Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Mahatma Gandhi freigelassen

5. Februar 1924

Im August 1920 rief Mahatma Gandhi die Kampagne der Nichtkooperation in Indien aus, die zu dem passiven Widerstand weiter Bevölkerungsteile gegenüber der britischen Kolonialmacht führte. Nachdem 1922 eine lokale Mobilisierungs-Kampagne, die friedlich und im Geiste Gandhis begonnen hatte, in Gewalt gegen britische Polizisten und zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften umschlug, wurde Gandhi verhaftet und zu 6 Jahren Haft verurteilt, zumal er vor Gericht die Schuld für die Gewalt auf sich genommen hatte. Offiziell wegen einer Blinddarmoperation wurde er aber 1924 vorzeitig freigelassen, um kurze Zeit später der Präsident des Indischen Nationalkongresses zu werden. Die Vossische blickt am 5. Februar 1924 auf die Lage in Indien, beschäftigt sich aber nicht nur mit Mahatma Gandhi, sondern auch mit den Herausforderungen, vor denen die neue britische Labour-Regierung stand. Für uns liest Frank Riede.

Erschienen: 05.02.2024
Dauer: 00:08:42

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Nachruf auf Woodrow Wilson

4. Februar 1924

Der Historiker und Demokrat Woodrow Wilson war von 1913 bis 1921 für zwei Amtszeiten Präsident der USA. Unter seiner Führung traten die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg ein und er saß nach dem Krieg mit am Verhandlungstisch, als es darum ging eine Nachkriegsordnung zu schaffen. Sein 14-Punkte Programm prägte die Debatten auch wesentlich und auf Wilsons Initiative hin wurde der als letzter Programmpunkt dieser Liste anvisierte Völkerbund begründet. Wilson war aber weder in der Lage, die Reparationsforderungen der Franzosen zu verringern, noch ein wirklich wirkmächtiges Weltparlament zu errichten, weshalb er auch in Deutschland der Nachkriegszeit teilweise zum Feindbild wurde. Zwar wurde er 1919 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, gerade seine außenpolitischen Projekte müssen aber als zu großen Teilen gescheitert angesehen werden, zumal die Stimmung in Amerika wieder in Richtung Isolationismus kippte und die USA selbst nicht dem Völkerbund beitrat. Wilson war nach einem Zusammenbruch und einem Schlaganfall im Herbst 1919 halbseitig gelähmt und konnte die Amtsgeschäfte kaum noch führen. Er starb am 3. Februar 1924. Wie der Vorwärts in seinem Nachruf vom 4. Februar die Leistungen von Wilson bewertete weiß Paula Rosa Leu.

Erschienen: 04.02.2024
Dauer: 00:10:40

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Mit der Transsibirischen Eisenbahn um die halbe Welt

3. Februar 1924

Eisenbahnartikel gehören zu den großen Konstanten in gut vier Jahren Auf den Tag genau. Mit ihnen haben wir den europäischen Kontinent in alle Himmelrichtungen durchkämmt, aber auch noch entlegenere Weltgegenden wie etwa Japan stilvoll bereist. Um uns den ultimativen Traum aller Zugromantiker zu erfüllen, mussten wir indes bis heute warten: eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ein ungenannt bleibender Autor der Deutschen Allgemeinen Zeitung schildert in deren Ausgabe vom 3. Februar 1924 detailliert die seinerzeitigen Herausforderungen einer solchen Tour um die halbe Welt in allen, auch bürokratischen Einzelheiten. Zugleich dokumentiert sein Text in einer Passage freilich auch, dass Globetrotting nicht notwendig vor rassistischen Weltsichten schützt und die DAZ auch im sechsten Jahr der Weimarer Republik weit rechts in deren Meinungsspektrum anzusiedeln blieb. Wegen des spektakulären Themas haben wir den Artikel dennoch Frank Riede für uns lesen lassen.

