17. Januar 1925
Wo geht man in Berlin hin, wenn man auf einer einzigen Veranstaltung einen ehemaligen deutschen Bundeskanzler, einen ehemaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden und Spitzenvertreter weit links und sehr weit rechts stehender politischer Parteien treffen möchte? – Empfänge in der Russischen Botschaft Unter den Linden schaffen es bekanntlich auch noch heute gelegentlich in die Tagespresse. Ganz so prominent besetzt wie bei besagter Feier zum „Tag des Sieges“ im Mai 2023 war die Gästeliste im Januar 1925 beim „Bierabend der Presse“ am nämlichen Ort zwar nicht. Was ein, so die Selbstauskunft, „rechtsstehender Berliner Journalist“ dort erlebte und wen er dort traf und nicht traf, ist jedoch gleichfalls mindestens bemerkenswert. Seinen Bericht in der Wilhelmsburger Zeitung vom 17.1. haben wir deshalb Frank Riede anvertraut.
Erschienen: 17.01.2025
Dauer: 00:07:26
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16. Januar 1925
Manchmal reiben wir uns die Augen bei dem Blick in die Zeitungen, auf denen in der rechten oberen Ecke 1925 gedruckt steht. So finden wir im Hamburger Echo vom 16. Januar einen Bericht über eine „Randstaaten“-Konferenz in Helsingfors (also Helsinki), auf der die baltischen Staaten und Finnland und wohl auch Vertreter Polens gemeinsam ein infrastrukturelles und militärisches Verteidigungsbündnis gegen mögliche Angriffe aus Russland diskutierten. Es galt die Verwundbarkeit zu verringern und sich auch gemeinsam gegen, heute würde man sagen, hybridere Kriegsformen, wie etwa eine von Moskau gesteuerte Zersetzung der Staaten von innen heraus, zu wappnen. Rosa Leu berichtet für uns von den gescheiterten Vorläufern der Konferenz von 1925, und den Ergebnissen von Helsingfors.
Erschienen: 16.01.2025
Dauer: 00:06:46
15. Januar 1925
„Politiker ohne Partei“ nannte Hans Luther seine 1960, zwei Jahre vor seinem Tod, erschienenen Memoiren, und tatsächlich war Luther als solcher in den Jahren der Weimarer Republik ein wesentlicher Faktor auf der großen politischen Bühne. Als Oberbürgermeister von Essen, als Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft sowie als für die erfolgreiche Einführung der Rentenmark verantwortlicher Reichsfinanzminister hatte er bereits amtiert, bevor ihn sein Weg Anfang 1925, als Chef einer Regierung aus Zentrum, DVP, DDP, BVP und DNVP, sogar ins Reichskanzleramt führte. Die Akzeptanz seiner Person reichte offensichtlich noch über diesen Parteibogen hinaus, weshalb ihm die Wilhelmsburger Zeitung auch diesen Karrieresprung zutraute. Ein kurzes Porträt des designierten neuen Regierungschefs in der Ausgabe vom 15. Januar zeichnet für uns Frank Riede.
Erschienen: 15.01.2025
Dauer: 00:07:13
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14. Januar 1925
Harvestehuder THC, Uhlenhorster HC, Club an der Alster und Klipper – die dominierenden Hamburger Hockeyclubs, entnehmen wir dem Hamburger Anzeiger vom 14. Januar 1925, hörten schon vor einhundert Jahren auf dieselben Namen wie heute. Und damals wie heute, erfahren wir weiter, erfreute sich das Hockeyspiel in der Hansestadt großer Beliebtheit. Davon dass es von Anfang an nicht zuletzt die besser gebildeten Stände waren, die mit dem Schäferstock dem Ball nachjagden, künden mehrere Doktortitel, die die im Artikel genannten Spielernamen zieren. Dennoch macht sich der Autor einige Sorgen, dass rauere Umgangsformen aus dem Fußballspiel nach dem Hockey überschwappen könnten. Obwohl Hockey als eine der wenigen Ballsportarten seinerzeit auch schon von Frauen praktiziert wurde, berichtet der Text darüber leider nichts. Weiblich ist nur die Stimme, die ihn für uns liest, es ist die von Rosa Leu.
Erschienen: 14.01.2025
Dauer: 00:08:33
13. Januar 1925
Ein Verbrechen geschieht, der Täter ist per Auto auf der Flucht, doch ein Polizeiwagen hat die Verfolgung aufgenommen. Als der Täter die Stadt verlässt und auf die Landstraße einbiegt, hält der Polizeiwagen am Landgasthof, lässt sich vom Amt mit der Polizeizentrale verbinden und gibt durch, bis wohin sie den Verbrecher verfolgt hat. Wohin dieser inzwischen gefahren ist, kann man nicht mehr so genau sagen… So stellte sich die Situation Anfang der 1920er dar, doch Abhilfe war auf dem Weg: Funkverbindungen, die den Polizeiwagen während der Fahrt mit der Polizeizentrale kommunizieren ließen! Der Hamburgische Correspondent vom 13. Januar 1925 ist ganz begeistert und berichtet von diesen Detektiven der Zukunft. Für diese Folge hat sich Frank Riede mit der Auf den Tag genau-Zentrale verbunden.
