Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Eine Internationale Genuss- und Nahrungsmittelausstellung bei Hagenbeck

10. Oktober 1924

Das Jahr 24 war, vor einhundert Jahren, eines des Aufschwungs. Davon profitierten nicht nur die Gewerbetreibenden, sondern auch so mancher Journalist, der – statt wie noch vor Jahresfrist über lange Schlangen vor leeren Lebensmittelgeschäften berichten zu müssen – sich plötzlich von Häppchen zu Häppchen durch Messehallen verkosten durfte. Bei Hagenbeck hatte im Oktober 1924 die Internationale Genuss- und Nahrungsmittelausstellung, kurz: Iguna, ihre Pforten geöffnet, und die Altonaer Neuesten Nachrichten ließen es sich nicht nehmen, dort für ihre Ausgabe vom 10.10. vor allem die einheimischen, d.h. tatsächlich in Altona und den umliegenden holsteinischen Bezirken verarbeiteten Produkte zu probieren und ihre überregionale, wenn nicht sogar internationale Konkurrenzfähigkeit zu prüfen. Wie es gemundet hat, weiß Frank Riede.

Erschienen: 10.10.2024
Dauer: 00:08:24

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Sturz der Regierung im Vereinigten Königreich

9. Oktober 1924

Nicht nur in Deutschland taumelte im Herbst 1924 die Regierung; auch in Großbritannien stand Premierminister Ramsay MacDonald mit seinem Kabinett vor dem Aus. Der erste Labour-Premier in der Geschichte des Vereinigten Königreiches hatte Pläne verfolgt, die international weithin isolierte kommunistische Sowjetunion diplomatisch anzuerkennen, woraufhin ihm die seine Minderheitenregierung bislang tolerierenden Liberalen von der Stange gingen. Allzu großer Sympathien für den Bolschewismus hielt ihn indes zumindest das Hamburger Fremdenblatt für unverdächtig und verortet die Gründe für MacDonalds Sturz in seinem Kommentar vom 9. Oktober eher in internen Rivalitäten bei den Liberalen. Kurzfristig lohnen sollte sich die Aktion übrigens für beide Parteien nicht. Als Sieger aus den vorgezogenen Unterhauswahlen ein paar Wochen später gingen die Tories hervor; schon 1929 sollte MacDonald jedoch erneut ein Minderheitenkabinett mit Unterstützung der Liberalen ins Amt bringen. Das Wort hat Rosa Leu.

Erschienen: 09.10.2024
Dauer: 00:07:18

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Mit Victor Auburtin in San Sebastián

8. Oktober 1924

Wir haben keine Statistik geführt, aber in der Berliner Zeit von Auf den Tag genau hat es vermutlich kaum ein Autor so häufig in den Podcast geschafft wie der geschätzte Kolumnist des Berliner Tageblattes Victor Auburtin. Wie schön, dass wir einander nun in Hamburg wiederbegegnet sind – wobei sich Auburtin im Herbst 1924 freilich weder an der Spree, noch an der Elbe herumtrieb, sondern eine ausgedehnte Spanienreise unternahm, von der er offensichtlich sowohl Berliner, als auch Hamburger Zeitungen ausgiebig mit Erlebnisberichten versorgte. Für den Hamburger Anzeiger vom 8. Oktober übermittelte er Eindrücke aus dem mondänen baskischen Seebad San Sebastián, wo man, wie wir dem Artikel entnehmen, auch damals schon ausgezeichnet essen, allerdings auch viel Zeit im Casino verbringen konnte. Ob sich das Glücksspiel für Auburtin gelohnt hat und worin sich in seinen Augen die vornehmen Spanier von den vornehmen Mitteleuropäern der Zeit unterschieden, erfahren wir von Frank Riede.

