10. Februar 1923
Zu den beliebtesten Klischees der Zwanziger Jahren ist gewiss das von der überbordenden Partymetropole Berlin zu zählen. Daran ist manches nicht falsch, als Alleinstellungsmerkmal taugt diese Zuschreibung aber wohl nicht. Auch anderswo tanzte man seinerzeit auf dem Vulkan, zum Beispiel, wie uns die Vossische Zeitung vom 10. Februar 1923 berichtet, auch im nicht allzu fernen Warschau. Autor August Hermann Zeiz gewährt tiefere Einblicke in das Nachtleben der Hauptstadt des so jungen wie aufgewühlten polnischen Staates und reichert seine Beschreibungen dabei interessanterweise mit allerlei Images an, die man aus den Narrativen über das Berlin der ‘goldenen Zwanziger‘ kennt. Zeiz war übrigens nicht nur als Journalist, sondern auch als Dramatiker und Theaterdramaturg aktiv. 1935 emigrierte er mit seiner jüdischen Frau nach Österreich und betätigte sich dort später im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Er überlebte mehrere Inhaftierungen und auch die Internierung im Konzentrationslager Dachau. 100 Jahre nach ihm ist für uns Paula Leu an die Weichsel gereist.
Erschienen: 10.02.2023
Dauer: 00:08:47
9. Februar 1923
Während der ersten Wochen der Ruhrbesetzung verhielt sich die Zivilbevölkerung weitestgehend friedlich und ließ die Präsenz der Französischen Truppen über sich ergehen. Wie sehr diese Situation vor Ort aber einem Pulverfass glich, davon handelt der heutige Artikel aus der Berliner Morgenpost vom 9. Februar 1923. Wenn wir ihm glauben wollen, überprüfen können wir das Geschilderte nicht, kam es auf der Jagd nach Bahnhofsbesetzungen und Kohlezügen zu Misshandlungen seitens des französischen Militärs, das scheinbar stets bereit war, den kleinsten Konflikt mit Waffe und Bajonett zu lösen. Eine weitere Eskalationsgefahr drohte zwischen der deutschen Polizei und den Besatzern, da die deutschen Beamten die Weisung erhalten hatten, die französischen Militärs nicht zu grüßen. Das war für diese wiederum ein willkommener Anlass zu Verhaftungen. Uns grüßt nun mit seiner Stimme Frank Riede.
Erschienen: 09.02.2023
Dauer: 00:08:24
Weitere Informationen zur Episode "Französische Überfälle auf D-Züge"
8. Februar 1923
Am 14. Juli 1881 wurde in Berlin das erste deutsche Telefonbuch mit dem Titel „Verzeichnis der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“ veröffentlicht. Es enthielt 185 Einträge. Zweiundvierzig Jahre später war es schon beachtlich angewachsen und erschien als xte Neuauflage des Verzeichnisses für Berlin und das Umland. Die Berliner Morgenpost widmet am 8. Februar dem neuen Telephonbuch eine Rezension, in der die Häufigkeit bestimmter Namen und die Anzahl der Anschlüsse von Behörden zusammengetragen werden. Insbesondere die Aktualität bzw. mangelnde Aktualität des Druckerzeugnisses wird Stichprobenartig untersucht, indem die Anschlüsse zweier bekannter und mittlerweile verhafteter Betrüger, Max Klante und Director Bernotat, nachgeschlagen werden. Paula Leu hat für uns diesen Klassiker gelesen.
Erschienen: 08.02.2023
Dauer: 00:06:56
Weitere Informationen zur Episode "Amtliches Fernsprechbuch für Berlin und Umgebung 1923"
7. Februar 1923
Davon dass der Hochbau in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts sich in buchstäblich schwindelerregende Höhen emporschwang, geben namentlich amerikanische Großstädte noch heute ein beredtes Zeugnis. Weit weniger bekannt, weil naturgemäß weniger sichtbar sind demgegenüber die Fortschritte, die auch der Tiefbau in jenen Jahren machte, und auch in diesem Fall – wen wundert es? – führten die meisten Wege in die USA und konkret nach New York. So machte sich auch auf die B.Z. am Mittag und berichtete in ihrer Ausgabe vom 7. Februar 1923 von hoch- bzw. natürlich tieftrabenden Plänen, von denen einige sich wohl aber doch nicht als Erdschlösser realisieren lassen, sondern Luftschlösser bleiben sollten. Frank Riede hat sie sich für uns angesehen.
Erschienen: 07.02.2023
Dauer: 00:06:04
Weitere Informationen zur Episode "Der unterirdische Wolkenkratzer"
6. Februar 1923
In manchen Punkten sind uns die 1920er Jahre frappierend nahe, in anderer Hinsicht aber auch über die Maßen fern und fremd. Dass etwa in pädagogischem Bereich uns gefühlt weit mehr als ein Jahrhundert von jener Zeit trennt, bestätigt einmal mehr ein Artikel aus dem durchaus liberalen 8-Uhr-Abendblatt vom 6. Februar 1923. Ein Schüler in Weimar hatte es gewagt, gegen die Autorität des Rohrstocks aufzubegehren und war in diesem Zuge sogar vor Gericht gezogen. Was genau, dem vorausgehend, im Klassenraum passiert war, belässt der Text etwas im Nebulösen. Keinen Zweifel lässt er hingegen daran, dass er die Vorstellung einer Schule ohne Züchtigung für äußerst abwegig hält, und macht sich auch nur über diese Idee auf polemischste Weise lustig. Paula Leu liest ihn, als Zeitdokument, trotzdem.
