Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Die drohende Überbevölkerung der Erde

24. Oktober 1925

Beim Verfassen dieser Anmoderation zeigte der „Weltbevölkerungszähler“ 8 Milliarden 252 Millionen 218 Tausend 576. Dass die Weltbevölkerung rasch wuchs und irgendwann an die Grenze stoßen könnte, die durch das Maximum der auf der Erde produzierbaren Nahrungsmittel gegeben sei, kalkulierte man schon vor 100 Jahren. Der Hamburger Anzeiger berichtete in seiner Ausgabe vom 24. Oktober 1925 über die Schätzungen von George Handley Knibbs, einem Mathematiker aus Australien, der zur Mathematical Theory of Population publiziert hatte. Rosa Leu weiß, wie weit von der aktuellen Weltbevölkerung seine damalige Prognose lag.

Erschienen: 24.10.2025
Dauer: 00:05:25

Weitere Informationen zur Episode "Die drohende Überbevölkerung der Erde"


“Anja und Esther” - Ein Skandal mit Klaus und Erika Mann, Pamela Wedekind sowie Gustaf Gründgens

23. Oktober 1925

Allenfalls noch neben dem Doktor Faustus seines Vaters gilt Klaus Manns Exil-Werk Mephisto aus dem Jahr 1936 als der berühmteste Schlüsselroman deutscher Sprache. Hinter der Hauptfigur des opportunistischen Theaterintendanten Hendrik Höfgen glaubte man allenthalben den den Nazis treu ergebenen Staatsschauspieler Gustaf Gründgens zu erkennen, welcher sich an seinem ehemaligen Schwager Klaus Mann fünf Jahre später mit dem wenig schmeichelhaften Filmporträt Friedemann Bach über den mittelmäßig begabten Sohn eines Jahrhundertkünstlers revanchierte. Die Verbindung der beiden Widersacher reicht freilich zurück bis in die 1920er Jahre, als Klaus Mann an den Hamburger Kammerspielen seinen dramatischen Erstling Anja und Esther zur Aufführung brachte, in dem neben Gründgens und ihm auch seine Schwester Erika, Gründgens‘ spätere Ehefrau, sowie Frank Wedekinds Tochter Pamela auf der Bühne standen. Warum das Stück seinerzeit erheblichen Skandal machte, deutet die Rezension aus den Altonaer Nachrichten vom 23. Oktober 1925 – die den damals noch weithin unbekannten Gründgens zwischen all den prominenten Namen um ihn herum nur kurz nennt – zumindest an. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 23.10.2025
Dauer: 00:09:08

Weitere Informationen zur Episode "“Anja und Esther” - Ein Skandal mit Klaus und Erika Mann, Pamela Wedekind sowie Gustaf Gründgens"


Hanseatische Grüße nach Wien - Johann Strauß zum 100. Geburtstag

22. Oktober 1925

Obwohl sich der Geburtstag von Walzerkönig Johann Strauß Sohn erst am 25. Oktober zum 200. Mal jährt, feiert Wien dieses Jubiläum heuer bereits seit dem Neujahrskonzert am 1. Januar. Auch vor einhundert Jahren mochten offensichtlich nicht alle mit ihren Gratulationen bis zum Stichtag warten. Die Schiffbeker Zeitung etwa würdigte den Jubilar bereits drei Tage vorab, am 22. Oktober, und ob Strauß die Elogen, die ihm da gewunden wurden, so recht gewesen wären, sei einmal dahingestellt. Vielleicht konnte die Musikpublizistik damals einfach nicht anders, aber das höchste Lob, zu dem sich der Artikel emporschwingt, sind Parallelen zwischen der Fledermaus und des ‘größten deutschen Meisters‘ Richard Wagners Meistersingern von Nürnberg, welche hier allen Ernstes gezogen werden. Naja. Auch das Bashing der zeitgenössischen amerikanischen Unterhaltungsmusik im Namen von Johann Strauß, wirkt aus dem historischen Rückblick eher befremdlich, verrät aber viel über den zeitgenössischen Diskurs, in den uns Rosa Leu entführt.

