Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Das Salzburger große Welttheater

25. August 1925

Seit 1920 lockten die federführend von Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal gegründeten Salzburger Festspiele allsommerlich ein illustres Publikum an die Salzach zwischen Mönchs- und Kapuzinerberg. Nachdem der Festspielbetrieb 1923 nur sehr eingeschränkt und 1924 aus finanziellen Gründen gar nicht aufrechterhalten werden konnte, war 1925 das Jahr der Trendwende. Neben diversen Konzerten und drei Opernproduktionen wies der Spielplan auch gleich drei große Schauspielneuinszenierungen auf, die allesamt in der in nur vier Monaten zum ersten Salzburger Festspielhaus umgebauten alten fürsterzbischöflichen Großen Winterreitschule über die Bühne gingen. Die meiste Aufmerksamkeit zog zweifellos die zur Eröffnung gegebene Premiere von Hofmannsthals Salzburger großen Welttheater in der Regie Reinhardts auf sich. Sie steht auch im Zentrum des Festspielberichtes von Leonhard Adelt im Hamburger Anzeiger, den sich für uns Frank Riede angeschaut hat.

Erschienen: 25.08.2025
Dauer: 00:10:57

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Die Launen des Blitzes

24. August 1925

Was ein Faradayscher Käfig ist und wieso man beispielsweise in Eisenbahnzügen vor Blitzeinschlag geschützt ist, war im Grunde schon Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Im Pinneberger Tageblatt vom 24. August 1925, das sich mit den „Launen des Blitzes“ befasste, findet sich davon erstaunlicherweise jedoch nichts. Statt naturwissenschaftlicher Vertiefung werden allerlei Legenden von Blitzeinschlägen der Vergangenheit hervorgekramt und erzählerisch hübsch aufbereitet, womit bewiesen wäre, dass sich die Mystifizierung von Extremwetterereignissen, wie sie die Menschen über Jahrtausende betrieben, nicht innerhalb weniger Jahrzehnte naturwissenschaftlicher Aufklärung aus der Kultur verbannen ließ. Rosa Leu berichtet für uns von Katastrophen und Wundern.

Erschienen: 24.08.2025
Dauer: 00:13:27

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Konsumgenossenschaften gegen Teuerung

23. August 1925

Seit dem Jahr 1958 wacht das Bundeskartellamt unter Anderem darüber, ob Unternehmen insgeheim Preisabsprachen treffen, die sich zu Lasten der Verbraucher*innen auswirken. Vor 100 Jahren stellten sich die Sozialdemokraten die Frage, wie solchen willkürlichen Teuerungen zu begegnen sei. Und ein Lösungsweg, bei dem man sich nicht auf den Staat verlassen musste, bestand in Konsumgenossenschaften. Ein W. Postelt führt die Vorteile, die ein Zusammenschluss der Kund*innen bringen könnte, im Hamburger Echo vom 23. August 1925 aus. Dabei sollten die Genossenschaften nicht nur als große Konsumenten mit einer die Situation auf dem Markt beeinflussenden Kaufkraft auftreten, sondern auch bestimmte Gegenstände des alltäglichen Bedarfs selber herstellen und sich so der Preispolitik der privatwirtschaftlichen Unternehmen gänzlichen entziehen. Rosa Leu träumt für uns den Traum der Genossenschaften.

