Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Die Probefahrt des “Monte Olivia”

7. April 1925

Der Monte Olivia war im Oktober 1924 bei Blohm&Voss vom Stapel gelaufen und für die großen Südamerika-Fahrten bestimmt. Eine erste kleine Spritztour für Hamburger Honoratioren und neugierige Journalisten führte indes nur die Elbe abwärts, wo sich ein Vertreter des Hamburger Anzeigers vor allem von den kulinarischen Möglichkeiten an Bord schwer beeindrucken ließ, um in der Ausgabe vom 7. April 1925 ausführlich davon zu berichten. Eine richtige Erfolgsgeschichte, wissen wir heute, wurde der Monte Olivia dennoch nur zum Teil. Da das Südamerika-Geschäft schwächelte, setzte man ihn bald vermehrt auf Kreuzfahrten in nördlichen Gefilden ein, ab 1934 vermehrt auch für Kraft-durch-Freude-Fahrten. Ab 1940 diente er schließlich als Wohnschiff für die Kriegsmarine sowie als Lazarettschiff und kenterte nach einem Bombentreffer der Royal Air Force am 3. April 1945 in Kiel. Verschiedene Preziosen, darunter das Tafelsilber des Monte Olivia, wurde erst 2022 durch Taucher gehoben und sollen demnächst im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg ausgestellt werden. Wie es sich mit jenem früher speiste, weiß Rosa Leu.

Erschienen: 07.04.2025
Dauer: 00:09:47

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Mit Roquefort am Gründonnerstag im Flieger

6. April 1925

Wie sah London aus der Luft betrachtet aus? Wie kann der Staat eine regionale Käsesorte vor Nachahmung schützen? Woher stammt die Bezeichnung „Gründonnerstag“. Und: Wie reinigen die Vögel ihre Nester? Die Übersicht der Themen der heutigen Folge lässt bereits erahnen, dass wir uns in den kleineren vermischten Meldungen des Feuilletons tummeln. Wir tun dies mit den Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 6. April 1925, die damals bereits seit über 80 Jahren gedruckt wurde. In den Jahren nach 1912 erlebte sie einen enormen Auflagenzuwachs und in der Folgezeit ihre größte Reichweite und Bedeutung. Traurige Berühmtheit erlangte diese sechs Mal die Woche erscheinende Tageszeitung nach der Jahrtausendwende, als sie die deutsche Tageszeitung mit den größten Auflageverlusten wurde und folgerichtig im Jahre 2013 eingestellt wurde. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 06.04.2025
Dauer: 00:07:59

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Tödlicher Leistungsdruck bei Schüler*innen

5. April 1925

Keine Ahnung, wann das angefangen hat mit den Eltern, die ihre Ambitionen und ihren Ehrgeiz auf ihre Kinder projizieren. Das ist ein Dauerthema, ob es um Aufnahmeprüfungen an Gymnasien geht, oder das frühchinesisch in Kindertagesstätten. Dass das nicht zwangsweise spurlos an den Kindern vorübergeht, war schon vor 100 Jahren klar. Das Hamburger Echo veröffentlicht in der Ausgabe vom 5. April 1925 einen mahnenden Appell, der eine Verbindung des Ehrgeizes der Eltern und der Selbstmordrate der Schüler*innen gemacht wird. Rosa Leu mahnt uns.

Erschienen: 05.04.2025
Dauer: 00:06:46

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Kurioses von den Präsidentschaftswahlen

4. April 1925

Demokratische Wahlen sind eine ernste Angelegenheit. Dennoch haben sie bisweilen auch ihre heiteren Seiten. Das Pinneberger Tageblatt hat erst vor wenigen Tagen mit einem Besuch beim Reichswahlleiter hier im Podcast debütiert. Neben den dort zur Sprache gebrachten wichtigen Informationen über Organisation und Ablauf der Reichspräsidentenwahl des Jahres 25 konnte die Redaktion bei diesem Lokaltermin offensichtlich auch einige Kuriosa in Erfahrung bringen, die jenen Urnengang begleiteten, und verfrühstückte sie journalistisch mit einigen weiteren Anekdoten aus anderen Quellen. Was für dabei Artikel dabei am 4. April 1925 herausgekommen ist, weiß Frank Riede.

