Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Jerusalem in der Zeppelin-Halle von Staaken

29. August 1923

Hatten Studiohallen für Filmproduktionen anfangs noch Glasdächer gehabt, um das für den Dreh notwendige Tageslicht nutzen zu können, was die Ausdehnung der Hallen einschränkte, so waren den Ateliers beim Einsatz künstlicher Beleuchtung keine Grenzen mehr gesetzt. Und so wurde 1923 die ehemalige Zeppelin-Halle beim Flughafen Staaken zu einem der größten Studios, mindestens Europas, ausgebaut. Der Aufnahmeraum war achtmal so groß wie der sämtlicher Berliner Ateliers zusammengerechnet. Bauten konnten bis zu 28 Meter in die Höhe schießen. Der erste Film, der in diesem Riesenstudio mit einem 60 Meter breiten Rundhorizont gedreht wurde, war die Bibelverfilmung „INRI“. Als der Einzug Jesu nach Jerusalem “geschossen” wurde, war Egon Jacobsohn für die BZ am Mittag zu Besuch und berichtete in der Ausgabe vom 29. August. Paula Rosa Leu/Frank Riede begibt sich für uns ans Tor von Jerusalem in Staaken bei Berlin.

Erschienen: 29.08.2023
Dauer: 00:08:23

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Eine Warnung vor falschen Propheten

28. August 1923

Prophezeiungen seien ein schwieriges Geschäft, heißt es in einem landläufigen Bonmot, vor allem wenn sie die Zukunft beträfen. Dass sie freilich nicht immer darauf zielen, tatsächlich treffende Prognosen zu machen, sondern oft genug ganz gezielt veröffentlicht werden, um Stimmungen anzuheizen und dabei sehr nüchternen Kalkulationen und Kochrezepten folgen, also zu sehr strategischen politischen Zwecken eingesetzt werden, ist eine ähnlich triviale Einsicht, die als Wort der Warnung dennoch nicht oft genug ausgesprochen werden kann. Am 28. August 1923 tat dies mit einigen durchaus humoristischen Beispielen die Berliner Volks-Zeitung, für deren Abendausgabe man an diesem Tag inflationsbedingt bereits 40.000 Mark hinblättern musste. Finanziell völlig barrierefrei eingelesen hat sie für Euch Frank Riede.

Erschienen: 28.08.2023
Dauer: 00:09:10

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Schulaufsätze von 15jährigen

27. August 1923

In unserer heutigen Folge kommt eine Textsorte zu Gehör, die wir bislang noch nicht im Programm hatten. Schulaufsätze von Gymnasiasten des Jahres 1923. Ein Redakteur des 8-Uhr-Abendblattes hatte von einem befreundeten Oberstudienrat Texte von etwa 15jährigen Schülern bekommen, die die Aufgabe hatten, von ihrem „großen Erlebnis“ zu berichten. So bekommen wir mit der Ausgabe vom 27. August einen Einblick in die Lebenswelten von Jugendlichen vor 100 Jahren und erkennen deutlich den Unterschied zu behüteten heutigen Generationen. Den 15jährigen verleiht Paula Rosa Leu ihre Stimme.

Erschienen: 27.08.2023
Dauer: 00:06:46

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Die große Bauhausausstellung in Weimar

