Podcast "Auf den Tag genau"

Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte. Mit Dank an Andreas Hildebrandt und Anne Schott.

Podcast-Episoden

Grimmelshausen und “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch”

26. Februar 1925

Wir sind in den letzten Monaten immer wieder auf einen sehr freien Umgang mit den Lebensdaten prominenter Figuren der Geschichte gestoßen - sich um ein Jahr zu vertun, schien nichts Ungewöhnliches zu sein. Im Falle von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, dessen 300. Geburtstag am 26. Februar 1925 im Lübecker Volksboten gefeiert wird, ist eine gewisse Beliebigkeit vorprogrammiert, wird doch aktuell auf Wikipedia der Geburtstag mit „um 1622“ angegeben. Ein gewisser Friedrich Gräbe greift in seinem Artikel diese mangelnde biographische Faktenlage auf, trägt das zusammen, was bekannt ist, und widmet sich dann dem großen barocken Werk aus Grimmelshausens Feder, das kurz als „Simplicissimus“ bezeichnet wird. Frank Riede ist dankenswerter Weise sehr präzise mit seinen Aufnahmen, weshalb uns genau 100 Jahre nach der Erstveröffentlichung dieser Artikel nun vorliegt.

Erschienen: 26.02.2025
Dauer: 00:08:20

Weitere Informationen zur Episode "Grimmelshausen und “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch”"


Brotpreise im internationalen Vergleich

25. Februar 1925

Die Hyperinflation war im Februar 1925 bekanntlich längst gestoppt, aber was das Grundnahrungsmittel Brot betraf, entnehmen wir den Altonaer Neuesten Nachrichten vom 25. des Monats, blieb die deutsche Kaufkraft im internationalen Vergleich noch immer zurück. Ob das auch für andere Güter des täglichen Bedarfs galt, erläutert der Artikel genauso wenig, wie er sich auf etwaige geschmackliche Diskussionen einlässt. Er bleibt bei den nüchternen Verkaufspreisen, die für uns Rosa Leu studiert hat.

Erschienen: 25.02.2025
Dauer: 00:05:06

Weitere Informationen zur Episode "Brotpreise im internationalen Vergleich"


Berlin hat wieder Geld oder gibt es zumindest aus

24. Februar 1925

Berlin-Bashing ist beileibe keine Erfindung erst der sogenannten Berliner Republik, sondern wurde, wie wir gleich von Frank Riede erfahren, auch schon in früheren Zeiten eifrig betrieben. Die Spitzen, die der Hamburgische Correspondent am 24. Februar 1925 der Hauptstadt widmete, zielen vor allem klassisch auf die angebliche Verschwendungssucht, der man an der Spree fröne und die man, so der Subtext, natürlich im arbeitenden Rest des Landes finanziere. Im Fokus der Kritik steht dabei eine Ampel, die freilich nichts mit Politik zu tun hat, sowie eine Wintersportanlage im Grunewald, welche sich wegen der Schneelosigkeit im märkischen Winter 1925 als Gegenstand des hanseatischen Spottes ganz besonders aufdrängte.

Erschienen: 24.02.2025
Dauer: 00:10:54

Weitere Informationen zur Episode "Berlin hat wieder Geld oder gibt es zumindest aus"


Rheinischer Karneval 1925

23. Februar 1925

Hamburg war und ist so wenig wie Berlin eine Karnevals-, Faschings- oder Fastnachtmetropole, weshalb der Hamburgische Correspondent am 23. Februar 1925 sich selbstredend extra muros umtun muss, um seiner Leserschaft ein wenig fünfte Jahreszeit ins Haus flattern zu lassen. Die Autorin Liesbet Dill stammt immerhin von der Saar, weshalb sie entsprechend Expertise mitbringt, zu erläutern, was am Karneval spezifisch rheinisch sei und warum sie die Norddeutschen und interessanterweise auch die Süddeutschen diesbezüglich für wenig talentiert hält. Das meiste, was sie zu berichten weiß, kommt dem rheinischen Straßenkarneval, wie man ihn von heute kennt oder zu kennen meint, relativ nahe. Nur vom 11.11. ist noch nicht die Rede, als Beginn des bunten Treibens markiert der Text noch nach alter Sitte den 6. Januar. Für uns ins närrische Getümmel gestürzt hat sich, nein, nicht der Rheinländer Frank Riede, sondern die Berlinerin Rosa Leu.

