30. September 1924
Auch schon Anfang des 20. Jahrhunderts war Sylt so etwas wie des Hamburgers und der Hamburgerin Lieblingsinsel. Der Weg dorthin war damals freilich noch beschwerlich, denn es handelte sich dabei zumindest zeitweise um einen Seeweg, wobei der Raddampfer vom Festlandhafen Hoyerschleuse zum Inselhafen Munkmarsch sagenhafte sechs Stunden benötigte. So gab es bereits vor dem Ersten Weltkrieg Pläne, zur deutlichen Verkürzung der Reise und zur Anbindung Sylts an das Festland einen Bahndamm zu errichten, die vehement beschleunigt wurden, nachdem in Folge des Weltkriegs der Hafen Hoyerschleuse und der Umsteigebahnhof Tondern dänisch geworden waren. Elf Kilometer Brücke galt es nun in das Wattenmeer zu setzen – vom Stand dieses gewaltigen technischen Vorhabens unterrichtete seine Leserinnen und Leser am 30. September 1924 der Wandsbeker Bote. Und uns Rosa Leu.
Erschienen: 30.09.2024
Dauer: 00:10:12
29. September 1924
Auf den Namen Robert Breuers stößt man heutzutage nur mehr selten; dabei zählte er zu den prägenden Figuren der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik. Von Hause aus Journalist, gehörte Breuer zu den engsten Vertrauten von Reichspräsident Friedrich Ebert und wechselte 1919 als stellvertretender Pressechef zu diesem in die Reichskanzlei. Später wirkte er unter anderem als Direktor des Verlages für Sozialwissenschaft sowie als Abteilungsleiter in der Reichszentrale für Heimatdienst, der Vorläuferin der heutigen Bundeszentrale für politische Bildung. Über die Tschechoslowakei floh Breuer 1933 nach Frankreich und von dort später weiter nach Marokko. Da er kein Einreisevisum für die Vereinigten Staaten erhielt, strandete er schließlich auf der Karibik-Insel Martinique, wo er 1943 verarmt und entkräftet an den Folgen einer Malariaerkrankung verstarb. Dem Feind von rechts widmete er schon am 29. September 1924 einen Text im Hamburger Echo, mit dem für uns Frank Riede an Robert Breuer erinnert.
Erschienen: 29.09.2024
Dauer: 00:10:31
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28. September 1924
Auch gut 24 Stunden nach den blutigen politischen Auseinandersetzungen in Altona, von denen wir gestern berichteten, war der Hergang der Ereignisse polizeilich noch immer nicht aufgeklärt. Der eher konservativ ausgerichtete Hamburgische Correspondent unternahm auf Basis des bislang Bekannten einige Spekulationen, die ein deutlich anderes Bild zeichnen als der Kommentar im Hamburger Echo vom Vortag. Mehr als über den damaligen Stand der Ermittlungen verrät der Text denn wahrscheinlich auch über die politische Stimmung in Deutschland zwischen den beiden Reichstagswahlen des Jahres 1924 – und darüber wie schwer sich die gemäßigte Rechte tat, sich zwischen den pro-republikanischen Parteien des Mitte-Links-Spektrums und den völkischen Republikgegnern zu positionieren. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 28.09.2024
Dauer: 00:06:50
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27. September 1924
Ein Toter, mehrere Schwerverletzte – das war die Schreckensbilanz einer blutigen Auseinandersetzung, zu der es am 26. September 1924 zwischen Aktivisten des rechtsextremen Stahlhelmbundes und Mitgliedern des republikanischen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Altona gekommen war. Die Umstände dieser Konfrontation lagen am Folgetag noch im Dunkeln. Dass die Hintergründe für derartige immer häufiger zu verzeichnende gewalttätige Eskalationen in der planmäßigen Vergiftung des politischen Klimas von daran interessierter antidemokratischer, völkischer Seite kamen, stand zumindest für das Hamburger Echo außer Frage. Dessen Kommentar wider die Hassprediger von rechts vom 27. September liest Frank Riede.
Erschienen: 27.09.2024
Dauer: 00:07:10
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26. September 1924
Der Zeppelin beherrschte auch Ende September 1924 weiterhin beinahe täglich die Schlagzeilen. Der geplante Flug über den Ozean wurde durch mehrere Testflüge vorbereitet, unter anderem, durch einen Rundflug über Deutschland. Im Hamburger Echo vom 26. September erfahren wir, was sich zutrug, als das Luftschiff über Hamburg kreiste bevor es dann nach Dänemark und Südschweden ihren Flug fortsetzte. Nicht nur strömten die Menschen auf die Straßen, es wurden auch Reden geschwungen, die an die Besatzung des Zeppelins übermittelt wurden. Von dem Großereignis „Zeppelin über der Stadt“ weiß Rosa Leu zu berichten.
Erschienen: 26.09.2024
Dauer: 00:08:55
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25. September 1924
Welches Schulkind jubelt nicht, wenn im Unterricht Lehrfilme geschaut werden? Es hat dies auch Edgar Beyfuß zu verdanken, der in den 1920er Jahren die Kulturfilmabteilung der UFA leitete und den Einsatz von Film im Schulunterricht forderte und förderte. Der 1893 geborene Dokumentar- und Naturfilmer stand auch der Trickfilm-Avantgarde nahe, was ihn nicht davon abhielt mit seiner eigenen Produktionsfirma zu Beginn des Nationalsozialismus auch Filme zu produzieren, die für die Ziele des Hitler-Regierung eingesetzt wurden – etwa zur Propagation des Volkswagens. Er verstarb 1936. Neben der pädagogischen Funktion von Filmen interessierte sich Beyfuß für den Einsatz der Filmtechnik für die wissenschaftliche Forschung. Davon zeugt der heutige Artikel aus dem Hamburger Fremdenblatt vom 25. September 1924, in dem Beyfuß als zweiten Teil einer Reihe zur „Wunderwelt des Films“ von den Möglichkeiten des filmischen Zeitraffers schreibt. Liegt darin nicht ein enormes Potential für die Botanik? Frank Riede klärt uns darüber auf, was Zeitraffer zu einer Zeit bedeutete, als man noch nicht endlos auf Digitalkameras drehen konnte.
