6. Februar 1925
Als eine der erfolgreichsten literarischen Figuren der Welt gilt mit Sicherheit Tarzan, der 1912 das Licht der Welt erblickte und sich in unzähligen Büchern, Comics und Filmen von einem Siegeszug zum anderen schwang. Der Autor Edgar Rice Burroughs hat 24 Romane rund um den im Dschungel von Affen großgezogenen englischen Adeligen geschrieben, auf denen die weiteren medialen Fortschreibungen basieren. Auch in Deutschland wurden die ersten Bände massenweise gekauft, bis Roman Nummer 7 wahrgenommen wurde: „Tarzan, the untamed“, den Rice Burroughs während des Ersten Weltkriegs verfasst hatte. Hier taucht der “deutsche Bösewicht” auf, der, unabhängig von Tarzan, auch eine lange Karriere in der Filmlandschaft besonders Hollywoods hinlegen sollte: Ein durch und durch bösartiger und gewissenloser Kolonisator, der foltert, verstümmelt und mordet. Dieser sehr offene Deutschenhass des Tarzan-Bandes führte zu einem Aufruhr in der deutschen Kritik, für die der heutige Artikel aus den Altonaer Neuesten Nachrichten vom 6. Februar 1925 ein besonders heftiges Beispiel ist. Antwortet er doch mit einer Autorenbeschimpfung und einem ebenso deutlichem Hass auf England. Dabei verwendet er zudem noch rassistisches Vokabular. Wir bringen ihn dennoch als Beispiel für politische Konflikte, die auf dem Feld der Literatur ausgefochten wurden. Die Aufregung um diesen Band führte übrigens zu einem Einbruch in den Verkaufszahlen der Tarzan-Bücher in Deutschland, dem Burroughs vergeblich mit positiven deutschen Figuren in späteren Romanen entgegen zu wirken versuchte. Frank Riede wagt sich für uns in diesen konfliktreichen Dschungel.
Erschienen: 06.02.2025
Dauer: 00:10:00
5. Februar 1925
Im Jahr 1925 jährte sich zum zweihundertsten Mal der Todestag des russischen Zaren Peter I., genannt „der Große“. Grund genug für die Harburger Anzeigen und Nachrichten, sich am 5. Februar einmal in der von jenem gegründeten und nach ihm benannten Stadt Petersburg umzusehen, die man soeben, nach dem Tode Lenins 1924, nach diesem, dem Gründer der Sowjetunion, in Leningrad umbenannt hatte. Wobei „umsehen“ vielleicht nicht das richtige Verb ist, weil die Zeilen nicht unbedingt den Eindruck erwecken, ihr Autor habe sich zuletzt länger vor Ort aufgehalten. So bleibt der Artikel eher Geschichtsstunde, ergänzt um einige eher pauschal-kritische Anmerkungen über den Verfall des alten Glanzes unter den neuen kommunistischen Herrschern. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 05.02.2025
Dauer: 00:07:33
Weitere Informationen zur Episode "Von Petersburg bis Leningrad"
4. Februar 1925
Auseinandersetzungen rund um die Strukturierung des Schulsystems und um den Zeitpunkt des Übergangs von Grundschule zur Oberschule wurden auch vor 100 Jahren geführt. Die Frage ob die Höhere Schule 8 oder 9 Jahre dauern sollte war jedenfalls noch nicht geklärt, und die pädagogischen Konzepte der Grundschule und der weiterführenden Schule prallten aufeinander, zumindest, wenn wir dem Beitrag eines Prof. Wehnert aus Hamburg für den Hamburgischen Correspondenten vom 4. Februar 1925 Glauben schenken wollen. Uns bietet Frank Riede die Argumente für und wider eine differenzierte Grundschule und Einblick in die Schuldebatten der Zeit.
