18. Dezember 1924
Man darf es ruhig einmal aussprechen: Nicht der geringste Reiz der Weihnachtstage besteht darin, dass sie, neben manchem anderen, traditionell auch Tage der Völlerei sind. Süßes und Herzhaftes wechseln einander mitunter mit so hoher Frequenz ab, dass selbst stramme Kostverwerter mit fortschreitender Feiertagszahl schon dabei ertappt worden sein sollen, irgendwann ganze Mahlzeiten auszulassen. Dass sich auch in ökonomisch schlechteren Zeiten wie den schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg beim „Fest“ vieles um das Leibeswohl drehte, verrät unser heutiger Artikel aus der Wilhelmsburger Zeitung vom 18. Dezember 1924, der nicht nur einen Eindruck davon vermittelt, was man seinerzeit typischerweise auf der Festtagstafel vorfand, sondern auch mit einigen beflissenen Tipps aufwartet, wie diese zu schmücken sei. Einen Blick in die gute Wilhelmsburger Stube von vor einhundert Jahren wirft für uns Rosa Leu.
Erschienen: 18.12.2024
Dauer: 00:06:37
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17. Dezember 1924
An Marokko waren in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gleich mehrere Kolonialmächte interessiert. Sowohl Spanien als auch Frankreich erhoben Anspruch auf Gebietsteile. Zusätzlich warf auch noch Wilhelm II. seinen Hut in den Ring, konnte sich aber nicht durchsetzen. 1912 wurde das Gebiet in die Protektorate Französisch-Marokko und Spanisch-Marokko geteilt. Die Stadt Tanger behielt als Tanger-Zone einen Internationalen Status. Immer wieder kam es aber zu Aufständen der dort lebenden Stämme, die brutal und nur unter großem Einsatz unterdrückt werden konnten. Seit dem Jahr 1921 waren es die sog. Riff-Kabylen, die in beiden Protektoraten sehr erfolgreich bewaffneten Widerstand leisteten. Frankreich und Spanien sollten erst 1927 diesen Aufstand niederschlagen. Das konnten die Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 17. Dezember 1924 nicht ahnen, sie diagnostizierten vielmehr eine tiefe Krise für den Diktator Spaniens Primo de Rivera, da dieser bislang keine militärischen Erfolge gegen die Riff-Kabylen erzielen konnte. Rosa Leu liest.
Erschienen: 17.12.2024
Dauer: 00:06:31
16. Dezember 1924
Seit 1945 befinden sich die renommierten Hamburger Kammerspiele in der Hartungstraße im noblen Stadtteil Rotherbaum. Der damaligen Neugründung durch Ida Ehre ging indes die Existenz eines gleichnamigen Theaters bereits in Weimarer Zeit voraus, das der Schauspieler und Regisseur Erich Ziegel genau genommen sogar schon im August 1918 ins Leben gerufen hatte und dessen erster Standort noch am Besenbinderhof in St. Georg lag. In den folgenden Jahren lockten die Kammerspiele die Hamburgerinnen und Hamburger mit einem gleichermaßen ambitionierten Spielplan wie einem illustren Ensemble. Unter anderem gehörte diesem seit der Spielzeit 1923/24 auch ein junger Mime namens Gustaf Gründgens an, der in großen Rollen dort schnell auf sich aufmerksam machte. Auch in Franz Werfels heute kaum mehr bekannter Verstrilogie Spiegelmensch spielte er im Dezember 1924 den Hauptpart. Worum es in diesem Stück ging, entnehmen wir den Altonaer Neuesten Nachrichten vom 16. des Monats – und erfahren auch, dass Gustaf Gründgens hier von einem Schauspieler namens Ewald Schindler zeitweilig noch überragt worden sei. Inwiefern, berichtet uns Frank Riede.
Erschienen: 16.12.2024
Dauer: 00:07:10
15. Dezember 1924
Ganz viele Stimmen gab es auf dem dünn besiedelten Helgoland nicht einzusammeln. Dennoch machten sich je ein Vertreter der SPD, der KPD und der DVP im Vorfeld der Reichstagswahl vom Dezember 1924 auf den Weg nach der einzigen deutschen Hochseeinsel und versuchten die Insulaner von ihren jeweiligen Ideen zu überzeugen. Wie das Rennen am Ende ausgegangen ist, verrät der mit T.H. zeichnende Sozialdemokrat unter ihnen in seinem Reisebericht im Hamburger Echo vom 15. Dezember nur mittelbar. Dafür erzählt er von den anscheinend etwas zirkusartigen Duellen, die sich die Kandidaten auf der Insel lieferten, aber auch von verbindenden Momenten im Angesicht der alle drei Festlandsgäste offensichtlich schwer beeindruckenden Elemente. Für uns auf die raue See der Natur wie der Politik gewagt hat sich Frank Riede.
Erschienen: 15.12.2024
Dauer: 00:12:59
14. Dezember 1924
Am 14. Dezember berichtete der Hamburgische Correspondent von der Internationalen Automobilausstellung in Berlin. Die IAA 1924 stand, passend zum wirtschaftlichen Aufschwung des Jahres, ganz im Zeichen der Kleinwagen, die auch für den „kleinen Mann“ erschwinglich sein sollten. So präsentierte etwa Opel das erste am Fließband produzierte Modell. Dem Rezensenten fiel aber auch der bis heute legendäre Tropfenwagen der Rumpler-Werke auf, der mit seinem dem Wassertropfen abgeguckten aerodynamischen Zuschnitt eine neue Ästhetik auf den Automobilmarkt brachte. Aus heutiger Sicht allerdings besticht uns, dass vor 100 Jahren von Schutzzöllen und Subventionen die Rede war. Rosa Leu hat für uns im Tropfenwagen Probegesessen.
