8. Dezember 1924
Die Reichstagswahlen am 7. Dezember 1924 hatten zwar, verglichen mit den Wahlen vom Mai desselben Jahres, zu einer Stärkung der politischen Mitte bei gleichzeitiger Schwächung des kommunistischen und des deutsch-völkischen Randes geführt, eine Mehrheitsfindung blieb aber weiterhin problematisch. In ihrer Parteizeitung, dem Hamburger Echo, vom 8. Dezember feierte sich die SPD als eindeutige Wahlsiegerin. Dabei zeigt sich aber auch, wie zerstritten das gesamte politische Spektrum war, denn der Artikel macht nicnt nur aus der diebischen Freude über die Niederlage der politischen Ränder, insbesondere die Kommunisten, keinen Hehl, sondern attackiert auch polemisch die Deutsche Volkspartei, die eigentlich als eine potentielle Koalitionspartei innerhalb des prorepublikanischen Spektrums zu betrachten wäre – eine Polemik, die in der Titulierung des Außenministers als „Stresemännchen“ einen klaren Ausdruck findet. Rosa Leu stellt also heute die Wahlergebnisse aus der Sicht der SPD vor, bevor wir morgen aus einer anderen Perspektive darauf blicken.
Erschienen: 08.12.2024
Dauer: 00:09:58
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7. Dezember 1924
Der 7. Dezember war der Tag der bereits zweiten Wahlen zum deutschen Reichstag im Jahr 1924, und selbstredend dominierte dieses Thema auch die Berichterstattung der wenigen Hamburger Tageszeitungen, die damals sonntags erschienen. Das sozialdemokratische Hamburger Echo machte diesbezüglich keine Ausnahme. Hinter den erwartbaren Wahlaufrufen und Wahlempfehlungen auf den ersten Seiten fand man hier allerdings auch noch Platz, die Leserinnen und Leser auf eine Reise ans entgegengesetzte Ende der Erde mitzunehmen, das seit neuestem vom Passagierschiff Cap Polonio regelmäßig von Hamburg aus angefahren wurde: nach Feuerland, an die Südspitze Südamerikas. Selbst angetreten scheint der mit R.W. zeichnende Autor diese wenig proletarische Reise nicht zu haben. Sein Artikel stützt sich vielmehr auf den Bericht eines italienischen Naturforschers, der offensichtlich damals schon sehr kritisch nicht nur über die ökonomische Ausbeutung des fernen Landes, sondern auch über den rücksichtslosen Umgang mit den dort lebenden Indigenen berichtete – wenn auch zum Teil in für uns irritierendem Vokabular. Es liest Frank Riede.
Erschienen: 07.12.2024
Dauer: 00:11:54
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6. Dezember 1924
Zu den wiederkehrenden Beobachtungen in knapp fünf Jahren Auf den Tag genau zählt jene, wie sehr sich unsere großen Feste historisch gewandelt haben. Schon manche Bräuche aus den 1920er Jahren sind uns erstaunlich fremd; noch viel mehr aber gilt dies für die älteren Traditionen, an die die damaligen Zeitungen zu Festtagen gerne erinnerten und dabei offensichtlich davon ausgingen, dass bereits ihr Publikum um sie nicht mehr wusste. Dass der Nikolaustag über lange Zeit wenn nicht das wichtigere, so doch zumindest das gegenüber Weihnachten geschenkreichere Fest darstellte, ist uns irgendwo noch bekannt. Ziemlich in Vergessenheit geraten ist indessen, wie sehr sich in den alten, zumal ländlichen Konventionen, ihn zu begehen, einmal mehr christliche und heidnische Aspekte mischten. Vom genuin synkretistischen Charakter auch von Sankt Nikolaus erzählt der Hamburgische Correspondent vom 6. Dezember 1924 – und für uns Rosa Leu.
