6. Januar 1924
Im Inflationsjahr 1923 war der Berliner Straßenbahnverkehr aus wirtschaftlichen Gründen zusammengebrochen. Zahlreiche Linien wurden stillgelegt und die wenigen Bahnen, die fuhren, waren in der Regel überfüllt. Wir, die wir viel mit dem Berliner Öffentlichen Nahverkehr fahren, reiben uns die Augen, da seit dem neuen Fahrplan vom 10. Dezember 2023 zahlreiche Buslinien im Takt verringert und manche ganz gestrichen wurden. Seitdem kommt es noch häufiger vor, dass überfüllte Busse nach 20minütigem Warten an einem ohne Anzuhalten vorbeifahren. Ob es uns beruhigen, amüsieren oder frustrieren soll, dass wir vieles davon im heutigen Artikel aus dem Berliner Lokal-Anzeiger vom 6. Januar 1924 wiederfinden…? Für die Verkehrsbilder springt jedenfalls für uns Frank Riede auf die überfüllte Straßenbahn auf, der nach wie vor für die verhinderte Paula Rosa Leu einspringt.
Erschienen: 06.01.2024
Dauer: 00:10:17
Weitere Informationen zur Episode "Überfüllte Straßenbahnen"
5. Januar 1924
1922 veröffentlichten amerikanische Songwriter den Foxtrottschlager “Yes! We Have No Bananas”, der weltweit Erfolge feierte. In ihm wird die Bananenknappheit in Amerika, aufgrund einer geringen Ernte in Brasilien, thematisiert mit der Aussage eines eingewanderten Gemüsehändlers, der positiv bejahend verkündet: Ja, wir haben keine Bananen. 1923 schrieb der österreichische Librettist und Schlagerdichter Fritz Löhner darauf einen deutschen Text, der davon abweichend die Launen einer Frau in den Vordergrund stellt, die von ihrem Verehrer Bananen fordert und sich mit nichts anderem zufrieden gibt. Diese deutsche Fassung war ein solcher Erfolg, dass der Liedtitel in den allgemeinen Sprachgebrauch überging, nahezu jedes Orchester eine Fassung des Liedes spielte und zahlreiche Interpret*innen sich an dem Lied versuchten. Der heutige Artikel aus dem 8-Uhr-Abendblatt vom 5. Januar 1924 beschäftigt sich mit diesem Phänomen und ist einer der seltenen Artikel, auf die wir stoßen, die sich mit, wir würden heute sagen, medialer Pop-Kultur beschäftigen. Frank Riede informiert uns über diesen Welthit.
Erschienen: 05.01.2024
Dauer: 00:06:52
4. Januar 1924
Nachdem es in Sachsen im Krisenjahr 1923 zu einer Regierungsbeteiligung der KPD gekommen war, wurden tatsächliche oder angebliche Aufstandspläne von links durch das Eingreifen der Reichswehr unterdrückt, die im Oktober 1923 einmarschierte und die Regierung entmachtete. Allerdings konnte sich innerhalb von Stunden eine rein durch die SPD gestellte Minderheitsregierung etablieren. Diese löste sich dann am 4. Januar 1924 auf und bildete eine Große Regierungskoalition unter Einbeziehung der bürgerlichen DDP und DVP unter der Führung von Max Heldt von der SPD. Der Vorwärts war natürlich einer der ersten, der schon am 4. Januar über die Ereignisse in Dresden berichtete. Frank Riede klärt uns auf, wie die Parteizeitung der SPD, das Verhalten der Sozialdemokraten begründete und sich von der KPD distanzierte.
Erschienen: 04.01.2024
Dauer: 00:06:22
Weitere Informationen zur Episode "Große Koalition in Sachsen"
3. Januar 1924
Winter in Berlin – das war in schneereicheren Zeiten durchaus ein Ereignis. Nachdem wir in den vergangenen Jahren mehrfach schon mit dem Podcast in den verschneiten Grunewald oder zum zugefrorenen Wannsee gereist sind, führt uns der Vorwärts vom 3. Januar 1924 heute in die vom Stadtzentrum aus entgegengesetzte Himmelsrichtung, nach Weißensee. Dort, erfahren wir, ging es vielleicht etwas weniger mondän zu als im reichen Westen, aber durchaus nicht weniger lustig. Dass die Höhenunterschiede in den märkischen Breiten eher zu vernachlässigen sind, hat der berlinischen Rodelbegeisterung damals offenbar keinen Abbruch getan. In Vertretung der nach wie vor aus familiären Gründen verhinderten Paula Rosa Leu stürzt sich Frank Riede für uns auf dem Schlitten in die Tiefe.
Erschienen: 03.01.2024
Dauer: 00:05:15
Weitere Informationen zur Episode "Winterliche Vergnügen am Weißensee"
2. Januar 1924
Alle Jahre wieder knallt es an Silvester, und das nicht nur im wörtlichen Sinne. Gewaltausbrüche, Verletzungen, Krankenhauseinlieferungen – auch die Bilanz des Jahreswechsels 1923/24 in Berlin konnte davon eine stattliche Zahl vorweisen. Und dennoch resümiert die Vossische Zeitung vom 2. Januar des neuen Jahres ein im Vergleich mit den Vorjahren relativ friedliches Silvesterfest. Und nicht nur dies: Nach den vielen Krisen der jüngeren Vergangenheit registrierte sie eine deutlich freudvollere Stimmung, in der man das neue Jahr begrüßte. Berlin, erfahren wir von Frank Riede, hatte seinen Optimismus wieder.