Erschienen: 22.10.2025
Dauer: 00:06:20

Weitere Informationen zur Episode "Hanseatische Grüße nach Wien - Johann Strauß zum 100. Geburtstag"


Russland an der Seite Chinas gegen Europa

21. Oktober 1925

Die Staaten Europas im harten Ringen um Kompromisse, die den Kontinent stabilisieren sollten; Russland als lauernder Beobachter, im Schulterschluss mit China, weitere Bündnisse gen Asien knüpfend – dieses Bild der aktuellen politischen Lage zeichnet der Hamburgische Correspondent in seiner Ausgabe vom 21. Oktober 1925. Der Kontext ist einmal mehr die zurückliegende Konferenz von Locarno, die man im Kreml mit Argusaugen verfolgte, weil man durch sie die nach Rapallo zurückreichenden Spezialbeziehungen der Sowjetmacht mit dem bis dato in Europa isolierten Deutschland tangiert sehen mochte. Warum der Moskauer Korrespondent des Hamburgischen Correspondenten die Nachfolger Lenins dennoch in einer relativ komfortablen strategischen Position glaubte, weiß Frank Riede.

Erschienen: 21.10.2025
Dauer: 00:10:12

Weitere Informationen zur Episode "Russland an der Seite Chinas gegen Europa"


Die Berliner Philharmoniker zu Gast in Hamburg

20. Oktober 1925

Seit beinahe anderthalb Jahrhunderten, nämlich seit 1882, besteht das Berliner Philharmonische Orchester und bald ebenso lang wird es als einer der besten Klangkörper weit und breit gefeiert. Auch in den 1920er Jahren und auch in Hamburg, wo die „Berliner“ damals regelmäßig gastierten, tat man dies, wie wir einer euphorischen, nur mit „M“ gezeichneten Kritik der Altonaer Nachrichten vom 20. Oktober 1925 entnehmen. Etwas befremdlich an ihr muten allenfalls die drastischen Worte an, mit denen die Leistung von Chefdirigent Wilhelm Furtwängler hier genieästhetisch überhöht wird. Der Conventgarten, von dem hier die Rede und der nicht mit Covent Garden in London zu verwechseln ist, befand sich übrigens in Hamburg-Neustadt, an der Stelle des heutigen Springer-Hochhauses. 1853 als Musikpavillon errichtet, wurde er mehrfach ausgebaut, bevor er 1943 bei einem Luftangriff im Zuge der sogenannten Operation Gomorrha zerstört wurde. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 20.10.2025
Dauer: 00:06:18

Weitere Informationen zur Episode "Die Berliner Philharmoniker zu Gast in Hamburg"


Pferd, Salonwagen, Flugzeug: Wenn Staatsoberhäupter reisen

19. Oktober 1925

Präsidenten und Minister, die in vornehmen Salonwagen per Eisenbahn zu Regierungskonsultationen reisen – dieses Konzept hat zuletzt im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine eine unerwartete Renaissance erlebt. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war diese Art der Fortbewegung selbstredend der Normalfall bei Staatsbesuchen, der freilich wiederum auch erst relativ spät in der Geschichte Pferd, Sänfte und Kutsche abgelöst hatte. Daran erinnert uns das Pinneberger Tageblatt vom 19. Oktober 1925 genauso, wie es auch einen Blick in die Zukunft wirft, die unsere Gegenwart ist und in der vornehmlich das Flugzeug Politiker durch die Welt befördert. Dass diese Zukunft damals bereits angefangen hatte, erfahren wir von Rosa Leu.

Erschienen: 19.10.2025
Dauer: 00:10:47

Weitere Informationen zur Episode "Pferd, Salonwagen, Flugzeug: Wenn Staatsoberhäupter reisen"


