25. Februar 1924
Von den Kimbern und Teutonen über Johann Wolfgang von Goethe und Johann Gottfried Seume bis zu Andreas Brehme und Lina Magull hat Italien auf Deutsche von jeher eine magische Anziehungskraft ausgeübt. Auf den Tag genau ist diesbezüglich nie eine Ausnahme gewesen, sondern in zahlreichen Folgen immer wieder über den Brenner an den Gardasee, nach Rom und bis nach Sizilien gereist. Auch heute begeben wir uns noch einmal auf Grand Tour und folgen der Germania, der Parteizeitung des Zentrum, vom 25. Februar 1924 durch die Toskana Richtung Ewige Stadt. Angesichts der politischen Ausrichtung des Blattes überrascht es nicht, dass die Pilgerreise im Vatikan endet; eher schon, wie wenig kritisch die Aufmärsche des italienischen Faschismus in dem Artikel betrachtet werden. Autor war der Kunsthistoriker Oscar Gehrig, der nach dem Zweiten Weltkrieg kurzzeitig Leiter der Karlsruher Kunstakademie werden sollte. Florenz, Siena, Rom und ihre Kulturschätze besichtigt für uns Paula Rosa Leu.
Erschienen: 25.02.2024
Dauer: 00:12:28
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24. Februar 1924
Erst kürzlich waren wir mit der Vossischen Zeitung und ihrer Artikel-Serie „Das Gesicht der großen Stadt“ in Wien. Und mit der Ausgabe vom 24. Februar reisen wir heute ca. 250 Kilometer in nordwestlicher Richtung weiter und werfen einen Blick auf Prag. Wer aber jetzt eine Betrachtung über das gotische oder das barocke Prag oder gar eine Aufzählung der Sehenswürdigkeiten erwartet, wird enttäuscht werden. Die „Goldene Stadt“ war 1918 zu der Hauptstadt eines selbständigen Staates geworden und stand vor der enormen Herausforderung, Behörden unterzubringen, Infrastruktur auszubauen und den zwangsläufigen Bevölkerungswachstum zu ermöglichen. Doch dies ist nicht der einzige Inhalt des Berichtes von Wilhelm Neumann, er betrachtet auch die symbolische Umwandlung der Kapitale: Die etwa auf Straßenschildern stattfindende „Entösterreichisierung“. Frank Riede war für Auf den Tag genau auf einen Abstecher in Prag.
Erschienen: 24.02.2024
Dauer: 00:10:58
23. Februar 1924
Hugo von Abercron gilt als einer der berühmtesten Vertreter der deutschen Freiballonfahrt. Sohn eines dänisch-deutschen Adelsgeschlechts absolvierte er eine hochdekorierte Militärkarriere, während der er sich vor allem bei den Kämpfen um Verdun im Ersten Weltkrieg auszeichnete. Im Oktober 1899 hatte man ihn zum Luftschiffer-Bataillon in Berlin Lichterfelde abkommandiert – und fortan wuchs in ihm die Begeisterung für die Ballonfahrt. Bereits 1900 begann er als Freiballonführer aufzusteigen und hielt mit über 500 Fahrten Ende der 20er Jahre den Rekord an Aufstiegen. Bei allem Respekt für den Pioniergeist, darf nicht unerwähnt bleiben, dass er 1932 in die NSDAP eintrat und während der Diktatur verschiedene Positionen inne hatte, etwa als Leiter des Instituts für volkstümliche Naturkunde URANIA in Berlin. Am 23. Februar 1924 berichtete im Berliner Lokal-Anzeiger ein Kurt von Scheven von seinem winterlichen Freiballonflug mit Hugo von Abercron. Paula Rosa Leu hat sich auch ganz furchtlos in den Ballonkorb begeben.