Erschienen: 25.09.2024
Dauer: 00:13:59
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24. September 1924
Max Pallenberg war nicht nur der Ehemann der wohl berühmtesten Revue- und Operettendarstellerin der 1920er Jahre, Fritzi Massary. Auch selbst wirkte er äußerst erfolgreich als Schauspieler und Sänger – und konnte aus seinem reichen Theaterleben nicht nur, aber vor allem bei Max Reinhardt so einiges erzählen. Das tat er unter anderem in der 1924 neugegründeten satirischen Zeitschrift Das Stachelschwein aus Frankfurt, die offensichtlich auch im Norden der Republik gelesen wurde; jedenfalls befand man Pallenbergs launige Gründeleien über allerlei Theater auf und neben der Bühne für wert, im Hamburgischen Correspondenten am 24. September nachgedruckt zu werden. Sie schließen – kleiner Spoiler – mit einem überraschend banalen, gleichsam biorhythmischen Bekenntnis, was ihn, Pallenberg, eigentlich zum Theater geführt hat – welches man ganz ähnlich Jahrzehnte später öfters übrigens auch von Frank Castorf gehört hat. Es liest unser Theatermann und Frühaufsteher Frank Riede.
Erschienen: 24.09.2024
Dauer: 00:07:56
Weitere Informationen zur Episode "Max Pallenberg über das Theater"
23. September 1924
Sir Arthur Conan Doyle hatte es als Schriftsteller mit seinen Kriminalromanen rund um Sherlock Holmes und Dr. Watson zu Weltruhm gebracht – Figuren, die auch heute noch zugkräftig an Kino- und Streamingkassen wirken. Er selbst ließ Sherlock gegen den erklärten Willen der Fans sterben, um sich, seiner Meinung nach, wichtigeren und besseren literarischen Werken zuzuwenden, die aber den Erfolg von Sherlock nicht erreichten. Und so kam es dann mit der „Hund von Baskerville“ zur Wiederbelebung der Schriftenreihe. Bekannt war der öffentliche Intellektuelle auch durch seine Beschäftigung mit Spiritismus und übernatürlichen Phänomenen. So sammelte er Fotographien, auf denen vermeintliche Feen und Geister festgehalten waren. Im Hamburgischen Correspondenten vom 23. September 1924 steht aber die Autobiographie von Conan Doyle „Memories and Adventures“ im Zentrum, die in dem Jahr erschienen war. Eine Anekdote aus den Erinnerungen über den, heute als Kriegsverbrecher betrachteten britischen Befehlshaber in diversen Kolonialkriegen Herbert Kitchener, die seinen Rassismus und seine Brutalität zeigt, wird in dieser Rezension wiedergegeben. Rosa Leu bringt uns das Leben des Mannes näher, der Sherlock Holmes erfand, aus einer Zeit, in der über schlimmste Kolonialverbrechen ganz selbstverständlich gewitzelt wurde.
Erschienen: 23.09.2024
Dauer: 00:07:37
Weitere Informationen zur Episode "Der Mann, der Sherlock Holmes schuf"
22. September 1924
Auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes lässt sich unter anderem ein Überblick über die Selbstmordrate in Deutschland finden. Im Jahr 2022 nahmen sich im Durchschnitt 28 Personen täglich das Leben. Wir erfahren dort auch, dass dies einen erheblichen Rückgang im Verhältnis zum Jahre 1980 darstellt, als es ca. 50 Personen pro Tag waren. Vor einhundert Jahren haben die Altonaer Neuesten Nachrichten vom 22. September 1924 eine „Chronik der Lebensmüden“ abgedruckt. Bei solchen traurigen Zahlen stellt sich immer die Frage, was die Faktoren für einen Anstieg oder Rückgang sein könnten. Dass es in einem Krisenjahr, wie es 1923 zweifelsfrei war, zu einem Hochschnellen der Selbstmordrate gekommen ist, klingt plausibel. Ob die Zahlen diese Annahme bestätigen weiß Frank Riede.
Erschienen: 22.09.2024
Dauer: 00:08:42
21. September 1924
Sehen und gesehen werden – das geht in Hamburg bekanntlich vielerorts, aber nirgendwo ist es so schön wie rund um die Alster. Heute wie vor einhundert Jahren. Die verschwitzten Joggerinnen und Jogger mit ihren Pulsuhren gab es damals noch nicht; neben den Schiffen auf dem Wasser sind es eher die Spaziergänger, die die Szenerie dominieren, welche das Hamburger Fremdenblatt in seinem Artikel vom 21. September 1924 entwirft. Die Hauptrolle in den Beobachtungen spielt indes die Natur bzw. der Wechsel der Jahreszeiten, der sich vor einhundert Jahren möglicherweise bereits ein paar Wochen früher abzeichnete. Rosa Leu ist für uns spazieren gegangen.
Erschienen: 21.09.2024
Dauer: 00:09:59