Erschienen: 08.10.2024
Dauer: 00:09:27

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Die Internationale Eisenbahntechnische Ausstellung in Seddin

7. Oktober 1924

„Von Friedrichshafen nach Seddin“ – Nein, der so betitelte Artikel aus dem Wandsbeker Boten vom 7. Oktober 1924 handelt von keiner Reise quer durch die Republik. Friedrichshafen am Bodensee steht hier vielmehr stellvertretend für die boomende Luftfahrt via Zeppelin, die zuvor tagelang die Gazetten des Landes beschäftigt hatte und von der man sich nun, in diesem Text, wieder zurück auf das immer noch dominierende Verkehrsmittel der Zeit, die Eisenbahn, fokussierte. Deren Zukunft war im Herbst 24 im kleinen, südlich von Berlin gelegenen märkischen Ort Seddin zu besichtigen, dessen Rangierbahnhof den Schauplatz einer großen Internationalen Eisenbahntechnischen Ausstellung bildete. Vermutlich nicht nur beim Autor aus dem fernen Wandsbek weckten die dort zahlreich präsentierten Schienenfahrzeuge Lust und Hoffnung auf ein neues, moderneres Eisenbahnzeitalter in Deutschland. Für uns umgesehen hat sich in Seddin Frank Riede.

Erschienen: 07.10.2024
Dauer: 00:12:59

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Mussolini unter Druck

6. Oktober 1924

Insgesamt 21 Jahre, von 1922 bis 1943, herrschte Benito Mussolini diktatorisch über Italien. Dabei befand er sich bereits zwei Jahre nach seinem sogenannten „Marsch auf Rom“ in argen politischen Schwierigkeiten. Die Ermordung des sozialistischen Generalsekretärs Giacomo Matteotti durch faschistische Milizionäre hatte einflussreiche Konservative und Liberale kurzzeitig auf Distanz zu dem von ihnen eingegangenen Bündnis mit Mussolini gehen lassen, dessen Regierungsbilanz etwa in Fragen der Außen- und Wirtschaftspolitik zudem ausgesprochen dürftig ausfiel. Das Hamburger Fremdenblatt vom 6. Oktober 1924 zeichnet vor diesem Hintergrund das Bild eines erheblich geschwächten Regimes. Dass die „Matteotti-Krise“ schlussendlich einen Wendepunkt in die ganz andere Richtung, nämlich den Beginn einer weiteren Brutalisierung der faschistischen Diktatur mit einer noch konsequenteren Unterdrückung auch der bürgerlichen Opposition, der Pressefreiheit sowie einer zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft markieren sollte – davon konnte der Artikel noch nichts wissen. Es liest Rosa Leu.

Erschienen: 06.10.2024
Dauer: 00:09:29

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Deutschland vor vorgezogenen Neuwahlen?

5. Oktober 1924

Wenn das Erstarken der politischen Ränder die Parteien der politischen Mitte zu lagerübergreifenden Koalitionen der großen Kompromisse nötigt, schwächt dies besagte politische Mitte erfahrungsgemäß häufig noch weiter und mündet schlimmstenfalls in einem Teufelskreis zunehmender demokratischer Instabilität. Nein, wir reden hier nicht über das Jahr 2024, sondern über das Jahr 1924, in dem die Reichstagswahl vom Mai keine klaren Mehrheiten hervorgebracht hatte. Die Regierungskoalition aus Zentrum, DVP und DDP unter Kanzler Wilhelm Marx benötigte wahlweise entweder die Unterstützung der geschwächten Sozialdemokraten oder der erstarkten Deutschnationalen, vermochte sich aber dauerhaft auf keine der beiden Optionen zu einigen. Der DVP-nahe Hamburgische Correspondent tendierte eindeutig zu einer Öffnung nach rechts und plädierte deshalb in seiner Ausgabe vom 5. Oktober als letztem Ausweg für Neuwahlen – nicht ahnen könnend, dass aus diesen im Dezember dann just die SPD als große Gewinnerin hervorgehen sollte. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 05.10.2024
Dauer: 00:08:39

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Die Bibliothek von Washington

