9. November 1924
Der 9. November gilt als der Schicksalstag der Deutschen. Von Pogromnacht und Mauerfall konnte das Hamburger Echo am 9.11.1924 naturgemäß noch nichts wissen, aber neben dem ersten Jahrestag des abgewehrten Hitler-Ludendorff-Putsches gedachte man, wenig überraschend für ein sozialdemokratisches Blatt, auch der sich zum sechsten Mal jährenden erfolgreichen Novemberrevolution. Klassisch sozialdemokratisch positioniert man sich dabei zwischen den Extremen, also denjenigen, denen es zu viel Revolution, und denjenigen, denen es zu wenig Revolution war – und erklärt doch sehr freimütig, dass die Revolution auch aus sozialdemokratischer Sicht noch nicht abgeschlossen sei. Näheres erfahren wir von Frank Riede.
Erschienen: 09.11.2024
Dauer: 00:13:26
Weitere Informationen zur Episode "Zum sechsten Jahrestag der Novemberrevolution"
8. November 1924
Deutschland hatte im Jahr 1924 die Inflationskrise überwunden und nahm Anlauf zu den Goldenen Zwanzigern. Anders war die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich. Der galoppierende Werteverfall der Währung wurde dort erst mit einer Währungsreform im Dezember 1924 gestoppt. Die Regierung befand sich also im November 1924 in einem dauerhaften Krisenmodus. Als dann der Eisenbahnerstreik nicht abgewendet werden konnte, trat sie geschlossen zurück. Daran können wir übrigens auch die enorme Bedeutung der Eisenbahn vor 100 Jahren ablesen. Wie der Hamburgische Correspondent vom 8. November die Situation beschreibt weiß Rosa Leu.
Erschienen: 08.11.2024
Dauer: 00:06:47
Weitere Informationen zur Episode "Rücktritt der Regierung Österreichs wegen Eisenbahnerstreik"
7. November 1924
Am 8. November 1924 jährte sich der sog. Hitler-Ludendorff-Putsch. Während Ludendorff für seine Beteiligung nicht bestraft wurde, wurde Hitler zu einer fünfjährigen Haft verurteilt, im Herbst 1924 verdichteten sich aber bereits die Hinweise, dass er vorzeitig entlassen werden könnte. Das Hamburger Echo nahm am 7. November den Jahrestag zum Anlass nach Bayern zu schauen und abzuwägen, ob die politischen Akteure und Netzwerke resilienter gegen Umsturzversuche wären. Rosa Leu führt uns durch diese Bestandsaufnahme.
Erschienen: 07.11.2024
Dauer: 00:10:17
6. November 1924
Wie Dampfmaschine und Eisenbahn kam auch die Briefmarke ursprünglich aus England, trat von dort aus allerdings sehr rasch ihren Siegeszug um die ganze Welt an und stand in Deutschland, dank der fortgesetzten Kleinstaaterei, bald in besonders reicher und bunter Blüte. Die Vorreiterrolle kam dabei dem Königreich Bayern zu, wo am 1. November 1849 mit dem „Schwarzen Einser“ das erste deutsche Postwertzeichen auf eine Wurfsendung geklebt wurde. Am entgegengesetzten Ende des mittlerweile vereinigten Landes, im norddeutsch-preußischen Wandsbek, nahm der gleichnamige Bote 75 Jahre später, am 6. November 1924, eben jenes Jubiläum zum Anlass, zu gratulieren und dieses wichtige Kapitel deutscher und internationaler Postgeschichte in groben Zügen nachzuzeichnen. Unser Post-Bote dabei ist Frank Riede.
Erschienen: 06.11.2024
Dauer: 00:08:41
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5. November 1924
Wie eng die Welt vor einhundert Jahren bereits zusammengerückt war, machen weltpolitische Großereignisse wie die Wahl des US-Präsidenten am 4. November 1924 schlagartig deutlich. Dank Kabeldienst und Drahtmeldung erreichten die kaum ausgezählten Ergebnisse aus Amerika trotz Zeitverschiebung bereits am Morgen des 5. November die Leserinnen und Leser des Hamburger Anzeigers im fernen Europa. Dass die Datenübertragung mit denkbar heißer Nadel gestrickt war, merkt man an allerlei Fehlern, die sich dabei natürlicherweise einschlichen. Dass der demokratische Präsidentschaftskandidat Davis hieß, der republikanische Vizekandidat Dawes, machte die Sache besonders tückisch und zwang uns bei der Einrichtung des Textes zu einigen Korrekturen. Die Information, dass nämlicher Davis die Wahlnacht gemeinsam mit dem dritten Bewerber, dem Senator Robert La Follette von der Progressiven Partei, in dessen Villa verbracht habe, haben wir indessen unangetastet gelassen, sei hier allerdings mit einem kleinen Fragezeichen versehen. Alles in allem scheint die seinerzeitige Wahl gesitteter vonstatten gegangen zu sein als dieser Tage. Dennoch hören wir von Rosa Leu auch damals schon von Diffamierungen im Wahlkampf, einem Suizidfall und tödlichem Tumult vor einem Wahllokal.
