20. Februar 1923
Als die drei Säulen des aufkommenden Animationsfilms in Deutschland bezeichnet das Deutsche Institut für Animationsfilm in Dresden den abstrakten und experimentellen Animationsfilm, den Silhouettenfilm und den Werbe- und Beiprogramm Film. Diese Säulen befruchteten sich gegenseitig, bzw. es gab ohnehin personelle Überschneidungen. Julius Pinschewer, Walter Ruttmann, Lotte Reiniger, Georg Grosz, John Heartfield, Hans Fischerkoesen, und viele mehr waren auch für die Werbebranche tätig und brachten technische Innovationen und neue Ästhetiken hervor, die ebenso vom experimentellen Animationsfilm eingesetzt wurden. Daher verwundert es nicht, dass die Berliner Volks-Zeitung am 20. Februar 1923 ihre Aufmerksamkeit dem Werbefilm widmet. Paula Leu begründet für uns, warum der Werbefilm manchmal besser war als der Hauptfilm.
Erschienen: 20.02.2023
Dauer: 00:04:45
19. Februar 1923
Immer wieder lieferten die Berliner Zeitungen unter der Kategorie „Vermischtes“ kurze, mehr oder weniger sensationelle Nachrichten aus aller Welt. In der heutigen Folge wenden wir uns diesem Genre aus dem Friedenauer Tageblatt vom 19. Februar zu. Wir erfahren etwas über Autos aus Baumwolle, die Länge des Schultages in Frankreich und über Hehlernetzwerke. Es lesen alternierend Frank Riede und Paula Leu.
Erschienen: 19.02.2023
Dauer: 00:09:11
Weitere Informationen zur Episode "Von Wollautos und neuen Insekten"
18. Februar 1923
„Der Landarzt“ war zwischen 1986 und 2012 über ein Vierteljahrhundert lang eine der beliebtesten Fernsehserien im ZDF. Ihre insgesamt 297 Folgen können an die längst vierstelligen Episodenzahlen von Auf den Tag genau zwar bei weitem nicht heranreichen, bedeuten gemessen an TV-Maßstäben aber eine durchaus stattliche Zahl. Jetzt ist außerdem das frühe Skript zu einer ungesendeten Pilotfolge aufgetaucht. Der von Fritz Konrad verfasste Text aus der Berliner Morgenpost vom 18. Februar 1923 entführt sein Publikum zwar nicht in die schleswigsche, sondern in die märkische Provinz. In puncto Erzählstruktur und Figurenzeichnung kann es der hier praktizierende Halbgott in Weiß jedoch mit jeder seichten Arztserie aus dem Fernsehzeitalter aufnehmen. In dessen Rolle schlüpft für uns, nein, nicht Christian Quadflieg und auch nicht Wayne Carpendale, sondern Frank Riede.
Erschienen: 18.02.2023
Dauer: 00:09:50
17. Februar 1923
Im historischen Text die Gegenwart aufspüren und darüber Gemeinschaft mit dem Publikum herzustellen ist ein alter Theaterschaffendentraum, der indes selten so spektakulär in Erfüllung geht, wie das bei der Wiederaufnahme von Leopold Jessners Inszenierung von Schillers Wilhelm Tell im Februar 1923 im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt der Fall war. Ohne dass an der bereits 1919 herausgebrachten Produktion wahrscheinlich viel geändert worden war, identifizierten sich die Berlinerinnen und Berliner vor dem Hintergrund der ohnmächtig ertragenen französischen Besetzung des Ruhrgebiets plötzlich emphatisch mit den fremdbeherrschten Eidgenossen im Stück und beglaubigten diese Selbst-Erkenntnis in zahlreichen emotionalen Reaktionen auf die Aufführung. Unter den prominenten Gästen, die den Weg ins Staatstheater gefunden hatten und den schweizerischen Freiheitskampf auf der Bühne u.a. mit der ersten Strophe des Deutschlandliedes ‘kommentierten‘, befanden sich bis hinauf zum Reichspräsidenten zahlreiche hochrangige Repräsentanten der Republik, deren Anwesenheit zugleich dokumentiert, dass die nationale Aufwallung im Parkett doch nicht ganz so spontan erfolgte, wie der erste Eindruck suggeriert. Für die Vossische Zeitung, die am 17. Februar von der Wiederaufnahme berichtete, war Alfred Klaar vor Ort, für Auf den Tag genau Frank Riede.
