Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Cordoba - die Stadt der Kalifen

17. Mai 1925

Hört man den Namen der andalusischen Stadt Cordoba, denkt man unvermeidlich an die Mezquita, große Moschee und mit ihren zahllosen, Bögen, Jochen und Schiffen, die die arabischen Herrscher dort seit dem 8. Jahrhundert errichteten. Auch der Autor des Hamburgischen Correspondenten vom 17. Mai 1925 verbringt weite Strecken seines Reiseberichts eben dort – und urteilt über den Versuch, diesen Sakralbau nach der christlichen Rückeroberung in eine Kirche zu verwandeln, deutlich gnädiger als viele Betrachter vor und nach ihm. Ansonsten erscheint ihm der orientalische Charakter der Stadt erstaunlich bewahrt – was von ihm eine zwiespältige Beurteilung erfährt und ihn in seiner Schilderung auch einige altwestliche Orientklischees aufwärmen lässt. Frank Riede ist dennoch für uns nach Südspanien mitgereist.

Erschienen: 17.05.2025
Dauer: 00:09:48

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Kleines Loblied auf das Faltboot

16. Mai 1925

Es gibt Erfindungen, die uns so selbstverständlich sind, dass wir kaum mehr ermessen können, welchen Gewinn an Lebensqualität sie bedeuteten, als sie tatsächlich neu waren. Das Faltboot ist so ein Fall. Einfach per pedes einen Ausflug zu machen und dann auf den Wasserweg zu wechseln, wurde erst möglich, als ein entsprechendes Patent 1907 bei Johann Klepper in Rosenheim in Serienproduktion ging. Zunächst eher in oberbayerischen Wildwassern gebräuchlich, war es bis 1925 auch in Norddeutschland populär geworden, weshalb ihm die Schiffbeker Zeitung vom 16. Mai eine kleine Ode sang. Für uns intoniert wird diese von Rosa Leu.

Erschienen: 16.05.2025
Dauer: 00:05:11

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Die Frau als Vorgesetzte

15. Mai 1925

Immer wieder kommen wir in unserer Artikelauswahl auf das Thema der Emanzipation und der Frauenrechte, wobei jedes Mal, selbst bei den fortschrittlichsten Texten, die Vorurteile und Klischees, die die patriarchalen Dominanz mit sich bringt, deutlich hervortreten. Nachdem letztens über das Taschengeld der Hausfrauen nachgedacht wurde, geht es in der Wilhelmsburger Zeitung vom 15. Mai 1925 um die „Frau als Vorgesetzte“. Dass Frauen in den verschiedensten Berufen arbeiten können ist hier also bereits Ausgangspunkt einer Diskussion darüber, ob sie auch Leitungspositionen übernehmen können. Beim Versuch, die Autorenschaft des Artikels, der mit Dr. S. Elbe gezeichnet ist, zu klären, ist Stephanie aus unserem erweiterten Team eventuell auf ein Pseudonym oder ein Plagiat gestoßen, denn sie hat einen in weiten Passagen wortgleichen Artikel im Mährischen Tagblatt vom 1. Dezember 1914 gefunden, den dort J. M. Merich gezeichnet hat, wohinter sich wohl der Sexualforscher Berthold Schidlof verbirgt….Wer mehr weiß, kann uns gerne schreiben. Rosa Leu liest für dieses Zeitdokument, das offensichtlich, da schon 1914 ähnlich formuliert, nicht den neuesten Stand der Debatte abbildet, oder auf einen geringen Fortschritt innerhalb der Debatte verweist.