Erschienen: 23.02.2025
Dauer: 00:09:59

Weitere Informationen zur Episode "Rheinischer Karneval 1925"


Was sagt der Konjunktur-Barometer?

22. Februar 1925

Das Barometer, abgeleitete vom altgriechischen „schwer“ und „Maß“, bestimmt den statischen Luftdruck und wird in der Meteorologie bei Wettervorhersagen benutzt. Der Begriff Barometer wurde aber auch im übertragenen Sinn auf andere Prognoseinstrumente übertragen. 1925 muss das Konzept eines wirtschaftlichen Konjunkturbarometers noch recht neu gewesen sein, da das Hamburger Echo in der Ausgabe vom 22. Februar diesen Begriff ihrer Leserschaft zu erläutern versucht. Der monatlich aktualisierte Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung basiert auf der Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts. Wie das Hamburger Echo das Konzept vermittelte, vermittelt uns Frank Riede.

Erschienen: 22.02.2025
Dauer: 00:13:17

Weitere Informationen zur Episode "Was sagt der Konjunktur-Barometer?"


Das Meisterwerk “Der letzte Mann” in Hamburg

21. Februar 1925

Mit „Der letzte Mann“ gelang dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, dem Autor Carl Mayer und dem Kameramann Karl Freund ein besonderer Stummfilm, der bis heute als Meisterwerk gilt. Das Skript und damit der Film kamen gänzlich ohne Zwischentitel aus, so dass sich die gesamte Geschichte rein über das Schauspiel und die Bildebene erzählt. Die „entfesselte Kamera“ des Films war für die damalige Zeit experimentell und muss die Zuschauer*innen schwer beeindruckt haben. Sie fährt nicht nur durch die Lobby eines Hotels, sondern folgt auch einem Trompetenton über einen Innenhof bis zum Ohr einer Hörenden. In den Zwanzigern kämpfte die verhältnismäßig junge Filmkunst noch um Anerkennung und so stürzten sich sie Filmkritiker auf den Film und erhoben ihn zum Beispiel dessen, was der Film als eigenständige Kunstform erreichen kann. Das äußert sich auch in der Filmkritik anlässlich der Premiere in Hamburg, die ca. zwei Monate nach der deutschen Premiere vom 23. Dezember 1924 in Berlin stattfand, aus dem Hamburgischen Correspondenten vom 21. Februar 1925. Lediglich das durch den einzigen Zwischentitel herbeigeführte Happy-Ende des Films erregte Kritik. In der Tat hatten es weder Murnau noch Mayer gewollt, sie wurden aber von der UFA gezwungen es anzufügen, und taten dies, indem sie sich ironisch davon distanzierten. Der Star-Kult der Zeit lässt sich daran ablesen, dass in der ganzen Kritik die Namen des Autors und des Regisseurs nicht vorkommen, lediglich der Hauptdarsteller Emil Jannings wird genannt. Wir nennen Rosa Leu als diejenige, die für uns heute liest.

Erschienen: 21.02.2025
Dauer: 00:14:47

Weitere Informationen zur Episode "Das Meisterwerk “Der letzte Mann” in Hamburg"


Hering

20. Februar 1925

Seit August 2024 ist Auf den Tag genau bekanntlich nicht mehr in Berlin, sondern in Hamburg beheimatet; allerdings umfasst unser Portfolio seither auch Zeitungen aus Orten, die damals noch nicht gehörten bzw. heute nicht mehr zu Hamburg gehören. Die Hansestadt Lübeck tat dies bekanntlich noch nie, dennoch schauen wir heute, wie bereits vor vier Tagen, ein weiteres Mal über den Tellerrand hinaus und in den Lübecker Volksboten, der – um die Verwirrung komplett zu machen – am 20. Februar 1925 freilich eher in hamburgischen Gewässern fischte. Die großen Heringsbänke, in die uns Rosa Leu gleich entführt, lagen und liegen nämlich vor allem in Nordseegewässern. In diesem Sinne: Ahoi und gute Fahrt!