Erschienen: 02.01.2024
Dauer: 00:07:48
1. Januar 1924
Wie jedes Mal zum Neujahr bilanzierten auch 1923 die Zeitungen das vergangene Jahr und machten sich Gedanken über die kommenden 12 Monate. In der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 1. Januar 1924 fiel diese Aufgabe dem Journalisten Bruno Huettchen zu – allerdings nicht im Hinblick auf Deutschland, oder gar Europa: Er verfasste die Jahresbilanz für Berlin. Natürlich kam er dabei auch nicht ohne Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Lage aus, aber auch nicht ohne den aus heutiger Sicht zeitlosen Hinweis auf die notorische Unterfinanzierung der Kommunen. Da Paula Rosa Leu nach wie vor aus familiären Gründen nicht einlesen kann übernimmt an dieser Stelle Frank Riede. Wir wünschen Euch allen ein schönes Jahr 2024!
Erschienen: 01.01.2024
Dauer: 00:09:00
31. Dezember 1923
Nach nunmehr tatsächlich vier vollen Jahren Auf den Tag genau können wir auf einiger empirischer Basis resümieren: Kaum etwas vermochte uns während dieser Laufzeit so regelmäßig zu überraschen wie alte Festtagsartikel; denn wer glaubt, unsere Feiertagstraditionen folgten einem jahrhundertealten unveränderlichen Plan, der irrt gewaltig! Dass der historische Rückblick auf frühere Festlichkeiten lohnt, wussten indes auch schon die Kollegen Zeitungsmacher vor einhundert Jahren und blickten am 31. Dezember 1923 in der Berliner Volks-Zeitung ihrerseits gut einhundert Jahre zurück und machten sich und ihrem Publikum ein Bild davon, wie Johann Wolfgang von Goethe dereinst im Salon von Johanna Schopenhauer dereinst in Weimar die Jahreswechsel zelebriert haben mochte. Frank Riede und das gesamte Team von Auf den Tag genau wünschen Euch einen guten Rutsch!
Erschienen: 31.12.2023
Dauer: 00:08:37
30. Dezember 1923
Der 1891 in Berlin gebürtige Publizist Cheskel Zwi Klötzel hatte eine bewegte Vita. Nach Thoraschule, kaufmännischer Lehre, Lehrerausbildung und dreijährigem Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg führte ihn eine erste Anstellung als Deutschlehrer an eine jüdische Mädchenschule ins griechische Saloniki, bevor er, zurück in Berlin, begann, regelmäßig für die großen Tageszeitungen, aber auch für die Jüdische Rundschau, die Jugendzeitschrift Bar Kochba und mehrere populäre Kinderbücher zu schreiben. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 emigrierte er nach Palästina, wo er sich weiterhin publizistisch betätigte und von wo er u.a. für englischsprachige Zeitungen, wie auch für die deutsche Exilpresse als Korrespondent berichtete. Mitglied der zionistischen Organisation Hagana, erlebte er 1948 die Gründung des Staates Israel und starb 1951 in Jerusalem. All dies war in keiner Weise absehbar, als er 1923 Weihnachten im tief verschneiten deutschen Harz verbrachte, von denen er am 30. Dezember in der Berliner Volks-Zeitung lebhaft Zeugnis gibt. In Vertretung der nach wie vor aus familiären Gründen verhinderten Paula Rosa Leu ist Frank Riede für uns zum Brocken gereist.
Erschienen: 30.12.2023
Dauer: 00:09:49
Weitere Informationen zur Episode "Ski-Weihnachten auf dem Brocken"
29. Dezember 1923
Der Karpfen – wegen seiner vielen Gräten und des mitunter schlammigen Geschmacks ist er als Speisefisch hierzulande ein wenig aus der Mode gekommen. Dabei kann er auf eine lange Tradition als Festtagsmahl zurückblicken. Je nach Region gehörte er bald zu Weihnachten, zu Aschermittwoch oder, wie uns der Berliner Lokal-Anzeiger vom 29. Dezember 1923 eindrucksvoll vor Augen führt, zu einem standesgemäßen Silvestermenü. Über die Zubereitung und Darreichung verrät der Artikel relativ wenig, umso mehr dafür von der Karpfenzucht in Schlesien, dem aufwendigen Transport in die Hauptstadt Berlin und dem Weg vom Bottich des Fischhändlers in die Badewanne des Endverbrauchers. Und auch das mitunter brutale Ende des Karpfens wird uns Frank Riede nicht vorenthalten.
Erschienen: 29.12.2023
Dauer: 00:11:39
Weitere Informationen zur Episode "Aus dem Leben des Silvester-Karpfens"
28. Dezember 1923
Die von der Berliner Morgenpost als Korrespondentin in London beschäftigte Dora Edwards konnte sich offensichtlich, fern der Inflations- und sanktionsbedingten Krisen Deutschlands, die die Ausgabe 150 Milliarden Mark kosten ließen, einen gutbürgerlichen Lebenswandel leisten. Und so geht es in ihrem Bericht über Weihnachten in England vom 28.12. 1923 um den Speiseplan des Haushaltes, den Edward mit ihrer englischen Köchin aushandelte – aber natürlich auch über das schon vor 100 Jahren allgegenwärtige Vorurteil, dass das Kochen feiner Speisen und England nicht wirklich zusammengehen. Frank Riede, der Paula Rosa Leu, die aus familiären Gründen verhindert ist, vertritt, testet für uns nicht nur Yorkshire-Pudding und co., sondern erörtert auch die Fallstricke des Weihnachtsgeschenkkonsums.
Erschienen: 28.12.2023
Dauer: 00:10:51