Erschienen: 05.11.2024
Dauer: 00:13:37
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4. November 1924
Herbstzeit ist Weinlesezeit, und bei Auf den Tag genau gilt das gewissermaßen sogar im doppelten Sinne des Wortes. Regelmäßig sind wir seit 2020 bzw. seit 1920 im Oktober/November in die Reben gegangen, und nach Rheingau oder Saale-Unstrut führt uns dieser Weg in diesem Jahr in Deutschlands in den Augen vieler Fachleute beste Weinregion, in die Pfalz. Forster Ungeheuer, Jesuitengarten, Kirchenstück – die Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 4.11.1924 listen etliche Lagen, die Weinliebhaberinnen und -liebhaber auch heute noch mit der Zunge schnalzen lassen, von den Zeitgenossen damals aber wohl gerne, erfahren wir, fälschlich am Rhein vermutet wurden. Schade, dass der Autor in den Wein dieses kenntnisreichen Artikels reichlich Wasser in Form derben anti-französischen Ressentiments gießt. Frank Riede schenkt uns dennoch davon ein.
Erschienen: 04.11.2024
Dauer: 00:08:11
3. November 1924
Das auch in den 1920er Jahren überraschend weit verbreitete Wissen ob der Endlichkeit der Ressourcen, insbesondere der fossilen Brennstoffe, motivierte die Welt der Erfinder und Ingenieure, nach Alternativen zu suchen. Während die Schifffahrt-Industrie darüber jubelte, um wie viel effizienter der Antrieb mit Erdöl gegenüber der Kohle ist, wurde emsig geforscht, ob es nicht Antriebsarten gäbe, die von fossilen Brennstoffen unabhängig wären. Der Erfinder Anton Flettner, der bereits unzählige Patente eingereicht hatte, baute 1924 das Testschiff „Buckau“, auf dem drehbare Segelzylinder angebracht waren, die mittels des Magnus-Effekts einen Vortrieb des Schiffes produzierten. Ein Verfahren, das natürlich weiterhin, wie bei Segelschiffen, nur bei Wind funktionierte. Die Altonaer Neuesten Nachrichten vom 3. November 1924 berichten ganz begeistert. Und tatsächlich ist es ein Verfahren, das auch heute noch weiter erforscht wird und als Teil von Hybridantrieben von Schiffen zum Einsatz kommt. Frank Riede „flettnert“ für uns mit.
Erschienen: 03.11.2024
Dauer: 00:07:38
Weitere Informationen zur Episode "Nachhaltiger Schiffsantrieb: Das Windkraftschiff"
2. November 1924
Der Liberalismus in Deutschland war bereits seit den Zeiten des Norddeutschen Bundes parteipolitisch gespalten und blieb dies auch in der Weimarer Republik. Während die Deutsche Volkspartei DVP als nationalliberale Vertretung des größeren Bürgertums galt, positionierte sich die Deutsche Demokratische Partei DDP eher linksliberal. Der alte einflussreiche Hamburgische Correspondent bekannte sich seinerzeit wiederum sehr klar zur DVP und unterstützte in den Debatten des Jahres 1924 unter anderem auch deren Kurs einer Öffnung der Berliner Regierungskoalition zu den Deutschnationalen. Entsprechend skeptisch beobachtete man den jüngsten Parteitag der dagegen opponierenden DDP. Wie der Correspondent den angeblichen Linkskurs der Demokraten kritisierte, weiß Rosa Leu.
Erschienen: 02.11.2024
Dauer: 00:07:59
Weitere Informationen zur Episode "Über den Parteitag der DDP"
1. November 1924
Waren wir gestern am Potsdamer Platz, um die innovative Ampelschaltung zu betrachten, so kehren wir heute in den Großraum Hamburg zurück, der auf dem Gebiet der Kommunikationsverschaltung Vorreiter war. Wir erfahren aus dem Hamburgischen Correspondenten vom 1. November 1924, dass in mehreren Gemeinden automatische Telefonschaltungen implementiert wurden. Was das Fräulein vom Amt durch das manuelle Umstöpseln erreichte, wurde nun mittels einer Wählscheibe auf die Apparate der Telefonierenden verschoben. Frank Riede führt uns in die Feinheiten dieser Kommunikationsrevolution ein.
Erschienen: 01.11.2024
Dauer: 00:09:03
Weitere Informationen zur Episode "Verbinde Dich selbst! Technische Revolution beim Telephonieren"
31. Oktober 1924
1924 galt als der verkehrsreichte Platz Europas nicht etwa der Place de l'Étoile in Paris oder der Trafalgar Square in London, sondern der Potsdamer Platz in Berlin. 26 Straßenbahnlinien, 5 Buslinien, ca. 20.000 Autos und immer noch zahlreiche Pferdefuhrwerke wollten den Platz überqueren. Kein Wunder, dass die zentrale den Straßenverkehr regelnde Innovation aus den USA zunächst hier erprobt wurde: die Ampelanlage. Im Dezember 1924 wurde der 8,5 Meter hohe und fünfseitige Turm, der eine reibungslose Lenkung der Verkehrsströme garantieren sollte, in Betrieb genommen. Grund genug für den Wandsbeker Boten in die Hauptstadt zu blicken und am 31. Oktober einen Zwischenstand vom Bau der Anlage zu liefern. Rosa Leu hat sich für uns an die Baustelle gewagt.
Erschienen: 31.10.2024
Dauer: 00:06:25