Erschienen: 17.02.2023
Dauer: 00:05:45
Weitere Informationen zur Episode "Mit Wilhelm Tell gegen die französischen Besetzer"
16. Februar 1923
Wegen ihres leidenschaftlichen Engagements gegen den Ersten Weltkrieg war Rosa Luxemburg zwischen 1915 und 1918 fast dreieinhalb Jahre in verschiedenen Gefängnissen interniert. Dort brachte sie nicht nur wichtige politische Schriften ‘Über die Krise der Sozialdemokratie‘ und ‘Zur russischen Revolution‘, sondern auch eine Fülle von Briefen zu Papier, die eine ganz andere, private, auch im Persönlichen sehr einfühlsame Luxemburg zeigen. Die Berliner Volks-Zeitung vom 15. Februar 1923 enthält sich in ihrer Besprechung der soeben neuaufgelegten ‘Briefe aus dem Gefängnis‘ denn auch jeder politischen Bewertung und belässt es bei einer Würdigung des Menschen und der Literatin Rosa Luxemburg – für uns gelesen von Paula Leu.
Erschienen: 16.02.2023
Dauer: 00:05:43
Weitere Informationen zur Episode "Rosa Luxemburgs Briefe aus dem Gefängnis"
15. Februar 1923
Noch heute wird in manchen Ländern über die Todesstrafe gestritten, die meisten europäischen Länder haben sie aber längst abgeschafft. Lediglich rechte populistische Bewegungen setzen immer wieder eine Wiedereinführung der Todesstrafe auf ihre Agenda. 1923 waren es weltweit nur wenige Staaten, die diese Form der Maximalstrafe nicht mehr zuließen: San Marino (seit 1848), Venezuela (1863), Niederlande (seit 1870), Costa Rica (1882), Norwegen (1905), Ecuador (1906), Uruguay (1907), Kolumbien (1910). Initiativen zur Abschaffung gab es allerdings schon zu Beginn der Weimarer Republik. Die SPD und die USPD verfehlten eine Mehrheit, um ein Verbot in die Verfassung aufzunehmen. In der liberalen Berliner Volks-Zeitung finden wir am 15. Februar 1923 ein Plädoyer des Publizisten Bruno Manuel für eine Abschaffung. Vor allem sein Geißeln der Idee, man könne die Todesstrafe humaner gestalten, findet auch heutzutage noch einen Wiederhall in den Debatten, etwa in Amerika, welche Hinrichtungsarten „human“ genug seien. Frank Riede liest für uns.
Erschienen: 15.02.2023
Dauer: 00:06:58
14. Februar 1923
Die Linienstraße, die sich parallel zur ehemaligen Stadtmauer einmal quer durch den Norden der historischen Mitte Berlins zieht, zählt heute zu den bestgentrifizierten Quartieren der Stadt. In ihrer bewegten Geschichte deutete auf diese Entwicklung lange Zeit freilich nicht allzu viel hin. In den 1920er Jahren war die Linienstraße vielmehr Inbegriff für dunkle Kaschemmen und organisiertes Verbrechen, für Armut und Prostitution, und als solche zog sie natürlich auch den in kriminologischen Dingen umtriebigen Autor Leo Heller an. Seine Spurensicherung aus dem 8-Uhr-Abendblatt vom 14. Februar 1923 schaut hinter die Fassaden der Straße und sich ihre unterschiedlichen Ecken und Enden an. Für uns ist Frank Riede die ihm bestens vertraute Gegend abgeschritten.