Erschienen: 23.08.2025
Dauer: 00:10:50

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Krisen überall

22. August 1925

Der Eindruck einer multiplen Krisenhaftigkeit ist äußerst prägend für unsere Gegenwart, aber er ist welthistorisch natürlich keinesfalls präzedenzlos. Trotz einer gewissen politischen Stabilisierung nach der Hyperinflation von 1923 und dem Ende der französisch-belgischen Ruhr-Besetzung blieb auch vor einhundert Jahren das Gefühl, in unruhigen Zeiten zu leben, weitverbreitet. Der sächsische DDP-Reichstagsabgeordnete Wilhelm Külz nimmt in seinem Statement im Hamburger Anzeiger vom 22. August 1925 verschiedene sich überkreuzende, einander verstärkende Schwierigkeiten der deutschen Ökonomie in den Blick. Er warnt zugleich aber auch davor, vor lauter Krisendiagnosen die positiven Anzeichen im Wirtschaftsleben zu übersehen. Wilhelm Külz war neben seiner Parlamentariertätigkeit ab 1931 Oberbürgermeister von Dresden. Nachdem er sich 1933 weigerte, die Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus zu hissen, wurde er von den Nazis seines Amtes enthoben und arbeitete in den Folgejahren als Anwalt. 1945 kehrte er in die Politik zurück und wurde in der Sowjetischen Besatzungszone Vorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands. Er starb 1948 in Berlin. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 22.08.2025
Dauer: 00:08:11

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25 Jahre Zeppelin

21. August 1925

Der Zeppelin galt in den 1920er Jahren als absolute Zukunftstechnologie und entsprechend stolz war man hierzulande ob der deutschen Herkunft, die in der Benennung nach seinem Erfinder, Ferdinand Graf von Zeppelin, überdeutlich zum Ausdruck kam. Im Sommer 1925 feierte der Erstaufstieg des Prototyps immerhin auch schon sein 25. Jubiläum, und gerade der Umstand, dass das Reich seine Luftschiffe, die den Ersten Weltkrieg überlebt hatten, den Siegermächten ausliefern musste, überhöhte den Mythos vom deutschen Zeppelin paradoxerweise noch weiter. Die Überstellung des LZ 126, des sogenannten Amerikaluftschiffs, 1924 in die USA bzw. die vorausgehenden Rundflüge über Deutschland waren ein gesellschaftliches Ereignis, in dessen Zeichen auch noch die Feierlichkeiten im darauffolgenden Sommer standen. Von diesen berichteten am 21. August die Altonaer Nachrichten, und für uns war Rosa Leu am Bodensee.

Erschienen: 21.08.2025
Dauer: 00:09:00

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Mit Hindenburg in der bayerischen Sommerfrische

20. August 1925

Helmut Kohl zog es regelmäßig ins Salzkammergut an den Wolfgangsee, Angela Merkel urlaubte, sobald sie Bayreuth hinter sich gebracht hatte, gerne in Südtirol und auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verschlägt es, so heißt es, ein- bis zweimal im Jahr eben dorthin, auf den Ritten oberhalb von Bozen. Paul von Hindenburg, erfahren wir im Folgenden von Frank Riede, hatte die sommerliche Angewohnheit, sich für ein paar Tage der Sommerfrische nach Dietramszell bei Bad Tölz ins Bayerische Oberland zurückzuziehen, und von dieser mochte er auch 1925 als neugewählter Reichspräsident nicht abzulassen. So schickten die bayerische Regierung zur Sicherheit ein paar Gendarmen und der konservative Hamburgische Correspondent einen Journalisten, der, schon ein paar Tage nach Hindenburgs Rückkehr aus dem Bajuwarischen, am 20. August, aus der dörflichen Idylle berichtete und in seinem Artikel landeskundliche Beschreibung und, nun ja, freundliche Hofberichterstattung miteinander verband.

Erschienen: 20.08.2025
Dauer: 00:13:47

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Grunewald, Murnau-Villa und ein Mord

19. August 1925

Der berühmte Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau lebte von 1919 bis zu seiner Auswanderung in die USA in einer Villa im Grunewald. Während er sich im Sommer 1925 bei den Dreharbeiten zu seinem Film „Tartüff“ befand, wurde das Haus in der Douglasstr. 22 zu einem Ort des Verbrechens. Ein wohl als „House-sitter“ engagierter Diener tötete eine Prostituierte und lieferte sich bei seiner Verhaftung ein Schussgefecht mit den Polizisten, die dabei von den neuartigen Panzerwesten geschützt wurden. Rosa Leu liest für uns den Bericht der Altonaer Nachrichten vom 19. August zu diesem „True Crime“.

