Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Hamburgs Sorge vor der “Einpreußung”

7. Januar 1925

Was machen, wenn sich Großstädte über ihre politischen Grenzen hinaus ausdehnen? In Berlin hatte man diese Problematik 1920 mit dem nicht in allen neuen Stadtteilen beliebten Groß-Berlin-Gesetz beantwortet, das die Hauptstadt – und ihr Steueraufkommen – um ein Vielfaches wachsen ließ. In und um Hamburg lag die Sache noch diffiziler, weil hier nicht nur unterschiedliche Kommunen aufeinandertrafen, sondern ein eigenes deutsches Land, Hamburg, von preußischem Territorium umgeben war. Während man sich in dessen Hauptstadt Berlin mit allerlei administrativen Tricks dagegen wappnete, Harburg, Altona oder Wandsbek womöglich an Hamburg zu verlieren, hegte man in der Hansestadt die Sorge, dass es die Preußen als Gegenleistung für eine solche Verschmelzung auf den Hamburger Status als Bundesstaat abgesehen hatten. Die Details entnimmt Frank Riede für uns dem Hamburger Anzeiger vom 7. Januar 1925.

Erschienen: 07.01.2025
Dauer: 00:06:37

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Bahnbrechende Erfindungen 1924

6. Januar 1925

Was waren die bedeutendsten technischen Innovationen des Jahre 1924? Dieser Frage ging im Hamburger Anzeiger vom 6. Januar der für diesen Podcast regelmäßig beitragende Wissenschaftsvermittler Ernst Trebesius nach. Seine Bilanz fällt positiv aus. 1924 war ein großes Jahr der Technik. Unseren regelmäßigen Hörer*innen werden viele der erwähnten Highlights bereits aus den Folgen des vergangenen Jahres bekannt sein. Natürlich darf in diesem Rückblick auch der Hinweis auf die Unterdrückung Deutschlands durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages nicht fehlen, die den Forscherdrang aber nicht aufhalten konnten, welcher sich im Luftschiff, das über den Ozean flog, materialisierte. Was es neben Fernsehern, Autos und Rotorschiffen in diesen Jahresrückblick schaffte, weiß Rosa Leu.

Erschienen: 06.01.2025
Dauer: 00:08:51

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Windstille bei der Regierungsbildung

5. Januar 1925

Wie zu Berliner Zeiten sind wir bei Auf den Tag genau auch in den letzten hanseatischen Monaten bekennend großzügig beim Zuschnitt unseres Textcorpus verfahren: Obwohl weder Wandsbek, noch Harburg, noch Altona in den 1920er Jahren zu Hamburg gehörten, finden sich auch dort erschienene Blätter regelmäßig unter unseren „Hamburger Zeitungsnachrichten aus der Welt vor einhundert Jahren“. Heute gehen wir erstmals den umgekehrten Weg und präsentieren einen Presseartikel aus Cuxhaven, das mittlerweile bekanntlich in Niedersachsen liegt, seinerzeit, d.h. noch bis 1937 aber (ähnlich wie Geesthacht oder Bergedorf) als eigenständige Stadt im Hamburger Staatsgebiet firmierte. Die Zeitung Alte Liebe war benannt nach einem gleichnamigen Schiffsanleger und Wellenbrecher im Hafen von Cuxhaven. Entsprechend nautisch fällt auch die Metaphorik aus, mit der man am 5. Januar 1925 auf die eher schleichenden Fortschritte bei der Bildung einer neuen Reichsregierung blickte. Die spiegelglatte See im politischen Berlin betrachtet für uns Frank Riede.

Erschienen: 05.01.2025
Dauer: 00:06:48

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Stummfilmstars im Portrait: Dagover, Negri, Moja und Jannings

