15. Februar 1924
Zu den Klassikern des deutschen Stummfilms zählt zweifelsfrei Fritz Langs „Nibelungen"-Zweiteiler, bei dessen Dreharbeiten wir mit unserem Podcast vor Monaten vorbeigeschaut haben. Natürlich gehört er zu den Filmen des Jahres 1924 auf Stummfilm-Magazin.de, wo ihr weitere Infos zum Film findet. Umso reizvoller erscheint es, den berühmten Kritiker Herbert Ihering zu Wort kommen zu lassen, der nach Besuch der Premiere einen Tag zuvor im Berliner Börsen-Courier vom 15. Februar einen Verriss des Films präsentierte. Frank Riede verrät uns also nun, warum sich für den ersten Teil der „Nibelungen“ mit dem Titel „Siegfried“ wirklich kein Kinobesuch lohnt.
Erschienen: 15.02.2024
Dauer: 00:06:12
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14. Februar 1924
Der teilweise Rückbau und Zusammenbruch des Berliner Öffentlichen Nahverkehrs im Krisenjahr 1923 hat bei den Berlinern offensichtlich einen tiefen Eindruck hinterlassen. So blicken wir heute zwar, wie immer, 100 Jahre zurück, stoßen aber in der BVZ vom 14. Februar 1924 auf einen Blick auf uns, auf das Jahr 2024, der etappenweise die Entwicklung des Nahverkehrs in die Zukunft extrapoliert. Berlin ist zu einem großflächigen Dorf geworden, dessen Durchquerung einer Weltreise ähnelt. Paula Rosa Leu hat sich in dieser parallelen Realität dennoch für uns mit auf den Weg gemacht.
Erschienen: 14.02.2024
Dauer: 00:09:59
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13. Februar 1924
Die Pfalz war über Jahrhunderte ein steter Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich; aufgrund ihrer vulnerablen topographischen Lage kam es in etlichen Kriegen linksrheinisch wie rechtsrheinisch immer wieder zu erheblichen Zerstörungen, als deren berühmtestes Symbol wohl das Heidelberger Schloss gelten kann. Auch die Auseinandersetzungen nach dem Ersten Weltkrieg gingen keineswegs spurlos an der Region vorbei. Separatisten kämpften zunächst nur um ihre Loslösung von Bayern, bald in Teilen sehr viel weiter gehend aber auch um eine Abspaltung vom Reich als autonomer Pufferstaat zwischen Deutschland und Frankreich – und die französische Besatzungsmacht, damit durchaus sympathisierend, ließ sie lange gewähren. Als sich Anfang 1924 eine leichte Entspannung zwischen Berlin und Paris andeutete, ging es mit der „Autonomen Pfalz“ indes sehr schnell zu Ende, und dieses Ende war einmal mehr ein sehr blutiges. Frank Riede berichtet für uns mit dem Berliner Börsen-Courier vom 13. Februar aus Pirmasens und Kaiserslautern.
Erschienen: 13.02.2024
Dauer: 00:07:26
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12. Februar 1924
Olympische Winterspiele hatte es in der Antike aus naheliegenden Gründen nicht gegeben, und mit diesem Argument stemmte sich auch der neuzeitliche Begründer der olympischen Idee Pierre de Coubertin lange gegen deren Einführung. Nachdem man zunächst einzelne winterliche Sportarten wie Eiskunstlauf in die Sommerspiele integrierte, entschloss man sich, 1924 die Sommerspiele von Paris durch eine vorausgehende Internationale Wintersportwoche in Chamonix in den französischen Alpen zu flankieren. Dass ihre Wettbewerbe 1926 nachträglich doch zu den ersten Olympischen Winterspielen der Geschichte heraufgestuft und sie später in den Annalen als vollwertige Olympioniken geführt werden sollten, konnten die an insgesamt 16 Wettkämpfen teilnehmenden 296 Sportler aus 16 Ländern nicht ahnen. Was man dort indes kaum findet, sind Namen von Frauen, die 1924 ausschließlich im Eiskunstlauf gegeneinander antreten durften. Deutsche – beiderlei Geschlechts – waren in Folge des Ersten Weltkriegs ohnehin weiterhin ausgeschlossen. In ihrer Ausgabe vom 12. Februar berichtete die B.Z. am Mittag dennoch von den Spielen aus Chamonix, und für uns tut dies Paula Rosa Leu.
