12. August 1924
Fackelzüge genießen im demokratischen Deutschland aus bekannten Gründen keinen besonders guten Ruf. Die Bilder der Nazis vor dem Brandenburger Tor vom 30. Januar 1933 haben sich tief im kollektiven Gedächtnis eingebrannt und entsprechende Umzüge seither zumindest in politischen Zusammenhängen unter Verdacht gestellt. Selbst die Verwendung von Fackeln im militärischen Rahmen Großer Zapfenstreiche wird vor diesem Hintergrund immer wieder kritisiert. Dass die politische Konnotierung in der Weimarer Republik noch eine ganz andere war und man sich im Feuerschein seinerzeit auch eben zu dieser Republik bekennen konnte, entnehmen wir dem heutigen Artikel aus dem Hamburger Fremdenblatt vom 12. August 1924. Am Vortag hatte sich zum fünften Mal die Unterzeichnung der Weimarer Reichsverfassung gejährt, und dieses Jubiläum nahm man in Hamburg, und mutmaßlich nicht nur dort, zum Anlass, die Errungenschaften der demokratischen Revolution nicht nur mit Musik und Reden, sondern auch mit etwas Pyrotechnik zu feiern. Zwischen Mönckebergstraße und Binnenalster umgesehen hat sich für uns Frank Riede.
Erschienen: 12.08.2024
Dauer: 00:08:05
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11. August 1924
Die Hamburger Volkszeitung war seit 1920 das Blatt der Kommunistischen Partei in der Hansestadt. Entsprechend wenig erstaunlich ist es, dass im heutigen Bericht vom 11. August 1924 über eine neuerliche Konferenz zwischen Deutschland und den Siegermächten über die Frage der Kriegsreparationen weder Zentrums-Kanzler Marx, noch Außenminister Stresemann von der DVP, noch die Regierungspolitiker der bürgerlichen Demokratien England und Frankreich wirklich gut wegkommen. Das politische Vorbild – die Überschrift „Russisch antworten“ macht es deutlich – sitzt natürlich in Moskau, wo die Sowjetführung es im Unterschied zu der deutschen Regierung angeblich verstehe, Handelsverträge mit den Westmächten zu ihren Bedingungen aufzusetzen. Interessant an diesem Artikel ist außer der alten Frage „Wie hältst du es mit dem großen Nachbarn im Osten?“ auch die Autorin: Ruth Fischer, ältere Schwester des Komponisten Hanns Eisler, war eine der prominentesten Vertreterinnen des sogenannten linken KP-Flügels und ab 1924 sogar kurze Zeit Parteivorsitzende. Als solche trieb sie eine Bolschewisierung der Partei voran, überwarf sich allerdings bald schon mit Stalin und wurde aus der KPD ausgeschlossen. Von Nationalsozialisten wie Stalinisten erbittert bekämpft, lebte sie später in französischem und US-amerikanischem Exil. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 11.08.2024
Dauer: 00:08:56
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10. August 1924
Anna Geyer, geboren 1893 in Frankfurt am Main, war eine sozialistische Politikerin und Journalistin. Ihr politischer Weg führte über die USPD, die Leipziger Stadtverordnetenversammlung und die Sächsische Volkskammer, die VKPD, dem Zusammenschluss des linken Flügels der USPD und der KPD, wieder die USPD, und schließlich bis zur Mitgliedschaft in der SPD im Herbst 1922. In der Sozialdemokratie war sie in frauenpolitischen Fragen aktiv. Dem entspricht, dass wir im Zeitungsorgan der SPD, dem Hamburger Echo vom 10. August 1924, ihr Resümee zur Lage der Frauenrechte 1919 bis 1924 finden, verfasst anlässlich des 5jährigen Jubiläums der Unterzeichnung der Weimarer Verfassung am 11. August 1919. Anna Geyer floh 1933 über die Tschechoslowakei, Frankreich und Portugal in die USA, wo sie 1973 verstarb. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 10.08.2024
Dauer: 00:08:21
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9. August 1924
Die Frage, ob wir Erdlinge als Lebewesen ganz allein im All kreisen oder es irgendwo anders noch extraterrestrisches Leben gibt, beschäftigt das menschliche Denken wenn nicht seit seinen Anfängen, so doch zumindest seit denen des heliozentrischen Weltbildes. Vor einhundert Jahren waren die Überlegungen dazu nicht länger esoterische Spekulation, sondern zunehmend auch Gegenstand wissenschaftlicher Überlegungen. Vor dem Hintergrund einer bevorstehenden interessanten Konstellation von Erde und Mars fasste die Bergedorfer Zeitung am 9. August 1924 die Erkenntnisse, die man damals zu haben glaubte, für ihr Publikum zusammen – und formulierte dabei einige Gewissheiten, die heute bei Astrophysikerinnen und Astrophysikern wohl doch eher Schmunzeln auslösen würden. Für uns fliegt Rosa Leu ins All.
Erschienen: 09.08.2024
Dauer: 00:09:27
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8. August 1924
Seit dem 1. August sendet Auf den Tag genau nicht mehr Artikel aus Berliner, sondern aus Hamburger Tageszeitungen, aber gelegentlich lassen wir bei dieser Verabredung auch Fünfe gerade sein. So wenig nämlich Harburg (siehe der Text von gestern) und vollumfänglich auch Bergedorf (Spoiler: der Text von morgen) 1924 zu Hamburg gehörten, galt das auch für Wandsbek, dessen traditionsreiche Zeitung, der Wandsbeker Bote, sich damals im Untertitel nicht von ungefähr Stormannsche Nachrichten nannte. Der Leitartikel am 8. August 1924 blickte indes weit über holsteinische wie hanseatische Kreis- respektive Stadtgrenzen hinaus in die britische Hauptstadt London, wo seit dem 16. Juli mal wieder über die deutschen Reparationszahlungen an die Siegermächte gerungen wurde. Über den seinerzeitigen Stand der Verhandlungen auf dem Weg zu dem nach dem amerikanischen Vizepräsidenten benannten Dawes-Plan informiert uns Frank Riede.