Erschienen: 13.01.2025
Dauer: 00:07:41
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12. Januar 1925
Kleiner Mann – was nun?, Jeder stirbt für sich allein, Der Trinker – Hans Fallada zählt zu den großen Bestseller-Autoren der deutschen Literaturgeschichte und schöpfte dabei in seinem Werk aus einem äußerst bewegten, an Exzessen und Abstürzen reichen eigenen Leben. Seine jahrzehntelange Alkohol- und Morphiumsucht führte ihn nicht nur in zahlreiche Heil-. sondern verschiedentlich auch in Haftanstalten, was er unter anderem in seinem Roman Wer einmal aus dem Blechnapf frißt aus dem Jahr 1934 verarbeitete. Als Autor noch weitgehend unbekannt, hatte Fallada über seinen ersten mehrmonatigen Gefängnisaufenthalt im Jahr 1923 allerdings auch schon 1925 in der politisch-literarischen Zeitschrift „Das Tage-Buch“ publiziert, aus der die Altonaer Neuesten Nachrichten vom 12. Januar selbigen Jahres wiederum einen Auszug abdruckten. Diesen eindrücklichen, wie wohl bis heute relativ unbekannten Text liest für uns Frank Riede.
Erschienen: 12.01.2025
Dauer: 00:14:27
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11. Januar 1925
Am 7. Dezember 1924 hatte Deutschland gewählt und am 11. Januar hatte es noch keine Regierung. Die bürgerliche politische Mitte, die sich irgendwo zwischen den Völkischen und der SPD verortete, hatte keine Mehrheit und die einzelnen Parteien diskutierten intern, ob man die Fühler nach rechts, oder zur SPD ausstrecken sollte, oder ob eine Minderheitsregierung, gar eine Expertenregierung die Lösung der Regierungskrise sein könnte. Dass eine Koalition mit der SPD nicht zustande kommen würde, hatte sich bereits angedeutet, was den kämpferischen Artikel des Reichstagsabgeordneten Biester im Hamburger Echo vom 11. Januar erklärt, in dem er die „anti-soziale” politische Agenda der sich abzeichnenden Regierung anprangerte und zu einem "Gefecht für eine Linksregierung“ aufrief. Für uns liest Rosa Leu.
Erschienen: 11.01.2025
Dauer: 00:07:46
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10. Januar 1925
Erst vor wenigen Wochen hörten wir hier im Podcast vom angeblichen Verfall Konstantinopels, das in der Folge der Umwandlung der Türkei in eine Republik durch Kemal Pascha erstmals seit Jahrtausenden seine Hauptstadtfunktion verloren hatte und unter dieser Entwicklung anscheinend erheblich litt. Heute wagen wir mit den Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 10. Januar 1925 den ‘Gegenbesuch‘ am neuen Regierungssitz Ankara, das hier im Artikel noch Angora heißt und gerade die entgegengesetzte Entwicklung durchlief. In osmanischer Zeit ein staubiges Provinznest im anatolischen Hochland mit kaum mehr als 25.000 Einwohnern, sollte es eine moderne Hauptstadt auf dem Reißbrett werden. Fürs erste galt es freilich zunächst, Grundstandards wie Energieversorgung, elektrische Straßenbeleuchtung, ein vernünftiges Hotelwesen und Treffpunkte für die höheren Beamten und die ausländischen Diplomaten einzurichten. Dass dies offensichtlich mit viel deutscher Unterstützung geschah, freute den namenlos bleibenden Harburger Berichterstatter besonders. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 10.01.2025
Dauer: 00:07:38
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9. Januar 1925
In literarischen und künstlerischen Werken waren Reisen durch den Weltraum bereits seit Jahrhunderten Realität. Es sei nur daran erinnert, dass ein Klassiker des frühen Stummfilms „Die Reise zum Mond“ von Georges Méliès ist, in dem eine riesige Kanone eine bemannte Kapsel bis zum Mond schießt. Im 20. Jahrhundert konnten die Wissenschaftler*innen, die sich mit der Realisierung einer Reise durch den Weltraum beschäftigten, diese Methode mit Sicherheit ausschließen. Der heutige Artikel aus den Altonaer Neuesten Nachrichten vom 9. Januar spannt genau diesen Bogen von den literarischen Visionen zur damals aktuellen Forschung. Für uns tut dies Frank Riede.
Erschienen: 09.01.2025
Dauer: 00:07:18
8. Januar 1925
Eine neue Regierung zeichnete sich viereinhalb Wochen nach der Reichstagswahl noch nicht ab, immerhin vermochte die Schiffbeker Zeitung am 8. Januar 1925 aber die Wahl eines neuen Reichstagspräsidiums zu vermelden. Paul Löbe hatte als Reichstagspräsident bereits zwischen 1920 und 1924 gewirkt, bevor er sein Amt nach der Wahl vom Mai 1924 an den deutschnationalen Abgeordneten Max Wallraf abgeben musste. Bei der Wahl im Dezember 1924 hatten Löbes Sozialdemokraten nun so satte Zugewinne an Wählerstimmen und damit auch an Parlamentssitzen erzielt, dass es für Löbe bereits im ersten Wahlgang für die absolute Mehrheit und die Rückkehr ins Amt reichte. Welche Parteien ihn unterstützten und wer sonst noch ins Präsidium gewählt wurde, weiß Rosa Leu.
Erschienen: 08.01.2025
Dauer: 00:07:07
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