26. August 1923

An dem 1919 in Weimar gegründeten Bauhaus schieden sich von Anfang an die Geister. Von nationalistischen Kreisen aufs Ärgste bekämpft, erhöhte die von der USPD tolerierte thüringische Landesregierung aus SPD und DDP 1922 die Zuwendungen für seine längst international beachtete Staatliche Kunstschule, verband dies allerdings mit der Auflage, dass das Bauhaus seine Ergebnisse in einer großen Leistungsschau einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren habe. Die Bauhausaustellung, die daraufhin im Sommer 1923 veranstaltet wurde, bedeutete für die Arbeit von Walter Gropius und seiner Mitstreiter*innen tatsächlich einen enormen Popularisierungsschub – obwohl der wirtschaftliche Erfolg der Schau wegen der galoppierenden Inflation bescheiden ausfiel. Neben der Präsentationen der verschiedenen Werkstätten des Bauhauses und zahlreichen Vorträgen sowie künstlerischen Darbietungen auch im Bereich der darstellenden Künste war es vor allem das in nur vier Monaten realisierte Musterhaus Am Horn, was die Feuilletonisten der Republik nach Weimar lockte. Das Fazit von Grete Fischer im Berliner Börsen-Courier vom 26. August 1923 fiel indes, wie auch das vieler Kolleg*innen, durchwachsen aus. Frank Riede verrät, wieso.

Erschienen: 26.08.2023
Dauer: 00:08:23

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Stresemanns neuer Ton in der Frankreich-Politik

25. August 1923

Als erster Deutscher überhaupt wurde Gustav Stresemann 1926 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem französischen Außenminister Aristide Briand wurde er vom Osloer Komitee für die Aussöhnungspolitik zwischen den alten ‘Erbfeinden‘ geehrt, deren Vollendung Stresemanns tragischer früher Tod im Oktober 1929 freilich folgenschwer verhindern sollte. Dass der Ausgleich mit dem westlichen Nachbarn langfristig ein Hauptanliegen Stresemanns war, verrät der nachfolgende Artikel aus dem Berliner Börsen-Courier vom 25. August 1923. Noch keine zwei Wochen als Reichskanzler amtierend, wandte sich Stresemann bereits mit einer diplomatischen Offensive gen Paris, die einen neuen Ton in der deutschen Frankreich-Politik setzte und die im Zuge der Besetzung an Rhein und Ruhr hochgeschlagenen Konflikt tatsächlich perspektivisch erheblich entspannen sollte. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 25.08.2023
Dauer: 00:08:18

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Legale und illegale Papiergeldproduktion

24. August 1923

Wer will noch den Durchblick behalten, wenn ständig eilig gedruckte neue Geldscheine auf den Markt kommen, wenn Fabriken und Geschäfte ihr eigenes Notgeld produzieren? Die Lage in Deutschland war im August 1923 unübersichtlich – immer Neues Geld verlor blitzschnell seine Funktion. Natürlich blieben dabei auch die Sicherheitsstandards, die das Geld fälschungssicher machen, auf der Strecke. Und so titelte das 8-Uhr-Abendblatt am 24. August 1923 „Jedermann sein eigener Papiergeld-Fabrikant“. Paula Rosa Leu führt uns durch den Wirrwarr der verschiedenen Notgeldscheine zu der illegalen Falschgeldproduktion.

Erschienen: 24.08.2023
Dauer: 00:09:20

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Salzburg 1923: Molière in Leopoldskron

23. August 1923

Gute Traditionen muss man pflegen, und deshalb wirft Auf den Tag genau auch in diesem wie in den vorangegangenen Jahren wieder einen Blick nach Salzburg zu den dortigen sommerlichen Festspielen. So richtig fanden diese anno 1923, also im vierten Jahr ihres Bestehens, freilich gar nicht statt, denn die allgemeine ökonomische Krise machte auch vor der Kultur und den sich damals wie heute weitgehend selbst finanzierenden Festspielen nicht halt. Kein Jedermann-Ruf erklang deshalb auf dem Domplatz, dafür rief Festmitbegründer Max Reinhardt das Publikum in seine Privatresidenz, das von ihm 1918 erworbene prachtvolle Barockschloss Leopoldskron im Salzburger Süden, und gab dort den Eingebildeten Kranken von Molière. Aus der Not entstanden, man kann es sich denken, wurde daraus an diesem speziellen Ort eine Sternstunde des Theaters – der Rezensent des 8 -Uhr-Abendblattes war jedenfalls ob des Ambientes und des kunstvollen Ineinanders von Sein und Schein völlig hin und weg. Für uns schwärmt: Frank Riede.