Erschienen: 12.02.2024
Dauer: 00:06:59
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11. Februar 1924
Am 10. Februar 1924 wurde in Thüringen der 3. Landtag gewählt. Angetreten war der sog. Ordnungsbund, in dem sich bürgerliche und rechte Parteien zusammengetan hatten, um die Mehrheit im Lande jenseits der politischen Linken zu erlangen. Doch Landbund, Deutsche Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei, Vaterländische Verbände, Beamtenvertreter, Hausbesitzer, Wirtschaftler und Zentrum erreichten „nur“ 35 der 72 Sitze im Landtag, waren also auf die Unterstützung der noch rechteren, noch offener völkischen und antisemitischen Parteien angewiesen, die sich unter der Vereinigten völkischen Liste verbunden und 7 Sitze erreicht hatten. Die BVZ analysierte dieses Ergebnis, das den Völkischen einen Machtzuwachs sicherte, bereits am 11. Februar, noch bevor alle Wahlkreise ausgezählt waren. So kommt es dazu, dass die Zahlen, die uns Paula Rosa Leu näherbringt, noch vorläufig sind und wohl manchmal durcheinander gehen. So ist etwa die Wahlbeteiligung nicht bei 98 Prozent anzusetzen, sondern bei für heutige Verhältnisse dennoch imposanten 89 Prozent. An der politischen Analyse seitens der BVZ ändert dies aber wenig.
Erschienen: 11.02.2024
Dauer: 00:07:36
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10. Februar 1924
Der auch für diesen Podcast konstitutive Blick zurück in die Stadtgeschichte ist beileibe kein Privileg unserer Tage. Immer wieder in gut vier Jahren Auf den Tag genau sind wir auf Quellen gestoßen, die sich ihrerseits auch schon vor einhundert Jahren auf Spurensuche eines Berlins begaben, das es bereits damals nicht mehr gab. Als Charlottenburger Zeitung kümmerte sich die Neue Zeit diesbezüglich naturgemäß vor allem – so der Name einer kleinen Serie – um „Erinnerungen an Alt-Charlottenburg“ und ließ sich in der Folge vom 10. Februar 1924 in dessen äußerstes westliches Randgebiet verschlagen: nach Alt-Westend. Seinerzeit nicht zuletzt dank des seit 1908 bestehenden U-Bahn-Anschlusses längst im Begriff, sich zum mondänen Stadtviertel betuchter Großstädter zu entwickeln, entsinnt sich der Artikel der ganz anders gearteten, historisch freilich noch gar nicht so fernen Anfänge. Frank Riede geht mit uns auf doppelte Zeitreise.
Erschienen: 10.02.2024
Dauer: 00:08:25
Weitere Informationen zur Episode "Erinnerungen an Alt-Westend"
9. Februar 1924
Der sterbenskranke Lenin hatte die Machtambitionen von Josef Stalin wohl richtig eingeschätzt und in einem Brief, der als sein politisches Testament gilt, der Partei empfohlen, Stalin als Generalsekretär abzulösen. Doch da hatte Stalin längst seine Position im Parteiapparat so gefestigt, dass es nicht dazu kam. In den folgenden Jahren sollte er nach und nach seine Position ausbauen und allen Widerstand gegen seine Führungsrolle brutal brechen. So ließ er in mehreren Säuberungswellen jeden, der irgendwann, und sei es nur kurz, gegen ihn war, oder im Verdacht stand, gegen ihn zu sein, töten oder in Zwangsarbeitslager sperren. Nach Lenins Tod war die Lage für die ausländischen Betrachter unübersichtlich und selbst ein Kenner der Sowjetunion wie Georg Popoff, der 1925 ein Buch über die Tscheka veröffentlichte, lag mit seiner Einschätzung zur Nachfolge, die er am 9. Februar in der DAZ ausbreitete, daneben. Besonders verstellte ihm wohl die Einschätzung den Blick, dass die Sowjetunion nur von einem Russen, und nicht etwa von dem gebürtigen Georgier Stalin, geführt werden könne. Frank Riede präsentiert uns das Zentralkomitee der KPdSU im Februar 1924.