Erschienen: 15.05.2025
Dauer: 00:08:31

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Ankunft der Buslinie auf dem Dorf

14. Mai 1925

Als ein schlagkräftiges Argument für die Notwendigkeit des individuellen Autobesitzes wird immer wieder die Situation der Landbevölkerung angeführt, die abgekoppelt vom Öffentlichen Fern- und Nahverkehr nur mit einem PKW mobil bleiben kann. Tatsächlich sieht die Lage für Menschen, die auf Bus und Bahn angewiesen sind, nach der Streichung von unzähligen unrentablen Zugstrecken und einem rudimentären Busverkehr wohl wirklich schlecht aus, so dass die Ankunft eines Busses auf dem Dorf einem Ereignis gleichkommt - wie es auch vor 100 Jahren der Fall war, als zum ersten Mal Landstriche um die urbanen Zentren herum mit Bussen angebunden wurden. In einer Miniatur schildert der Autor und Übersetzer Siegfried von Vegesack solch eine Ereignis aus der Sicht der in der Dorfschenke versammelten lokalen Bevölkerung für den Hamburgischen Correspondenten vom 14. Mai 1925. Der Autor war mit den ländlichen Regionen Bayerns vertraut, da er in den 20er Jahren in der Burgruine „Burg Weißenfels“ in der Nähe der Kreisstadt Regen lebte. Auf die Ankunft des Busses im Dorf wartet für uns Frank Riede.

Erschienen: 14.05.2025
Dauer: 00:06:29

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Schöne neue Weltwirtschaft

13. Mai 1925

Wenn vom nordwestlichen Londoner Stadtteil Wembley die Rede ist, denkt man unwillkürlich an große Fußballschlachten im gleichnamigen Stadion, doch entstammt unser heutiger Artikel über „Das Programm von Wembley“ überraschend nicht dem Sport-, sondern dem Wirtschaftsressort der Altonaer Neuesten Nachrichten vom 13. Mai 1925. Anlass war eine gigantische Kolonialausstellung, die British Empire Exhibition, in dem das Stadion umgebenden Park, auf die der Text freilich auch nur am Rande eingeht. In seinem Zentrum stehen vielmehr die großen Linien der Weltwirtschaftspolitik, wie sie am Rande dieser Veranstaltung ausgehandelt wurden. Der Autor entführt uns dabei in eine Welt bilateraler Verständigungen, in der die Großmächte sich mit Deals Vorteile zu verschaffen versuchen. Warum das insbesondere Deutschland nicht zum Vorteil gereiche, erläutert Frank Riede.

Erschienen: 13.05.2025
Dauer: 00:09:42

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Hindenburgs Einzug in Berlin

12. Mai 1925

Paul von Hindenburg war zum Präsidenten der Republik gewählt worden, aber bereits sein „Einzug“ in der Reichshauptstadt folgte eher einem monarchistischen Skript. Am Bahnhof Heerstraße im Charlottenburger Westend landete sein D-Zug aus Hannover an, von dort ging es weiter im Wagen über die von den preußischen Königen angelegte Paradestrecke Heerstraße - Charlottenburger Chaussee zum Brandenburger Tor und von dort zum Reichskanzlerpalais in die Wilhelmstraße, wo er zunächst als Gast des Regierungschefs begrüßt wurde. Eine Via triumphalis, über die jetzt ein Kriegsverlierer in Berlin einrückte, spottete die sozialdemokratische Alte Liebe aus dem damals hamburgischen Cuxhaven am 12. Mai 1925 und ließ auch sonst kein gutes Haar an der Veranstaltung. Was ihr alles sauer aufstieß, weiß Rosa Leu.

Erschienen: 12.05.2025
Dauer: 00:09:08

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Von der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Fernreise

11. Mai 1925

Eine Geschichte der Weltreise in Buchform aufzulegen, erscheint schon als beinahe hoffnungsloses, weil für dieses Medium überdimensioniertes Projekt, und doch versuchte das Pinneberger Tageblatt am 11. Mai 1925, ein solches Unterfangen in einem einzigen Zeitungsartikel unterzubringen. Rosa Leu wird uns dabei im Folgenden nicht nur durch die Expeditionen der Antike, des Mittelalter sowie der Frühen Neuzeit begleiten. Aus ihrem Munde erfahren wir auch, dass die Erde dank aller Revolutionen auf dem Gebiet der Verkehrstechnik auch schon den Zeitgenossen vor einhundert Jahren dramatisch zusammengeschrumpft erschien; obschon eine Umrundung des Planeten mit Flugzeugen seinerzeit noch ungefähr zwei Wochen in Anspruch nahm. Einzig die Tatsache, dass es sich beim Reisen trotz allem noch um ein elitäres Vergnügen weniger Betuchter handele, bedauert der Autor – der sich in seinen Spekulationen, dass dies schon bald anders werden könne, durchaus als Prophet erweist.