Erschienen: 20.02.2025
Dauer: 00:07:28

Weitere Informationen zur Episode "Hering"


Vom deutschen Wesen

19. Februar 1925

Die Brüder Julius und Harry Barmat waren Ostjuden, Sozialdemokraten und erfolgreiche Geschäftsleute, bis ihr hauptsächlich auf Lebensmittelimporte spezialisierter Konzern „Amexima“ 1924 überschuldet zusammenbrach. Ein gefundenes Fressen war dies für alle Feinde der Republik schon deshalb, weil verschiedene führende Politiker von SPD und Zentrum mit den Barmats verbandelt waren. Antisemitische Hetze und – wie sich herausstellte: völlig gegenstandslose – Korruptionsvorwürfe u.a. gegen Reichspräsident Ebert in Teilen der extremen rechten und linken Presse waren die Folge, gegen die sich republikanische Stimmen wiederum erbittert zur Wehr setzten. Eine solche Stimme war Paul Levi, einst Anwalt und kurzzeitig Lebensgefährte von Rosa Luxemburg sowie Mitgründer KPD, mittlerweile aber in die SPD zurückgekehrt. Seine heftige Polemik wider die Korruption der Bourgeoisie fanden wir in der Cuxhavener Alten Liebe vom 19. Februar 1925. Es liest Frank Riede.

Erschienen: 19.02.2025
Dauer: 00:09:59

Weitere Informationen zur Episode "Vom deutschen Wesen"


Die Krisen der SPD

18. Februar 1925

Die älteste bestehende Partei Deutschlands, die, wenn man die Vorgängerorganisationen nicht berücksichtigt, 1890 begründete SPD hat in ihrer wechselvollen Geschichte öfters einen krisenhaften Zustand attestiert bekommen oder sich selber attestiert. Verbunden mit einem Rückblick auf die Krisen der Partei im 19 Jahrhundert tut dies auch der Publizist Richard Bahr im Hamburger Anzeiger vom 18. Februar 1925. Der 1867 im lettischen Kurland als Sohn eines Schuldirektors geborene Bahr studierte und promovierte in Kiel, Breslau und Heidelberg. Ab 1904 war er für verschiedene Zeitungen tätig, so auch für die Deutsche Allgemeine Zeitung, und gab zeitweise die „Nationalliberalen Beiträge“ heraus, aber auch 1925 bis 1929 die 14tägig erscheinenden Großdeutschen Beiträge. Letztere verweisen auf sein publizistisches Werben für einen Zusammenschluss Deutschlands mit Österreich, den er auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 propagierte, aber nicht mehr erlebte, da er 1936 verstarb. Heute liest für uns Frank Riede, welche Krisen der Sozialdemokratie er identifizierte.

Erschienen: 18.02.2025
Dauer: 00:10:45

Weitere Informationen zur Episode "Die Krisen der SPD"


Die Kreuzworträtsel-Manie

17. Februar 1925

Wie so viele andere Unterhaltungsphänomene, erfahren wir aus den Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 17. Februar 1925, stammt auch das Kreuzworträtsel ursprünglich aus den USA. Von der allerersten Veröffentlichung eines solchen in der Weihnachtsausgabe der New York World von 1913 erzählt der Artikel nichts, dafür umso mehr von den Blüten, welche der dadurch ausgelöste Kreuzworträtsel-Boom gut ein Jahrzehnt später trieb. Kreuzworträtselweltmeisterschaften gibt es vermutlich auch noch heute (Landesmeisterschaften auf jeden Fall); dass seinerzeit indes auch große Ivy-League-Universitäten ihre Kräfte in dieser Disziplin maßen und Kreuzworträtsel Eingang in Gottesdienste fanden, überrascht vielleicht doch. Noch mehr von der Kreuzworträtsel-Manie weiß Rosa Leu.

Erschienen: 17.02.2025
Dauer: 00:05:19

Weitere Informationen zur Episode "Die Kreuzworträtsel-Manie"


Podcast "Auf den Tag genau"
Merken
QR-Code