Erschienen: 09.02.2024
Dauer: 00:09:47
Weitere Informationen zur Episode "Wer tritt Lenins Nachfolge an?"
11. Februar 1924
Mit der Stabilisierung der Währung und damit der Verbesserung zumindest der inflationsbedingten Verarmung fand die Vossische Zeitung vom 8. Februar 1924 nun die Zeit und den Raum, sich einer anderen leidenden, unterdrückten und ausgebeuteten Bevölkerungsgruppe zuzuwenden: den Hundehalter*innen. Ein Walter Simon-Gusner echauffiert sich hier über den anhaltenden Leinen- und Maulkorbzwang in Berlin, den er deutlich von anderen Städten abhebt, die liberalere Verordnungen haben. Unseres Wissens gehört Paula Rosa Leu nicht zu den Hundehalterinnen in Berlin, so dass sie uns keinerlei Auskunft über den jetzigen Stand geben kann – über die anhaltende Hundesperre vor 100 Jahren schon.
Erschienen: 08.02.2024
Dauer: 00:07:40
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7. Februar 1924
Auch sie sind in vier Jahren ein Evergreen von Auf den Tag genau: Artikel, die von der Spree an die Donau schauen und Facetten des Lebensgefühls in Wien nach Berlin zu vermitteln versuchen. Für die Vossische Zeitung war es zumeist Karl Lahm, der diese Korrespondentendienste übernahm. Am 7. Februar 1924 widmete er sich ausnahmsweise keinen direkt politischen Fragen, berichtete nicht aus dem regen Wiener Musik- oder Theaterleben und entwickelte auch keine feuilletonistische Typenkomödie. Vielmehr geht es ihm hier um die Bauaktivitäten, die in der alten Metropole von Kakanien nach dessen Untergang aufgenommen wurden – und führt uns damit zu den äußersten Anfängen des bis heute berühmten kommunalen Gemeindebauwesens im Roten Wien. Angeschlossen auf seiner Tour hat sich für uns Frank Riede.
Erschienen: 07.02.2024
Dauer: 00:09:57
Weitere Informationen zur Episode "Mal wieder ein Blick nach Wien"
6. Februar 1924
Würde sich die Republik diesmal als wehrhaft erweisen oder ihr der in großen Teilen illoyale, weil aus der Kaiserzeit übernommene Justizapparat wieder in den Rücken fallen? Die Spannung vor dem Prozess gegen die Putschisten vom 9. November 1923 war groß, und die Presse brachte sich bereits Wochen vor dessen Auftakt in Position. Aus der zuverlässig republikanischen Berliner Volks-Zeitung vom 6. Februar 1924 erfahren wir, dass man in den rechten Blättern wohl vor allem versuchte, für die Person Ludendorffs Stimmung zu machen und nichts unversucht ließ, Einfluss auf das Gericht in seiner Angelegenheit, aber auch in der des bayerischen Generalstaatskommissars Gustav von Kahr und der des Landeskommandanten der Reichswehr in Bayern Otto von Lossow auszuüben. Letztere wurden tatsächlich beide nur als Zeugen geladen und Ludendorff als einziger Angeklagter schließlich freigesprochen – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Es liest Paula Rosa Leu.
Erschienen: 06.02.2024
Dauer: 00:05:50
Weitere Informationen zur Episode "Vor dem Prozess gegen die Putschisten vom 9. November 1923"