Erschienen: 11.05.2025
Dauer: 00:13:47

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Haager Weltgerichtshof

10. Mai 1925

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag, eingerichtet von den Vereinten Nationen im Jahre 1945 ist wohlbekannter Teil der regelbasierten Weltordnung, die aktuell von vielen Seiten angegriffen wird. Dass es ebenfalls in Den Haag eine Vorgängerinstitution gab, den Ständigen Internationalen Gerichtshof des Völkerbundes, ist schon weit weniger bekannt. Gegründet wurde er 1922 und verhandelte bis 1945 29 zwischenstaatliche Streitigkeiten – zunächst unter der Präsidentschaft des Niederländers Bernard Loder, der 1925 vom Schweizer Juristen Max Huber abgelöst wurde. Das Hambuger Echo hält in seiner Ausgabe vom 10. Mai 1925 Rückblick auf die ersten drei Jahre dieses Gerichtes und gibt uns einen Einblick in die konkreten Fälle, die begutachtet und verhandelt wurden. Frank Riede liest für uns diesen Artikel, der natürlich auch die Position der sozialdemokratischen Zeitung dazu enthält, wie sich Deutschland zu diesem Gericht positionieren sollte.

Erschienen: 10.05.2025
Dauer: 00:10:55

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Wider den Gaskrieg

9. Mai 1925

Der Erste Weltkrieg hatte viele schauerliche neue Waffengattungen hervorgebracht, und zu den grausamsten hierbei zählte zweifellos das Giftgas. Die Zahl der Soldaten, die zwischen 1914 und 1918 durch chemische Kampfstoffe starben, wird auf ungefähr 100.000 geschätzt, hinzu kamen über eine Million Verletzter. Ob die Kriegsparteien sich damals mit dem Einsatz von Chemiewaffen über geltendes Kriegsrecht hinwegsetzten, ist umstritten. Die Haager Landkriegsordnung von 1907, die alle beteiligten Staaten ratifiziert hatten, war in diesem Punkt unklar formuliert, weshalb man sich in den 1920er Jahren daran machte, neue Verträge aufzusetzen, die chemische Kampfstoffe unmissverständlich ächteten und einen weiteren Gaskrieg in Europa oder anderswo auf der Welt verhindern sollten. Die Wilhelmsburger Zeitung berichtete am 9. Mai 1925 von entsprechenden Verhandlungen in Genf mit Sympathie, aber auch mit Skepsis, was die Durchsetzung der zu treffenden Beschlüsse anging. Es liest Rosa Leu.

Erschienen: 09.05.2025
Dauer: 00:07:18

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Die Lage in Frankreich

8. Mai 1925

Während andere europäische Staaten im Frühjahr 1925 ihre Parlamente und Staatsoberhäupter bestimmten, schritt man in Frankreich zu Kommunalwahlen, und der absolvierte erste Wahlgang war dem Hamburger Anzeiger am 8. Mai eine Betrachtung der innenpolitischen Lage im Nachbarland wert. Überaus wohltuend unterscheidet sich die Analyse des Pariser Korrespondenten dabei von anderen deutschen Blicken über den Rhein. Im Unterschied zu Italien, Russland und, ja, auch Deutschland schätzt der Autor die Demokratie zwischen Kanal und Pyrenäen als gefestigt ein und hält die Französinnen und Franzosen für immun gegenüber Radikalismen jeglicher Art. Womit er, zumindest was das 20. Jahrhundert betrifft, ja auch ziemlich richtig liegen sollte. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 08.05.2025
Dauer: 00:08:15

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