21. April 1923
Eine regelmäßige Kolumne der Berliner Volkszeitung – die damit auch schon das ein oder andere Mal bei Auf den Tag genau zu Gast war – hieß „Am Kurbelkasten“ und verband große mit kleinen Nachrichten zu einem einzigen Nachrichtenfluss. Natürlich war der Ausgangspunkt in der Ausgabe vom 21. April 1923 die Ruhrbesetzung, die mit einem Gordischen Knoten verglichen wird. Danach geht es aber über Hundesteuer, Richter in Berlin und der Lage in Italien bis hin zu Adolf Hitlers Treiben in München. Ein weiterer Beleg dafür, welche Präsenz er in der Berliner Tagespresse innerhalb kürzester Zeit erlangt hatte. Frank Riede dreht für uns am Krubelkasten.
Erschienen: 21.04.2023
Dauer: 00:10:12
Weitere Informationen zur Episode "Am Kurbelkasten im Frühling"
20. April 1923
Was um alles in der Welt würden eigentlich Fußballfunktionäre den lieben langen Tag tun, wenn es nicht so schön viele Regeln gäbe, an denen man immerfort herumfrickeln könnte? Beliebtestes Opfer dieses Zeitvertreibs war von jeher wohl die Abseitsregel, die gerade aktuell für die Saison 2023/24 wieder neu justiert wird – und deren Reform auch vor einhundert Jahren mal wieder anstand. Nachdem 1907 das Abseits in der eigenen Spielhälfte abgeschafft worden war, wurde nun die Ausdehnung dieser Fläche und damit die Einführung einer neuen 40 Yard-Linie diskutiert, die sich freilich nicht durchsetzen sollten. Auch den weiteren im Artikel aus der B.Z. am Mittag vom 20. April 1923 ventilierten Regelvorschlägen – einer Beschränkung der Freistoßmauerbildung sowie einer strikten Einschränkung der internationalen Wechselfreiheit von Fußballspielern – war zumindest langfristig kein Erfolg beschieden. Paula Rosa Leu macht uns dennoch auch mit diesen vertraut.
Erschienen: 20.04.2023
Dauer: 00:05:46
Weitere Informationen zur Episode "Wann ist im Fußball Abseits?"
19. April 1923
Nicht nur von Franz Kafka ist bekannt, dass er sich Anfang der 1920er Jahre bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Meran sehr wohlfühlte. Auch einer gewissen Mara Herberg, erfahren wir in der B.Z. am Mittag vom 19. April 1923, hat es der Frühling hier am Südhang der Öztaler Alpen, wo die Passer in die Etsch mündet, offensichtlich sehr angetan. Die spektakuläre Südtiroler Berglandschaft würdigt sie dabei in ihrem Reisebericht genauso wie das offensichtlich sehr vitale Gesellschaftsleben zu deren Füßen. Manche Despektierlichkeiten über die äußere Erscheinung der kurenden Herren und vor allem Damen würde man heute in einer Qualitätszeitung eher nicht mehr zu lesen bekommen. Für uns tut dies, dennoch, Frank Riede.
Erschienen: 19.04.2023
Dauer: 00:09:59
18. April 1923
Etwa 75 Kilometer südöstlich von Berlin fließt die Spree durch ein Niederungsgebiet, in dem sich der Flusslauf vielfach verzweigt, wodurch eine Moor- und Auenlandschaft entstanden ist, die heute ein Biosphärenreservat ist: der Spreewald. Mitten darin liegt die sorbische Stadt Lübbenau, die sich schon vor hundert Jahren kulinarisch durch die Sauren Gurken auszeichnete und an den Wochenenden zahlreiche Touristen aus Berlin und dem Ausland aufnahm, die sich auf Kähnen über die Wasserstraßen staken ließen. Unter diese mischte sich Bruno Manuel, um in der Berliner Volkszeitung vom 18. April 1923 darüber zu schreiben. Seine Kontrastierung zwischen Berlin und Lübbenau, aber auch zwischen Weinbauern und Gurkenbauern bringt uns Frank Riede näher.
Erschienen: 18.04.2023
Dauer: 00:08:23
Weitere Informationen zur Episode "Was Gurkenbauern von Winzern unterscheidet"
17. April 1923
Eine Bahnreise fand 1923 sozusagen in einem einzigen, riesigen Funkloch statt. War der wichtige Geschäftsmann bei einem bestimmten Dollarkurs in Berlin losgefahren, tappte er während der ganzen Fahrt im Dunkeln, wie sich der Kurs inzwischen entwickelt hatte. Den Reisenden fehlte also zu ihrem Reiseglück eine Möglichkeit des Telefonierens. Und genau dieses Problem wollte die Gesellschaft für Funkentelegraphie schleunigst beheben und führte Experimente durch, bei denen aus einem fahrenden Zug telefoniert werden konnte. Freilich spielte man dabei mit der Idee, Telefonkabinen einzurichten, um die Vertraulichkeit der Gespräche zu gewährleisten und die anderen Reisenden zu schonen. Eine Idee, die sicherlich auch heute noch Befürworter finden würde. Paula Rosa Leu kann uns zusammen mit dem 8-Uhr-Abendblatt vom 17. April 1923 berichten, ob die Experimente erfolgreich waren.
Erschienen: 17.04.2023
Dauer: 00:09:20
Weitere Informationen zur Episode "Telefonieren aus dem fahrenden Zug!"
