3. Dezember 1925
Wirtschafts- und Regierungskrisen waren während der 1920er Jahre in vielen europäischen Ländern an der Tagesordnung. Unter Aleksandar Skrzyński nahm im November 1925 etwa bereits das dreizehnte Kabinett der sieben Jahre zuvor begründeten Zweiten Polnischen Republik seine Arbeit auf und sah sich neben vielen drängenden politischen Fragen mit Problemen einer galoppierenden Inflation konfrontiert. Für den Wandsbeker Boten, der sich am 3. Dezember der finanziellen Nöte im Nachbarland annahm, war die Hauptursache klar: ein überzogener Militärhaushalt, der die staatliche Handlungsfähigkeit in anderen Bereichen dramatisch einschränkte. Frank Riede liest für uns einen Text – von dem man wirklich nicht behaupten kann, dass die Geschichte ihm Recht gegeben hätte. Rosa Leu ist leider aktuell verhindert und wird erst ab dem 9.12. wieder lesen.
Erschienen: 03.12.2025
Dauer: 00:05:45
Weitere Informationen zur Episode "Die Zloty-Katastrophe in Polen"
2. Dezember 1925
Auf den Tag genau ist bekanntermaßen Spezialist für Zeitreisen in die Welt vor einhundert Jahren, aber gelegentlich bieten wir, wie regelmäßige Hörerinnen und Hörer wissen, auch Trips in noch ferne historische Epochen an. Das geschieht immer dann, wenn bereits unsere Fundstücke in die Vergangenheit schauen – so wie der Hamburgische Correspondent vom 2. Dezember 1925, der beim Gang über den aktuellen „Dom“, den Hamburger Weihnachtsmarkt, von nostalgischen Anwandlungen befallen wird. Dankenswerterweise bleibt er dabei aber nicht bei einem „Letztes Jahr war mehr Lametta“ stehen, sondern schaut in ungenannte Chroniken und entführt uns in tiefere geschichtliche Schichten des Hamburger Vorweihnachtstrubels, in denen sich manches, noch von heutigen Christmärkten Bekanntes auffindet, aber auch gänzlich in Vergessenheit geratene Bräuche und Gaben zum Vorschein kommen. Frank Riede hat für uns, nein, keinen Glühwein getrunken.
Erschienen: 02.12.2025
Dauer: 00:11:26
Weitere Informationen zur Episode "Ein Blick in die Geschichte Hamburger Weihnachtsmärkte"
1. Dezember 1925
Vor zwei Tagen haben wir an dieser Stelle von der Ratifizierung des Vertragswerkes von Locarno durch den deutschen Reichstag berichtet, heute können wir seine Unterzeichnung in London vermelden. Mit dem feierlichen Procedere hält sich der Kommentar aus dem Hamburger Anzeiger vom 1. Dezember 1925 indes nicht auf, sondern bekennt sich noch einmal sehr nüchtern und doch mit aller Verve zu den Vertragsinhalten. Der Autor ist sich sicher, eine historische Stunde erlebt zu haben, und will die abschließende Beurteilung doch nachfolgenden Historikergenerationen überlassen. Von dem traurigen Ende der Vereinbarungen von Locarno durch das Hitler-Regime, das 1936 einen im Vorjahr abgeschlossenen französisch-sowjetischen Beistandspakt zum Vorwand nahm, den Vertrag zu kündigen und ins entmilitarisierte Rheinland einzumarschieren, konnte er naturgemäß nichts ahnen. Es liest Frank Riede.