4. Januar 1925

Das Schauspieler*innen gern auf einen bestimmten Typus festgelegt werden und Gefahr laufen, immer wieder ein und dieselbe Person zu spielen, ist nichts Neues. Und so finden wir im Hamburgischen Correspondenten vom 4. Januar einen Artikel des Autors Herbert Wando, der sich den Filmphysiognomien der Stummfilmstars der 1920er Jahre zuwendet. Neben den noch heute bekannten Lil Dagover und Pola Negri wird auch Hella Moja beschrieben. Geboren in Königsberg gab sie im Jahre 1892 ihr Schauspieldebut 1913 am Berliner Lessingtheater. Ab 1914 spielte sie auch regelmäßig in Stummfilmen und brachte es vor Allem in melodramatischen Rollen als Gräfin oder Burgfräulein zu enormer Bekanntheit nach dem Ersten Weltkrieg. Ab ca. 1925 galt ihr theatralischer Spielstil als veraltet und sie verlegte sich auf das Verfassen von Drehbüchern und das Produzieren von Filmen. Sie starb an eine Lungenentzündung im Jahr 1937. Einziger Mann in der Runde ist Emil Jannings – und es markiert deutlich den strukturellen Machismus, der in diesem Artikel zum Vorschein kommt, dass gerade er nicht nur auf eine Rolle festgelegt wird, sondern dass bei ihm die Wandelbarkeit hervorgehoben wird. Ganz wunderbar und wandelbar liest für uns Rosa Leu.

Erschienen: 04.01.2025
Dauer: 00:08:42

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Seid zurückgegrüßt, Ihr Kollegen Zeitreisenden!

3. Januar 1925

Unseren Podcast Auf den Tag genau mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Welt vor einhundert Jahren gibt es entgegen anders lautender Gerüchte selbst noch nicht ganz einhundert Jahre. Wohl aber stoßen wir bei unseren Recherchen immer mal wieder auf Vorläufer unseres Projektes, die ähnlich wie wir auch schon vor einhundert Jahren einhundert Jahre zurückblickten. Der Hamburger Anzeiger vom 3. Januar 1925 tat dies sogar genau wie wir, indem er die Zeitungen von vor damals einhundert Jahren sichtete. Und als wäre ein solcher Fund nicht schon magic moment genug, folgt auch noch ein Gruß in die Zukunft, der direkt an uns adressiert scheint. Heißt es doch in der Anmoderation der historischen Trouvaillen: „Wer weiß, vielleicht fällt in hundert Jahren abermals ein Blick eines zartgesinnten Skribenten auf diese bescheidenen Blätter (…)! Wohl uns, dessen Werk so hinübergerettet wird in fernste Zeiten!“ Mission accomplished, Kollegen! Die zartgesinnten Skribenten grüßen Euch zurück, in Person von Frank Riede.

Erschienen: 03.01.2025
Dauer: 00:08:52

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Quo vadis, Amerika?

2. Januar 1925

Quo vadis, Amerika? Diese Frage war vielleicht noch nie so aktuell wie heute, aber auch vor einhundert Jahren wurde sie schon gestellt. Bis zum Ersten Weltkrieg war es ein Grundpfeiler der US-Außenpolitik gewesen, sich aus europäischen Konflikten herauszuhalten. Präsident Wilson hatte durch seine Parteinahme für die Entente mit diesem Prinzip gebrochen, aber auch acht Jahre nach Kriegseintritt und mehr als sechs Jahre nach Kriegsende hatten die Institutionen in Washington nicht geklärt, ob das ein einmaliger Sonderfall gewesen sein sollte oder die USA ihre Interessen auf dem alten Kontinent zukünftig offensiver vertreten wollten. Dabei bestanden, wenn man der Wilhelmsburger Zeitung vom 2. Januar 1925 Glauben schenken darf, nicht nur konkurrierende Ansichten zwischen Präsident und Kongress, sondern auch Diskrepanzen zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Rosa Leu klärt uns auf.

Erschienen: 02.01.2025
Dauer: 00:07:26

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Architekt Fritz Höger über das Chilehaus

1. Januar 1925

Seit 1924 ziert das sogenannte Chilehaus das Hamburger Kontorhausviertel, seit 2015 gehört es mit diesem und der Hamburger Speicherstadt zum elitären Kreis des UNESCO-Weltkulturerbes. Seinen Architekten Fritz Höger hätte diese Ehrung wohl kaum überrascht. In einem Gastbeitrag für den Hamburgischen Correspondenten vom 1. Januar 1925 zeigt er sich jedenfalls schwer beeindruckt von seinem eigenen, eben fertiggestellten Werk und preist es in den höchsten Tönen. Der Stilbegriff „Backsteinexpressionismus“, mit dem man das Chilehaus und Högers Baukunst allgemein heute gerne charakterisiert, fällt in der wortreichen Beschreibung noch nicht. Dafür vergleicht Höger seinen Bau mit fast allen Weltwundern der Architekturgeschichte und endet mit seiner Panegyrik in eigener Sache auf einem durchaus schrillen patriotischen Ton. Das vermag wiederum nicht wirklich zu überraschen. Fritz Höger sympathisierte früh mit völkischen Gedanken und trat bereits 1932 in die NSDAP ein – wo er als in Weimarer Zeit höchst gefragter avantgardistischer Architekt allerdings auf wenig Gegenliebe stieß und ab 1933 kaum mehr große Aufträge erhielt. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 01.01.2025
Dauer: 00:22:11