Erschienen: 14.12.2024
Dauer: 00:09:45
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13. Dezember 1924
Die Beobachtung, dass Weihnachten auch und nicht zuletzt ein großes Geschäft ist, war wohl auch schon 1924 nicht übermäßig originell. Dennoch liest sich sehr interessant, was die Bergedorfer Zeitung vom 13. Dezember bei ihrem erklärten Versuch zusammengetragen hat, hinter die Kulissen des Weihnachtsmannes zu schauen. Nicht nur wirft ihre Reportage einen Blick in die thüringischen, sächsischen und fränkischen Zentren des damaligen Spielzeugexportweltmeisters Deutschland und erläutert die Spezialgebiete der jeweiligen Standorte. Auch die Süßwaren- und Feinkostbranche finden Beachtung, ebenso die Dienstleister*innen in Dekorationsgewerbe und – Familie. Dass das hier von dieser vermittelte Bild noch äußerst traditionell ausfällt, überrascht vermutlich weniger, als dass der weihnachtliche Artikel – im Zusammenhang von Drogerieartikeln – auch von „Drogengeschäften“ zu berichten weiß. Für uns beim Weihnachtsmann war Frank Riede.
Erschienen: 13.12.2024
Dauer: 00:08:54
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12. Dezember 1924
Die Reichstagswahlen vom 7. Dezember 1924 hatten die Parteien der Mitte deutlich gestärkt. Um satte 5,5 Prozentpunkte hatte die SPD zugelegt, in geringerem Umfang galt das auch für DDP, Zentrum und DVP. Nationalsozialisten und Kommunisten hingegen mussten gegenüber den Wahlen im Mai große Verluste hinnehmen. Wer geglaubt hatte, dass sich nun die Regierungsbildung einfacher gestalten würde, sah sich gleichwohl getäuscht. Nach wie vor war unter den Koalitionären aus DDP, Zentrum und DVP umstritten, ob man sich nach links, zur SPD, oder nach rechts, zur DNVP hin erweitern wollte. Das alte Minderheitenkabinett unter Reichskanzler Wilhelm Marx hatte auf jeden Fall auch weiterhin keine Mehrheit, weshalb man dort zum Rücktritt entschlossen war und sich die Beobachter von der Wilhelmsburger Zeitung eher skeptisch dahingehend zeigten, bald zu stabileren Verhältnissen zu gelangen. Aus der Ausgabe vom 12. Dezember 1924 liest Rosa Leu.
Erschienen: 12.12.2024
Dauer: 00:07:13
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11. Dezember 1924
Flegel stammt vom lateinischen flagellum (Geißel) und wurde im Germanischen für das Werkzeug der Bauern zum Dreschen genutzt. Im 16. Jahrhundert ist „Bauernflegel“ als Schimpfwort, mit dem Bauern belegt wurden, nachgewiesen. Zwei bis drei Jahrhunderte später wird diese Bezeichnung auf pubertierende Jungen übertragen, die in ihren „Flegeljahren“ besonders zu grobem Unfug neigten. Der Hamburgische Correspondent vom 11. Dezember 1924 geht das ganze wissenschaftlich an mit einer statistischen Untersuchung dieser Entwicklungsphase. Dass mit Statistiken durchgängig Schindluder getrieben wird, dürfte allgemein bekannt sein. In diesem Fall sind die Zweifel an der Methodik der Untersuchung schon in den Artikel eingeflossen. Frank Riede führt uns dennoch ganz gesittet durch die Statistik der Flegeljahre.
Erschienen: 11.12.2024
Dauer: 00:07:51
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10. Dezember 1924
Neue technologische Entwicklungen bergen bisweilen gesundheitliche Gefahren, von denen man am Anfang noch nichts weiß; umgekehrt macht man sich ihretwegen häufig aber auch Sorgen, die sich im Verlauf als völlig unbegründet erweisen und nachgeborenen Generationen nur mehr ein Schmunzeln entlocken. Dass das Radiohören bzw. die dafür anfangs notwendigen Kopfhörer Ekzeme an den Ohren verursachen könnten, wurde in den Pionierjahren der Radiophonie offensichtlich sehr ernsthaft diskutiert. Ein Dr. med. K.St. belässt es in seinem Artikel im Hamburgischen Correspondenten vom 10. Dezember 1924 indes nicht bei Worten der Warnung, sondern hat bereits auch sachdienliche Hinweise im Angebot, wie diese Gefahr abzuwehren sei. Dem Weiterhören auch dieser Podcastfolge steht also nichts im Weg, das Wort hat Rosa Leu.
Erschienen: 10.12.2024
Dauer: 00:05:16
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9. Dezember 1924
Hatten wir gestern von dem Jubel der SPD über ihre Zugewinne bei den Reichstagswahlen vom 7. Dez. 1924 berichtet, so gießt heute die Bergedorfer Zeitung vom 9. Dezember Wasser in den sozialdemokratischen Wein. Sie fragt danach, welche stabilen Regierungsmehrheiten denkbar wären – und findet keine. Weil die DVP Stresemanns und die Sozialdemokratie so sehr zerstritten sind, sei eine solche „große Koalition“ nicht vorstellbar. Alle anderen Optionen scheinen wackelig zu sein, oder von vornherein Minderheitsregierungen. Der große Befreiungsschlag war also mit den vorgezogenen Wahlen nicht gelungen. Dennoch sollten, wie wir heute wissen, in den nächsten Jahren keine weiteren Neuwahlen notwendig werden. Frank Riede blickt für uns auf die politischen Machtoptionen nach der Wahl.
Erschienen: 09.12.2024
Dauer: 00:09:21
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