Erschienen: 03.02.2024
Dauer: 00:13:51

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Der Nebbich: Sternheim inszeniert Sternheim

2. Februar 1924

Immer wieder stoßen wir bei unseren Recherchen für Auf den Tag genau auf Theaterautoren und -stücke, die heutzutage eher nur noch dem Namen als ihren Inhalten nach bekannt sind. Auch die satirischen Dramen von Carl Sternheim zählen zu dieser Rubrik. Alle Jubeljahre wagt ein Theater mal wieder eine Wiederausgrabung. Wirklich ins Repertoire zurückgekehrt sind sie nach ihrer Verfemung durch die Nazis jedoch nicht. Für die letzte Berliner Inszenierung von Sternheims Nebbich muss man bis in die frühen 1990er Jahre zurückreisen, als man sich an einer Neubelebung in den Kammerspielen des Deutschen Theaters versuchte. Eben genau dorthin, aber natürlich noch ein paar Jahrzehnte weiter, nämlich gleich bis zur Uraufführung im Jahr 1924 nimmt uns Frank Riede mit, der der B.Z. am Mittag vom 2. Februar entnimmt, was dem Regisseur Sternheim damals zum Autor Sternheim eingefallen ist.

Erschienen: 02.02.2024
Dauer: 00:08:13

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Heinrich Mann: Gespräch mit Masaryk

1. Februar 1924

Die Verbindungen der Familie Mann zur Tschechoslowakei wurden erst vor nicht allzu langer Zeit gründlicher erforscht. So half etwa der Präsident der Tschechoslowakei Tomáš Garrigue Masaryk nach der Emigration Heinrich Manns aktiv und finanziell dabei, die Bibliothek und das Archiv aus der Münchener Wohnung ins Ausland zu schaffen. 1936 erhielten Thomas und Heinrich Mann die Tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. In den Abhandlungen zu den weit über diese zwei soeben genannten Tatsachen hinausreichenden Beziehungen der Manns zu dem Intellektuellen an der Spitze des jungen Staates, den viele Tschechen respektvoll als Papa Masaryk bezeichneten, steht immer geschrieben, dass Heinrich Mann, Masaryk 1924 kennen gelernt hatte. Und genau diese erste Begegnung schilderte er für die Vossische Zeitung vom 1. Februar 1924. Neben seinem Eindruck vom Präsidenten als Person beschreibt er auch die Gespräche über das Verhältnis von Deutschland zu Frankreich. Da Masaryk von Paris aus die Exilregierung der Tschechoslowakei während des Ersten Weltkriegs anführte, dort den unabhängigen Staat verhandelte und stets beste Beziehungen zu französischen Politikern pflegte, verwundert es nicht, dass seine Position sich deutlich abhebt von der in der deutschen Presse propagierten Sichtweise, der Hauptschuldige an der Ruhrbesetzung sei Poincaré. Paula Rosa Leu war zusammen mit Heinrich Mann zu Besuch auf dem Landsitz des tschechoslowakischen Präsidenten in Lány.

Erschienen: 01.02.2024
Dauer: 00:13:58

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Hugo von Hofmannsthal zum (1)50.

31. Januar 1924

Vorzeitige Glückwünsche zum Geburtstag gelten in unseren Breiten eigentlich als unschicklich. Weshalb Oskar Maurus Fontana dem großen Hugo von Hofmannsthal schon am 31. Januar im Berliner Börsen-Courier zu seinem fünfzigsten Ehrentag am 1. Februar 1924 gratulierte, bleibt ungeklärt. Dass er den Jubilar für einen der großen deutschsprachigen Literaten der Epoche hält, daran lässt er indes keinen Zweifel. Freilich teilt auch Fontana die Einschätzung Stefan Zweigs aus der Welt von gestern, dass der allergrößte Hofmannsthal der ganz junge gewesen sei. Hofmannsthals einhundertfünfzigsten Geburtstags gedenkt für uns, wegen des Formats von Auf den Tag genau notwendig ebenfalls zu früh, Frank Riede.