Erschienen: 23.02.2024
Dauer: 00:05:54
Weitere Informationen zur Episode "Eine Winterfahrt im Freiballon"
22. Februar 1924
Alfred Kerr war im Berlin der Zwischenkriegszeit der wahrscheinlich prominenteste deutsche Theaterkritiker und entsprechend häufig auch schon als Autor hier im Podcast zu Gast. Heute tritt er hingegen in eher ungewohnter Rolle auf, nämlich als vorgesehenes Opfer eines tätlichen Angriffs, der nur deshalb nicht nur Ausführung kam, weil der dafür bezahlte Schläger Kerr den Auftrag lieber meldete, der den Zusammenhang so jedenfalls in einer Presseerklärung an die überraschte Öffentlichkeit brachte und damit ein gewaltiges Rauschen im Blätterwald lostrat. Man würde aus dem historischen Rückblick vielleicht politische Motive hinter diesem Plan vermuten. Die Spuren weisen vielmehr jedoch ins private Umfeld von Kerr, will heißen: zu seinem eigenen (übrigens zwei Jahre jüngeren) Schwiegervater Robert Weismann, der in Berlin übrigens auch kein Unbekannter war. Wer die Story gerafft erzählt bekommen möchte, googele nach einem Interview, das Alfreds Tochter/Weismanns Enkelin Judith Kerr 2007 dem Spiegel gab. Den eher etwas verworrenen zeitgenössischen Text aus dem Vorwärts vom 22. Februar 1924 liest hier Frank Riede.
Erschienen: 22.02.2024
Dauer: 00:05:56
Weitere Informationen zur Episode "Wie Alfred Kerr fast verprügelt wurde"
21. Februar 1924
Die berühmte Puppenmacherin Käthe Kruse – das ist heute weithin gar nicht mehr bekannt – war ursprünglich Schauspielerin, die in jungen Jahren u.a. am Berliner Lessingtheater engagiert war. Ihre charakteristischen, weil so lebensechten, heute teilweise zu horrenden Sammlerpreisen gehandelten Puppen begann sie ursprünglich nebenbei für ihre eigenen Kinder zu bauen. Eher zufällig kam es 1910 zu einer Ausstellung im Warenhaus Tietz, die ein solcher Erfolg war, dass die Kruse daraufhin eine eigene Werkstatt in Bad Kösen an der Saale bezog und dort begann, ihre Puppen zu kommerziellen Zwecken in Handarbeit herzustellen. In ihrem „Brief an eine ausländische Freundin“ aus dem Berliner Tageblatt vom 21. Februar 1924 erfahren wir nicht nur, was für Käthe Kruse eine kindgerechte Puppe ausmachte. Sie schildert uns dort auch Eindrücke von einer Reise in verschiedene europäische Länder, die sie kurz zuvor, offenbar erstmals seit dem Weltkrieg wieder, unternommen hatte. Es liest Paula Rosa Leu.
Erschienen: 21.02.2024
Dauer: 00:11:58
Weitere Informationen zur Episode "Käthe Kruse über Puppen und Reisen"
20. Februar 1924
Nicht zum ersten Mal in diesem Podcast berichtet im Berliner Tageblatt vom 20. Februar 1924 Dr. Mamlock über Neuerungen auf dem Gebiete der Medizin. Wie lässt sich der Funk für den Rettungsdienst nutzen? Es geht in dem Artikel nicht nur um die Möglichkeiten, schnell die Rettungskräfte, etwa im Gebirge, dorthin zu führen, wo sich Verletzte befinden, es geht auch darum, die Herztöne über große Distanzen hinweg hörbar zu machen. Was neben dieser Ferndiagnostik noch die Technik der drahtlosen Telefonie bieten könnte, teilt uns, vielleicht auch ganz drahtlos, Frank Riede mit.
Erschienen: 20.02.2024
Dauer: 00:08:23
Weitere Informationen zur Episode "Der Funkspruch des Herzens"
19. Februar 1924
Das bäuerliche Leben ist trivialerweise zyklisch strukturiert, und so passt es irgendwie ins Bild, dass bäuerliche Proteste in der Geschichte eine gewisse Affinität zu dezimaler Wiederkehr aufzuweisen scheinen. Verschiedentlich ist im Angesicht der aktuellen Traktorsternfahrten nach Berlin auf den fünfhundertsten Jahrestag des Beginns des sogenannten Deutschen Bauernkrieges hingewiesen worden, der im Sommer 1524 von Süddeutschland aus seinen Ausgang nahm. Etwas weniger bekannt ist, dass auch vor einhundert Jahren, im Frühjahr 1924, Landwirte vor allem im ostelbischen Deutschland aufbegehrten und angesichts der ökonomisch instabilen Zeiten nach staatlichen Interventionen riefen. Besonders lautstark tat dies seinerzeit der deutschnational geprägte Reichslandbund, dem die Berliner Volks-Zeitung auf der Titelseite ihrer Abendausgabe vom 19. Februar eine so kurze wie markant-polemische Gegenrede widmete. Es liest Paula Rosa Leu.