4. Oktober 1924

Ob die Library of Congress in Washington heute besonders beeindruckend ist, können wir nicht aus eigener Anschauung sagen, vermuten es aber, zumal sie heute nach der Britisch Library als die zweitgrößte Bibliothek der Welt gilt, in der über 38 Millionen Bücher und 70 Millionen Handschriften aufbewahrt und zugänglich gemacht werden. Vor 100 Jahren hat sie zumindest innerhalb des Zeitungsfeuilletons für Aufsehen gesorgt, da wir bereits auf mehrere hymnische Erfahrungsberichte gestoßen sind. Gegründet im Jahre 1800, unmittelbar nachdem der Regierungssitz von Philadelphia nach Washington D.C. verlegt worden war, wurden ihr Räumlichkeiten auf dem Kapitol zur Verfügung gestellt. 1897 wurde das heute als Thomas Jefferson Building bezeichnete Hauptgebäude eingeweiht. Nicht nur seine Architektur, aber auch die Geschwindigkeit bei der Bereitstellung der Bücher ringen einem Prof. Dr. A. im Hamburger Fremdenblatt vom 4 Oktober große Bewunderung ab. Rosa Leu reicht sie an uns weiter.

Erschienen: 04.10.2024
Dauer: 00:08:28

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Von gerichteten Wellen zu geschäftsschädigendem Rundfunk

3. Oktober 1924

Dass die Zeitungen die Entwicklungen der Radiotechnik genau im Blick hatten, ist in diesem Podcast bereits mehrfach deutlich geworden. Der Hamburgische Correspondent vom 3. Oktober 1924 stellt in seiner Radio-Umschau gleich mehrere Innovationen vor und belegt dabei welch große Rolle dabei die große Community der Radio-Amateure spielt. Aber auch die Konkurrenz des gemütlichen Hörens von Aufführungen vor dem Empfänger daheim für die Konzert- und Schauspielsäle werden thematisiert. Frank Riede hat diesen Artikel für unser On-demand-Digital-Radio eingelesen.

Erschienen: 03.10.2024
Dauer: 00:12:13

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Eine Stunde im Gerichtssaal: “Preisrätsel-Epidemie”

2. Oktober 1924

Wer kennt sie nicht?! Gewinnspiele, bei denen die Lösung de facto vorgegeben ist, es nur einen einzigen Buchstaben zu ergänzen gilt, um in die Lostrommel für unzählige, hochwertige Preise zu gelangen. Wer dieses Prinzip erfunden hat, konnten wir nicht recherchieren, fest steht aber, dass es sich bereits vor 100 Jahren als „Preisrätsel-Epidemie“ ausbreitete, wie der Hamburgische Correspondent vom 2. Oktober 1924 feststellt. Unter der Rubrik „Eine Stunde im Gerichtssaal“ berichtet er gleich von mehreren dubiosen Preisrätseln, deren Organisatoren es bis auf die Anklagebank geschafft hatten. Frank Riede beleuchtet für uns die verschiedenen Motivationen dahinter, gibt aber auch Einblick in andere Fälle, die an dem Tag vor der 11. Strafabteilung des Hamburger Amtsgerichts verhandelt wurden.

Erschienen: 02.10.2024
Dauer: 00:10:06

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Der Tod der Droschke

1. Oktober 1924

Wird die Künstliche Intelligenz unzählige Arbeitsplätze überflüssig machen? Wird diese Technologie neue Stellen generieren? Über wen walzt die Entwicklung erbarmungslos hinweg? All diese Fragen werden aktuell diskutiert. Es mangelt natürlich nicht an Beispielen in der Geschichte für kleinere und größere Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt. Dass diese mitunter tragische Auswirkungen auf Einzelschicksale hatte, zeigt unser heutiger Artikel aus den Altonaer Neuesten Nachrichten vom 1. Oktober 1924, in dem es nicht nur um den Tod der Droschke als Fortbewegungsmittel geht, sondern auch um den Tod der Kutscher. Rosa Leu liest.

Erschienen: 01.10.2024
Dauer: 00:04:23

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