Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Aus dem Hamburger Zoo

2. August 1924

Die Wirtschaftskrise des Jahres 1923 hatte nicht nur für unzählige Bürger*innen der Weimarer Republik verheerende Folgen, sie führte auch zu existentiellen Überlebenskämpfen von Kultureinrichtungen und öffentlichen Institutionen. So führten die Journalist*innen des Jahres 1924 eine Art Bestandsaufnahme durch, in welchem Zustand sich einzelne Einrichtungen im Sommer 1924 befinden. Das liberale Hamburger Fremdenblatt suchte zu dem Zweck für ihre Ausgabe vom 2. August den Hamburger Zoologischen Garten auf, und berichtete von der dort noch erhaltenen Artenvielfalt und von den aktuellen Besucherzahlen. Dabei fällt aus heutiger Sicht auf, wie nüchtern die „Ware“ Tier und ihre Überlebenswahrscheinlichkeit gehandelt wurde. Für uns war Rosa Leu im Hamburger Zoo.

Erschienen: 02.08.2024
Dauer: 00:09:45

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Der Verlust aller Sicherheiten - Zum zehnten Jahrestag des Ersten Weltkriegs

1. August 1924

Als sich die Großmächte 1914 in den Ersten Weltkrieg manövrierten, war die Kriegsbegeisterung zumindest in Deutschland groß, und nicht wenige gingen fest davon aus, siegreich schon Weihnachten wieder bei ihren Familien zu sein. Die Wirklichkeit sah bekanntlich anders aus. Viele Freiwillige ruhten zum „Fest“ bereits in flandrischer Erde. Der Krieg stürzte einen ganzen Kontinent in Leid und Depression, und das in den Folgen weit über sein Ende 1918 hinaus. So klingt der Gedenkartikel von Ludwig Bauer zum zehnten Jahrestag des Kriegsbeginns im linksliberalen Hamburger Anzeiger vom 1. August 1924 denn auch in keinem Moment wie die Auseinandersetzung mit einem Stück Vergangenheit. Die ‘Welt seither‘ ist in dieser Perspektive vielmehr ein großes Kontinuum, als dessen bedrückendes Kennzeichen im Unterschied zu der ‘Welt von gestern‘ eine tiefgreifende Verunsicherung, die bis in die Gegenwart reichende Verlusterfahrung aller Gewissheiten bestimmt wird. Das Bild vom Ersten Weltkrieg als der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts – gelesen von Frank Riede wird es hier greifbar.

Erschienen: 01.08.2024
Dauer: 00:11:13

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Ende der Sendepause und Ausblick

Wohin die Reise in den nächsten Monaten geht

Liebe Freundinnen und Freunde von „Auf den Tag genau“, liebe neu dazugestoßene Hörer*innen, als wir Ende Februar in die Sendepause gegangen waren, dachten wir, wenn wir ehrlich sind, nicht daran, dass wir so schnell wieder auf Sendung sein würden. Wenn man erst einmal aus dem täglichen Produktionsrhythmus raus ist, würde es schwerfallen, wieder einzusteigen – war unsere Überlegung. Aber wir haben die Rechnung ohne die Begeisterung und das Engagement der Akademie der Wissenschaften in Hamburg für unser besonderes Podcast-Format gemacht. Die hat bei anderen Hamburger Institutionen angeklopft – und wir sind wieder losgezogen, diesmal in die Archive, in denen die Hamburger Tageszeitungen schlummern. Eine besonders gute Anlaufstelle ist das Archivportal „Hamburger Zeitungen Digital“ der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky. Jetzt ist es so weit. Morgen gehen wir wieder täglich auf Sendung. Und das mindestens bis März 2025. Neben unserer Kooperationspartnerin, der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, unterstützen uns dabei auch die ZEIT-Stiftung (Ebelin und Gerd) Bucerius, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung. Vielen Dank! Der August ist produziert und wird uns mit den Fischkuttern aufs Meer führen, auf einen Besuch in den Zoologischen Garten Hamburgs mitnehmen, sich mit den Frauenrechten im Jahr 1924 beschäftigen und das Jubiläum der Weimarer Verfassung feiern. Mal sehen, wohin die „Auf den Tag genau“-Reise durch Hamburg und die Welt vor 100 Jahren uns noch führen wird. Jetzt aber erst einmal: bis morgen!"

Erschienen: 31.07.2024
Dauer: 00:02:23

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Zwischenspiel II: Die vergangene Zukunft der Energiewirtschaft

15. Juni 1924

Liebe Freund*innen von Auf den Tag genau. Wir melden uns mit einer weiteren Zwischenfolge auf dem Weg zu unserem Sommerprogramm aus Hamburg. Wir schauen uns schon in der Hamburger Presse des Jahres 1924 um und sind auf einen Artikel gestoßen zur Energiewirtschaft der – so kann man sagen – vergangenen Zukunft. Ernst Trebesius schildert hier im sozialdemokratischen Hamburger Echo vom 15. Juni seine Vision von den Energierevolutionen bis zum Jahre 1949. Dieser hochspekulative und doch recht unwissenschaftliche Artikel ist ein beredtes Zeugnis davon, dass die Suche nach einer sauberen und umfangreiche Mobilität garantierenden Energie schon in den 20er Jahren präsent war. Die Elektroautos hat Trebesius auf dem Schirm, sein Gedanke, dass sich ganz ähnlichen den Radiowellen, Strom kabellos und verlustfrei übertragen ließe ist gelinde gesagt gewagt. Paula Rosa Leu liest für uns den Blick auf die Energiewirtschaft.