Erschienen: 14.02.2023
Dauer: 00:09:19
Weitere Informationen zur Episode "Die verruchte Linienstraße"
13. Februar 1923
Antonello da Messina gehört zu den größten und eigenwilligsten Malern der italienischen Renaissance. Seine anrührenden Marien- und Heiligenporträts, die er nicht allzu zahlreich hinterlassen hat, zählen heute zu den Ikonen in den großen Kunstmuseen zwischen London und New York, Wien und Dresden, wo in der Gemäldegalerie Alte Meister im Zwinger mit seinem Heiligen Sebastian von 1478 eines der absoluten Highlights seines Schaffens seit ca. 150 Jahren sein Domizil hat. Auch schon Victor Auburtin zog dieses Gemälde bei einem Besuch vor einhundert Jahren in seinen Bann, und nicht nur ihn. Auf die ihm eigene, launige Art porträtiert er in seinem Spiegel vielmehr auch verschiedene Typen von Museumsbesuchern und stellt ganz beiläufig die uralte Frage, wie die adäquate Rezeption von Malerei auszusehen habe. Das Original gibt es nur in Dresden, eine Abbildung hingegen auch auf unserem Instagram-Kanal. Es liest Frank Riede
Erschienen: 13.02.2023
Dauer: 00:05:03
Weitere Informationen zur Episode "Victor Auburtin meets Antonello da Messina"
12. Februar 1923
Am 10. Februar 1923 verstarb in München einer der großen Revolutionäre auf dem Gebiet der Wissenschaft: Conrad Wilhelm Röntgen. 1895 war ihm die Entdeckung der „X-Strahlen“, wie er sie nannte, mit der ersten Aufnahme, die die Hand seiner Frau durchleuchtete, gelungen. Diese epochemachende Veränderung der medizinischen Diagnostik brachte ihm den ersten Nobelpreis für Physik im Jahre 1901 ein. Wir bringen in der heutigen Folge den Nachruf aus dem Berliner Tageblatt vom 12. Februar, den der Leiter der Röntgen-Abteilung des Virchow-Krankenhauses in Berlin und Pionier der Röntgenologie Max Levy-Dorn verfasste. Er verweist neben dem Beitrag zur Wissenschaft auch auf den wohltätigen Sinn Röntgens, da dieser auf eine Patentanmeldung der Röntgenstrahlen verzichtet hatte, um die Erfindung möglichst schnell den Patienten zu Gute kommen zu lassen. Die Tatsache, dass die Gefahren, die von der Strahlung ausgehen, nicht genügend bekannt waren, nahm dem Verfasser des Nachrufs wenige Jahre später das Leben. Paula Leu liest.
Erschienen: 12.02.2023
Dauer: 00:09:32
Weitere Informationen zur Episode "Nachruf auf Conrad Wilhelm Röntgen"
11. Februar 1923
Die politischen Beobachter des Westens fragten sich 1923, wie weit sich die Sowjetunion, damals noch unter der Führung von Lenin, besonders im asiatischen Raum ausdehnen würde. Man hatte aber nicht nur potentielle militärische Konflikte um Territorien im Blick, sondern betrachtete auch die Ausbreitung der kommunistischen Bewegung auf die Länder Asiens, die mal mehr, mal weniger aus Moskau unterstützt wurde. Insbesondere China geriet dabei in den Fokus. Würde die riesige Republik China sich behaupten können, oder würde sich eine chinesische Kommunistische Partei durchsetzen können. In der Berliner Morgenpost vom 11. Februar schätzt Erich von Salzmann die Lage ein. 1876 in Stettin geboren verfolgte Salzmann zunächst eine militärische Karriere und kämpfte in den Kolonien in China und nahm 1904 als Oberstleutnant am Vernichtungsfeldzug gegen die Herero in der Kolonie „Deutsch-Südwest-Afrika“ teil. Nachdem er dort bereits schwer verwundet und später im Ersten Weltkrieg bei Ypern von einem Splitter am Kopf getroffen worden war, schied er aus dem Militär aus und arbeitete in den 20ern als Autor und Berichterstatter für die Zeitungen des Scherl-Verlages. Er war Mitglied im deutschnationalistischen Bund der Frontsoldaten Stahlhelm und trat später in die NSDAP ein. Salzmann verstarb 1941 in Shanghai. Frank Riede liest für uns seine Einschätzung, dass die Republik China mit ihrer langen Tradition gegen den Bolschewismus gefeit sei.
Erschienen: 11.02.2023
Dauer: 00:13:19
Weitere Informationen zur Episode "Hat der Kommunismus in China eine Chance?"