Erschienen: 31.01.2024
Dauer: 00:08:36

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Wucher und Volk und Braunschweiger Wurst

30. Januar 1924

Im heutigen Artikel aus der Berliner Volks-Zeitung vom 30. Januar 1924 geht es buchstäblich um die Wurst – aber auch darum, welchen Einfluss der Kampf um die Emotionen der Massen auf das Schicksal einzelner Menschengruppen hat. In Braunschweig wurde auf großen Druck der Bevölkerung hin ein Wuchergericht installiert, das die Gewinnler an der Inflation des Vorjahres bestrafen sollte. Gerade die Fleischer gerieten nun ins Visier dieses Gerichts, das ein paar hohe Strafen verhängte. Allerdings peitschten im Anschluss rechts-konservative Abgeordnete die Bevölkerung gegen die Urteile auf und die Stimmung begann umzuschlagen. Sollte der Staat diese lediglich rational, wirtschaftlich handelnden Unternehmer etwa willkürlich und übertrieben hart bestrafen? Paula Rosa Leu berichtet für uns von Wucher und Volk und Braunschweiger Wurst.

Erschienen: 30.01.2024
Dauer: 00:07:13

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Ein europäischer Blick nach Indien

29. Januar 1924

Dafür dass er mit seinen weit über zweihundert Millionen Einwohnern auch schon vor einhundert Jahren zu den größten Ländern der Erde zählte, kam der nach wie vor unter britischer Kolonialherrschaft stehende Subkontinent Indien in der Berliner Presse äußerst selten vor. Und wenn, mag man hinzufügen, waren die Meldungen kaum je vor Ort recherchiert. Das gilt auch für den Text des geschätzten Arnold Höllriegel, der im Berliner Tageblatt vom 29. Januar 1924 bezeichnenderweise von Wien aus über Indien berichtete. Nicht nur wimmelt es im Artikel von problematischen Termini für die unterschiedlichen hier betrachteten Bevölkerungsgruppen. Auch im Ton ist die Darstellung durchaus nicht frei von europäischer Herablassung, auch wenn die Sympathie des Autors letztlich wohl nicht den englischen Kolonialherren gehört. Um zu dokumentieren, welches Bild man sich seinerzeit hierzulande von Indien machen konnte, haben wir uns dennoch für eine Produktion des Textes entschieden und ihn zur Lektüre an Frank Riede übergeben.

Erschienen: 29.01.2024
Dauer: 00:09:21

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In der “historischen” Woche in London

28. Januar 1924

Aus der Wahl zum Britischen Unterhaus vom 6. Dezember 1923 gingen zwar die Tories unter Stanley Baldwin als stärkste Kraft hervor, verfehlten aber deutlich die Mehrheit, die sie sich versprochen hatten. Und so kam es zum ersten Mal in der Geschichte Englands zu einer Regierung unter der Führung der Arbeiterpartei, der Labour-Party. Ramsay MacDonald bildete im Januar 1924 eine Minderheitsregierung, die von den Liberalen toleriert wurde. Diese hatte allerdings auch nur bis zum November 1924 bestand. Die BZ am Mittag hatte ihren politischen Redakteur Gustaf Kauder nach London entsandt und der schickte einen launigen Bericht von der „historischen Woche“ nach Berlin, in der die Lords und Gentlemen aufatmen konnten, da die Ernennung eines Premierministers der Labour-Partei nicht zu einem Zusammenbruch der alten Sitten und Gebräuche des britischen Parlamentarismus führte. Für uns liest Frank Riede.

Erschienen: 28.01.2024
Dauer: 00:10:46

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Autorennen auf dem Wannsee

27. Januar 1924

Man kennt diese Erzählungen aus Sibirien oder aus dem Norden Kanadas: Zugefrorene Seen und Flüsse, die im Winter zu Straßen werden, auf deren meterdicken Eisdecken Autos weite Kilometer zurücklegen. Aber in Berlin, auf dem Wannsee – Kraftfahrzeuge? Wer es nicht glaubt, höre, was die B.Z. am Mittag am 27. Januar 1924 aus dem kalten Winter jenes Jahres zu vermelden hatte. Nicht als Transportweg wurde Berlins größte Havelbucht dabei freilich genutzt, sondern sogar, tatsächlich, ein Parcours für Automobilrennen auf dem Eis angelegt, auf dem Fahrzeuge verschiedenster Art und Klasse um die Wette ihre Runden drehten. Dass sich bei diesem waghalsigen Spektakel offensichtlich auch Schaulustige als Zuschauer mit aufs Eis begaben, macht das Szenario noch abenteuerlicher. Für uns hat sich Paula Rosa Leu auf den Wannsee gewagt.

Erschienen: 27.01.2024
Dauer: 00:05:53

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