Erschienen: 19.08.2025
Dauer: 00:04:30

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Der Zerfall des Stinnes-Imperiums

18. August 1925

Hugo Stinnes gehörte in den ersten Jahren der Weimarer Republik zu den mächtigsten deutschen Industriemagnaten. Das geerbte, im Bereich Handel und Bergbau tätige Familienunternehmen baute er entschlossen aus und verflocht es geschickt, aber auch risikofreudig mit anderen Gesellschaften wie etwa der RWE. Durch sein dichtes Beziehungsnetz zu Größen in Politik und Bankwesen sowie den Erwerb einflussreicher Presseorgane wie der Deutschen Allgemeinen Zeitung mischte er ab 1919 darüber hinaus auch intensiv in der Reichspolitik mit, ehe er im April 1924 bei einer Gallenoperation plötzlich im Alter von nur 54 Jahren verstarb. Stinnes‘ Wirtschaftsimperium überlebte ihn nicht lang. Seine beiden Söhne Edmund und Hugo junior, die ihn beerbten, waren bald schon nicht mehr in der Lage, die zahlreichen Kredite zu bedienen und mussten bereits 1925 mit fast allen Konzernteilen Konkurs anmelden. Von einer unorthodoxen Idee, zumindest die in Berlin ansässige Aktiengesellschaft für Automobilbau, kurz: Aga zu retten, erzählen die Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 18. August und für uns Rosa Leu.

Erschienen: 18.08.2025
Dauer: 00:08:35

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Fritz Schumacher, der Hamburger Stadtbaumeister

17. August 1925

24 Jahre lang, zwischen 1909 und 1933, wirkte der gebürtige Bremer Fritz Schumacher in Hamburg als Oberbaudirektor und prägte in dieser Zeit das moderne Gesicht der Hansestadt als Stadtplaner wie auch als Architekt in großem Stile mit. Die Konstante über die wechselvollen Zeitläufe seiner Amtszeit war der Backstein als bevorzugter Baustoff. Stilistisch hingegen zeigte Schumacher durchaus Bereitschaft, mit der Zeit zu gehen: Während die Anfänge seiner Tätigkeit noch eher vom spitzgiebligen Geschmack der Kaiserzeit geprägt waren – siehe etwa die Davidwache auf St. Pauli –, setzte er spätestens ab 1924 zunehmend konsequent auf Projekte im Stile des Neuen Bauens und realisierte unter anderem die Grundbuchhalle, das Krematorium im Friedhof Ohlsdorf sowie über 30 Schulbauten. Auch der spektakuläre Ausbau des Winterhuder Wasserturms zum Planetarium geschah unter seiner Ägide. Obwohl letztgenannte Projekte im Sommer 1925 samt und sonders noch nicht verwirklicht waren, zeichnete sich die Bedeutung Schumachers für die Hamburger Stadtentwicklung anscheinend bereits so klar ab, dass ihn der Hamburger Anzeiger vom 17. August auf halber Strecke mit einer ausführlichen Würdigung ehrte. Es liest sie für uns Frank Riede.

Erschienen: 17.08.2025
Dauer: 00:12:00

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Bücher zur Politik - Quer durch Europa

16. August 1925

Sachbuchrezensionen hatten in den Hamburgischen Zeitungen vor 100 Jahren keinen festen Ort, keine eigene Rubrik. Dass sie dennoch ein Bestandteil der journalistischen Arbeit waren, belegt die heutige Sammelrezension aus dem Hamburgischen Correspondenten vom 16. August 1925. Der Autor mit dem Kürzel R. M. versammelt mehrere politikwissenschaftliche Bücher, die sich mit europäischer Politik befassen. Dabei sind die großen Themen, wen wird es verwundern, die „Ismen“ auf der politischen Landkarte. Eine Analyse zum italienischen Faschismus eröffnet den Reigen, und, nach einem Abstecher auf den Balkan, beleuchten gleich mehrere Werke aus verschiedenen Perspektiven den Bolschewismus in Russland. Wie die (allesamt) Autoren über die Lage in Italien und im Osten urteilten und wo sich dabei die Hoffnung auf einen überlegenen Europäischen Machtmenschen äußert, hören wir nun von Rosa Leu.

Erschienen: 16.08.2025
Dauer: 00:11:16

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