Der Meinungsstreit über Locarno beginnt

18. Oktober 1925

Die Konferenz von Locarno endete mit einem Schlussprotokoll, in dem die Einigungen festgehalten waren, die anschließend von den Parlamenten der einzelnen Staaten bestätigt werden mussten, bevor sie endgültig unterzeichnet werden konnten. Der Kern des sich abzeichnenden Abkommens war die langfristige Festlegung und Garantie der Westgrenzen Deutschlands, wie sie im Versailler Vertrag definiert waren. Dass die Weimarer Republik auf eine diplomatische oder gewaltsame Revision dieser Grenzziehung verzichtete, führte bei den politischen Rändern zu Protesten. Und da ja die DNVP Teil der Regierung Luther war, zeichnete sich eine Regierungskrise ab. Der Hamburgische Correspondent versammelt am 18. Oktober die Reaktionen der Presse und der Parteien auf die Nachrichten aus Locarno. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 18.10.2025
Dauer: 00:08:53

Weitere Informationen zur Episode "Der Meinungsstreit über Locarno beginnt"


Das Ende der Verhandlungen in Locarno

17. Oktober 1925

Nach 12 Verhandlungstagen zeichnete sich ein Ende der Konferenz in Locarno ab und die Zeitungen zoomten, wenn man so will, wieder von den kleinen Geschichten, Erkenntnissen und Gerüchten zum Großen und Ganzen zurück und begannen zu resümieren. Die Wilhelmsburger Zeitung tat dies unter dem Titel „Einfach und Ehrlich“, einem Zitat des britischen Premiers Baldwin zu einem deutschen Memorandum im Vorfeld der Konferenz. Der Leitartikler warnt vor voreiligen Schlüssen und Bewertungen, vor zu viel Pessimismus oder Optimismus, da die Ergebnisse der Konferenz ja auch noch nicht wirklich kommuniziert worden waren, vermutet aber auch, dass in der Reichsregierung nicht alle glücklich über den Verlauf der Verhandlungen sein würden. Doch dazu morgen mehr. Den Wissenstand der Wilhelmsburger vom 17. Oktober 1925 liest für uns Rosa Leu.

Erschienen: 17.10.2025
Dauer: 00:08:35

Weitere Informationen zur Episode "Das Ende der Verhandlungen in Locarno"


Der Umgang der USA mit “illegalen” Einwanderern

16. Oktober 1925

Über den aktuellen Umgang der Vereinigten Staaten von Amerika mit sogenannten illegalen Einwanderern ist alles gesagt. Land of the Free, entnehmen wir den Hamburger Nachrichten vom 16. Oktober 1925, waren die USA indes auch schon vor einhundert Jahren längst nicht mehr für alle, die es an ihre Gestade geschafft hatten. Wer ohne gültige Papiere ankam, musste zwar nicht fürchten, in einem brutalen Abschiebeknast in einem Drittland zu landen; die Freiheitsstatue sahen er oder sie jedoch zumeist nur von Ferne, bevor sie wieder zurück in den Ausgangshafen geschifft wurden. Dass viele es offenbar trotzdem versuchten und dabei ähnlich hohe Risiken eingingen wie jene, die sich heute auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer machen, beschreibt der Autor Gerd-Rudolf Bachmann in einem Text, der nichts für sensible Gemüter ist und den für uns Frank Riede liest.

Erschienen: 16.10.2025
Dauer: 00:09:16

Weitere Informationen zur Episode "Der Umgang der USA mit “illegalen” Einwanderern"


Eine Reise nach Triest

15. Oktober 1925

Trotz populärer Krimireihen – die Stadt Triest gilt selbst unter Italienkennern heutzutage fast noch als Geheimtipp. Vor einhundert Jahren war das interessanterweise ganz anders. Immer wieder sind wir in den vergangenen Jahren bei unseren Recherchen auf Reiseberichte aus dieser ehemals österreichischen, jetzt nordostitalienischen Ecke gestoßen und haben sie bisweilen auch zur Anhörung gebracht, der heutige Text aus dem Hamburger Anzeiger vom 15. Oktober 1925 fügt sich also in eine längere, bis weit in Berliner Zeiten zurückreichende Reihe. Er besticht durch präzise Beschreibung, irritiert aber auch durch einige, für den liberalen Anzeiger eher untypische nationale Stereotypen. Das Wort hat Rosa Leu.

Erschienen: 15.10.2025
Dauer: 00:10:58

Weitere Informationen zur Episode "Eine Reise nach Triest"


Podcast "Auf den Tag genau"
Merken
QR-Code