Erschienen: 04.02.2025
Dauer: 00:12:48
Weitere Informationen zur Episode "Debatte um Schulreformen"
3. Februar 1925
Die sogenannte Februarflut von 1825 gilt als eine der schwersten Nordsee-Sturmfluten der letzten Jahrhunderte; man schätzt, dass ca. 800 Menschen hierbei ihr Leben ließen. So tief hatte sich diese Katastrophe ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, dass nahezu alle Tageszeitungen im Großraum Hamburg zum einhundertsten Jahrestag 1925 auf sie zurückblickten. Nicht verwunderlich, gilt dies auch am 3. Februar für die Alte Liebe aus dem seinerzeit besonders stark betroffenen Cuxhaven, welche nicht nur sehr anschaulich schildert, wie dramatisch das Wasser damals die Küstenbewohner im Schlaf überraschte, sondern die Ereignisse von 1825 auch in die sehr lange Geschichte der Sturmfluten in Norddeutschland einordnet. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 03.02.2025
Dauer: 00:10:11
Weitere Informationen zur Episode "Zum Jahrestag der Februarflut von 1825"
2. Feburar 1925
Das Land der Hellenen wie Goethe mit der Seele suchen – dem 1876 geborenen österreichisch-deutschen Schriftsteller Theodor Däubler war dies nicht genug, weshalb er seit 1921 für mehrere Jahre nach Griechenland übersiedelte, es ausgiebig bereiste und seine dortigen Erfahrungen nicht nur in verschiedenen Büchern verarbeitete, sondern sich von Zeit zu Zeit auch mit gelehrten Reiseberichten via Tageszeitung zu Wort meldete. Nachdem Auf den Tag genau Däubler bereits auf die Kykladen und die Peloponnes gefolgt war, geht es heute in die mittelgriechische Region Thessalien am Fuße des Olymps, wo wir mit ihm und dem Hamburger Anzeiger vom 2. Februar 1925 das Tal Tempe durchwandern. Unser Blick an diesem mythischen Ort gilt dabei nicht nur der wildromantischen Natur, sondern auch den zahlreichen Fußspuren, die mehr oder weniger berühmte literarische Giganten dort über die Jahrtausende hinterließen. Frank Riede sichtet sie für uns.
Erschienen: 02.02.2025
Dauer: 00:13:11
Weitere Informationen zur Episode "Mit Theodor Däubler am Fuße des Olymp"
1. Februar 1925
Der neuzeitliche Kolonialismus gilt gemeinhin als ein europäisches Phänomen, doch fand er im späten 19. und 20. Jahrhundert vereinzelt sehr wohl auch Nachahmer auf anderen Kontinenten. Vorreiter waren diesbezüglich die USA, die sich – selbst ihrem Ursprung nach aus einer britischen Kolonie hervorgegangen – zunehmend auch für überseeische Landnahme interessierten. Die größte entsprechende Besitzung stellten vor einhundert Jahren die Philippinen dar, die man 1898 den Spaniern blutig entrissen hatte. Über die aktuelle Situation auf dem Archipel im westlichen Pazifik informiert uns ein Artikel aus dem Hamburger Echo vom 1. Februar 1925, der durchaus prophetisch bereits eine weitere außereuropäische Macht ein imperiales Auge auf die Philippinen werfen sah. Es liest Rosa Leu.
Erschienen: 01.02.2025
Dauer: 00:07:29
Weitere Informationen zur Episode "Kolonialismus in Fernost: Die Philippinen"
31. Januar 1925
Die Herzkammer der meisten Betriebe ist bekanntermaßen die Kantine. Warum sollte das in einem Parlamentsbetrieb anders sein? Konsequenterweise hat es Autor Franz Lehnhoff für seinen Bericht aus dem Reichstag im Hamburgischen Correspondenten vom 31. Januar 1925 gar nicht bis in dessen Sitzungssaal geschafft, sondern es sich stattdessen im Reichstagsrestaurant bequem gemacht. Wer dieses seinerzeit als Vorgänger von Feinkost Käfer betrieb, verrät der Artikel nicht; auch von der Art der Speisen erzählt er nur am Rande. Viel ist dagegen die Rede vom geschäftigen Treiben auf bzw. zwischen den Stühlen und Bänken. Und von der dicken Luft, die hier im durchaus nicht metaphorischen Sinn des Wortes geherrscht haben soll. Frank Riede hat sich für uns dennoch hineingewagt.