Erschienen: 04.04.2025
Dauer: 00:07:48

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Wandertipp: Von Blankenese nach Rissen

3. April 1925

Zu den Dienstleistungen der Tageszeitungen vor 100 Jahren gehörte es, der Bevölkerung in der Stadt oder Region, in der sie erschienen, Ausflugstipps und insbesondere Wanderrouten zu empfehlen. Diese wurden oft mit Kilometer- und Zeitangaben und genauen Wegbeschreibungen präsentiert. Am 3. April 1925 schickte der Hamburger Anzeiger seiner Leser*innen auf die Wanderroute von Blankenese über Schulau und Wedel nach Rissen. Blankenese war damals schon lange nicht mehr das Hangdorf, in dem Lotsen und Kapitäne ihren Ruhestand verlebten, aber sicherlich noch nicht so sehr bürgerliches Villenviertel. Wie viele dicht befahrene Straßen man heute auf dem beschriebenen Spaziergang überqueren muss und wie malerisch die Naturlandschaft ist, können wir nicht beurteilen, empfehlen aber unseren Hörer*innen aus der Gegend dies zu überprüfen. Wo es genau lang geht, sagt uns Rosa Leu.

Erschienen: 03.04.2025
Dauer: 00:07:30

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Giacomo Casanova zum 200. Geburtstag

2. April 1925

Giacomo Casanova, entnehmen wir seinem Wikipedia-Eintrag, war „promovierter Jurist, Schriftsteller und Bibliothekar, Dichter, Philosoph und Übersetzer, Chemiker, Alchemist, und Mathematiker, Historiker und Diplomat, Glücksspieler und Geheimagent, Freimaurer und Abenteurer“; auch sein Wirken als Violinist und Kleriker beschreibt der Artikel im Weiteren noch. An all das denken wir in der Regel freilich nicht, wenn sein Name genannt wird. Heute, im Jahr seines 300. Geburtstages, ist sein Name genau wie vor zweihundert Jahren, als man ihm zum 200. gratulierte, vielmehr Synonym für erotische Ausschweifungen und deren literarische Verarbeitung. All das verleugnete die Würdigung des sozialdemokratischen Hamburger Echo vom 2. April 1925 nicht; immerhin benennt der Artikel aber auch noch ein historisch-materialistisches Argument, weshalb man sich mit Casanova befassen dürfe. Welches, weiß Frank Riede.

Erschienen: 02.04.2025
Dauer: 00:05:51

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Wilhelm Marx als Gemeinschaftskandidat der Weimarer Koalition

1. April 1925

Bei der Zentrumspartei handelt es sich bekanntlich um eine Vorgängerpartei der CDU und damit nach gängigen Kriterien um eine politisch eher konservative Vereinigung, wenn auch mit ausgeprägter sozialstaatlicher Neigung. Wenn deren prominenter Vertreter Wilhelm Marx im Zusammenhang des zweiten Wahlgangs für die Reichspräsidentenwahl 1925 nun zum „Kandidat der Linken“ erklärt wird, so dokumentiert dies anschaulich die Rechtverschiebung der politischen Koordinaten in der Weimarer Republik wie konkret auch der politischen Optik der Harburger Anzeigen und Nachrichten, die am 1. April 1925 mit dieser Schlagzeile aufmachten. Zum wahren Kern dieser Meldung gehörte, dass außer der linksliberalen DDP in der Tat auch die SPD zugunsten vom Marx auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet hatte, um den Durchmarsch der Rechtsparteien in dieses höchste Staatsamt zu verhindern – gemäß Weimarer Verfassung reichte hier im zweiten Wahlgang bekanntlich die einfache Mehrheit. Was der Artikel nicht verrät: Eine Gegenleistung seitens des Zentrums an die Sozialdemokraten gab es dann doch; Otto Braun, der Zweitplatzierte der ersten Präsidentschaftsrunde, sollte mit dessen Stimmen ins Amt des preußischen Ministerpräsidenten zurückkehren. Es liest Rosa Leu.