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Silvesterrutsch ins Heilige Jahr

31. Dezember 1924

Na, wenn das keine Silvesterüberraschung ist: Da übersiedeln wir mit unserem Podcast im Jahr 24 in die protestantisch-liberale Hansestadt Hamburg, und dann beschließen wir selbiges mit einem Besuch beim Papst in Rom! Aber keine Sorge, wir begehren dort keine Vergebung unserer unkatholischen Sünden und geloben auch keine Buße für die Zukunft, sondern besuchen das Zeremoniell, mit der die Ewige Stadt ins Heilige Jahr 1925 startete, wie es der Hamburger Anzeiger vom 31. Dezember 1924, durchaus beeindruckt von soviel Pracht und Glanz, seinem nordischen Publikum vermittelte. Da man auch in katholischen Kreisen bekanntlich nicht frei von zahlenmystischen Anwandlungen ist und Anni santi im 25jährigen Zyklus, d.h. also auch wieder 2025 eines begeht, lässt sich an diesem Bericht, den für uns Frank Riede lesen wird, wunderbar vergleichen, ob sich am Ritual der Öffnung der Heiligen Pforte in hundert Jahren irgendwas geändert hat. Auf den Tag genau wünscht allen Hörerinnen und Hörern einen guten Rutsch!

Erschienen: 31.12.2024
Dauer: 00:13:59

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Island und seine erstaunliche Entwicklung

30. Dezember 1924

Aus dem Rest des Kontinents blickt man nicht selten bewundernd nach Nordeuropa. Trotz Randlage und teils widriger klimatischer Voraussetzungen sind die vergleichsweise kleinen skandinavischen Länder fast durchgängig führend bei Wirtschafts- und Sozialdaten, in puncto Bildung und Lebensqualität. Dass Ansätze zu dieser Entwicklung bereits Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die entlegensten nordischen Regionen zu beobachten waren, entnehmen wir einem Bericht aus dem Hamburgischen Correspondenten vom 30. Dezember 1924 über das seit 1918 souveräne, wenngleich immer noch mit Dänemark in Realunion verbundene Island. Voller Begeisterung schildert der Bericht die enorme Entwicklung der noch vor zwei Generationen wilden und rückständigen Vulkaninsel am Polarkreis, die sich vor genau fünfzig Jahren 1874 ihre erste Verfassung gegeben hatte. Wir hören von Straßen und Banken, Bibliotheken und sogar einer Universität, die seither entstanden. Unsere Reiseleiterin ist Rosa Leu.

Erschienen: 30.12.2024
Dauer: 00:07:43

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Thüringen torpediert das Bauhaus

29. Dezember 1924

Man kann den Einfluss des Bauhauses, der Kunstschule, die Walter Gropius 1919 in Weimar begründet hatte, auf Architektur, Design und diverse Avantgarden gar nicht unterschätzen. Dass die innovative Institution, die die Grenzen zwischen Handwerk und „hoher“ Kunst einriss und neue Formen des kollaborativen Studiums und der Lehre erprobte, von großer Wichtigkeit war, war schon so manchem Zeitgenossen bewusst. Die neue Landesregierung in Thüringen, angeführt von der DVP, jedenfalls wusste das Bauhaus nicht zu schätzen und bemühte sich darum, es abzuwickeln, unter anderem, indem die Mittel um 50 Prozent gestrichen wurden. Und auch als private Finanziers die Lücke schließen wollten, torpedierte sie diese Bemühungen. Sofort bewarben sich andere Städte, um das Bauhaus aufzunehmen, unter anderem Köln mit dem damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Den Zuschlag sollte dann 1925 bekanntlich Dessau bekommen. In den Zeitungen finden wir Ende des Jahres 1924 wenige Erwähnungen dieses Prozesses, lediglich im Hamburger Echo vom 29.12. einen Zwischenbericht zu den Verhandlungen zwischen Bauhaus und Thüringen. Frank Riede liest für uns den Bericht über radikale Kürzungen bei etablierten Kulturinstitutionen.

Erschienen: 29.12.2024
Dauer: 00:05:53

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