Erschienen: 23.08.2023
Dauer: 00:07:27

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Auf dem Amtsschimmel durch Berlin

22. August 1923

Tiere in Berlin waren in den zurückliegenden Wochen ein großes Sommerlochthema. Eine Löwin, die am Ende zwar gar keine war und das auch nur in Kleinmachnow, hielt 24 Stunden lang die Hauptstadt in Atem, und nachdem diese zurück in die Wälder gekrochen war und sich wieder in ein Wildschwein verwandelt hatte, krochen Füchse, Wölfe, Waschbären und Dachse aus dem medialen Unterholz und hinter ihnen ein Rattenschwanz von Expertinnen und Experten, die sich zu ihrem Vorkommen in der Stadt äußerten. Vor einhundert Jahren spielten die genannten Tiere zumindest in den Berliner Tageszeitungen keine Rolle. Dafür galoppierte ein anderer Vierbeiner am 22. August 1923 durch die B.Z. am Mittag, den man Gerüchten zu Folge auch heute noch gelegentlich in Berlin antrifft. Und das nicht nur im Sommerloch. Paula Rosa Leu versucht ihn für uns zu zähmen.

Erschienen: 22.08.2023
Dauer: 00:07:15

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Die Möglichkeit des Fernsehens

21. August 1923

1923 sind die Tageszeitungen unbestritten das Leitmedium. Das Radio erreicht noch nicht die Massen, macht sich aber bereit für seinen baldigen Siegeszug. Doch auch am Fernseher wird bereits getüftelt, wie unser heutiger Artikel aus dem Berliner Tageblatt vom 21. August belegt. Für schlappe 80.000 Mark konnte man diese Ausgabe erwerben und dort von Artur Fürst Details über den aktuellsten Stand der Bewegtbildübertragung erfahren. Der Autor und Schriftsteller war ein sehr erfolgreicher Technik-Erklärer der Weimarer Republik. Sein „Weltreich der Technik“ in vier Bänden war ein Klassiker des populärwissenschaftlichen Sachbuchs. Obgleich er 1926 überraschend im Alter von 47 Jahren verstarb, fiel doch auch er den Nationalsozialisten zum Opfer – insofern, als seine Bücher, wegen seiner jüdischen Herkunft, aus dem Verkehr gezogen wurden, so dass sein Werk in Vergessenheit geriet. Frank Riede liest für uns nun wie viele Pixel damals schon übertragen wurden.

Erschienen: 21.08.2023
Dauer: 00:10:17

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Eine Donaufahrt in Inflationszeiten

20. August 1923

Dass die Mark kaum mehr das Papier wert war, auf dem sie gedruckt wurde, merkte man am 20. August 1923 spätestens bei der Begegnung mit dem Zeitungsverkäufer, der für die Abendausgabe einer Deutschen Allgemeinen Zeitung satte 40.000 dieser wertlosen Mark verlangte. Noch drastischer offenbarte es sich freilich im Ausland, wohin im Sommer 1923 überhaupt nur noch reisen konnte, wer über größere Valutaquellen verfügte oder bei deren Beschaffung sehr kreativ und findig war. Wie der namenlose Autor seine Schiffskreuzfahrt auf der Donau finanzierte, lässt sein Artikel offen. Deutlich aus diesem hervor geht indes, dass er diese entspannte Reise den Fluss entlang sehr genoss, ohne die allgegenwärtige Inflationsthematik dabei jedoch aus dem Auge zu verlieren. So ziehen bei der anschließenden Lesung von Paula Rosa Leu nicht nur die malerischen Städte und Stifte vorbei, die sich entlang von Mitteleuropas längstem Strom wie Perlen an der Kette auffädeln. Wir erfahren auch einiges über andere Donaureisende und deren Reisefinanzierungskonzepte.

Erschienen: 20.08.2023
Dauer: 00:09:11

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