Erschienen: 01.04.2025
Dauer: 00:05:59

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April, April in Pinneberg und anderswo

31. März 1925

Nein, wir haben uns nicht im Datum geirrt, und, nein, der 1. April fiel auch 1925 nicht auf den 31. März, nicht einmal in Pinneberg. Vielmehr wollte das dort ansässige Tageblatt seine geneigte Leserschaft seinerzeit offenbar sehr rechtzeitig in Stimmung und auf lustige Gedanken bringen, wie man seine Nächsten am Folgetag in den April schicken könnte. Wie wir aus dem Artikel vom, ja, 31.3. erfahren, reichte dieses Brauchtum weit über Südholstein hinaus, hatte global jedoch je eigene landestypische Traditionen ausgeprägt. Und seinem Ursprung nach erstreckten sich die Foppereien dereinst wohl auf die gesamte letzte Märzwoche. Ob das vielleicht ein Aprilscherz ist – kann uns Frank Riede auch nicht sagen.

Erschienen: 31.03.2025
Dauer: 00:07:50

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Reichspräsidentenwahl 1925 - die Ergebnisse vom ersten Wahlgang

30. März 1925

Der erste Wahlgang für die Nachfolge von Friedrich Ebert als Reichspräsident war geschlagen. Auf die drei Kandidaten der sogenannten Weimarer Koalition – den Sozialdemokraten Otto Braun, Wilhelm Marx vom Zentrum sowie Willy Hellpach von der DDP – entfielen zusammen zwar annähernd 50 Prozent der Stimmen. Durch die Zersplitterung der Kandidaturen lag jedoch ein anderer Bewerber an der Spitze des Feldes: Kurt Jarres, den DVP, DNVP und noch einige andere Parteien aus dem rechten Spektrum ins Rennen geschickt hatten, konnte mit 38,8 Prozent fast zehn Punkte mehr als der zweitplatzierte Braun auf sich vereinen und auf einen Sieg auch im zweiten Wahlgang vier Wochen später, bei dem die einfache Mehrheit genügte, hoffen. Mit ihm tat dies auch die konservative Bergedorfer Zeitung, die nicht nur die reichsweiten Zahlen mit denen der letzten Reichstagswahlen verglich, sondern auch das kommunale Ergebnis kannte. Es liest Rosa Leu.

Erschienen: 30.03.2025
Dauer: 00:06:36

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(1)25 Jahre Hamburger Bücherhallen

29. März 1925

Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich auch in Deutschland die Überzeugung durch, dass es neben den primär von der Wissenschaft genutzten Büchersammlungen auch öffentlicher Bibliotheken bedarf, die sich an die ganze Bevölkerung richten. So wurde 1899 in der Hamburger Neustadt die erste Bücherhalle eröffnet. Innerhalb von 25 Jahren wuchsen diese Hamburger Volksbibliotheken enorm an und waren reichsweit führend, was die Anzahl der verliehenen Medien anging. Obgleich am 29. März 1925 die erste Runde der Reichspräsidentenwahl lief, gehen wir, bevor es morgen die Ergebnisse gibt, in die Bibliothek und gratulieren zusammen mit den Hamburger Nachrichten des Tages den Bücherhallen zu ihrem ersten Vierteljahrhundert. Während die öffentlichen Bibliotheken aktuell wieder an Bedeutung gewinnen und eine Transformation zu Orten der Begegnung, von Workshops, Kursen, Veranstaltungen durchmachen, gibt uns Frank Riede einen Einblick in die frühe Geschichte und Ausleihe-Statistiken der Hamburger Bücherhallen.

Erschienen: 29.03.2025
Dauer: 00:11:37

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