Erschienen: 31.01.2025
Dauer: 00:08:22
30. Januar 1925
Lange Zeit galt das schier unendliche Meer mit seinem Reichtum an Lebewesen als unerschöpflich. Nie würde die Menschheit dort fundamental verändernd eingreifen können. Die 1902 gegründete Deutsche wissenschaftliche Kommission für Meeresforschung kam rasch zu anderen Ergebnissen. Das Thema der Überfischung und als Reaktion darauf eine Schaffung von Fischerei-Schongebieten stand nun auf der Agenda der Politik. Zeitgleich wurde, das erklang auch in diesem Podcast, gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Krise die Bedeutung der Fische als eine wichtige Nahrungsgrundlage der Nation betrachtet. Der Hamburgische Correspondent führt in seiner Ausgabe vom 30. Januar 1925 in das Thema ein. Für uns tut dies Rosa Leu.
Erschienen: 30.01.2025
Dauer: 00:12:41
Weitere Informationen zur Episode "Die Überfischung der Nordsee"
29. Januar 1925
Die etwas mehr als ein Jahr “junge” Türkei unter Mustafa Kemal sollte ein säkularer, moderner Staat werden – und einer der zentralen und überall sichtbaren Schritte auf diesem Weg war das Verbot des Kopftuches für die Frau. Das Studium an Universitäten etwa stand für Frauen offen, das Betreten des Campus war aber nur ohne Kopftuch gestattet. Ebenso war die Arbeit im Staatsdienst nur ohne Kopftuch möglich. Eine Regelung, die lange fortbestand und, zumindest was die Universitäten und Schulen angeht, erst durch die AKP unter Erdogan im Jahre 2010/11 aufgehoben wurde. Wie aus unserem regelmäßigen Blick in die Türkei abzulesen ist, interessierte sich die Hamburger Presse sehr an den Entwicklungen dieses neuen Staates, der antrat, um mit den europäischen Staaten zu konkurrieren, oder diese gar zu überflügeln. Bevor es aber an das Kopftuch ging, galt es zunächst die Schleierpflicht der Frau aufzuheben. Am 29. Januar 1925 behandelten die Harburger Anzeigen und Nachrichten die neuen Regelungen rund um die Schleierpflicht und die Vielehe, durchaus noch aus einer nicht gerade emanzipationsbegeisterten Position heraus. Rosa Leu liest.
Erschienen: 29.01.2025
Dauer: 00:05:35
Weitere Informationen zur Episode "Vor dem Kopftuchverbot das Schleierverbot"
28. Januar 1925
August Strindberg, schwedischer Schriftsteller, wurde laut übereinstimmenden Quellenberichten am 22. Januar 1849 in Stockholm geboren und starb ebenda am 14. Mai 1912. Nach Adam Riese hätte er, so er denn noch gelebt hätte, im Januar 1925 seinen 76. Geburtstag gefeiert – in den Altonaer Neuesten Nachrichten gedachte man seiner am 28. des Monats jedoch kurioserweise zum 75. Ob man seinerzeit noch von anderen Daten ausging, man sich schnöde verrechnet oder aber der Text des Bonner Literaturwissenschaftlers Oskar Walzel ein Jahr in der Schublade irgendeines Redakteurs geschmort hatte, war für uns nicht zu ermitteln. Weil uns die literaturgeschichtliche Einordnung Strindbergs, die hier vorgenommen wird, interessant erscheint, senden wir den Artikel trotzdem. Es liest Frank Riede.
Erschienen: 28.01.2025
Dauer: 00:08:46
Weitere Informationen zur Episode "August Strindberg zum 75. oder 76. Geburtstag"