig, waren sich viele einig, dass die Übermittlung von Bildern und Filmen über Wellen möglich sein würde. Das Fernsehen kam. Es wurde über die enormen Potentiale erneuerbarer Energien berichtet und deren Ausbau gefordert. Der innerstädtische Verkehr sollte, nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen, elektrifiziert werden. Es gab aber auch durch den Blätterwald rauschende Vorstellungen, die schnell wieder verworfen wurden. Offensichtlich stellte sich im Jahr 1925 die Verbindung von Radiowellen und der Übertragung von Elektrizität als sehr rationale und naheliegende Idee dar. Nicht nur einmal ist uns eine drahtlose Anlieferung von Strom vor die Linse geraten, etwa am 29. September in den Harburger Anzeigen und Nachrichten. Frank Riede schildert uns, was hätte kommen sollen.
Erschienen: 29.09.2025
Dauer: 00:06:44
Weitere Informationen zur Episode "Radio-Elektrizitäts-Zukunftsbild"
28. September 1925
Der Boulevard des Italiens, im 2. und 9. Pariser Arrondissement gelegen, gehört zu den vier Grand Boulevards des Rive droite und ist eine eher gediegen-großbürgerliche Adresse. Die dort lebenden Familien hatten, zumindest vor einhundert Jahren, häufig Gouvernanten und von einer solchen handelt die nachfolgende Begebenheit, die es am 28. September 1925 aus der französischen Hauptstadt bis in die Altonaer Nachrichten schaffte. Ungewöhnlich an ihr war nicht nur der Aufzug der Protagonistin, sondern auch die Umstände, der Ort und die Dauer ihres Auftritts. Als Nebendarsteller wirken mit etliche Feuerwehrleute sowie, glaubt man dem aufgeregten Bericht, gleich mehrere 1000 Schaulustige. Kleiner weiterer Spoiler: Das Dramolett endet an einem Ort, den man damals noch wenig achtsam Irrenhaus nannte. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 28.09.2025
Dauer: 00:06:11
Weitere Informationen zur Episode "Die nackte Frau auf dem Dach"
27. September 1925
Wenn man den Namen „Wilhelm Luetjens“ in die gängigen Suchmaschinen eingibt, stößt man dort auf eine ganze Reihe unterschiedlicher Menschen bzw. biographischer Spuren. Unter anderem kann man antiquarisch ein Buch namens Waage des Lebens erwerben, das ein Autor nämlichen Namens 1950 veröffentlichte, bevor er 1961 verstarb. Ob dieser identisch ist mit dem Verfasser eines kleinen Artikels aus dem Hamburger Echo vom 27. September 1925, in dem ein arbeitsloser Ich-Erzähler durch Hamburg streift und in der Nähe des Stephanplatzes auf einen älteren, schlafenden Obdachlosen trifft, darüber können wir nur spekulieren. Wir sind ihmeinmal mal gefolgt bzw. haben Frank Riede dazu animiert.
Erschienen: 27.09.2025
Dauer: 00:06:57
Weitere Informationen zur Episode "Obdachlos am Stephansplatz"
26. September 1925
Egon Wertheimer berichtete 1925 für die Altonaer Nachrichten aus London und ist in der heutigen Folge nicht zum ersten Mal zu Gast. Im September hatte er das Privileg, Charlie Chaplins neuesten Film „The Gold Rush“ zu sehen, noch bevor er in den deutschen Kinos anlief. Er bereitet in der Ausgabe vom 26. 9. das deutsche Publikum nicht nur auf einen großartigen Film vor, sondern reflektiert auch die Figur des „Tramps“, die Chaplin kreiert hat. Für Wertheimer ist sie weit über ihre Slapstick-Anfänge hinausgewachsen und verhandelt ähnlich große Konflikte und moralische Themen wie das Antike Drama. Was das für den anschließenden Besuch in einem Theater bedeutete, teilt uns Rosa Leu mit.
Erschienen: 26.09.2025
Dauer: 00:11:44
Weitere Informationen zur Episode "Charlie Chaplins moralische Sendung"
25. September 1925
Die Geschmäcker sind verschieden, heißt es im Volksmund, und für die Musik darf dieser Satz vielleicht sogar in besonderer Weise Geltung beanspruchen. Alfred Döblin war offensichtlich kein allzu großer Fan des Schlagers. Dennoch wagte er sich in seinem Berliner Heimatbezirk, am Friedrichshain, in diesbezüglich einschlägige Lokalitäten, lauschte den Klängen und beobachtete die aufspielenden Kapellen wie die vergnügungssüchtigen, selbst sangestüchtigen Paare im Publikum bei ihrem Musikgenuss. Die Eindrücke, die er dabei sammelte, konnte man am 25. September 1925 im Hamburger Anzeiger nachlesen, was für Auf den Tag genau Frank Riede getan hat.
Erschienen: 25.09.2025
Dauer: 00:07:26
Weitere Informationen zur Episode "Alfred Döblin über den Schlager"