Erschienen: 06.12.2024
Dauer: 00:06:19
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5. Dezember 1924
Der Bankier Max Warburg, 1924 in Hamburg und in Deutschland eine Institution, eine Personifikation der wirtschaftlich prosperierenden Handelsmetropole and der Elbe, sah sich immer wieder dumpfen antisemitischen Angriffen ausgesetzt. So beschimpfte der antisemitisch völkische Publizist Theodor Fritsch in seiner Zeitschrift „Der Hammer – Blätter für Deutschen Sinn“ die Familie Warburg, der auch von ihm verlegten Verschwörungs- und Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ folgend, als Teil einer Clique, die die Weltherrschaft an sich reißen wolle und eigentlich die politischen Entscheidungen lenkt. Max Warburg wehrte sich daraufhin gerichtlich. Der Feuilletonist des Hamburger Anzeigers mit dem Pseudonym Dr. Uhu war beim Prozess dabei und berichtete in der Ausgabe vom 5. Dezember von dem dort vernommenen antisemitischen Blödsinn. Fritsch wurde tatsächlich zu 3 Monaten Gefängnis und dem Abdruck zahlreicher Richtigstellungen verurteilt - wie so oft in der Weimarer Republik, reduzierte sich das Strafmaß nach zahlreichen Revisionen im Jahre 1927 auf die Zahlung von 1000 Mark. Es liest Frank Riede.
Erschienen: 05.12.2024
Dauer: 00:07:59
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4. Dezember 1924
Sein Name ist bis heute bekannt, seine Mordserie zählt zu den grausigsten in der deutschen Kriminalgeschichte: Mindestens 24 Jungen und junge Männer hat Fritz Haarmann zwischen 1918 und 1924 in Hannover umgebracht. Jahrelang kamen ihm die Behörden nicht auf die Schliche, eine Observation seiner Person war zunächst sogar im Sande verlaufen. Eher zufällig wurde Haarmann am 22. Juni 1924 am Hannoveraner Hauptbahnhof wegen Bedrohung eines Jugendlichen verhaftet, woraufhin es zu einer Durchsuchung seiner Wohnung in der Calenberger Neustadt kam. Asservate von Vermissten und Blutspuren brachten die Ermittler hier auf die richtige Spur. Bereits ein knappes halbes Jahr später begann vor dem Landgericht Hannover der Prozess gegen Haarmann und seinen mutmaßlichen Komplizen Hans Grans. Angesichts der Monstrosität der den beiden zur Last gelegten Verbrechen war das öffentliche Interesse gewaltig. Vom Prozessauftakt am 4. Dezember 1924 berichtete unter anderem auch der Hamburger Anzeiger. Es liest Frank Riede.
Erschienen: 04.12.2024
Dauer: 00:09:57
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3. Dezember 1924
Giacomo Puccini war vermutlich der letzte komponierende Weltstar der Oper. Noch heute locken La bohème, Madame Butterfly oder Tosca auch solches Publikum in die Opernhäuser, das sich dorthin gewöhnlich nicht verirrt, und erinnern darin an ein mit Puccini zu Ende gegangenes Zeitalter, in dem die Oper für eine kurze Zeit ihrer Geschichte (vor allem in Italien) eine tatsächlich populäre Kunstform war. Der 1858 im soeben toskanisch gewordenen Lucca geborene Puccini war am 29. November 1924 in Brüssel einer Krebserkrankung erlegen. Viele daraufhin erschienene Nachrufe betonten die schon damals absehbare enorme musiktheaterhistorische Bedeutung des Verstorbenen. Der Hamburgische Correspondent hält es in seinem kurzen Nekrolog am 3. Dezember eher persönlich-anekdotisch – und kommt dem, wie wir auch hier erfahren, eher schüchternen, gerne so titulierten Meister der ‘piccole cose‘ Puccini damit womöglich deutlich näher. Anlässlich seines 100. Todestages erinnert für uns an ihn Rosa Leu.
Erschienen: 03.12.2024
Dauer: 00:08:23
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mit Prof. Dr. Mojib Latif
Für diese Folge sprachen wir mit dem Ozeanologen und Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif. Er ist Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg sowie Seniorprofessor am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Wir wollten mit ihm einen Blick in die Geschichte der Klimaforschung werfen, seine Reaktion auf die Zeitungsartikel unseres Podcast, die sich mit der Endlichkeit und Bedrohungen der natürlichen Lebensgrundlagen beschäftigen, einfangen, um dann natürlich wieder im Jetzt und der Zukunft anzukommen.