Erschienen: 01.12.2025
Dauer: 00:10:38
Weitere Informationen zur Episode "Das Vertragswerk von Locarno ist unterzeichnet"
30. November 1925
Zu den wenigen Längengraden, über den unser kleiner Podcast in den zurückliegenden bald sechs Jahren noch nicht geschippert ist, zählt ausgerechnet der 180., der, wie Eingeweihte wissen, heute, wie auch schon 1925, die Datumsgrenze markiert. Für Arnold Höllriegel, Autor für Auf den Tag genau fast seit der ersten Stunde, war es ebenfalls eine Premiere, als das Luxusschiff Aorangi, das er vermutlich in Vancouver bestiegen hatte und das damals, soeben in Dienst gestellt, als das schnellste Motorschiff der Welt galt, nach Zwischenhalt auf Hawaii Kurs auf die Fidschi-Inseln nahm – und er, also Höllriegel, mit Schrecken feststellen musste, dass ihm auf diesem Weg ein ganzer Tag ins Wasser fiel. Der 7. Oktober 1925 fand nicht statt, jedenfalls nicht für Arnold Höllriegel, der dafür den 30. November 1925 mit Hilfe der Altonaer Nachrichten um den folgenden Text bereicherte, den für uns Frank Riede liest.
Erschienen: 30.11.2025
Dauer: 00:10:23
Weitere Informationen zur Episode "Der 7. Oktober findet nicht statt!"
29. November 1925
Vorträgliche Glückwünsche zum Geburtstag gelten hierzulande mittlerweile als unüblich, in den 1920er Jahren war man diesbezüglich aber noch nicht so streng. Rainer Maria Rilke feierte seinen 50. erst am 4. Dezember 1925, die Hamburger Nachrichten gratulierten aber bereits am 29. November. Sein Laudator Hans Bethge war selbst Schriftsteller und vor allem für seine Nachdichtungen orientalischer Lyrik bekannt. Gustav Mahlers berühmtes Lied von der Erde geht auf Gedichte Bethges zurück, der, wie bekanntlich auch Rilke, teilweise im Worpsweder Künstlerkreis verkehrte. Dass er ein intimer Kenner von Rilkes Lyrik war, verrät sein Text allemal – obwohl man über die These, Rilke habe niemals ein Liebeslied gedichtet, gewiss trefflich streiten kann. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 29.11.2025
Dauer: 00:09:27
Weitere Informationen zur Episode "Rainer Maria Rilke zum fünfzigsten Geburtstag"
28. November 1925
Die Regierungskoalition war darüber zerbrochen, aber mit den Stimmen der nach dem Austritt der DNVP verbliebenen Koalitionäre von Zentrum, DVP, BVP und DDP sowie denen der oppositionellen SPD ratifizierte der deutsche Reichstag die Verträge von Locarno dennoch mit klarer Mehrheit. Der Hamburger Anzeiger widmete diesem Ereignis am 28. November 1925 weite Teile seiner Titelseite. Statt für den Sachbericht haben wir uns für den Kommentar entschieden, der sich – wenig überraschend bei der liberalen Ausrichtung dieser Zeitung – sehr erleichtert von dem Abstimmungsergebnis zeigt. Von Euphorie hält der mit C.P. zeichnende Autor sich fern, erläutert aber mit hanseatischer Sachlichkeit die Vorteile der neuen europäischen Friedensordnung gegenüber dem vorangegangenen Zustand. Dass sich Lob für den Reichstag mit vorsichtiger Kritik an Kanzler Luther mischt – das und noch mehr hören wir von Frank Riede.
Erschienen: 28.11.2025
Dauer: 00:08:51
Weitere Informationen zur Episode "Der Reichstag ratifiziert den Vertrag von Locarno"
27. November 1925
Auch im Jahre 1925 fand in Berlin an den Messehallen am Funkturm die Deutsche Automobilausstellung statt. Während der Fokus der Presse in der Regel auf den Personenkraftwagen lag, und dort besonders auf den erschwinglichen Kleinwägen, interessiert sich der Berichterstatter der Wilhelmsburger Zeitung für landwirtschaftliche Maschinen. Waren in den Großstädten die Pferde-Busse und Kutschen durch motorisierte Gefährte ersetzt, so stand eine Motorisierung der Landwirtschaft noch bevor. Was bot also die Ausstellung dem Landwirt, wenn er seine Zugpferde und -ochsen durch Nutzmaschinen ersetzten wollte? Und war das überhaupt erschwinglich? Antworten darauf gab es in der Ausgabe vom 27. November zu lesen. Die große Bedeutung dieser Leistungsschau der deutschen Auto-Industrie unterstrich auch schon 1925 die Anwesenheit wichtiger Politiker und des Präsidenten Hindenburg. Wer genau da war bei der Eröffnung und welche Nutzmaschinen es zu bestaunen gab, erfahren wir von Rosa Leu.