Erschienen: 19.02.2024
Dauer: 00:04:52
18. Februar 1924
Die Landtagswahlen in Thüringen vom 10. Februar 1924 waren der Anfang vom Ende des Bauhauses in Weimar. Die von einer NSDAP-Ersatzvereinigung tolerierte Rechts-Regierung unter der Führung des Volksparteilers Richard Leutheußer, die sich hernach konstituierte, strich die Zuwendungen des Landes um 50 Prozent und vertrieb das Bauhaus damit nach Dessau. Die Lehrenden und Studierenden ließen sich die Laune davon vorerst indes noch nicht verderben. Ausgerechnet am Wahlabend lud das Bauhaus zu einem seiner berühmten Feste ins Gasthaus zum Ilmschlößchen. Zu dieser erschien auch ein gewisser Kole Kokk vom Berliner 8-Uhr-Abendblatt, der sich in seinem Bericht am 18. Februar von der Feierwut der Bauhäusler und dem Drive der dort aufspielenden Bauhauskapelle mindestens ebenso beeindruckt zeigt wie von den im Rahmen des Festes vorgeführten Kostümen aus den Bauhaus-Werkstätten. Partygast für uns ist Frank Riede.
Erschienen: 18.02.2024
Dauer: 00:09:58
17. Februar 1924
In den vier Jahren Auf den Tag genau ist uns ein Artikel immer wieder begegnet – es geht um die Kunstfreiheit und angebliche Angriffe auf die öffentliche Moral. Es nehmen Teil: ein oder mehrere Kunstwerke, ein Künstler und ein Verleger als Angeklagte, eine prominente Figur aus der Kunstwelt als entlastender Gutachter und ein Gericht, das geistig noch im Kaiserreich lebt und den Künstler verurteilt und die Vernichtung des Kunstwerks befiehlt – es ändern sich lediglich die Namen der Beteiligten. Im Februar 1924 war (nicht zum ersten und zum letzten Mal) der Maler und Graphiker Georg Grosz an der Reihe. Es ging um eine Mappe “Ecce Homo”, die der Malik-Verlag veröffentlicht hatte. Sieben Farb- und 27 schwarz-weiß Abbildungen führten zu einer Anklage wegen der Verbreitung unzüchtiger Schriften. Auch das Gutachten von Max Liebermann verhinderte nicht, dass das Gericht ihn verurteilte unter Berufung auf das „Schamgefühl des normal empfindenden Menschen“. Die Vossische kommentiert das Urteil in ihrer Ausgabe vom 17. Februar 1924 zusammen mit Paula Rosa Leu.
Erschienen: 17.02.2024
Dauer: 00:05:08
16. Februar 1924
Auch vor einhundert Jahren und damit einhundert Jahre nach Goethe blieb den meisten Menschen in den hiesigen nördlichen Breiten nichts anderes übrig, als das Land der Griechen, wenn überhaupt, mit der Seele zu suchen. Zu den wenigen Privilegierten, die seinerzeit auch physisch eine Reise an die sogenannte Wiege unserer Zivilisation realisieren konnten, zählte der hier bei Auf den Tag genau sehr geschätzte Publizist Victor Auburtin, der im Frühjahr 1924 gleich mehrere Monate in ägäischen Gefilden weilte und von dort von Zeit zu Zeit mit launigen Artikeln im Berliner Tageblatt grüßte, mit denen er seinen Aufenthalt vermutlich teilfinanzierte. Sein Bericht aus Athen vom 16. Februar streift dabei nur sehr kurz zum touristischen Höhepunkt auf die Akropolis, um sich stattdessen ausgiebig im zeitgenössischen Athener Leben – auf dem Markt, an der Börse, im Kafénion – umzutun. Ein Bordellbesuch, mit dem der Text final kokettiert, bleibt uns hingegen erspart. Unser Griechenland-Korrespondent heißt Frank Riede.
Erschienen: 16.02.2024
Dauer: 00:11:08
Weitere Informationen zur Episode "Mit Victor Auburtin in Athen"