16. April 1923
1923 war Tutanchamun in aller Munde. Wie an dieser Stelle zu hören war, erreichte das Berliner Publikum Anfang März die Nachricht von der Öffnung der reich bestückten Grabkammer. Anschließend verstarb überraschend der Finanzier der Ausgrabung Lord Carnavon und neben der sich ohnehin verbreitenden Ägypten-Faszination und Mode machte auch die Gruselgeschichte vom der Rache des Pharao die Runde. Wie jeder Hype, fand auch dieser seine Kritiker, die mit spitzer Feder das gesellschaftliche Phänomen sezierten. Für das 8-Uhr-Abendblatt tat dies am 16. April der Schriftsteller, Herausgeber und Journalist Kurt Pinthus. Uns lässt Frank Riede vor dem Fluch des Pharao erschauern.
Erschienen: 16.04.2023
Dauer: 00:10:19
15. April 1923
Claire Waldoff zählt zu den großen Ikonen des Berlin und insbesondere des queeren Berlin der 1920er Jahre. In den bisherigen Recherchen für diesen Podcast sind wir überraschenderweise lange Zeit nicht auf sie gestoßen, aber am 15. April 1923 kam sie in der Berliner Morgenpost sogar gleich selbst ausführlich zu Wort. Die Serie, in der das geschah, hieß „Neuberliner Humor“, und passend zum lokalkulturellen Framing belinerte die Waldoff hier, wie auch in ihren Programmen, so kräftig darauf los, dass man gar nicht glauben will, dass sie dereinst 1884 als Clara Wortmann in Gelsenkirchen das Licht der Welt erblickte. Eine auch gebürtige Berlinerin schlüpft hier in ihre Rolle: Paula Rosa Leu.
Erschienen: 15.04.2023
Dauer: 00:06:16
Weitere Informationen zur Episode "Claire Waldoff findet Berlin knorke!"
14. April 1923
Zu den Dingen, die sich im Laufe der letzten einhundert Jahre definitiv verbessert haben, zählt nachgewiesenermaßen die allgemeine Flugsicherheit. Was alle Statistiken dokumentieren, kann auch unser – selbstverständlich nicht repräsentativer, wiewohl täglicher – Blick in die Zeitungsarchive der frühen 1920er Jahre bestätigen: Obwohl seinerzeit weit weniger Flugzeuge unterwegs waren, lag die Zahl der Unfälle und leider auch die der Opfer im Bereich dieses damals noch jungen Mobilitätssektors ungleich höher. So ereignete sich denn auch im Frühjahr 1923, just bei der Inspektion des Tempelhofer Feldes hinsichtlich seiner Eignung für den Luftverkehr, ein abermaliger Absturz. Dem Ausbau Tempelhofs zum hauptstädtischen Zentralflughafen, das macht schon der Unfallbericht aus dem Berliner Lokal-Anzeiger vom 14. April deutlich, sollte diese neuerliche Havarie jedoch keinen Abbruch tun. Ganz unweit des heute bekanntlich wieder aufgelassenen alten Flughafengeländes hat für uns Paula Rosa Leu diesen Text eingelesen.
Erschienen: 14.04.2023
Dauer: 00:08:06
Weitere Informationen zur Episode "Havarie auf dem Tempelhofer Flugfeld"
13. April 1923
Die Präsidentschaft von Donald Trump lässt sich sicherlich sehr gewinnbringend im Hinblick auf die Rolle der Fake-News sowie der Massenmedien im Umgang mit diesen „alternativen Fakten“ analysieren. Es fing schon bei der ersten Pressekonferenz an mit der Größe der Menschenmenge bei seiner Inauguration. Wir, als Gesellschaften, müssen uns fortan fragen, wie mit Falschnachrichten umzugehen ist, wie wir es verhindern, dass Fake News so lange die Realität bearbeiten, bis sie als Fakten akzeptiert werden. Mit den KI-gestützten Bild- und Tongeneratoren kommt da auch noch einiges auf uns zu. Heute blicken wir aber ersteinmal zurück auf einen in dieser Hinsicht visionären Zeitungstext von Max Brod, der im Berliner Börsen-Courier vom 13. April 1923 veröffentlicht wurde. Frank Riede erzählt uns die Legende vom Zeitungsleser, der dem, was in der Zeitung steht, mehr glaubt als sich selbst.
Erschienen: 13.04.2023
Dauer: 00:12:31
Weitere Informationen zur Episode "Max Brod: Die Legende vom guten Zeitungsleser"
12. April 1923
Therese Rie, 1878 in Wien geboren, war Schriftstellerin, Journalistin und Musikkritikerin und veröffentlichte etwa ab dem Anfang des 20 Jahrhunderts Opern- und Theaterkritiken für die Vossische Zeitung und österreichische Zeitschriften. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahre 1908 begann sie auch verstärkt literarische Werke zu publizieren. Dabei signierte sie mit dem Pseudonym L. Andro. Dass sie weiterhin auch für das Feuilleton der Vossischen tätig war, zeigt uns die Ausgabe vom 12. April 1923, in der wir unter dem Titel „Naturgeschichten“ drei kleine Miniaturen von ihr lesen, bzw. diese Rosa Leu für uns liest. Therese Rie, die auch Werke französischer Autoren, u.a. von Romain Rolland, ins Deutsche übersetzte, verstarb 1934 in Wien.
Erschienen: 12.04.2023
Dauer: 00:05:52
Weitere Informationen zur Episode "Das geheime Leben des Schlüsselbundes"