Erschienen: 15.06.2024
Dauer: 00:08:49

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Zwischenspiel: Gute Nachrichten und Drahtlose Begebenheit

26. April 1924

Liebe Freundinnen und Freunde von Auf den Tag genau, wir haben gute Nachrichten zu vermelden: Im August beginnt unsere Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Wir werden also ab dem 1. August - zumindest für 2 Monate - wieder täglich senden. Am Konzept ändert sich nichts, nur dass wir die Weimarer Republik und die Welt vor 100 Jahren nun durch die Zeitungsartikel der Hamburger Presse erleben werden. Also macht Euch langsam bereit, hört bis dahin unser Archiv durch und verfolgt unseren Kanal hier, wir werden Euch hin und wieder die Wartezeit verkürzen..so wie heute: Alles rauscht, rumpelt, schreit und wuselt in der Podcastlandschaft, und dennoch fehlt etwas, ist unser Schweigen spürbar. Ein Autor, der regelmäßig in unserem Podcast auftritt, ist der Wiener Arnold Höllriegel. Am 26. April 1924 schrieb er eine kleine Glosse in der Abendausgabe des Berliner Tageblatts, in der es um die Interferenzen und Überlagerungen der Radiosendestationen geht. Alle senden, alle funken, die Welt kommuniziert – für Höllriegel geht dabei aber auch was verloren… Frank Riede liest für uns diesen charmanten Text, der eine beinahe zeitlose Kritik an den neuen Kommunikationsmedien enthält.

Erschienen: 26.04.2024
Dauer: 00:04:38

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Sendepause

Was bisher geschah, und: Dank an Euch alle!

Ihr lieben Hörerinnen und Hörer von Auf den Tag genau, Ihr hört die vorerst letzte Folge unseres Podcasts. Leider konnten wir den täglichen Produktionsrhythmus nicht aufrechterhalten. Wir blicken mit dem ganzen erweiterten Team und den Unterstützer*innen aber auf eine tolle Zeit der Zeitungslektüre zurück. 50 Monate lang, täglich eine Folge! Lediglich für den Ostermontag 1920 haben wir keine Folge aufgezeichnet. Insgesamt hat unser Audio-Mosaik der Weimarer Republik aktuell 1530 Folgen und ebenso viele Anmoderationen, Frank und Rosa haben jeweils also ca. 760 Artikel eingelesen. Wir dürften gut 204 Stunden Audiomaterial produziert haben. In den Abbindern von über 1000 Folgen habe ich mich auf die Suche nach der neuen Variante eines Mitmach- oder Spendenaufrufs gemacht – womit wir bei den Danksagungen wären. Wir danken Rosa und Frank für ihre jahrelange Begeisterung für Auf den Tag genau. Mit ihren Stimmen haben Sie den Podcast zu dem gemacht, was er ist. Wir danken Meike, Stefan, Delilah, Thomas, Steffen, Zoe, Martin, Andreas, Stephanie, Toby, Cristina, Ralf, Sabine und Jutta. Ohne Euch hätten wir die Berge an Transkriptionen von teilweise schlecht gedruckten Zeitungsseiten nicht bewältigen können. Ihr wart klasse. Ganz besonderer Dank gilt Merle, die in ihrer Freizeit sehr schön und erfolgreich unseren Insagram-Account kreiert und bespielt hat. Last but not least danken wir Euch Unterstützer*innen, die die Webseite, den Podcasthoster und den Email-Account finanzierten. Euch allen herzlichen Dank und natürlich: Allen Hörer*innen, vielen Dank für Eure Treue! Wir schauen immer noch, ob wir nicht Wege finden, die Produktion in der nächsten Zeit wieder aufzunehmen. Sobald es was Spruchreifes gibt, erfahrt ihr es auf diesem Kanal. Sollte aber jemand von Euch über einen potentiellen Kooperationspartner stolpern, meldet Euch. Unser Email-Account aufdentaggenau@posteo.de bleibt aktiv. Und damit verabschieden wir uns in die Pause. Und ich sage zum ersten Mal nach 4 Jahren nicht „Bis morgen!“, sondern „Bis Bald“

Erschienen: 01.03.2024
Dauer: 00:02:45

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Folge 1531: Sprechstunde beim Rundfunkarzt

