31. Mai 1923
Die jung verstorbene preußische Königin Luise, gebürtig aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz, Ehefrau von Friedrich Wilhelm III. und als solche u.a. Mutter des späteren Kaisers Wilhelms I., wurde bereits zu Lebzeiten auf in der preußischen Geschichte einzigartige Weise verehrt und nach ihrem Tod geradezu mythisch verklärt. Anno 1923 lag ihr Ableben schon weit mehr als ein Jahrhundert zurück, dennoch wirkt der sogenannte ‘Luisenkult‘ auch noch in dem kleinen, leicht-frühsommerlichen Text nach, den Marie von Bunsen für das Berliner Tageblatt vom 31. Mai auf einem Ausflug nach Schloss Paretz verfasst hat. Eher als schlichtes Landhaus denn als prunkvolle Residenz von Friedrich Wilhelm in Auftrag gegeben, wurde dieses von ihm nach dem Tod Luises 1810 kaum mehr aufgesucht und von seinen Nachkommen in Angedenken an die Eltern in keiner Weise verändert, so dass der Trip ins beschauliche Havelland, vor einhundert Jahren wie heute, in mancherlei Hinsicht eine Zeitreise darstellte. Angetreten wird sie für uns von Paula Rosa Leu.
Erschienen: 31.05.2023
Dauer: 00:06:20
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30. Mai 1923
Die Begeisterung Hitlers für die Oper und insbesondere für das Werk Richard Wagners ist allseits bekannt. Auch wurde bereits oft festgestellt, wie sehr Hitler seine Auftritte inszenierte und dabei auch seine Erfahrungen aus den Opernhäusern einflossen. Wurde jedoch schon 1923 dieser Aspekt des „Theatralen“ von den Journalisten, die die Veranstaltungen der NSDAP in Bierkellern und Brauhäusern besuchten, beobachtet? Erkannten sie, wie mit den Erwartungshaltungen des Publikums gespielt wurde und wie diese in die Inszenierung integriert wurden? Mit unserem heutigen Artikel aus dem 12-Uhr-Blatt vom 30. Mai, der einen Korrespondentenbericht eines Wiener Journalisten abdruckt, können wir diese Fragen mit „Ja“ beantworten. Er betrachtet einen Abend im Hofbrauhaus vor der Folie einer Theateraufführung – kommt aber zu einer verharmlosenden Erkenntnis, wenn es darum geht, was für ein Genre denn eigentlich gespielt wird. In den wörtlichen Zitaten aus Hitlers Rede finden sich rassistische Beleidigungen, die wir dem Text getreu wiedergeben, uns aber von diesen, wie auch der Verfasser des Artikels selbst und Frank Riede, der diesen für uns liest, schärfstens distanzieren.
Erschienen: 30.05.2023
Dauer: 00:10:48
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29. Mai 1923
Wie tiefgreifend sich unser Essverhalten im Laufe der letzten beiden Generationen verändert und namentlich das Restaurantangebot internationalisiert hat, wird schlagend deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass das angeblich älteste italienische Restaurant Berlins, das Portofino auf der Kantstraße, gerade einmal seit dem Jahr 1964 besteht. Ob die 1920er Jahren im Bereich Pizza und Pasta bereits Vorgängereinrichtungen kannten, entzieht sich bis auf weiteres unserer Kenntnis. Was wir hingegen mit einem Artikel aus der B.Z. am Mittag vom 29. Mai 1923 definitiv belegen können, ist die Existenz eines japanischen Restaurants in der Neuen Winterfeldtstraße in Schöneberg! Sich dem Vernehmen nach eher an Expats richtend und entsprechend hinter einer grauen Berliner Fassade versteckend, fand Autor Christian Bouchholtz dennoch hin und erlebte eine faszinierende kulinarische und kulturelle Weltreise. Für uns auf großer gastro-historischer Tour: Frank Riede.