Erschienen: 02.12.2024
Dauer: 00:20:07
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2. Dezember 1924
Schon mehrfach erklangen an dieser Stelle Artikel, in denen es um Endlichkeit der fossilen Energieträger ging und um die mögliche Nutzung von Sonne, Wind und Wasser, um eine dauerhafte Energiewirtschaft aufzubauen. Daher ist es nur folgerichtig, dass wir uns mit dem Präsidenten der Akademie der Wissenschaften in Hamburg Prof. Dr. Mojib Latif unterhalten haben über die Geschichte der Klimaforschung. Heute ab 12 Uhr könnt Ihr diese Sonderfolge hören. Und passen dazu blicken wir jetzt in die Altonaer Neuesten Nachrichten vom 2. Dezember 1924, in denen ein Dr. Rudolf Wämmel von der Notwendigkeit berichtet, die Windenergie systematisch zu nutzen und das Windrad zum „Kraftwerk des kleinen Mannes“ zu machen. Rosa Leu schaut für uns auf die Energiebilanz der Welt.
Erschienen: 02.12.2024
Dauer: 00:08:42
Weitere Informationen zur Episode "Die Energiebilanz der Welt"
1. Dezember 1924
Zwar besitzt Hamburg seit 1995 auch wieder eine Kirche namens St.-Marien-Dom. Wenn vom Hamburger Dom die Rede ist, meint das jedoch weiterhin, ganz anders als in allen anderen Städten, ein denkbar weltliches Phänomen, nämlich das berühmte Volksfest, das heutzutage sogar gleich dreimal jährlich auf dem Heiligengeistfeld gefeiert wird. Seine Wurzeln reichen angeblich bis ins 11. Jahrhundert zurück, als man es wegen des berüchtigten Hamburger Schietwetters Gauklern und Händlern tatsächlich erlaubte, die heiligen Hallen des Vorgängerbaus von St. Marien für ihren ‘Jahr-Markt‘ zu nutzen. Viele Jahrhunderte, bis zu dessen Abriss 1804, blieb der Dom im Dom – angesichts der Menschenmassen und großdimensionierten Fahrgeschäfte, die der Hamburgische Correspondent gut einhundert Jahre später, am 1. Dezember 1924, auf dem Hamburger Dom zu Gesicht bekommt, eine fast skurrile Vorstellung. Frank Riede hat sich für uns in den Budenzauber gestürzt.
Erschienen: 01.12.2024
Dauer: 00:07:59
30. November 1924
Die Hamburger Nachrichten waren eine seit 1849, mit Vorgängerblättern bereits seit 1792 erscheinende Hamburger Tageszeitung, die es heute zum ersten Mal hier in den Podcast geschafft hat. Überregionale Bedeutung erlangte sie insbesondere ab 1890, als sie sich zum Sprachrohr des zum Rücktritt gedrängten Alt-Reichskanzlers Otto von Bismarck entwickelte, der fortan regelmäßig den Redakteur Hermann Hofmann auf seinem Anwesen Friedrichsruh im Sachsenwald empfing und ihm und dessen Leserschaft seine Sicht der Welt darlegte. Die Nähe zum hohenzollernschen Herrscherhaus ist den Hamburger Nachrichten auch 26 Jahre nach Bismarcks Tod offensichtlich nicht abgegangen. Ganz ohne jahrestäglichen oder sonstigen äußeren Anlass erinnerte das Blatt am 30. November 1924 an einen Besuch Friedrich Wilhelms von Brandenburg, des sogenannten Großen Kurfürsten, 1682 in der Hansestadt und dessen angebliche Verdienste um diese. Unseren historischen Rückblick auf diesen historischen Rückblick haben wir in die Hand von Rosa Leu gelegt.
Erschienen: 30.11.2024
Dauer: 00:09:54
Weitere Informationen zur Episode "Der Große Kurfürst zu Besuch in Hamburg"