Erschienen: 08.08.2024
Dauer: 00:08:21
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7. August 1924
Zu den wenigen Hamburger Tageszeitungen, die Drittes Reich und Zweiten Weltkrieg überlebten, zählten die Harburger Anzeigen und Nachrichten. Bis 2013 erschien dieses 1844 gegründete Blatt und war damit zum Schluss das älteste seiner Art in Hamburg. Für 1924 trifft die politische Zuordnung „in Hamburg“ natürlich noch nicht zu, denn Harburg gehörte damals bekanntlich zu Preußen, und so nimmt es denn auch kein Wunder, dass in unserem heutigen Bericht vom 7. August über das Wachstum des Luftverkehrs dreimal von Berlin und sogar fünfmal von London die Rede ist, der Name der Freien und Hansestadt vor den Toren Harburgs aber kein einziges Mal vorkommt. Den richtigen Riecher, was die Bedeutung des Flugzeugs als Verkehrsmittel der Zukunft angeht, hat der Artikel gleichwohl. Für uns in die Luft geht Rosa Leu.
Erschienen: 07.08.2024
Dauer: 00:07:21
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6. August 1924
Wie sah das Hamburg des Jahres 1924 aus? Eine Antwort liefert nach und nach unser Podcast, es gibt traditionell aber auch eine Annäherung über Zahlen und Statistiken. Ein Pionier dieses Weges war Prof. Dr. Sköllin, der Direktor der Statistischen Landesamtes Hamburg, der jeden Monat Zahlen und Tabellen zu Hamburg veröffentlichte. Der Hamburger Anzeiger vom 6. August 1924 gibt uns eine gebündelte Zusammenfassung des Statistischen Monatsheftes Juni und wir erfahren die unterschiedlichsten Fakten über die Stadt – von der Einwohnerzahl, über die Anzahl der ausgeliehenen Bücher in der Staatsbibliothek, deren Digitalisate wir für diesen Podcast nutzen, bis zur Quote der unehelichen Kinder. Frank Riede führt uns durch die Zahlen.
Erschienen: 06.08.2024
Dauer: 00:08:16
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5. August 1924
Eines der großen Zirkus-Unternehmen Deutschland ist zweifelsfrei der 1884 gegründete Zirkus Busch. Im Jahre 1924 unterhielt das vom Gründer Paul Vincenz Busch und seiner Tochter Paula geführte Zirkusunternehmen feste Spielstätten in Hamburg, Berlin, Wien und Breslau. Die Zeitungen berichteten regelmäßig über die neuen Programme, neue Attraktionen des Hauses Busch. Am 5. August 1924 erfahren wir also im Hamburgischen Correspondenten, was man für den Eintrittspreis geboten bekam. Rosa Leu war für uns bei der Aufführung dabei.
Erschienen: 05.08.2024
Dauer: 00:05:41
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4. August 1924
Die Grenzen zwischen einer nationalkonservativen, in weiten Teilen republikskeptischen Rechten und den republikfeindlichen völkischen Extremisten waren in der Weimarer Republik bisweilen fließend, aber an einigen Unterscheidungsmerkmalen lange Zeit doch relativ zuverlässig zu erkennen. Der bereits seit 1724 unter diesem Namen firmierende Hamburgische Correspondent stand in Weimarer Zeit der nationalliberalen Deutschen Volkspartei nahe und rührte etwa in Fragen der Bewertung des Versailler Friedensvertrages oder der französischen Ruhrbesetzung immer wieder kräftig die patriotische Trommel. Was in diesem Blatt aber keinen Platz hatte, waren völkischer Rassismus und Antisemitismus. Ganz in diesem Sinne findet sich unter den zahlreichen Artikeln zum zehnten Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs am 4. August 1924 auch ein Bericht über eine jüdische Gedenkveranstaltung zu diesem Thema, der an die große Zahl deutscher Juden erinnert, die in den Krieg gezogen und in ihm zu Tausenden auch gestorben waren. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 04.08.2024
Dauer: 00:05:59
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3. August 1924
Mit unserem Umzug zu den hamburgischen Quellen ist zu erwarten, dass bestimmte Themen mehr Präsenz bei Auf den Tag genau bekommen. Besonders der maritime Bereich kommt einem da in den Sinn. Und tatsächlich führt uns unser heutiger Artikel von den „Tiefen des Meeres“ bis in die „Bratfischküche“ und beschriebt den Weg der Fische von den Fischgründen über die Fischkutter bis auf den Teller. Verfasst hat ihn ein Dr. Nicolaus Peters, der wohl identisch ist mit dem 1900 geborenen, späteren Kustos des Zoologischen Museums Hamburg, für das Hamburger Echo vom 3. August 1924. Das Hamburger Echo ist die sozialdemokratische Zeitung der Hansestadt, sozusagen der Hamburger Vorwärts. Der Autor beschäftigt sich aber nicht nur mit den Vorgängen der Fischverarbeitung, sondern hat auch die Verbindung von Kosten und Nährwert für breitere Bevölkerungsschichten im Blick. Frank Riede ist für uns mit den Fischern zur Wiking-Bank ausgefahren.
Erschienen: 03.08.2024
Dauer: 00:08:26
Weitere Informationen zur Episode "Von den Tiefen des Meeres bis zur Bratfischküche"