Erschienen: 29.05.2023
Dauer: 00:12:59
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28. Mai 1923
Tombstone. Westernmythos. Das “shoot-out” am OK Coral vom Oktober 1881, bei dem in 30 Sekunden 30 Schüsse fielen, produzierte eine Menge Wunden. Der Arzt George Goodfellow behandelte diese und es fiel ihm auf, dass Seiden-Taschentücher und -Halstücher nicht von den Kugeln penetriert wurden. Aus einer ähnlichen Erkenntnis heraus produzierte der polnische Immigrant in den USA Casimir Zeglen in Chicago eine Schutzweste aus Seidenfasern und schuf damit den Vorläufer unserer heutigen kugelsicheren Westen, die nun auch Langwaffenmunition abhält. Irgendwo dazwischen steht die Anschaffung der ersten Panzerwesten durch die Berliner Kriminalpolizei im Jahre 1923, von der der Vorwärts am 28. Mai berichtet. Paula Rosa Leu führt uns ein in die neuesten technischen Entwicklungen bei der Polizei.
Erschienen: 28.05.2023
Dauer: 00:05:34
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27. Mai 1923
Eine der wohl zeitlosen Regeln des Film- und man muss wohl auch sagen: des Fernsehbetriebes besteht darin, dass finanziell Erfolgreiches so lange wie nur möglich reproduziert und kopiert wird wie es nur geht. Es ist diese Regel, die Formate rund um die Welt wandern lässt und uns die gefühlt 1000ste Comic-Superheldenverfilmung aus Hollywood beschert. Der Autor des heutigen Artikels aus der Berliner Börsen-Zeitung vom 27. Mai 1923, der Regisseur Paul Ludwig Stein nennt diese Regel „Leithammel-Motiv“ und macht sich über sie lustig. Frank Riede liest.
Erschienen: 27.05.2023
Dauer: 00:06:11
26. Mai 1923
Der Tourismus zählt längst zu den wichtigsten Einnahmequellen Berlins, und gerade hier an der Spree sind es nicht in erster Linie die klassischen Bildungsreisenden, die in die Stadt strömen. Entsprechend diversifiziert haben sich mittlerweile auch die Angebote an Guided Tours, die nicht länger nur Paläste, Kirchen und Museen im Sortiment haben, sondern die Fremden wahlweise auch die gruseligen oder verruchten Seiten der Großstadt näherzubringen verheißen. Dass auch diese Programme, mal wieder, keine ganz neue Erfindung sind, entnehmen wir der B.Z. am Mittag vom 26. Mai 1923, in der Egon Jacobsohn der Versuchung nachgibt, sich durch das ‘dunkle Berlin‘ führen zu lassen. Um am Ende, so will es scheinen, statt dem Laster zu frönen freilich doch nur in eine klassische Touristenfalle getappt zu sein. . Immerhin, eine Heizdecke hat er sich nicht aufschwatzen lassen. Begleitet hat ihn bei diesem Nepp Paula Rosa Leu.
Erschienen: 26.05.2023
Dauer: 00:11:37
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25. Mai 1923
Die russische Invasion in die Ukraine hat uns schlagartig die ganze Komplexität der Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen aufgezeigt. Ganz offen liegt die Frage zutage, wie wir es beim Rohstoffhandel mit autoritären Regimes handhaben wollen. Bilder vom sich in Katar verbeugenden Robert Habeck machen die Runde. In den 70ern soll Bundeskanzler Helmut Schmidt, als die Gasimporte aus Russland verdoppelt wurden, den US-Präsidenten Carter mit der Aussage schockiert haben: „Wer Handel miteinander treibt, schießt nicht aufeinander.” Und schon von hundert Jahren stellte sich die Frage: Soll Deutschland sich von Russland mit Erdöl beliefern lassen? Thematisiert finden wir dies im Berliner Börsen-Courier vom 25. Mai 1923. Der Autor spricht sich hier für den Einkauf russischer Rohstoffe aus, Frank Riede liefert für uns seine Argumentation.