Erschienen: 06.02.2023
Dauer: 00:05:33
Weitere Informationen zur Episode "Der zerbrochene Rohrstock"
5. Februar 1923
Der Schriftsteller Emil Ludwig ist in unserem Podcast bereits mehrfach als scharfsinniger Analytiker der politischen Situation seiner Zeit in Erscheinung getreten. Am 5. Februar 1923, während die Zeitungen von der tags zuvor durchgeführten Besetzung von Offenburg und Appenweier durch französische Truppen berichten, richtet er seinen Blick in die Vergangenheit, in das Jahr 1919 und schildert, basierend auf neu erschienen Dokumenten und Memoiren, wie der amerikanische Präsident Wilson damals noch die Ruhrbesetzung verhinderte. Aus der Geschichte der Geschichte von vor hundert Jahren liest für uns Frank Riede.
Erschienen: 05.02.2023
Dauer: 00:10:00
Weitere Informationen zur Episode "Wilson verhindert Ruhrbesetzung - 1919"
4. Februar 1923
Der Film hatte, wie bei uns bereits mehrfach zu hören war, die Luft erobert. Bei jeder Pioniertat mit Flugzeugen schien ein Kamerateam an Bord zu sein. Die nächste Herausforderung stellte die Unterwasserwelt dar. Wie konnten die nicht wasserdichten Kino-Apparate, die von Fachleuten, die selten zugleich Taucher waren, unter Wasser bedient werden? Im Kontext der Bergungsversuche des Passagierdampfers RMS Lusitania, die in einem Akt der Barbarei ein deutsches U-Boot 1915 vor der Küste Irlands versenkt hatte, schien sich eine Gelegenheit für erste Aufnahmen in über 90 Meter Tiefe zu bieten. Näheres weiß die BZ am Mittag vom 4.2. und für uns Paula Leu zu berichten.
Erschienen: 04.02.2023
Dauer: 00:05:40
Weitere Informationen zur Episode "Der Kurbelkasten unter Wasser"
3. Februar 1923
Manche Probleme lassen sich offensichtlich auch über die Dauer eines Jahrhunderts nicht in den Griff bekommen – aus welchen Gründen auch immer. In den USA, erfahren wir aus einem Bericht der Berliner Volks-Zeitung vom 3. Februar 1923, kommen statistisch ungefähr achtmal mehr Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen zu Tode als in England. Was dagegen wohl helfen würde? Immerhin, die Zahl der Opfer von Bränden, Bergwerkunglücken oder Straßenbahnunfällen, die der Text ebenfalls auflistet, dürften im hier so bezeichneten „gefährlichsten Land der Welt“ mittlerweile zurückgegangen sein ... Alle weiteren Daten zu dieser Statistik kennt Frank Riede.
Erschienen: 03.02.2023
Dauer: 00:09:51
Weitere Informationen zur Episode "Die USA, das gefährlichste Land der Welt"
2. Februar 1923
Pferdefleisch in der Lasagne – das war vor einigen Jahren ein erhebliches Aufreger-Thema in Deutschland. Studieren an dieser Affäre ließen sich nicht nur einmal mehr skrupellose Praktiken der Lebensmittelindustrie, sondern auch die offenkundige Willkür auf Seiten von uns Verbrauchern, Tiere für essbar zu erklären oder eben nicht. Vor einhundert Jahren war das Pferd auf dem Teller hingegen durchaus noch recht weit verbreitet und die Kunden im märkischen Freienwalde über die Herkunft des ‘Hack‘ offensichtlich auch informiert. Weshalb einige von ihnen nach dem Verzehr verstarben, konnte einstweilen auch die Deutsche Allgemeine Zeitung vom 2. Februar 1923 nicht aufklären. Es liest Paula Leu.
Erschienen: 02.02.2023
Dauer: 00:03:30
Weitere Informationen zur Episode "Tod nach Pferdefleischverzehr"
1. Februar 1923
Was sind die Ressourcen, um die sich in Zukunft die Konflikte entfalten werden? Der Besitz welcher Ressourcen garantiert Macht und Wohlstand? Diesen Fragen widmete sich am 1. Februar das 8-Uhr-Abendblatt mit ihrem Autor Kurt von Kleefeld, dem Schwager des künftigen Reichskanzlers Stresemann. Entscheidender für diesen Artikel freilich war seine Funktion als Generalbevollmächtigter der hohenlohischen Gruben und Industrieunternehmen, in der natürlich direkt an Einschätzung von Vorkommen an Rohstoffen beteiligt war. Aber dennoch ein Fun-Fact zu ihm: Geboren 1881 in Kassel als Kurt Kleefeld war er der letzte Mensch, der während des Kaiserreiches im November 1918 geadelt wurde. Frank Riede schaut für uns nach den Rohstoffen, die sich zu weltpolitischen Kampfmitteln entwickeln.
Erschienen: 01.02.2023
Dauer: 00:12:30
Weitere Informationen zur Episode "Die Rohstoffe als Kampfmittel"