Erschienen: 27.11.2025
Dauer: 00:07:30
Weitere Informationen zur Episode "Das eiserne Pferd - Deutsche Automobilausstellung"
26. November 1925
10 Jahre nach der Hauptstadt Berlin, aber immerhin fast 60 Jahre vor einer weiteren bekannten deutschen Großstadt an der Isar eröffnete 1912 auf der Strecke Barmbek-Rathausmarkt die erste Hamburger Untergrundbahn. Erweiterungen des damit begonnenen Hamburger Hochbahnnetzes erfolgten schrittweise. 1915 war die geplante Ringbahn mit Zweiglinien nach Eimsbüttel, Ohlsdorf und Rothenburgsort komplettiert, bis 1918, also mitten während des Krieges, wurden mehrere weitere Streckenverlängerungen in Betrieb genommen. Nach einer außerplanmäßigen Unterbrechung des Baubetriebes während der Krisen- und Inflationsjahre wurden Mitte der 1920er Jahre wieder neue Pläne geschmiedet: Der Jungfernstieg sollte endlich auch ins Netz eingebunden und weitere Vorstädte angeschlossen werden. Es berichteten am 26. Novembern 1925 die Altonaer Nachrichten, es liest für uns Frank Riede.
Erschienen: 26.11.2025
Dauer: 00:07:30
Weitere Informationen zur Episode "Ein U-Bahnhof am Jungfernstieg"
25. November 1925
Während des Ersten Weltkriegs und noch lange danach war er Mangelware, jetzt Mitte der Zwanziger Jahre lag er endlich wieder in ausreichender Menge und Qualität vor: der Deutschen liebster Trunk aus der Kaffeebohne. Als Hafenstadt war Hamburg naturgemäß auch Standort wichtiger Röstereien, und eine davon, deren Namen man auch heute noch kennt, besichtigte der Hamburgische Correspondent am 25. November 1925. Bemerkenswert an dem Bericht erscheint nicht nur die Komplexität des Prozesses, sondern auch der hohe Grad an Technisierung, der damals bereits gegeben war, um die Bohne in die Tasse zu bringen. Die passionierte Kaffeetrinkerin Rosa Leu hat sich für uns umgesehen – und umgerochen.
Erschienen: 25.11.2025
Dauer: 00:10:35
Weitere Informationen zur Episode "Zu Besuch in einer Hamburger Kaffeerösterei"
24. November 1925
Die Branchen und Geschäftsideen, in denen bzw. durch die die Super-Reichen dieser Welt ihr Vermögen machen, mögen sich über die Zeit erheblich verändern – die Statussymbole, mit denen sie ihren bisweilen obszönen Reichtum zur Schau stellen, variieren historisch erstaunlich wenig. Auch schon die Vanderbilts, die als Reeder und Eisenbahnunternehmer zu einer der ersten Familien in den USA des Gilded Age im späten 19. Jahrhundert aufgestiegen waren, protzten mit palastartigen Domizilen an der neuenglischen Küste sowie mit gigantomanen Yachten, auf denen sie um die Welt schipperten. Die Neugier der Menschen war ihnen ebenso gewiss wie den Oligarchen unserer Tage, und auch seinerzeit fanden sich bereitwillig Pressevertreter, die sich für die Erlaubnis, einmal hinter die mondänen Kulissen zu blicken, mit ehrfurchtsvollen Homestories revanchierten. Die Harburger Anzeigen und Nachrichten waren dabei nicht einmal selbst an Bord der „Ara“, sondern stützten sich bei ihrem Ausflug in das Genre des Luxury Lifestyle Journalism vom 24. November 1925 auf die Eindrücke schwedischer Kollegen, die für uns wiederum Frank Riede reproduziert.
Erschienen: 24.11.2025
Dauer: 00:09:15