Erschienen: 25.05.2023
Dauer: 00:09:23
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24. Mai 1923
Wenn die Menschen in Deutschland 1923 in die eigene Zukunft blicken wollten, schauten sie vermehrt nach Amerika, dem Land der Wolkenkratzer, Ford-Werke, des Fortschritts. Selbst in der Volksbildung brillierten in den Augen vieler die Vereinigten Staaten. So wurden die öffentlichen Bibliotheken der großen Städte für ihren Umfang und die Geschwindigkeit der Bereitstellung von Büchern gelobt. Nun erhob aber ein gewisser Dr. J. L. in der Vossischen Zeitung vom 24. Mai Einspruch gegen das „Schlechtmachen“ der eigenen Institutionen – und führte die Berliner Stadtbibliothek ins Feld. Trotz Ihrer Beschränkungen durch Inflation und Wirtschaftskrise könne sie sich sehen lassen. Paula Rosa Leu liest für uns das Lob von Berlins Bücherschrank, mit dem wir auch einen Gruß an die Zentral- und Landesbibliothek Berlin senden, mit der wir im Herbst 2022 über Monate eine sehr schöne Kooperation hatten.
Erschienen: 24.05.2023
Dauer: 00:12:13
23. Mai 1923
In Zeiten, da die zivile Luftfahrt eher noch ein Pionierprojekt darstellte, war die Schifffahrt die einzige Möglichkeit, auch in die entlegensten Weltgegenden zu reisen. Zu den deutschen Passagierschiffen, denen diesbezüglich keine geographischen Grenzen gesetzt waren, zählte, wie wir im Berliner Tageblatt vom 23. Mai 1923 erfahren, die 1914 in Hamburg vom Stapel gelaufene Cap Polonio. Das zurückliegende Winterhalbjahr hatte sie an der Südspitze Südamerikas verbracht und mehrfach eine Passage von Buenos Aires über Kap Hoorn auf die chilenische Pazifikseite bedient. Jetzt war sie wieder zurück in Hamburg und mit ihr der Reisebericht von Elise von Hopffgarten. Die Cap Polonio befuhr übrigens nur bis 1935 die Weltmeere; dann wurde sie auf der Lloyd Werft im heutigen Bremerhaven abgewrackt. Wer ihren seinerzeit berühmten Erste-Klasse-Speisesaal heute noch sehen (und auch dort essen möchte), kann indes nordwestlich von Hamburg nach Pinneberg fahren, wohin jener einst mit 65 Wagenladungen hin verfrachtet und im „Hotel Cap Polonio“ wieder eingebaut wurde. Frank Riede hat ihn für uns noch am Originalort besichtigt.
Erschienen: 23.05.2023
Dauer: 00:09:44
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22. Mai 1923
Wer regelmäßig Auf den Tag genau hört, weiß: Reiseartikel waren in den Tageszeitungen der 1920er Jahre und sind deshalb auch hier im Podcast schwer en vogue. Ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft zog es die privilegierten Autorinnen und Autoren dabei genauso in ferne, dem Normalsterblichen damals weithin unzugängliche Weltgegenden, wie sie natürlich auch aus allen Ecken der deutschen Landen berichteten, wobei diese verschiedenen Ecken es, wenig überraschend, sehr unterschiedlich häufig in die Berliner Presse schafften: Das brandenburgische Umland war naturgemäß ähnlich ‘überrepräsentiert‘ wie auch die nahe Ostseeküste. Ähnlich regelmäßig stößt man auf Ausflüge ins Riesengebirge sowie vor allem in die bayerischen Alpen, und auch einige Nordseeinseln und die prominenten deutschen Kurbäder erfreuten sich anhaltender Popularität bei den Hauptstadtjournalist*innen. Ungleich weniger Beachtung erfuhr dagegen der von Berlin aus ziemlich ferne Südwesten des Landes, weshalb wir nicht widerstehen konnten, heute mit Max Krell und dem Berliner Tageblatt vom 22. Mai 1923 an den Bodensee zu reisen. Unsere Guide dabei ist Paula Rosa Leu.
Erschienen: 22.05.2023
Dauer: 00:06:53
Weitere Informationen zur Episode "Ein Ausflug an den Bodensee"