29. Februar 1924

Willkommen bei der vorerst letzten Folge von Auf den Tag genau. Mit dem rasant zunehmenden Erfolg des „Unterhaltungs“-Rundfunks in den 20er Jahren, war zum ersten Mal ein komplexes technisches Gerät notwendig, um an diesem werdenden Massenmedium teilzuhaben. Benötigte man für die Rezeption einer Zeitung die Kulturtechnik des Lesens, so war man fürs Radio-Hören von einem funktionierenden Empfänger abhängig. Wo gab es Hilfe bei defekten Geräten? Wo gab es Antworten auf Fragen rund um die Positionierung der Antenne? Nicht unähnlich von heutigen Reparatur-Cafés hielt ein Techniker im Berlin des Jahres 1924 kostenfrei Sprechstunden, in denen er geduldig Fragen beantwortete und Geräte reparierte – und von diesem „Rundfunkarzt“ berichtete die Vossische Zeitung vom 29. Februar. Paula Rosa Leu hat ihn für uns besucht. Einen „Podcastarzt“ müsst ihr nicht aufsuchen, wenn es ab morgen zunächst keine weiteren Folgen Auf den Tag genau gibt. Es liegt nicht an Euren Geräten, es liegt daran, dass wir eine Pause machen. Wir verabschieden uns also vom Jahr 1924, von Euch, danken für Eure Treue und freuen uns auf ein Wiederhören.

Erschienen: 29.02.2024
Dauer: 00:07:59

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Hitler vor den Richtern

28. Februar 1924

Auch nach dem gescheiterten Putsch in München vom 9. November 1923 wurde Adolf Hitler von weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit noch immer eher als Lachnummer, denn als ernsthafte Gefahr für die Republik angesehen. Arno Voigt, der Beobachter der Berliner Volks-Zeitung, der für diese am 28. Februar 1924 vom Hitler-Prozess aus München berichtete, war diesbezüglich deutlich hellsichtiger. Nicht nur erkannte er, dass es sich bei Hitlers erstem Auftritt vor den Richtern dem Gestus nach um keine Verteidigungsrede, sondern einen vierstündigen Angriff auf die Grundfesten der Verfassung handelte. Er ahnte auch, welche Gefahr von dem Fanatismus dieses Mannes und seiner Fähigkeit, mit diesem ansteckend zu wirken, ausgehen würde. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 28.02.2024
Dauer: 00:08:25

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Zum Beginn des Hitler-Prozesses

27. Februar 1924

Am 26. Februar 1924 war es soweit: Vor dem bayerischen Volksgericht beim Landgericht München I begann der Hochverratsprozess gegen Adolf Hitler, Erich Ludendorff und acht Mitangeklagte wegen des versuchten Staatsstreiches gegen die Republik vom 9. November des vergangenen Jahres. Nicht angeklagt wurden der bayerische Generalstaatskommissar Gustav von Kahr, der Landeskommandant der Reichswehr in Bayern Otto von Lossow und der Chef der Bayerischen Landespolizei Hans von Seißer, die in die Putschpläne ursprünglich eingeweiht, in dessen Verlauf jedoch abgesprungen waren. Ihre Rolle war es jedoch, die an den ersten Prozesstagen im Mittelpunkt der Verhandlungen stand; wobei die überforderten oder unwilligen Laienrichter es zuließen, dass Hitler und seine Mitstreiter diese „Zeugen“ teilweise von der Anklagebank aus selbst in der Art von Anklägern verhörten. Der Gerichtsreport des Berliner Tageblattes vom 27. Februar konzentriert sich dabei vornehmlich auf die Aussagen des Angeklagten Friedrich Weber, der sich als Leiter eines Freiwilligenkorps am Hitlerputsch beteiligt hatte. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 27.02.2024
Dauer: 00:07:41

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Im Zuge auf die Zugspitze?

26. Februar 1924

Die Idee, eine Bahn auf die Zugspitze hinauf zu bauen, bestand seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und scheiterte wiederholt an mangelnder Finanzierung und/oder mangelnder Zustimmung seitens der Politik. Auch Anfang des Jahres 1924 gab es neue Bemühungen die Geldmittel für ein solches Bauvorhaben zusammenzutragen – der Verfasser des Artikels aus dem 8-Uhr-Abendblatt vom 26. Februar war sich aber ganz sicher, dass auch dieser Versuch scheitern würde, was er schon im Untertitel „Projekte, die immer wieder scheitern“ zu erkennen gab. Tatsächlich sollte allerdings auf österreichischer Seite noch im selben Jahr mit dem Bau einer Seilbahn begonnen werden, die als Tiroler Zugspitzbahn 1926 fertiggestellt wurde. Die erste Bahn von bayerischer Seite aus wurde 1930 eröffnet. Paula Rosa Leu gibt uns also Einblick in die komplizierten technischen und finanziellen Fragen rund um eine Bahnfahrt zur Zugspitze - wenngleich das große Thema an diesem Tag in allen Zeitungen der Beginn des Hitler-Ludendorff-Prozesses war. Da wir in den kommenden zwei Tagen von diesem berichten werden, holen wir heute noch frische Luft in den Alpen.

Erschienen: 26.02.2024
Dauer: 00:09:58

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